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Das Oldtimer-Museum RMK in Istanbul ist eine Reise wert

Erstellt am 26. Dezember 2013
, Leselänge 6min
Text:
Laurent Missbauer
Fotos:
Laurent Missbauer 
24
Orion Lafuente Missbauer 
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BMW Group / Mini 
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RMK Museum 
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Bruno Cianci-RMK Müzesi 
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Lust auf ein bisschen Sonne in der Mitte des Winters? Dann wäre vielleicht der Besuch des Oldtimer-Museums RMK in Istanbul eine Überlegung wert.

Wo beginnt das Morgenland, wo endet das Abendland? Istanbul verknüpft die Kulturen Europas und Asiens und lockt mit so manchem Juwel, das der Metropole auf zwei Kontinenten eine grosse Anziehungskraft verleiht.

Das am Ufer des Goldenen Horn gelegene Rahmi M. Koç Museum
Copyright / Fotograf: RMK Museum

Verknüpfung von Kulturen

Auch das Rahmi M. Koç Museum (kurz RMK-Museum) verknüpft die Kulturen Europas und Asiens. Dieses Museum ist der Geschichte des Transportwesens gewidmet und zeigt mehr als hundert amerikanische, europäische und türkische Oldtimers.

Türkische Oldtimers? Ja, die Automobilindustrie der Türkei geht auf die frühen Sechzigerjahre zurück, als erste Versuche unternommen wurden, ein türkisches Personenfahrzeug zu entwickeln und herzustellen.

Familientradition und Schlüsselrollen in der türkischen Autogeschichte

Und die Familie Koç  -  Repräsentantin einer der reichsten Dynastien der Türkei - spielte eine Schlüsselrolle in der Automobilindustrie der Türkei. Vehbi Koç (1901-1996), der Gründer der Koç Holding, lancierte nämlich 1966 die erste türkische Automarke Anadol.

Rahmi M. Koç, der Sohn des Firmengründers Vehbi Koç, leitete das Unternehmen von 1984 bis 2003 und engagierte sich auch im kulturellen Bereich, z. B. mit dem RMK-Museum am Goldenen Horn in Istanbul, dem grössten Technikmuseum der Türkei.

Angeblich soll Rahmi M. Koç durch einen Besuch des Henry-Ford-Museums in Michigan zu der Errichtung des RMK-Museums inspiriert worden sein.

Blick in die Auto-Ausstellung im Rahmi M. Koç Museum
Copyright / Fotograf: Orion Lafuente Missbauer
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Mazda RX-7 Coupé (1979)
Ford Sierra 2.0i Cosworth 4X4 (1990)
Fiat 124 CC Sport 1600 (1974)
Rover 3500 P6 V8 (1971)
+41 79 445 32 04
Gommiswald (oberer Zürichsee), Schweiz

Türkische und andere Oldtimer

Neben Bentley, Rolls Royce, Mercedes, Cadillac und Chevrolet zeigt das Museum verschiedene türkischen Oldtimers.

Das älteste türkische Auto ist ein roter Anadol A1 von 1968. Diese mit Ford-Motoren ausgestatteten Anadol-Modelle wurden von 1966 bis 1984 gebaut. Die Form der Kunststoffkarosserie dieser ersten in Serie produzierten türkischen Automarke wurde vom englischen Designstudio Ogle entworfen.

Türkische Autos im RMK Museum, u.a. Anadol Sedan von 1968
Copyright / Fotograf: Orion Lafuente Missbauer

Mit englischer Schützenhilfe

Entwickelt worden war der Anadol vom englischen Kleinwagenhersteller Reliant. Gebaut wurden die Fahrzeuge der ersten türkischen Automarke durch Otosan Otomobil Sanayii in Kadiköy auf dem asiatischen Ufer Istanbuls.

In den Kastenrahmen der ersten zweitürigen Anadol-Limousinen wurde die 1,2-L-Mechanik des Ford Anglia und ab 1968 die modernere Technik des Ford Escort 1,3-Liter-Modelles eingebaut.

Anadol Sedan 2 Door (1968) - im RMK Museum
Copyright / Fotograf: Orion Lafuente Missbauer

Nachdem bereits mehr als 10’000 Anadol entstanden waren, kam 1971 eine viertürige Version hinzu. 1973 wurde das im eigenen Anadol-Designstudio entworfene Fastback-Sportcoupé STC 16 vorgestellt. Einen gelben Ananadol STC kann man im RMK-Museum sehen.

Anadol STC 16 (1975) - im RMK Museum
Copyright / Fotograf: Laurent Missbauer

Noch im gleichen Jahr 1973 erschien der fünftürige Kombi SV 1600. Dieser ist ebenfalls im RMK-Museum ausgestellt.
Unter dem Konkurrenzdruck durch die Konkurrenzfahrzeuge Tofas-Fiat 124 und Oyak-Renault 12 sank der Jahresausstoss, der 1973/1974 immerhin 8’000 Anadol-Fahrzeuge erreicht hatte, zunehmend.

Anfang der Achtzigerjahre entstanden nur noch wenige Hundert Autos. Daher baute die Firma Otosan ab 1985 unter ihrem Eigennamen den früheren Ford Taunus weiter. Schliesslich wurde der Bau der Anadol-Fahrzeuge eingestellt.

Anadol Kombi (1984) - im RMK Museum
Copyright / Fotograf: Laurent Missbauer
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Der Erfolg des türkischen Fiat Tofas

Das Verschwinden der Marke Anadol kann man teilweise mit dem Erfolg der türkischen Fiat Tofas erklären. Das RMK-Museum zeigt einen weissen Tofas Murat 124. Der Automobilhersteller Tofas (von «Türk Otomobil Fabrikası Anonim Sirket») wurde im Jahr 1968 durch Vehbi Koç als Joint Venture von Koç Holding und Fiat S.p.A. gegründet.

Die Grundsteinlegung für die Fabrik von Tofas in Bursa erfolgte am 4. April 1969, und am 12. Februar 1971 wurde sie eingeweiht.

Tofas fertigte von Anfang an Autos des italienischen Automobilherstellers Fiat in Lizenz. Das erste Modell war ein Nachbau des Fiat 124, der Tofas 124 Murat. Von 1971 bis 1977 wurden insgesamt 134’867 Fahrzeuge dieses Modelles mit 1,2 Liter-Motor produziert. Als Tofas Serçe wurde der 124 sogar bis 1994 gebaut. Später wurde auch der Fiat 131 als Sahin (Basismodell), Kartal (Kombi) und Dogan (Luxusvariante) in Lizenz produziert.

Tofas Murat 124 (1976) - im RMK Museum
Copyright / Fotograf: Orion Lafuente Missbauer

Mittlerweile werden keine Modelle mehr als Tofas vertrieben. Dafür wurden Fiat Siena und Fiat Marea gefertigt und als solche verkauft. Wie der Marke Anadol existiert die Marke Tofas heute nicht mehr.

Automobile Kuriositäten

Zusätzlich zu diesen türkischen Autos zeigt das RMK-Museum einige Kuriositäten, wie ein in Tuzla-Istanbul gebauter Türkish-Willys Jeep Overland CJ-3B von 1962 - mit der Ausnahme des vorher erwähnten Anadols und des 1961 in nur vier Exemplare gebauten Devrim, die ersten in der Türkei hergestellten Wagen waren ab 1954 die Türkish-Willys Jeep – und einen Mini.

Turkish-Willys Jeep Overland CJ-3B (1962) - vor dem RMK Museum
Copyright / Fotograf: Bruno Cianci-RMK Müzesi

Türkischer Automobil-Knowhow-Export

Der Entwickler des Minis, Alec Issigonis, wurde am 18. November 1906 in Izmir geboren. Nach seiner Kindheit in der Türkei beschloss er Automobilkonstrukteur in London zu werden. Alec Issigonis’ grossen Erfolg war die Entwicklung 1959 des legendären Kultautos Mini. Mit der Konzeption des Mini begründete er das Prinzip, nach dem noch heute fast alle Kleinwagen gebaut werden: Quer eingebauter Frontmotor mit Frontantrieb und eine bei kleinsten Aussenabmessungen optimale Platzausnutzung der Fahrgastzelle.

Austin Mini (1960) - im RMK Museum
Copyright / Fotograf: Laurent Missbauer
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Spezialitäten aus aller Welt

Neben dem Mini Alec Issigonis zeigt das RMK-Museum ein weiteres geniales Auto: Raymond Loewys Studebaker Avanti.
Auffälligstes Merkmal des 1962 vorgestellten Coupés mit Fiberglas-Karosserie war der fehlende Kühlergrill, die Öffnungen für die Wasserkühlung waren unter der Stossstange versteckt. Doch auch technisch hatte der Wagen einiges zu bieten. Immerhin war es das erste amerikanische Auto mit serienmässigen Scheibenbremsen.

Kurioserweise sollte der Sportwagen sogar den Niedergang von Studebaker (1966) überleben: Unter dem Namen Avanti verkaufte es sich noch bis 2007 weiter. Für Raymond Loewy selbst war das Automobildesign nur ein kleiner Zweig seines vielfältigen Schaffens: Unter anderem ist Loewy, der vom Magazin Life zu einem der 100 einflussreichsten Amerikaner des 20. Jahrhunderts gewählt wurde, verantwortlich für das Design der Lucky-Strike-Packung und der Shell-Muschel.

Avanti II (1975) - lange nach Ende der Produktionsfirma Studebaker überlebte das Modell unabhängig davon - zu sehen im RMK Museum
Copyright / Fotograf: Orion Lafuente Missbauer

Das RMK Museum zeigt auch den 1965 Rolls Royce Silver Cloud von Ahmet Ertegün. Dieser gründete das einflussreiche Jazz- und Popmusik-Label Atlantic Records und feierte mit Ray Charles, Aretha Franklin, Otis Redding, Neil Young, Led Zeppelin und die Rolling Stones viele Erfolge.

Mit seinem Bruder Nesuhi Ertegün gründete er 1971 den New Yorker Fussballclub New York Cosmos und nahm Stars wie Pelé und Franz Beckenbauer unter Vertrag. In der Schweiz wurde Ahmet Ertegün sehr bekannt durch seine Freundschaft mit Claude Nobs, dem Direktor des Montreux Jazz Festival. Nobs arbeitete noch für Montreux Tourisme als er 1965 zum ersten Mal nach New York flog. Dort beschloss er spontan, die Gebrüder Ahmet und Nesuhi Ertegün zu besuchen, weil er die Atlantic Records-Adresse auf einer Schallplatte las. Die Gebrüder Ertegün weigerten sich zuerst ihn zu empfangen, da er ohne vereinbarten Termin erschien. Claude Nobs liess aber ausrichten, dass er extra aus der Schweiz gekommen sei und Schweizer-Schokolade dabei habe.

Die Gebrüder Ertegün empfingen Claude Nobs schliesslich, u. a. weil ihr Vater Münir Ertegün früher Botschafter der Türkei in der Schweiz war. Ahmet Ertegün ermöglichte es dann, dass viele Stars wie z. B. Aretha Franklin in Montreux spielen konnten.

Rolls-Royce Silver Cloud (1965) - im Besitz Ahmet Ertegüns, heute im RMK Museum
Copyright / Fotograf: Laurent Missbauer

Die Migros in der Türkei

Ein Migros LKW im RMK Museum
Copyright / Fotograf: Laurent Missbauer

Nicht nur Autos

Erwähnenswert ist schliesslich noch, dass das RMK-Museum neben zahlreichen Autos auch Schiffe, U-Boote, Flugzeuge, Lokomotiven und Eisenbahnwagen ausstellt. So gibt es unter anderem Schlaf- und Speisewagen des Simplon-Orient-Express zu sehen. Dieser verkehrte von London und Paris über die Schweiz (Lausanne, Montreux, Sitten, Brig und den Simplontunnel) nach Istanbul.

Impressionen vom Rahmi M. Koç-Museum in Istambul
Copyright / Fotograf: Laurent Missbauer

Das RMK-Museum in Istanbul ist also eine Reise wert. Und zwar nicht nur für Autofans!

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