Amédée Gordini verhalf eigentlich biederen Renault-Limousinen schon in den Fünfzigerjahre, vor allem aber in den Sechziger- und Siebzigerjahren zu sportlichem Ruhm und fast konkurrenzlosen Fahrleistungen auf der Strasse.
Seinen Spitznamen „Der Zauberer“ verdankte Amédée Gordini seiner Fähigkeit, selbst den bescheidensten Motor in ein echtes Vollblut zu verwandeln. Ein Zeichenbrett brauchte er dafür nicht. Er stellte sich einfach neben den Fräser und sagte ihm, was zu tun war und wie er bestimmte Teile direkt aus dem Motorblock herausfräsen sollte. Anschließend übergab er das fertige Teil dem Zeichner, damit dieser die Zeichnung anfertigen konnte. Wie Zauberei!
Den Anfang machte die Gordini-Version des Renault Dauphine im Jahre 1957, welche dank PS-Zaubererer Gordini bis zu 36 PS leistete und den Käfer damit locker stehen liess.
1964 dann wurde der Renault 8 Gordini mit zunächst 1,1-Liter Hubraum und Querstromkopf vorgestellt, 170 km/h lief der 95 SAE-PS starke Viertürer, da kam kaum ein Konkurrent mit.
Bereits 1966 wuchs der Hubraum auf 1,3 Liter und die Leistung auf 103 SAE-PS. 175 km/h lief der nun Renault 8 Gordini 1300 genannte Heckmotor-Wagen nun und er machte auch im eigenen Markencup eine gute Falle.
Die nächste Stufe hiess dann 1971 R12 Gordini, 125 PS stark und 185 km/h schnell, notabene mit Frontantrieb und mehr Komfort.
Es gab dann auch noch einen R17 Gordini in kleinen Stückzahlen.
Renault 8 Gordini Concept
An den Sechzigerjahre R8 Gordini erinnert die nun vorgestellte Studie. Sie nimmt nicht nur die charakteristische Scheinwerfer-Gestaltung auf, sondern auch viele andere Design-Elemente des Vorbilds.
Die Studie tritt als charakterstarkes zweisitziges Elektro-Coupé mit einem vom Motorsport inspirierten Design auf.
Mit der flachen und breiten Karosserie und dem 270 PS starken Elektroantrieb ähnelt das Konzeptfahrzeug in jeder Hinsicht einem modernen Rallye-Auto. Die klaren Linien des „Café Racer“-Designs verbinden Tradition und Fortschritt und sollen den echten Gordini-Spirit wieder zum Leben erwecken.
Das Renault 8 Gordini Concept wird am 24. September 2026 auf dem Renault Carwalk – dem Marken-Showroom an den Champs-Élysées in Paris – vorgestellt und ist anschließend vom 12. bis 18. Oktober 2026 am Renault Stand auf dem Pariser Autosalon zu sehen. Im Jahr 2027 soll das Konzeptfahrzeug, für das keine Serienfertigung vorgesehen ist, dann auch auf der Rétromobile in Paris gezeigt werden.
Sechs Monate von der Idee zum fertigen Konzeptfahrzeug
Das Projekt begann mit einem internen Wettbewerb bei Renault Design, der eine enorme Welle der Begeisterung auslöste. Die Designer der Marke reichten spontan über 300 Skizzen ein: von klassischem Retro-Design bis hin zu futuristischem Styling, von Konzepten, die Tradition mit moderner Avantgarde verbanden, bis hin zu GT-inspirierten Looks. Zwei Projekte wurden ausgewählt und als Modelle im Maßstab 2:5 weiterentwickelt, um sie zu vergleichen und daraus einen neuen Entwurf zu erstellen, der das Beste aus beiden vereint.
Das Renault 8 Gordini Concept ist 4,12 Meter lang, 1,88 Meter breit und 1,27 Meter hoch und zeichnet sich durch besonders kompakte und dynamische Proportionen aus. Ausgestattet mit 19-Zoll-Rädern vorne und 20-Zoll-Rädern hinten liegt er so satt auf der Straße wie moderne Rallye-Fahrzeuge. Das zweitürige Coupé ist weitaus dynamischer als das ursprüngliche viertürige Modell; die aggressive Frontpartie wird durch das V-förmige Design und sechs Scheinwerfer betont.
Das Heck ist breit, muskulös und stark modelliert – ein Design, das den hinten platzierten Motor und den Hinterradantrieb betont. Der Unterschied ist, dass das Konzeptfahrzeug von einem 270 PS starken Elektromotor angetrieben wird. Zusätzlich unterstrichen wird diese hohe Leistung durch die leicht nach hinten geneigte Heckpartie, die beim Originalmodell fehlte.
Alexandre Malval, Vice President Design bei Renault erklärt dazu:
„Der ursprüngliche Renault 8 war im Grunde von vorne bis hinten symmetrisch – ein unverwechselbares Design, das wir aktualisiert haben, um dem Konzeptfahrzeug einen dynamischeren Look zu verleihen. Mit den fließenden Linien, der breiten Spurweite, den markanten Kotflügeln, den 19-Zoll-Rädern vorne und den 20-Zoll-Rädern hinten scheint er sich förmlich an die Straße zu schmiegen. Dass die Hinterräder größer sind, sorgt für eine Art optischen Schwung: eine Anspielung auf den Hinterradantrieb als Markenzeichen des enorm fahraktiven Originals.“
„Café Racer“-Spirit
Das Renault 8 Gordini Concept nimmt den „Café Racer“-Trend auf, der derzeit in der Welt der Custom-Motorräder beliebt ist. Die Idee ist, Vintage-Motorräder zu modernisieren, von überflüssigen Elementen zu befreien und die rohe Schönheit der Materialien und mechanischen Teile optimal zur Geltung zu bringen. Auch das Design des Renault 5 Turbo 3E verfolgte bereits diesen Ansatz.
In diesem Sinne wurde beim Renault 8 Gordini Concept alles Überflüssige entfernt – selbst die Retro-Dekorelemente, die als Hommage an das Design des ursprünglichen Renault 8 Gordini dienen sollen. So ist beispielsweise die verchromte Seitenleiste des Originals nun direkt in die Karosserie integriert. Als markante Linie erzeugt sie eine Spannung, die aus dem Inneren der Karosserie zu kommen scheint.
Zudem wurden zahlreiche trennende Linien entfernt, um die saubere und modellierte Form des Fahrzeugs zu verstärken. Vorne beispielsweise gibt es keine Nahtlinie an der Motorhaube, die – genau wie bei einigen Rennwagen – in einem Stück abgenommen werden kann.
Mit Bezügen zum Vorbild
Zwar weisen die Proportionen des Konzeptfahrzeugs kaum Ähnlichkeit mit dem Originalmodell auf; viele Designmerkmale und Markenzeichen wurden jedoch in modernisierter Form übernommen.
So wurde der Schriftzug „Gordini“ überarbeitet und weist nun die Streifen des Original-Emblems auf. Ergänzt wird der Schriftzug durch ein neues „8“-Emblem, das aus acht Segmenten besteht. Diese Merkmale spiegeln die Liebe zum Detail wider und erinnern zugleich an das Design von maschinell bearbeiteten Teilen der damaligen Zeit.
Als Hommage an das Rhombus-Logo, das die Front des Originalmodells zierte, ist im Innenraum ein Wappen zu sehen, das dem legendären „Gorde“ Tribut zollt.
Für die modernisierte Version übernommen wurde die vertiefte Prägung entlang der Gürtellinie – ein charakteristisches Designmerkmal des Originals, die jetzt sogar einen praktischen Zweck erfüllt, indem sie den Luftstrom zu einer neuen Lüftungsöffnung leitet.
Auch die rechteckige Form der Radkästen ist dem Original nachempfunden, um dem Profil ein muskulöseres Aussehen zu verleihen.
Die Frontpartie schneidet weiterhin durch die Luft, einen Kühlergrill gibt es nicht. Die Scheinwerfer der Rallye-Version sind nun ebenfalls integriert und formen eine einheitliche Lichtsignatur mit insgesamt sechs runden Leuchten.
Weitere Verweise auf das Original sind die muschelförmigen Außenspiegel und der Grill, der sich am unteren Rand der Windschutzscheibe über die gesamte Breite der Motorhaube erstreckt. Auch das hintere Lüftungsgitter wurde beibehalten – nicht nur aus funktionalen, sondern auch aus ästhetischen Gründen.
Mit Doppelstreifen
Ursprünglich ein dekoratives Merkmal, ist der doppelte weiße Gordini-Streifen beim Renault 8 Gordini Concept zu einem strukturellen Bestandteil geworden. Mehrere Designmerkmale sind nun auf diesen Streifen ausgerichtet, darunter der Grill am unteren Rand der Windschutzscheibe und das beleuchtete grafische Muster im Inneren der Rückleuchten.
Der Doppelstreifen erstreckt sich sogar bis in den Innenraum, wo er über die Oberseite des Armaturenbretts läuft; die Farbe geht dabei von Weiß in Blau über.
Ein Interieur mit Klarheit und Stil
Den Innenraum interpretiert das Renault 8 Gordini Concept mit einer deutlich kühneren Ästhetik als beim Original. Während sich die Armaturentafel nach wie vor über die gesamte Breite des Innenraums erstreckt, sind die runden Anzeigen auf einem horizontalen Streifen aus gebürstetem Aluminium angebracht; in den breiten Einfassungen der Instrumente spiegelt sich das 3D-Design der Scheinwerfer wider. Im Einklang mit der „Café-Racer“-Ästhetik wurden Kunststoffmaterialien durch gebürstetes Aluminium ersetzt. Es kommt für die Bedienelemente und auf großen Flächen zum Einsatz und bildet einen Kontrast zu den mit Alcantara® bezogenen Bereichen.
Dank dieses minimalistischen Designs bleibt kaum noch etwas, was den Fahrer ablenken könnte. Der Fokus liegt ganz klar auf dem Fahren. Das einzige auffällige Detail ist der rote Punkt auf dem Stoppuhrknopf in der Mitte der Armaturentafel.
Die Ziernähte auf den Alcantara-Türverkleidungen erinnern an die Randsteine einer Rennstrecke, während die Schalensitze auf die Sitze des Vorgängermodells verweisen: Das blaue Cord in der Mitte der Sitzfläche und der Rückenlehne bildet einen Kontrast zu den übrigen schwarzen Teilen des Schalensitzes und erinnert an die alten, flachen Sitze ohne Kopfstützen.
Das für die Karosserie verwendete Carbon kommt im Innenraum nicht zum Einsatz. Die runden Anzeigen, die über der Armaturentafel aus gebürstetem Aluminium zu schweben scheinen, sind digitale Displays. Sie verleihen dem Innenraum ebenso wie die indirekte Ambientebeleuchtung unter dem Armaturenbrett eine Hightech-Anmutung.
Interieur-Designer Robin Biondi ergänzt:
„Wir haben die Anzahl der Teile im Innenraum auf ein Minimum beschränkt und jedes einzelne sorgfältig gestaltet. Sie sind sowohl Teil der Struktur als auch der Verkleidung. Nichts ist überflüssig.“
Keine Serien-Absichten
Eine Serienproduktion ist nicht vorgesehen. Da müsste das Echo schon gewaltig sein, um dies zu ändern. Sowieso waren die Designer bei der Gestaltung komplett frei und mussten keine Rücksicht auf eine mögliche Massenproduktion und die notwendigen Homologierungen nehmen. Anders wäre die schnelle Erstellungszeit gar nicht möglich gewesen. Dafür liessen die beiden bei der Vorpräsentation anwesenden Designer die Journalisten wissen, dass dies ein sehr auf- und anregendes Projekt gewesen sei und dass man froh um soviel Freiraum sei.
Und wie sich das Auto fährt, wird man wohl nie wirklich erfahren, aktuell jedenfallls müssen Renderings für etwas Dynamikgefühl reichen ...














































































































































































































































































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