Ziemlich kompakt ist der Austin-Healey 100, vor allem wenn man moderne Massstäbe anwendet. 383,5 cm ist er lang, 152,4 cm misst er in der Breite und die bei einem Radstand von 228,6 cm. Da ist sogar ein eigentlich kleiner Mazda MX-5 der ersten Generation in den Ausmassen jeweils rund 15 cm grösser und dies bei sogar noch leicht kürzerem Radstand.
Aber damals, als der Austin-Healey 100 der Öffentlichkeit erstmals gezeigt wurde, da war dies kein Thema. Denn interessant war vor allem das Leistungsvermögen in Kombination mit dem Preis.
Der Vergleich mit einem fast 40 Jahre später entstandenen Mazda MX-5 ist übrigens nicht ganz abwegig, denn beide waren der britischen Roadster-Tradition verpflichtet und offerierten einen einfach zu wartenden Vierzylindermotor als Antrieb. Aber selbst mit all den technischen Verbesserungen der Sechziger- bis Achtzigerjahre dürfte es einem MX-5 wohl gar nicht so einfach fallen, den Austin-Healey 100 abzuhängen.
Hochgeschwindigkeitsfahrt im Prototypen
Offiziell vorgestellt wurde der Austin-Healey 100 an der Earls Court Motorshow in London im Oktober 1952. Doch bereits zuvor hatten Donald Healey und dessen Sohn den weit herum bekannten Journalisten und Testfahrer John Bolster eingeladen, den zu diesem Zeitpunkt noch Healey Hundred genannten und von Gerry Coker eingekleideten Sportwagen auszuprobieren. Weil Bolster zu jener Zeit in Paris beschäftigt war, beschloss man, die Probefahrt in Belgien/Ostende und auf der berühmten Jabbeke-“Teststrecke” durchzuführen.
Der gefahrene Roadster war einer der wenigen Prototypen, die zu jenem Zeitpunkt existierten, und entsprach weitgehend der Version, die dann in London offiziell vorgestellt wurde. Eine Ausnahme zur späteren Serie bestand im Getriebe, denn Bolster konnte noch vier Gänge schalten. Er wies allerdings in seinem Testbericht in der Zeitschrift “Autosport” darauf hin, dass der erste Gang eigentlich unnötig war und er sogar bei den Beschleunigungsmessungen mit dem zweiten Gang angefahren sei.
Weil die Testfahrten auf der ungesperrten Strasse absolviert wurden, waren viele Versuche nötig, bis die Verkehrsverhältnisse eine gute Messung zuliessen. Der Wagen habe die vielen Fahrten auch jenseits von 160 km/h ohne Stresssymptome überstanden, schrieb Bolster in seinem Beitrag.
Rund 106 Meilen pro Stunde erreichte Bolster mit abgesenkter Frontscheibe im Mittel aus beiden Richtungen, also 170,5 km/h. In 10,5 Sekunden beschleunigte er den Wagen von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h), 37,2 Sekunden vergingen, bis der Healey 100 MPH (160.9 km/h) erreicht hatte. Dies waren sportliche Fahrleistungen, die aber nicht mit schlechtem Langsamfahrkomfort erkauft werden mussten. Der Healey verhielt sich in allen Lagen vorbildlich, wurde als nicht besonders laut beschrieben und schaffte 25 Meilen pro (britische) Gallone (umgerechnet 11,3 Liter pro 100 km).
Auch das Fahrverhalten lobte Bolster, es sei weitgehend neutral. Und Kurven umrunde der Sportwagen mit wenig Seitenneigung, selbst der Komfort sei für einen Wagen dieses Typs ausreichend, erwähnte der britische Autoexperte.
Es gab also kaum etwas zu kritisieren und entsprechend notierte Bolster: “This is certainly the most important new model that we have seen for some time” (Dies ist sicherlich eines das wichtigste neue Automodell, das wir in der letzten Zeit gesehen haben).
Nur drei Vorwärtsgänge
Nur kurze Zeit später wurde Donald Healeys Sportwagen dann in London offiziell vorgestellt.
Schon früh hatte man sich mit Austin einigen können und der Wagen hiess nun offiziell Austin-Healey 100. Diese Zusammenarbeit war kein Zufall, denn Donald Healey hatte, um die Kosten für seinen neuen Roadster niedrig zu halten, auf viele Serienteile aus dem Austin-Ersatzteilregal zurückgegriffen.
Ganz besonders galt dies für den Motor aus dem eingestellten Austin A90, der mit dem Healey ein zweites Leben erhielt.
Die Automobil Revue berichtete bereits Ende Oktober 1952 detailliert vom Autosalon in Grossbritannien:
“Mit dieser Neukonstruktion tritt der erfahrene Sportwagenbauer Donald Healey, dessen früheres, mit einem Riley-2,4-Liter-Motor versehenes Modell auch in der Schweiz bekannt ist, in den Bannkreis von Austin, nachdem er durch den internationalen «Nash-Healey», den der Turiner Pinin Farina karossiert, auch in den USA bekannt geworden war.
Mit dem neuen Sporttyp, der seinen kombinierten Namen erst während der ersten Tage der Londoner Ausstellung erhielt und von dem augenblicklich nur wenige Prototypen existieren,
erhält England ein neues Hochleistungsfahrzeug, dessen niedriger Preis von 850 Pfund (ohne Umsatzsteuer) Überraschung ausgelöst hat. Dieser ist vor allem der einfachen Grundkonstruktion
sowie der Verwendung unveränderter Austin-Serienteile wie dem A90-Motor und dem Getriebe, der Lenkung und der Vorderradaufhängung zu verdanken. Das aus verschweissten
Längsträgern bestehende und mit einer Kreuzverstrebung verstärkte Fahrgestell ist durch ein dazu gehörendes Torpedo besonders torsionssteif. Die durch lange Halbelliptikfedern und einen Panhard-Querstabilisator geführte Hinterachse entspricht der sogenannten Underslung-Bauart, bei der die Chassislängsträger unter der Hinterachse liegen.
Der 2,66-Liter-Vierzylindermotor leistet 91 Brems-PS bei 4000 U/min, kann aber wesentlich schneller drehen. Das Vierganggetriebe wird durch den Laycock-De-Normanville-Schnellgang ergänzt, und in dieser Ausführung hat der Prototyp anlässlich von Versuchen auf der belgischen Strasse Jabbeke-Aeltre 180 km/h erreicht.
Die zweisitzige, offene Roadster-Karosserie gehört zum Schönsten,was im Sportwagenbau jemals entworfen wurde, und steht selbst den schnittigsten italienischen Baumustern in keiner Weise nach. Trotzdem ist die Innenbreite sehr reichlich bemessen. Besondere Erwähnung verdient die Windschutzscheibe, deren unterer Rand nach vorn gezogen werden kann, wodurch die Scheibe fast horizontal a n der Karosserie aufliegt und als Windablauf dient.
Voraussichtlich wird der Austin-Healey «Hundred» in grösserer Serie und in Zusammenarbeit der beiden Firmen gebaut werden. In den Exportländern, somit also auch in der Schweiz, übernehmen die Austin-Organisationen den Vertrieb.”
Am Londoner Salon sprach man also noch von vier Gängen, doch für die Serie wurde dann der erste Gang zwecks Schonung des knapp dimensionierten Differentials gesperrt und der Wagen mit drei Gängen (plus Overdrive) ausgeliefert. Entsprechend lag der erste Gang dann hinten, wo sonst eigentlich der zweite Gang zu finden war, der zweite dann links vorne in der Ebene daneben und der dritte direkt dahinter. Alle Gänge waren synchronisiert.
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Auf den amerikanischen Markt ausgerichtet
Natürlich wollten Healey und Austin den neuen Sportwagen vor allem auch in den USA verkaufen, wo die Begeisterung für britische Roadster gross war zu jener Zeit. Entsprechend wichtig waren die Ergebnisse der Testfahrten, die das amerikanische Magazin “Road & Track” im Sommer 1954 durchführen konnte. Der Serienwagen mit drei Gängen (und Overdrive) erreichte im Schnitt eine Höchstgeschwindigkeit von 102,3 MPH (164,6 km/h) und beschleunigte in 11,7 Sekunden von 0 auf 60 Meilen. Die Viertelmeile wurde in 18,1 Sekunden absolviert. Der Verbrauch pegelte sich zwischen 20 und 27 Meilen pro Gallone (8,7 bis 11,8 Liter pro 100 km) ein.
Der vollgetankt 1120 kg (Leergewicht 975 kg) schwere und in den USA 2985 USD teure Testwagen konnte die Redaktion in allen Aspekten überzeugen: “Summed up, the Austin-Healey 100 is an exceptionally good all-around sports car – one which will satisfy the desires of a large number of enthusiasts who want moderate price, good look, high performance and reliability.” (Zusammengefasst ist der Austin-Healey 100 ein ausserordentlich guter Allzweck-Sportwagen – ein Auto, das die Wünsche einer grossen Zahl von Enthusiasten erfüllt, die einen günstigen Preis, gutes Aussehen, sehr gute Fahrleistungen und Zuverlässigkeit erwarten.)
Um den Ruf seines Sportwagens zu stärken, hatten ihn Donald und Sohn Geoffrey Healey schon früh im Rennsport eingesetzt. So wurden beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1953 die hervorragenden Plätze 12 und 14 eingefahren. Auf dem Salzsee von Bonneville wurden mit einem aerodynamisch optimierten Healey Geschwindigkeitsrekorde gebrochen. Und mit dem Typ 100 S baute man einen für den Rennsport optimierten Spezialtyp für den Amateurrennfahrer.
Die Anstrengungen lohnten sich, die Käufer rissen sich dies- und jenseits des Atlantiks um den kompakten Austin-Healey 100.
Zwischen 1953 und 1955 wurden 10'030 Austin-Healey 100 BN1 gebaut, dann erschien die technisch verbesserte, äusserlich aber kaum veränderte BN2-Variante mit vier Gängen. Danach erhielt der Austin-Healey zwei Zylinder zusätzlich.
Kann noch heute überzeugen
Man sitzt tief und geborgen im frühen Austin-Healey 100 BN1. Die Kübelsitze vermitteln genug Seitenhalt, die Bedienungselemente liegen in Griffnähe. Das synchronisierte Dreiganggetriebe lässt sich exakt und problemlos schalten, überhaupt gibt sich der Wagen für ein inzwischen über 70-jähriges Fahrzeuge erstaunlich handzahm.
Sogar der Oldtimer-Neuling kommt mit ihm gut zurecht, wie sich bei den Fotofahrten zeigte, sobald er sich einmal mit dem grossen und nahe am Oberkörper positionierten Lenkrad angefreundet hat. Und herausgefunden hat, dass man die Türen nur von innen und mit einem Drahtzug öffnen kann. Und dass der Blinker nicht durch einen Hebel rechts vom Lenkrad, sondern durch einen Schalter auf der Nabe bedient werden muss.
Im Nu ist das Verdeck versenkt, vor allem wenn man dazu auf vier Hände zählen kann. Dann ist die Rundumsicht perfekt und man kriegt auch einiges von den gar nicht so lauten, aber durchaus wohltönenden Lautäusserungen des Austin-Vierzylinders mit.
Dieser grossvolumige Motor prägt den Charakter des Wagens. Er zeigt sich elastisch und liefert viel Drehmoment, so dass ein vierter Gang nicht fehlt, zumal man bei höheren Geschwindigkeiten ja auf den elektrisch zuschaltbaren Overdrive zurückgreifen kann.
Kurvenfahren ist dank exakter und leichtgängiger Lenkung und übersichtlicher Dimensionen eine reine Freude und man kann im Verkehr immer mühelos mithalten. Die klassischen Reifen verhindern ein allzu straffes Abrollen.
Es ist leicht verständlich, warum der frühe Austin-Healey für Jahrzehnte der Traum vieler Odltimer-Enthusiasten war. Erst in den letzten Jahren wird er in der Gunst von Käufern, genauso wie seine Konkurrenten von damals, von moderneren Sportwagen verdrängt, was sich in sinkenden Marktpreisen äussert. Die Unterhaltskosten halten sich dank der vielen Grossserienkomponenten und der vergleichsweise grossen Produktionsmenge in Grenzen und der frühe Austin-Healey 100 ist sicherlich einer der sympathischsten Oldtimer überhaupt.
Wir danken der Touring Garage für die Gelegenheit, den Austin-Healey 100 für eine Fotofahrt entführen zu können.










































































































































































































































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