Ein-Marken-Versteigerungen haben sich in den letzten Jahren zu einem Schwerpunkt in der Versteigerungsszene entwickelt. Ob Mercedes-Benz, Aston Martin, Ferrari oder Porsche, alle diese Marken bieten Gewähr für ein zahlungskräftiges Bieterpublikum und attraktive Lotlisten.
Nachdem RM/Sotheby’s vor einem Jahr eine exklusive Ferrari-Auktion in Maranello durchgeführt hat, war am 27. Oktober 2018 eine Versteigerung ausschliesslich mit Porsche-Fahrzeugen und Automobilia angesagt. Als Austragungsort wurde das neue Porsche Experience Center in Atlanta (USA) gewählt, eine riesige Anlage, die Porsche-Enthusiasten aus ganz Nordamerika anzieht.
63 Fahrzeuge
Neben den zahlenmässig bedeutsamen Automobilia kamen 63 Fahrzeuge, darunter ein Traktor und ein Chassis ohne Karosserie unter den Hammer. Der Gesamtwert betrug fast USD 38 Millionen. Pro Fahrzeug-Lot wurden etwa USD 580’000 erwartet im Schnitt. Über die Hälfte der Fahrzeuge wurde ohne Mindestpreis angeboten.
Gutes Verkaufsergebnis
Mit 53 verkauften Fahrzeugen betrug die Verkaufsquote 84 Prozent. Im Schnitt wurde 87 Prozent des mittleren Schätzwerts geboten, einzelne Abweichungen nach oben und unten waren allerdings beträchtlich.
So konnte ein Porsche 911 E Targa von 1971 statt für USD 125’000 bis 150’000 für nur gerade USD 62’200 (EUR 59’136, CHF 67’200) gekauft werden.
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Junges Angebot
Mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren bot RM/Sotheby’s eine vergleichsweise jugendliche Flotte an. Nur 36 der 63 Fahrzeuge waren bereits im Oldtimeralter, während 17 zu den Youngtimern (20 bis 30 Jahre alt) gehören und 10 zu den Neo-Klassikern (unter 20 Jahre alt).
Der Porsche Carrera GT (Lot 207) wurde noch vor der Versteigerung zurückgezogen.
911-Dominanz
Natürlich schwangen 911-Modelle obenauf, immerhin 41 sind es, während der 356 mit 9 Fahrzeugen vertreten ist. Beim Rest handelt es sich um ein Gemisch von 914, 924, 944, 928 sowie 956, 959 und 918.
Kein 911-er bei den Überfliegern
Die im Vergleich zum gesetzten Schätzwert am besten abschneidenden Fahrzeuge waren aber nicht die 911-Modelle, sondern Exemplare aus den Baureihen 356, 959, 924 und der Traktor.
Der 924 von 1980 wurde statt der erwarteten USD 30’000 bis 40’000 für immerhin USD 53’760 (EUR 47’309, CHF 53’760) an einen neuen Besitzer vermittelt, ein neuer Rekord für diesen Typ.
959 Paris-Dakar für fast USD 6 Millionen verkauft
Zu den Gewinnern der Versteigerung gehörte sicherlich der Porsche 959 Paris-Dakar von 1985.
Geschätzt war er auf USD 3 bis 3,4 Millionen, doch die Bieter trieben den Hammerpreis bis auf USD 5,4 Millionen hoch, was einen Verkaufspreis von USD 5,945 Millionen (EUR 5,232 Millionen, CHF 5,945 Millionen) bedeutete.
Drei 356 Speedster mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen
Ein interessantes Spektrum von 356 Speedstern kommt in Atlanta unter den Hammer. Bei Lot 203 handelt es sich um einen weitgehend originalen und unrestaurierten 356 A 1600 Super Speedster von 1956 (Chassis 82780), für den USD 500’000 bis 600’000 angesetzt sind.
Bezahlt wurden schliesslich USD 494’500 (EUR 435’160, CHF 494’500), was etwas unter den Erwartungen lag.
Lot 173 war im Gegensatz dazu eher als Scheunenfund anzuschauen, der nun einer Komplettrestaurierung bedarf, der aber im Grundsatz zu laufen schien. Der Porsche 356 A 1600 Super Speedster von 1958 sollte auf USD 125’000 bis 150’000 kommen. Er wurde ohne Mindestpreis angeboten, kam aber schliesslich auf USD 307’500 (EUR 270’600, CHF 307’500), also auf mehr als das Doppelte des mittleren Estimates.
Lot 212 schliesslich stammte aus demselben Jahr, ist aber ein “normaler” 356 A Speedster mit Chassisnummer 84381. Der Wagen war restauriert, der Motor “optimiert”. Nun wurden USD 300’000 bis 350’000 als Wert angesetzt. Doch soviel wollten die Bieter nicht bezahlen. USD 280’000 (EUR 246’400, CHF 280’000) reichten, um Besitzer dieses Wagens zu werden, also sogar weniger als für den Scheuenfund.
Zwei Carrera RSR mit Palmares
Der Carrera RSR gehört zu den seltenen Rennderivaten des 911 Carrera 2.7 RS. Nur 55 2,8-Liter-RSR wurden für die 73-er-Saison gebaut. Chassis 9113600756 wurde in den USA bei Rennen eingesetzt und kam auf den 4. Platz bei den 12 Stunden von Sebring und den 11. Gesamtplatz bei den sechs Stunden von Watkins Glen.
Jetzt sollte der Rennwagen für USD 2,4 bis 2,8 Millionen einen neuen Besitzer finden.
Etwas günstiger war der RSR 3.0 mit Chassisnummer 9115609121 angesetzt. USD 2 bis 2,2 Millionen sollten es für einen der 52 gebauten RSR 3.0 sein, der mit einer europäischen Renngeschichte daherkommt. Immerhin gewann er das Gesamtklassement der GT-Europameisterschaft von 1975.
Offenbar fanden die Bieter nicht genug Gefallen an den beiden RSR, denn mit Höchstgeboten von USD 2,0 respektive 1,775 Millionen blieben sie unter den Mindestpreisen, die die Einlieferer wohl erwartet hatten.
Ungeliebter 956 mit Le-Mans-Geschichte
Ein Porsche 956 von 1983 mit Chassis-Nummer 956-110 hätte eigentlich zum teuersten Fahrzeug werden sollen. USD 5,25 bis 6,75 Millionen waren als Estimate angesetzt. Der Wagen gewann 1983 die 1000 km von Brands Hatch und das CamAm-Rennen Road Atlanta. 1983 und 1984 trat der Gruppe-C-Rennwagen auch in Le Mans an. RM beschrieb den Wagen im Katalog als das originalste überlebenden Exemplar der zehn Autos, die an WEC-Privatfahrer verkauft wurden.
Das reichte offenbar nicht, mehr als USD 3,5 Millionen wollte niemand bieten, womit man deutlcih unter den Erwartungen lag.
Der neue 993 Turbo zum Fabelpreis
Porsche hat bekanntlich im Rahmen “Project Gold” einen Porsche 993 Turbo aus Einzelteilen neu aufgebaut. Er wurde nun für einen guten Zweck versteigert und zwar für imposante USD 3,415 Millionen (EUR 3,01 Millionen, CHF 3,415 Millionen).
Ob der Wagen je auf der Strasse fahren darf ist angesichts des Baujahres 2018 unsicher.
Angebotene und verkaufte Fahrzeuge
Die folgende Tabelle listet alle angebotenen und verkauften Fahrzeuge mit Schätzpreisen, Höchstgeboten und Verkaufspreisen. Die Preis-Umrechnung erfolgte zum am Auktionstag gültigen Tageskurs. Alle Angaben ohne Gewähr.
| Lot | Fahrzeug | Jahr | USD Est von | USD Est bis | USD HG | USD VP | CHF VP | EUR VP | % Est | S |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 161 | Porsche 356 A Training Chassis | 1956 | 100'000 | 150'000 | 100'000 | 112'000 | 112'000 | 98'560 | -10.4%
|
V |
| 162 | Porsche 944 | 1984 | 35'000 | 45'000 | 26'000 | 29'120 | 29'120 | 25'625 | -27.2%
|
V |
| 163 | Porsche 911 Carrera 4 'Wide-Body' | 1994 | 125'000 | 150'000 | 105'000 | 117'600 | 117'600 | 103'488 | -14.47%
|
V |
| 164 | Porsche 928 GTS | 1994 | 90'000 | 120'000 | 100'000 | 112'000 | 112'000 | 98'560 | +6.67%
|
V |
| 165 | Porsche 911 Turbo Coupe | 1989 | 125'000 | 175'000 | 175'000 | 196'000 | 196'000 | 172'480 | +30.67%
|
V |
| 166 | Porsche 911 E Coupe by Karmann | 1969 | 70'000 | 90'000 | 72'500 | 81'200 | 81'200 | 71'456 | +1.5%
|
V |
| 167 | Porsche 911 Turbo S | 1997 | 300'000 | 400'000 | 390'000 | 434'000 | 434'000 | 381'920 | +24%
|
V |
Alle Angaben ohne Gewähr
Legende: Spalte S = Status (V = Verkauft, N = Nicht verkauft, Z = Zurückgezogen, U = Unter Vorbehalt)
Est = Estimate/Schätzwert, HG = Höchstgebot, VP = Verkaufspreis




















































































































































































































































































































































































































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