Damit der Einstieg in den Oldtimer nicht zum Fiasko wird

Erstellt am 19. April 2013
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Volkswagen Presse 
3
Bruno von Rotz 
2
Balz Schreier 
1
Daimler AG 
1
Archiv 
9

Der Frühling ist da, jetzt keimt bei vielen wieder der Wunsch, einen Oldtimer zu kaufen. Was aber ist dabei zu beachten?


Mercedes Benz 280 SL (1969) - so stellt man sich den Frühling vor
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wenn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, beginnen sich viele Autoenthusiasten zu überlegen, ob sie sich nicht einen Oldtimer zulegen sollten. Ob sie sich vom klassischen Design, den herrlichen Lautäusserungen oder eigenen (Rücksitz-) Erinnerungen für einen alten Wagen begeistern lassen, die Gründe und Triebfedern sind zahlreich. Damit das Abenteuer Oldtimer nicht zum Fiasko wird, sollten einige einfache Grundregeln beachtet werden.

Bedürfnisse und Rahmenbedingungen unter einem Hut

Am Anfang steht eine Analyse der Bedürfnisse und der Rahmenbedingungen. Wofür soll der Oldtimer genutzt werden und wie häufig? Soll er gar als Alltagsautomobil eingesetzt werden? Wieviele Leute sollen Platz haben? Wie gross muss die Gepäckkapazität sein? Soll der Oldtimer vor allem bei Clubtreffen gezeigt werden oder sind Teilnehmen bei Motorsportveranstaltungen oder Gleichmässigkeits-Rallye vorgesehen?

Diese und ähnliche Fragen zielen darauf, die eigenen Bedürfnisse und Ansprüche zu verstehen. Diesen gegenübergestellt sollten die vorhandenen Rahmenbedingungen. Wieviel Geld will man investieren? Wie hoch ist das Budget jährlich? Ist für eine trockene Unterkunft gesorgt? Ist der zukünftige Besitzer handwerklich begabt oder sollen alle Wartungs- und Unterhaltsarbeiten extern durchgeführt werden?

Sich umfangreich informieren

Hat man seine Bedürfnisse und die gegebenen Möglichkeiten verstanden, dann empfiehlt sich als nächstes eine umfangreiche Informationsrunde. Von Fachmagazinen, von denen es unzählige mit den verschiedensten Ausrichtungen gibt, über Bücher und Internet-Portalen bis zu Club-Vertretern und spezialisierten Händlern gibt es die unterschiedlichsten Gesprächspartner, die einem ihre Ansichten und Erfahrungen vermitteln können.

Es lohnt sich, mehrere Perspektiven zu vergleichen und Erfahrenes zu verifizieren und zu hinterfragen, bis man sich entscheidet und kauft.

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Typische Einstiegsoldtimer

Es gibt sie tatsächlich, die typischen Einstiegsoldtimer, die einigermassen häufig angeboten werden, bezahlbar sind und im Betrieb nicht zu unermesslichen Kosten führen.


VW Käfer (1973) - nach vielen Jahren der Produktion ausgereifter denn kaum ein anderes Automobil
Copyright / Fotograf: Volkswagen Presse

Der Volkswagen Käfer war schon ein genügsamer und zuverlässiger Geselle, als er die Standardmotorisierung der Leute in den Sechzigerjahren war und daran hat sich kaum etwas geändert, ausser dass die Preise von gut erhaltenen frühen Fahrzeugen deutlich nach oben bewegt haben. Cabriolets waren schon immer gesucht und auch das Faltdach wird bei Liebhabern hoch bewertet. Vier Personen und etwas Gepäck finden im Käfer Platz, der Benzinverbrauch pendelt sich bei 7 bis 12 Litern ein.


MG B (1972) - Werbeaufnahme von damals
Archiv Automobil Revue

Wer englische Roadster liebt, wird oft mit einem MG B oder einem Triumph Spitfire liebäugeln. Beide gelten als vergleichsweise robust, Mängel sind dank günstiger Ersatzteilpreise günstig zu beseitigen.  Mehr als zwei Personen passen allerdings nicht in den Wagen, ausser man entscheidet sich beim MG B für die Coupé-Variante GT.


Alfa Romeo 2000 Cabriolet (1972) - Bella Italia nach oben offen
Archiv Automobil Revue

Der Alfa Romeo Spider ist in unseren Breitengraden ebenfalls ein äusserst beliebter Reisegefährte, betörend offen und von einem Klang beseelt, wie ihn nur italienische Klangmeister gestalten konnten. In gutem Zustand und in Abwesenheit des korrosionsfördernden Wintersalzes kann der von Pininfarina gestylte Spider über viele Jahre Freude machen.

Deutlich teurer als Käfer, MG B oder Alfa Romeo Spider ist der Mercedes Benz 280 SL, respektive seine älteren Brüder 230 und 250 SL. Die sogenannte «Pagode» gilt aber als einer der alltagstauglichsten Oldtimerklassiker überhaupt, fühlt sich beim Fahren relativ modern an und wurde oft mit Automatik ausgerüstet, was manchem den Einstieg erleichtert.


Ford Mustang (1968) - Fastback-Modell des Jahres 1968 aus einem Verkaufsprospekt
Archiv Automobil Revue

Das gleiche gilt auch für den Ford Mustang, der Ikone unter den Ponycars und bis heute beliebter amerikanischer Kompaktsportwagen aus den Vereinigten Staaten.

Die Liste könnte noch um etliche Modelle erweitert werden, ihre Beliebtheit ist ein Amalgam von individuellem Design, überschaubarer Betriebskomplexität und Geschichten und Erinnerungen, die sich um die Fahrzeuge ranken. Und sie decken ein Preisspektrum zwischen CHF 10’000 und 100’000 ab, wobei MG B, Triumph Spitfire und VW Käfer am unteren Ende der Skala rangieren, der Mercedes Benz SL am oberen Ende, der Mustang dazwischen.


Mercedes-Benz 280 SL (1982) - mit Hardtop, geschlossenem Stoffach und offen
Copyright / Fotograf: Daimler AG

Wem der Mercedes gefällt, kann als Alternative auch den günstigeren Nachfolger 280 SL bis 560 SL (R107, von 1971 bis 1989) berücksichtigen und auch bei den Amerikaner gibt es eine grosse Vielfalt an beliebten Modelle. Als Alternative zum Alfa Romeo Spider kann der Fiat 124 Spider herhalten, statt des MG B greift der eine oder andere vielleicht lieber zu einem (etwas teureren) Triumph TR4. Und Individualisten und Anhänger der französischen Lebensweise geben vermutlich sowieso dem Citroën 2 CV (Ente) den Vorzug, die noch immer für vierstellige Preise erhältlich ist, dafür aber an der nächsten Steigung etwas mehr Geduld erfordert.


Citroën 2 CV AZL (1958) - veränderte sich in über 30 Jahren Bauzeit kaum
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Oldtimerkauf ist Vertrauenskauf

“Drum prüfe, wer sich binde”, lautet ein häufig gehörtes Sprichwort, das auch beim Oldtimerkauf anwendbar ist. Noch viel mehr als der Kauf eines neuwertigen Occasionswagens ist die Anschaffung eines über dreissig Jahre alten Gefährts Vertrauenssache. Selbst Experten können Mängel an einem alten und vielleicht schon einmal restaurierten Fahrzeugs nicht auf Anhieb entdecken. Oftmals täuscht der oberflächlich glänzende Lack über Schwächen unter der Bemalung hinweg.

Daher ist manchmal wichtiger, vom wem man ein Fahrzeug kauft, als was man genau ersteht. Kennt der Verkäufer die Vorgeschichte, hat er den Wagen lange besessen? Welche Belege liegen vor? Welche Besitzer hatte der Oldtimer vorher? Wieviel von der Geschichte des Autos ist bekannt? Wer mechanisch unbedarf ist, der sollte einen Fachmann zur Inspektion des Kaufobjektes mitnehmen, selbst wenn dafür Kosten anfallen.

Es hat sich gezeigt, dass es mittelfristig oft günstiger ist, am Anfang etwas mehr auszugeben und das beste Exemplar des Wunscholdtimers zu kaufen.

Nicht zu knapp planen

Mit dem Kauf ist es nicht getan. Oldtimer brauchen auch bei seltenem Gebrauch ständig Zuneigung in Form von Wartung und Unterhalt. Im Schnitt geben Oldtimer meist deutlich über CHF 1’500 Franken pro Jahr aus, um ihren Schatz am Leben zu erhalten und sollten einmal grössere Reparaturen oder gar eine Teil- oder Vollrestaurierung anstehen, dann sind schnell auch fünfstellige Rechnungen eher die Regel als die Ausnahme.

Wichtige Kostentreiber sind die Stundensätze der Vertrauensgarage und die Ersatzteilpreise und hier sind die Spreizungen enorm. Bei etwas Geschick und Zeitaufwand kann man aber auch hier oftmals günstigere Wege finden, als es einem der erstbeste Spezialist vielleicht vorschlägt. Aber als Grundregel sollte man sicher jederzeit über Reserven in der Höhe von 10-25% des Kaufpreises für nicht geplante Reparaturen auf der Seite haben.

Umfangreich akklimatisieren

Hat man sich entschieden und gekauft, die Versicherungsfragestellungen gelöst und steht das Traumauto erstmals vor der heimischen Garage, dann ist ein sorgfältiges Angewöhnen an den neuen Untersatz zu empfehlen. Zwischen der Automobiltechnik der Sechzigerjahre und der Neuzeit liegen Welten! Die meisten der Fahrzeuge, die vor 30 und mehr Jahren verkauft wurden und damit ein Anrecht haben, Oldtimer genannt zu werden, verfügen weder über ABS Antiblockiersystem), ESP (Stabilitätsprogramm) noch ASR (Antischlupfregelung), der Fahrer selber ist also für sicheres Beschleunigen und Halten verantwortlich. Die Gänge werden meist von Hand gewechselt und die Kupplungen vertragen rauen Umfang schlecht.

Auch an den Kühlsystemen sind die vielen Einsatzjahre nicht spurlos vorbeigegangen und der Wärmehaushalt des Motors kann in den Stau- und Verkehrssituationen, wie wir sie heute und das noch bei höheren Temperaturen oftmals antreffen, in Mitleidenschaft geraten.

Es ist daher wichtig, seine Reiseplanung und Fahrweise dem Auto anzupassen und nicht umgekehrt. Es ist sinnvoll, die Bedienung des Fahrzeugs zuerst im sicheren Umfeld zu erlernen und vielleicht sogar ein Oldtimer-Fahrtraining, das immer häufiger angeboten wird, zu absolvieren.

Generell sollte immer genügend Zeit eingeplant werden und auch regelmässige Kontrollen von Öl- und Wasservorräten sollte man nicht vergessen.

Alternative Youngtimer

Wem ein Oldtimer zu aufwändig und zu kompliziert ist, der wird vielleicht mit einem Youngtimer glücklicher. Diese rund 15, 20 bis 30 Jahre alten Autos sind wesentlich näher an dem, was wir heute von modernen Alltagsautos gewöhnt sind, können aber genausoviel Spass machen wie ihre Vorfahren.


Mazda MX 5 (1990) - stand am Anfang des Cabrio-Booms der Neunzigerjahre
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Ein Mazda MX5 der ersten Generation, ein  Porsche 924 oder ein Ford Capri ist genauso individuell wie mancher Sechzigerjahre-Flitzer, stellt aber im Normalfall geringere Unterhaltsanforderungen und lässt sich einfach fahren. Und in fünf oder zehn Jahren reift der heutige Youngtimer dann auch zum Oldtimer und profitiert von entsprechenden Privilegien wie tieferen Versicherungskosten oder längeren Prüfintervallen. Und günstiger ist der Einstieg noch dazu, denn bereits für beispielsweise 5’000 oder 8’000 Franken findet man vielleicht ein Traumcabriolet für den kommenden Sommer.

Empfehlungen für weitere Lektüre und den Einstieg

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von me******
30.06.2016 (19:47)
Antworten
Mein Tipp: Immer bei einem seriösen Händler kaufen mit Rückgaberecht. Habe z.B. einen D.B. SEL mit Luftfederung gekauft, welche ständig Probleme machte.
Der Händler nahm ihn zurück bzw. ich tauschte gegen einen SL 107 gegen Aufpreis, aber ohne Probleme
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