Der Jaguar XK 150 im Testspiegel seiner Zeit

Erstellt am 26. September 2013
, Leselänge 8min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Bruno von Rotz 
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Tom Wood - Courtesy RM Auctions 
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RM Auction 
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Fluid Images Courtesy of RM Auctions 
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Archiv 
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Mit dem Jaguar XK 120 hatte die kleine Manufaktur in Coventry einen Erfolg gelandet. Günstiger gab es zu jener Zeit kaum einen ähnlich schnellen Sportwagen zu kaufen. Man hatte die Geschichte, die bereits mit dem SS 90 und SS 100 einen Volltreffer gelandet hatte, wiederholt.

Aus dem XK 120 entstand der XK 140 und schliesslich, 1957, der XK 150. Grösser und komfortabler war er geworden, allerdings nur wenig schneller. Trotzdem empfing in die Autopresse mit offenen Händen.


Jaguar XK 150 Drophead Coupé (1958) - stimmige Aufnahme im Park
Archiv Automobil Revue

Vergleichsmassstab verändert

Der XK 150 hatte eine weit schwierigere Aufgabe zu erfüllen als sein Vorfahre XK 120. Einerseits waren die Komfortansprüche stetig gewachsen, andererseits hatte Jaguar mit den C- und D-Types auf den Rennstrecken gezeigt, zu welchen Leistungen man fähig war. Gerade im Vergleich zum D-Type wirkte der XK 150 im Jahr 1957 bereits etwas altmodisch, unter dem Blech aber konnte man sich nach Bedarf ähnliche Motorleistungen beschaffen, wie sie für die Langstreckenrenner üblich waren.

Den XK 150 gab es nämlich auch mit drei statt der serienmässigen zwei SU-Vergasern und mit Dreimetall-Lagern, 250 PS waren dann die verfügbare Leistung, von Jaguar allerdings nur für den Sporteinsatz empfohlen.

So wurden denn die ersten Testfahrten in den Jahren 1957 und 1958 denn auch meistens mit dem 210-PS-Normalmodell gefahren. Die S-Version und vor allem die aufgebohrte 3,8-Liter-Version aber brachten den XK 150 wieder an die Spitze der Sportwagenliga zurück, denn mit der stärksten Motorisierung waren echte 217 km/h möglich.

Speck angesetzt und komfortabler geworden

Bei der Entwicklung des XK 150 hatte man viel Gewicht auf bessere Platzverhältnisse gelegt. Ungefähr 10 cm an Innenbreite konnten durch bessere Ausnützung des Raumes gewonnen werden, ohne dass der Wagen dadurch aussen breiter wurde. Etwas massiger aber wurde er trotzdem, was Paul Frère in Auto Motor und Sport zu folgenden Bemerkungen führte:
“In seiner zehnjährigen Entwicklung hat das sportliche Jaguar-Serienmodell immer wieder an Gewicht zugenommen. Trotz unveränderter Fahrgestellabmessungen bietet die neue, bequemere Karosserie ferner der Luft eine grössere Widerstandsfläche. So ist der Wagen trotz höherer Motorleistung nur wenig schneller, dafür aber, im gesamten gesehen, ein viel besseres ausgeglicheneres Automobil geworden. Laufruhe, Strassenlage, Lenkung, Federung und innere Bequemlichkeit entsprechen jetzt den Anforderungen, die an einen modernen, schnellen Reisewagen gestellt werde.”

Das Gewicht des XK 150 Coupés wurde von Auto Motor und Sport mit 1’390 kg (vollgetankt) gemessen, zulässiges Gesamtgewicht war 1’600 kg. Wahrlich kein Leichtgewicht.


Jaguar XK 150 FHC (1958) - in einem Verkaufsprospekt
Archiv Automobil Revue
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Der perfekte Reisewagen?

Die Automobil Revue meinte im Mai 1957 nach einer ersten Probefahrt:
“Dem Kenner der früheren Jaguar-Modelle fällt vor allem die ausgezeichnete Rundsicht auf. Die Panoramascheibe mit ihren schlanken Pfosten bietet eine ausgezeichnete und ungestörte Sicht über die nach vorn abgesenkte Haube und die Kotflügel. Das neue, bedeutend grössere Heckfenster bringt ebenfalls eine sehr schätzenswerte Erweiterung des rückwärtigen Blickfeldes mit sich, doch senkt sich das Heck des Wagens so stark ab, dass es für den Fahrer nicht sichtbar ist und man beim Parkieren einige Sorgfalt beim Ab- schätzen walten lassen muss. Der kurze, steife Mittelschalthebel und die sogenannte «Rennhandbremse», deren Knopf nicht beim Lösen, sondern beim Anziehen gedrückt werden muss, sind sehr gut placiert. Die Frontsitze lassen sich um volle 20 cm vor- und rückwärtsverschieben, und auch die Lenksäule lässt sich in ihrer Länge verstellen, so dass die Bedienungsorgane für Fahrer jeder Grosse in die gewünschte Reichweite verlegt werden können. Die hydrostatisch betätigte Kupplung des mit Vierganggetriebe versehenen Wagens zeigte einen sehr reichen Eingriff bei einem allerdings etwas langem Pedalweg. Hervorragend leicht und ohne Mühe lassen sich die Bremsen betätigen, die in ihrer Wirkung wunderbar sanft dosiert werden können.”

Ausgereifte Konstruktion

Über die über zehn Jahre Bauzeit der XK-Reihe war der Sportwagen gereift. ‘The Autocar‘ lobte zum Beispiel das ausgezeichnete Startverhalten in ihrem Bericht aus dem Jahr 1968:
“Der Start bei tiefen Temperaturen erfolgte sofort und ohne Widerwillen, selbst wenn der Wagen nach einer kalten Nacht draussen mit dickem Frost überzogen war.”

Als besondere Zugaben hatten die XK-Modelle unter anderem eine Zahnstangenlenkung, einen Overdrive und Scheibenbremsen erhalten, beides sehr praktische Utensilien. Besonders die Bremsen wurden fast durchwegs nur gelobt, so meinte Paul Frère in der Zeitschrift Auto Motor und Sport:
“Die meisten schnellen Wagen, besonders jene, die erheblich mehr als 1000 kg wiegen, leiden an ungenügenden Bremsen. Das gilt nicht für diesen ‘Scheibenbremsen-Jaguar’. Auch aus Geschwindigkeiten in der Grössenordnung von etwa 175 km/h herab konnten wir Verzögerungswerte messen, die nahe am Maximum liegen. Diese Messungen konnten in schneller Reihenfolge wiederholt werden, ohne dass irgendwelche Anzeichen von Fading einsetzten.”

Auch die Zeitschrift ‘hobby’ setzte sich 1960 in einen XK 150 und lobte das Fahrgefühl:
“Das Fahrzeug kann trotz seiner temperamentvollen Spritzigkeit von jedem normalen Führerscheinbesitzer ohne weiteres sofort im quirligen Stadtverkehr gefahren werden. Wer es mit sanfter Gasdosierung(und nicht etwa mit Gasstößen!) behandelt, fällt auch in den heutzutage üblichen, im Schrittempo dahinkriechenden Fahrzeugschlangen nicht unangenehm auf .... Das schon bei 2'200 Touren liegende maximale Drehmoment stempelt das Fahrzeug zu einem idealen Paßfresser, der selbst hinter engsten, langsam durchfahrenen Kehren bei nachfolgenden gröbsten Steigungen mit sehr viel Elan wieder 'anspringt'.”


Jaguar XK 150 Drophead Coupé (1960) - auf einer staubigen Strasse
Archiv Automobil Revue

Sehr schnelles Auto

Eigentlich war es der Anspruch der Jaguar-Leute, die Höchstgeschwindigkeit in Meilen in der Typenbezeichnung zu verewigen. Beim XK 120 hatte dies noch gut geklappt, aber kaum ein XK 150 dürfte wohl je 150 Meilen pro Stunde schnell gewesen sein. Trotzdem handelte es sich aber auch bei der letzten XK-Version um ein konkurrenzfähig flinkes Auto.

Die Zeitschrift ‘Motor Sport’ fuhr im Jahr 1960 die schnellste 3,4-Liter-Version der XK-150-Reihe, das S-Modell und veröffentlichte einen Bericht unter dem Titel “A Very Fast Car” (ein sehr schnelles Auto):
“Es gibt nur wenige Autos irgendwo in der Welt, die auf derart überzeugende Weise Geschwindigkeit, Beschleunigung, Sparsamkeit und Fahrbarkeit kombinieren wie das Drei-Vergasermodell von Jaguar. Und keiner der Konkurrenten kann auch nur annähernd ein ähnliches Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Dieser kräftige Jaguar nimmt zurecht einen Spitzenplatz unter den besten Hochleistungsfahrzeugen unserer Zeit ein. Und, wenn man besonders anspruchsvoll ist, dann kann man den Jaguar ja jetzt mit 3,8-Liter-Maschine bestellen ...”

Und genau dies tat dann John Bolster, der die 3,8-Liter Version für die Zeitschrift “Autosport” fahren durfte:
“Der XK 150 S ist ein extrem schneller und trotzdem luxuriöser Wagen, der noch mit dem 3,8-Liter-Motor noch angenehmer zu bewegen ist. Natürlich braucht der grössere Motor etwas mehr Benzin, die zusätzlichen Kosten werden aber durch Leistung und Durchzug kompensiert. Wenn man einen Fehler finden will, dann scheint die Lenkung etwas gar viel Widerstand zu bieten und die Synchronisierung ist nicht wirklich überzeugend. Trotzdem ist der Jaguar, alles in allem, ein ausserordentlich komfortabler Wagen mit fast unglaublicher Leistungsfähigkeit und selbst mit dem deutlichen Aufpreis von £ 1000 immer noch viel Auto für das Geld.”

Zu grosser Abstand zum D-Type?

Trotz aller Fortschritte aber wunderten sich einige Testfahrer, ob ein Jaguar-Strassenauto denn nicht etwas näher an die Erfolgsrennwagen der Marke, namentlich den D-Type, kommen könnte. Der begnadete Auto-Journalist und Rennfahrer Paul Frère brachte es in der Zeitschrift Auto Motor und Sport auf den Punkt:
“Obwohl es jetzt Sportwagen gibt, die noch schneller sind als der Jaguar XK 150, gibt es kaum einen anderen, der bei Fahrleistungen, die auch den Ansprüchen verwöhnter Fahrer genügen sollten, noch so ‘zivilisiert’ ist - und das bei einem verhältnismässig niedrigen Preis. Dennoch bleibt die Frage offen, was das Werk auf dem Gebiete sportlicher Fahrzeuge bieten könnte, wenn es statt dieser hochentwickelten, aber eben doch 10 Jahre alten Grundkonstruktion einen Wagen bauen würde, in dem tatsächlich alle inzwischen im Rennsportwagenbau gesammelten Erfahrungen ausgewertet wären.”

Nun, knappe drei Jahre später stand die Antwort im März 1961 auf dem Genfer Automobilsalon und feierte als neuerliche Sensation eine vielbeachtete Weltpremiere: Der Jaguar E-Type hatte manches vom XK 150 geerbt, war aber selbstragende Konstruktion mit aerodynamischer Karosserie und Einzelradaufhängungen rundum viel näher am D-Type als es sein Vorgänger je sein konnte.

Testmesswerte im Vergleich

Die folgende Tabelle vergleicht die Testergebnisse verschiedener Messfahrten in Deutschland, England und den USA. Es wurden unterschiedliche Motorisierungen eingesetzt.

Zeitschrift Modell Leistung 0-60 MPH/0-100 km/h* Vmax MPH Vmax km/h Liter/100 km
The Autocar, 21. Feb. 1958 XK 150 Coupé 210 8.5 114 183.4 13.8
The Motor, 19. Aug. 1959 XK 150S Coupé 250 7.8 122.4 196.9 15.2
Auosport, 5. Juni 1959 XK 150S Coupé 252 7.8 132.3 212.8 14.7
Road & Track, Nov. 1957 XK 150 Coupé 210 9.5 121.6 195.6 12.7
Auto Motor und Sport, 19/1958 XK 150 Coupé 210 10.8* 124.4 200 18.7
Sports Car Illustrated, Aug. 1958 XK 150 DHC 252 9.2 128 206  
Road & Track, Sept. 1958 XK 150 S Roadster 250 7.3 136 219 14.3
Autosport, 17. Juni 1960 XK 150 S 3.8 FHC 265 7.6 136.3 219  
Hobby 11/1960 XK 150 FHC 220 9.2*   215  

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ru******
01.10.2013 (08:35)
Antworten
....warum ist auf dem Titelfoto ein XK 120 zu sehen?
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
01.10.2013 (08:59)
weil er mit der Spiegelung den Titel ideal untermalt ... ;-)
Aber ja, wir hätten einen spiegelnden XK 150 nehmen sollen
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