BMW 328 - der Ursprung der Freude am Fahren

Erstellt am 6. Dezember 2015
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Bruno von Rotz 
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Balz Schreier 
3
Samuel Szepetiuk 
2
BMW Mobile Tradition 
1
Josef Mayrhofer 
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BMW AG 
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Archiv 
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Der BMW 328 ist der wertvollste in Serie gefertigte Rennsportwagen der bald hundertjährigen Marke BMW. Höchstens der BMW M1 geniesst noch höheres Ansehen und mit diesem hat der 328 denn auch viele Gemeinsamkeiten. Vor allem aber ist der BMW 328 einer der fahrerisch attraktivsten Vorkriegssportwagen überhaupt.


BMW 328 (1939) - 7400 Reichsmark teuer, sechsmal so viel wie ein Opel P 4 kostete
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Blendender Kompromiss

Die Geschichte  des BMW 328 ist bekannt und breit dokumentiert, deshalb hier nur eine Kurzversion: Als Ersatz der Sportmodelle 315/1 und 319/1 benötigte BMW Mitte der Dreissigerjahre ein deutlich schnelleres Rennsportmodell, konnte dafür aber nicht viel Geld auslegen. Daher griffen die Entwickler Fritz Fiedler und Rudolf Schleicher auf bestehende Teile zurück. Sie kombinierten den Rahmen des BMW 319 mit dem auf 1971 cm3 vergrösserten Sechszylinder und einem Getriebe von Hurth.


BMW 328 (1936) - der erfolgreichste Sportwagen Deutschlands der Vorkriegszeit
Copyright / Fotograf: BMW AG

Vorne kamen Einzelradaufhängungen mit Querlenkern und  -federn zum Einsatz, die hintere Starrachse wies halbelliptische Blattfedern auf. Die Trommelbremsen wurden hydraulisch betätigt, die Richtung wählte man über eine Zahnstangenlenkung. Die von Fiedler gezeichnete Stahlblech-Werkskarosserie sass auf einem Holzrahmen.

Motorensensation

Das Prunkstück im BMW 328 aber war der Motor, denn mit nur zwei Litern Hubraum entwickelte er 80 PS, eine für die Zeit sensationelle Literleistung ohne Kompressor.


BMW 328 (1939) - 80 PS bei 5000 Umdrehungen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Dies erreichte Schleicher, indem er einen neuen Zylinderkopf aus Aluminium konstruierte, bei dem die Ventile V-förmig verliefen, was halbkugelförmige Brennräume und damit eine bessere Verbrennung des Gemischs ermöglichte. Die Ansteuerung der Ventile erfolgte über eine komplizierte Kipphebelmechanik, aber sie erwies sich als zuverlässig und drehzahlfest.

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Sofort erfolgreich

Schon der erste Einsatz bewies die Genialität der Konstruktion. Beim Eifelrennen des Jahres 1936 am 14. Juni 1936 siegte Ernst Henne auf Anhieb. Und es sollten noch ungefähr 2000 weitere Rennsiege folgen.


BMW 328 (1936) - Ernst Henne im ersten BMW 328 Prototyp vor dem Start zum Eifelrennen 1936
Archiv Automobil Revue

Noch mehr Erfolge weist die Motorkonstruktion auf, denn sie gelangte nach dem 2. Weltkrieg, in Deutschland endet die Geschichte des BMW 328 mit dem Kriegsausbruch - nach England und wurde dort von Bristol noch rund anderthalb Jahrzehnte in zahlreiche Sportwagen verbaut und an Firmen wie Frazer-Nash, AC oder Bertone (Arnolt-Bristol) für deren Konstruktionen geliefert.

Eleganz und Effizienz

Zu verdanken hatte der BMW 328 seine eigenen sportlichen Erfolge nicht zuletzt seiner schlanken, aerodynamisch optimierten Karosserie. Die windschlüpfige Form ermöglichte zusammen mit der geringen Querschnittsfläche Spitzengeschwindigkeiten von deutlich über 160 km/h. Tatsächlich legte der Sportredaktor Sammy Davis ein BMW beim ersten Test in Grossbritannien unter Aufsicht des Königlichen Automobil-Clubs (RAC) auf der Brooklands-Rennstrecke in einer Stunde 164,6 km zurück, die schnellste Runde absolvierte er sogar in 167.3 km/h.


BMW 328 (1936) - Stromlinienhaut von Reinhard von Koenig-Fachsenfeld aus Aluminium
Archiv Automobil Revue

Noch schneller liefen dann aerodynamisch weiter optimierten Modelle mit Sonderkarosserien von Touring, Wendler und anderer Karosseriebauer.

Freude am Fahren

Der berühmte BMW-Slogan “Aus Freude am Fahren” soll auf Fahreindrücke im BMW 328 zurückgehen und tatsächlich ist der BMW 328 ein Juwel, hat man einmal hinter das schwarze Lenkrad des kleinen Roadsters geklemmt. Es herrschen enge Platzverhältnisse, aber auch Langbeiner können den BMW geniessen. Natürlich fühlt sich die Sitzposition vorkriegsmässig an, d.h. der Oberkörper steht aufrecht im Sitz, das Lenkrad knapp vor der Brust. Aber es passt alles im am 16. Dezember 1939 an den Händler P. Anwander in Bregenz ausgelieferten Exemplar mit Fahrgestellnummer 85454.


BMW 328 (1939) - "Freude am Fahren"
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Gestartet wird per Knopf, nachdem die Zündung eingeschaltet ist. Etwas Eingewöhnung ist mit der Zündzeitpunkt-Verstellung angesagt, soll der Motor bereits beim ersten Versuch seinen Dienst aufnehmen. Ansonsten aber nimmt der Sechszylinder seine Arbeit ohne Zicken und mit vergleichsweise geringer Lautstärke auf. Er ist kein Leisetreter, aber die Geräuschentwicklung ist wesentlich zurückhaltender als man es vermuten würde.


BMW 328 (1939) - das Lenkrad hat einen Bakellit-Kranz
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Gänge sind im klassischen “H” angeordnet, der Rückwärtsgang sitzt vorne links. Das Wechseln bereitet keine Probleme, Zwischenkuppeln und Zwischengas vorausgesetzt.


BMW 328 (1939) - der Drehzahlmesser reicht nur bis zur Höchstumdrehungszahl von 5000 U/min
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Vor sich hat man als Fahrer klassische Rundinstrumente, deren Anordnung auch heute noch völlig zeitgemäss wäre.

Die Fahreigenschaften sind beeindruckend, immerhin ist die Konstruktion 80 Jahre alt. Kaum ein anderes Vorkriegsfahrzeug lässt sich so mühelos und sportlich bewegen wie der BMW 328. 80 PS auf 780 kg versprechen Fahrleistungen, die noch in den Siebzigerjahren “State of the Art” waren. Und tatsächlich geht es flott voran, vor allem wenn die Strasse geradeaus führt. Am Berg spürt man dann, dass die rund 125 Nm Drehmoment erst bei 4500 Umdrehungen anliegen und höhere Drehzahlen nötig sind, als man es dem Aggregat angesichts des Alters eigentlich zumuten möchte. Der Ventiltrieb war aber damals schon als ausgesprochen drehzahlfest beschrieben, selbst 6000 Umdrehungen soll er problemlos überstanden haben. Solche Jubelorgien wollen wir dem legendären Reihen-Sechszylinder heute aber nicht mehr zumuten und um Rennsiege fahren wir ja auch nicht.


BMW 328 (1939) - die Windschutzscheibe schützt gut vor dem Fahrtwind
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der BMW 328 ist sicherlich eines der attraktivsten Vorkriegsautos überhaupt, nur leisten können ihn sich nur wenige, denn aus den 7400 Reichsmark sind rund 800’000 Euro geworden.

Selten

Vor 30 Jahren schätzte man die Population der überlebenden BMW 328 - es wurden 464 Fahrgestelle gebaut - noch auf 150, heute dürften es wieder deutlich mehr sein. Entsprechend vorsichtig sollte man also zu Werke gehen, wenn man eines dieser Fahrzeuge erstehen will. Eine gründliche Recherche und Rückfragen beim Hersteller und bei den Clubs kann vor Fehlkäufen schützen.

Wem aber die Freude an einer Fahrt im BMW 328 gegönnt ist, dem strömt erstaunlich viel Wohlwollen vom Gehsteig entgegen, selten wird ein Sportwagen so freudig begrüsst, was sicherlich seinem gleichzeitig eleganten und gesitteten Auftreten zu verdanken ist. Die Freude am Fahren wird einem somit auch von der Umwelt nicht vergönnt.

Wir danken der Firma Goodtimer , die den BMW 328 im Angebot hat, für die Gelegenheit zur Probefahrt.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von go******
13.11.2020 (11:30)
Antworten
Finde das Auto auch sehr toll und schreibt eine beeindruckende automobile Zeitgeschichte. Jedoch die Fotostrecke mit dem Auto von Goodtimer und den Chromteilen, sieht für mich ebenfalls geschmacklos aus. Vor allem auch im Motorraum, wo neben etlichen rostigen Teilen, auf einmal Chrom aufblitzt. So wie gerade noch etwas Geld dafür da gewesen ist, aber für die wesentlichen Teile dann doch gefehlt hat. Das Emblem auf dem Ersatzreifen ist zwar der Zeit entsprechend, aber die verchromte Felge? Über Geschmack lässt sich bekanntlich diskutieren. Und Tuning sieht für mich anders aus.
von de******
25.12.2019 (12:33)
Antworten
Tolles Auto, abe die verchromten Räder sehen kitschig aus.
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