Ennstal-Classic 2013 - Hitzestau statt Regenwetter im letzten Paradies

Erstellt am 29. Juli 2013
, Leselänge 4min
Text:
Marcus Görig
Fotos:
Daniel Reinhard 
114
Beste Bilder
Bildergalerie Ennstal-Classic 2013
Bildergalerie der Racecar-Trophy 2013
Bildergalerie der Racecar-Trophy 2013

Der österreichische Klassiker der Rallye-Szene hat sich neu präsentiert. Neue Streckenführung, neue Abläufe und eine neue Klasse: die Race Car Trophy.

Zur 21. Ennstal-Classic haben sich die Organisatoren Helmut Zwickl und Michael Glöckner eine Vielzahl organisatorischer Änderungen einfallen lassen. Am Donnerstag startete die erste Bergprüfung zum Hausberg des Startortes Gröbming, dem Stoderzinken bereits am frühen Morgen, was einen echten ersten Rallyetag ermöglichte. Dadurch wurde der bis anhin gefahrene Nachtprolog auf den Mittag vorgezogen und so konnte man die traumhaften Landschaften für einmal bei Tageslicht genießen. Die Strecke führte vom Start in Gröbming über den Sölkpass zum Red Bull Ring. Von dort fuhr man über die Triebener Tauern nach Bad Mitterndorf. Nach einem weiteren Klassiker der Ennstal-Classic, der Postalm, erreichte der erste Wagen das Stadtzentrum vom Schladming um 19.00h.

Chopard Racecar Trophy

Eine weitere Neuerung war die Einführung der „Chopard Racecar Trophy“. Die Chopard Racecar-Trophy ist ein eigenständiger Wettbewerb, der an den Tagen der Ennstal-Classic von Donnerstag bis Samstag in Szene gesetzt wird. Ausgetragen wurde die RCT auf Schauplätzen rund um und in Gröbming, wo auch das Fahrerlager etabliert war.


Lancia 037 Rallye EVO2 (1982) an der Racecar-Trophy 2013 im Rahmen der Ennstal-Classic 2013
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Sämtliche Fotos der Racecar-Trophy befinden sich in der dedizierten Bildergalerie .

Breitgefächertes Fahrzeugfeld

Willkommen waren historische Formel-Rennwagen, zweisitzige Rennsportwagen, Prototypen, GTs und Rallye-Autos bis Baujahr 1982.

Die Besitzer konnten ihre Juwelen in einer wunderschönen Umgebung pilotieren und gleichzeitig das Flair der Ennstal-Classic erleben, komprimiert in einem sportlichen Vierkampf, dessen Finale der Ennstal-Classic am Samstag in Gröbming ein weiteres Highlight verlieh.

Die Rallyes der letzten Jahre wurden häufig von Regen, Murenabgängen und Temperaturen von bis zu 2° Celsius überschattet. Bei der diesjährigen Ennstal Classic spielte das Wetter mit. Sonne pur und Temperaturen an die 30°c, die den Teams und den Rennwagen alles abverlangte. 


Porsche 356 1500 S (1954) an der Ennstal-Classic 2013
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard
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Mercedes-Benz 380 SL (1985)
Cadillac Seville 4.5 (1990)
Toyota Celica 2000 GT Liftback (1989)
Ferrari F550 Maranello (1999)
0041 44 856 11 11
Oberweningen, Schweiz

Hitzestau im BMW 328 MM Roadster

Wir nahmen in einer automobilen Ikone teil, einem der drei BMW 328 Mille Miglia Roadster von 1940.


BMW 328 MM (1939) an der Ennstal-Classic 2013
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Unser 328er hielt thermisch problemlos durch, allerdings verwandelte er das Cockpit in einen Ofen. Im Fußraum entstand eine Hitze, die die Schuhsohlen aufheizten, dass Fahrer und Beifahrer nach 300 km einen eiskalten Gebirgsbach zum Kneipp-treten nutzten. Alles am Renn-328er war unvorstellbar heiß: Die Aluminiumhaut, das Bodenblech, Motor und der Fächerkrümmer strahlten eine Höllenhitze ab.

Am frühen Morgen des ersten Rallyetages hatte die Luft bereits über 20° Celsius als wir zum BMW Group Classic Trailer kamen; da stand er unser Rennwagen. Ohne die übliche stundenlange Einweisung wurde uns der Wagen übergeben. Vergleicht man dieses Startprozedere mit dem von anderen Mille Miglia Siegerwagen, wie dem Mercedes-Benz 300 SLR, dann war das nahezu profan. Kein minutenlanges Aufwärmen mit Warmlauf-Zündkerzen, sondern einfach einsteigen und losfahren. Fertig!

Schon nach wenigen Kilometern ist man eins mit dem Roadster. Die Sitzposition ist trotz der extrem leichten Rennsitze sehr gut. Die Sitze bestehen aus Aluminiumrohren, die an Sonnenliegen erinnern. Anstatt eines Federkerns wurden zwischen den Alurohren mehrere Lederriemen gespannt, auf die eine dünne gefütterte Stoffauflage befestigt ist. Nie hätte ich gedacht, dass das Lightweight-Gestühl trotz meiner 1,86 m so bequem sein kann und ausreichend Seitenhalt bietet.

Der Zweilitermotor ist überraschend unproblematisch und dabei so leistungsvoll. Ab 1.500 U/min liegt ausreichend Leistung an und ab 3.000 U/min geht der 328 nach vorne, dass man es kaum glauben mag. Besonders überraschend ist dabei das breite Drehzahlband zwischen 2.500 und 4.500 U/min. Und dann dieser Sound! Bei jeder Ortsdurchfahrt drehen sich die Köpfe der Passanten. Unter Last beschert die scharfe Nockenwelle ein akustisches Stakkato, das durch das lange Auspuffrohr unverkennbar einen Rennwagen ankündigt. Noch besser ist aber das Geprassele unter Zug. Der Sound erinnert an mehrere Gewitter, die gleichzeitig direkt hinter dem Wagen niedergehen. 


BMW 328 MM (1939) an der Ennstal-Classic 2013
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Von Le Mans via Mille Miglia zur Ennstal-Classic

1939 – für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans ließ BMW von dem Karosseriebauer Touring in Mailand auf dem 328-Fahrgestell ein Coupé herstellen. Ein Jahr später – bei der Mille Miglia 1940 – setzte BMW diesen Wagen und das sogenannte Kamm-Coupé sowie drei Roadster auf der Basis des 328 ein. Die Roadster galten als Prototypen für das geplante Nachkriegsmodell. Sie wurden als Typ Mille Miglia bezeichnet, weil sie nur bei diesem Rennen als Werkswagen eingesetzt waren.

Die Leistungsangaben für den Rennmotor, der in Hubraum (1971 cm³) und technischem Aufbau dem Serientriebwerk entspricht, ist 130 PS bei 5000 bis 5800/min und einem Verdichtungsverhältnis von 9,15 : 1. Das Leergewicht des Roadsters (mit 100 l Kraftstoff) liegt bei 700 kg! Was das an Fahrdynamik bedeutet ist für einen über 70 Jahre alten Wagen kaum zu beschreiben. Als Höchstgeschwindigkeit sind 200 bis 220 km/h erreichbar.

Huschke von Hanstein und Walter Bäumer gewannen die 1940 Mille Miglia mit dem Le-Mans-Coupé von Touring überlegen in 8:54:46,3 Stunden bzw. mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 166,7 km/h. Drei Roadster den fünften Platz der 1940er Mille Miglia, die als Dreieckkurs von Brescia nach Mantua, Cremona und zurück gefahren wurde. Die beiden anderen Roadster belegten die Plätze drei und sechs. Das Kamm-Coupé, fiel aus. Der letzte 328 Mille Miglia Roadster, die in Liebhaberkreisen bekannte „Bügelfalte“ (wegen einem stilistischen Knick im Kotflügel) wurde vor wenigen Jahren für über 4 Millionen Euro verkauft. 

Die Ennstal Classic 2013 war ein voller Erfolg für die Teilnehmer. Mit Spannung sieht die Fangemeinde auf das Jahr 2014. Man darf gespannt sein, welche Neuerungen sich das Organisationsteam für das Folgejahr einfallen lässt.

Viele Fotos des BMW 328 MM befinden sich in der Fotogalerie .

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