Es scheint so, dass die Autos, über die der Verfasser berichtet, immer jünger werden. Vielleicht, weil das Interesse an Vorkriegsautos eher abgenommen hat, oder auch, weil vermutliche oder vermeintliche "Zukunftsklassiker" und Hypercars immer häufiger auf Oldtimerveranstaltungen zu finden sind. Es ist also schon ein paar Jahre her, dass ich über ein richtig altes Auto berichtet habe. Damals nämlich, als der 1894er Benz Victoria des PS.Speichers als das älteste Auto Deutschlands zum Straßenverkehr zugelassen wurde. Zeit also, sich wieder einmal einem ganz alten Auto zu nähern. So eines entdeckte ich zufällig bei Sascha – einem Händler, dessen letzte Silbe des Nachnamens mit dem Firmennamen identisch ist und der oft interessante Autos "jenseits des Mainstreams" im Angebot hat. Gut gelaunt stellt er mir seinen Neuzugang, einen Austin 7, vor. Nun ist Zeit, sich näher mit der alten Dame zu befassen.
Alte Dame mit Stil
Man sieht ihr das Alter von fast 100 Jahren nicht an. Laut Zulassung ist sie ein “offener Personenwagen“ und wurde am 1. Juli 1927 erstmals zugelassen. Ohne Zweifel hat sie sich für ihr Alter sehr gut gehalten mit ihrer dunkelblauen Karosserie, den schwarzen Kotflügeln und dem schwarzen Verdeck. "Cooles kleines Cabrio", denkt man spontan.
Doch nähern wir uns ihr mit dem gebührenden Respekt. Zum Austin 7 ist generell anzumerken, dass der Kleinwagen – es ist übrigens der zweite "Seven" – in dieser Entwicklungsstufe ein Jahrzehnt lang bis 1932 in mehreren Karosserieversionen gebaut wurde. Er war damals ausserordentlich erfolgreich, nicht nur auf dem britischen Markt. Es gab diverse Lizenzbauten, zum Beispiel von Dixi (später BMW), und in Frankreich gab es ihn als Rosengart LR 2. Manchmal wurde auf den Leiterrahmen des "Seven" auch eine andere Karosserie gesetzt. Ein Beispiel dafür ist etwa der Austin 7 aus dem Bestand der Autoworld Brüssel, der von der Swallow Sidecar Company, aus der später die Marke Jaguar hervorging, "eingekleidet" wurde.
Uns interessieren natürlich die technischen Daten des Wagens, wobei die Angaben in den amtlichen deutschen Papieren zugrunde gelegt werden sollen. Äusserlich wirkt der nur 2,64 Meter kurze und 1,17 Meter breite, aber immerhin 1,69 Meter hohe Wagen recht zierlich. Unwillkürlich assoziiert man mit diesem Auto den Begriff "Kindchenschema". Daran ändern auch die "19-Zöller", auf denen es steht, nichts. Diese sind nämlich ganz schmale Drahtspeichenräder mit Reifen in der heutzutage ungewohnten Dimension 3.50-19.
Eher bescheiden fallen auch die Daten des Vierzylinder-Motors aus: Bei einem Hubraum von 747 ccm leistet er 8 kW (das sind umgerechnet fast 11 PS) bei 2400 Umdrehungen in der Minute, was dem nur 430 kg schweren Auto eine Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h ermöglichen soll. Dies mag zutreffen, doch wird sich der Fahrer vor größeren Steigungen wohl die bange Frage stellen, ob das Hindernis aus eigener Motorkraft überwunden werden kann.
Spiel- und Fahrzeug in einem
Anders als bei der oben erwähnten Victoria erfolgt die Fahrtrichtungsanzeige nicht mit einer roten Kelle, sondern mittels orangefarbener, blinkender Pfeile rechts und links.
Der Verfasser fragt sich, ob der Händler dieses sympathische kleine Auto wirklich verkaufen will, wäre es doch ein "Maskottchen" mit hohem Wiedererkennungswert. Jedenfalls erzeugt sein Anblick einfach gute Laune, schon weil es im Vergleich zu heutigen Automobilen fast wie ein Spielzeug wirkt.
Hierzu passt auch eine Anekdote aus dem Jahre 1929. Als der Automobilproduzent Lucien Rosengart in seinem Austin-7-Lizenzbau namens LR 2 sitzend vor einem Gourmettempel in Paris eine attraktive Dame einem großen Packard entsteigen sah, fragte er sie, weshalb sie denn solch einen Lastwagen fahre. Sie fragte zurück, weshalb er denn Autos für Kinder herstelle und auch noch damit spiele. Die besagte Dame hat Rosengart später geheiratet.
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Porsche
Ein Volkswagen aus England
Doch dieses kleine Auto nur als "niedlich" einzustufen, würde dessen historischer Bedeutung nicht gerecht. Vielmehr steht es in einer Reihe mit anderen die Massenmotorisierung prägenden Fahrzeugen wie etwa dem deutlich größeren Ford T und anderen kontinentaleuropäischen Varianten des Themas "Volkswagen". Nach Angabe des Austin-Seven-Clubs Deutschland wurden immerhin beachtliche 290'000 Austin Seven gebaut. Durch die Massenproduktion konnte der Verkaufspreis so stark gesenkt werden, dass er sich dem eines voll ausgestatteten Motorrads mit Beiwagen annäherte. Mit dem Erscheinen von Autos wie dem Austin 7 verschwanden auch die zuvor populären "Cyclecars" weitgehend vom Markt. Nicht unerwähnt soll hier bleiben, dass der erste Lotus von Colin Chapman – der Lotus Mark I von 1948 – auf einem Austin 7 basierte.
Aus Zeitmangel kommt es nicht zu einer Probefahrt. Es schwingt wohl auch ein wenig der Respekt vor der alten Technik mit. Denn immerhin soll der zweite Gang nun gar nicht dort liegen, wo man ihn vermutet, selbst wenn man – was denn sonst? – Zwischengas gibt. Der rüstigen alten Dame Austin 7 sind jedenfalls noch viele erfüllte Automobiljahre zu wünschen. Vielleicht spielt man ihr zu Ehren einmal den Song "My little Baby" von 1929 ab. Er handelt vom Austin Seven, of course.
















































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