John, 2. Baron Montagu of Beaulieu, war selbst Motorpionier: 1899 fuhr er mit einem 12-hp-Daimler als Erster ein Automobil in den Hof des House of Commons. Er war unter anderem Mitbegründer eines der ersten britischen Automagazine ("The Car Illustrated", 1902) und ein starker Fürsprecher für motorfreundliche Gesetzgebung in England.
Als sein Sohn Edward mit rund zwei Jahren den Titel durch den Tod des Barons (1929) erbte, stand er später, mit 25 Jahren, vor hohen Steuerlasten für das Anwesen (Erbschaftssteuer, Unterhalt). Er liess sich von anderen Lords inspirieren, die vor demselben Problem standen, etwa vom Marquess of Bath, der Longleat House 1949 als erstes Herrenhaus für die zahlende Öffentlichkeit geöffnet hatte, und entschied, Beaulieu für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Den Anfang machte er 1952 im Palace House, wo er die Eingangshalle mit fünf Fahrzeugen bestückte. Herzstück der allerersten Ausstellung war der De Dion-Bouton (1903) seines Vaters.
Vom Familienmuseum zur nationalen Stiftung
1956 folgte der eigentliche Anfang des Museums, als ein Holzgebäude auf dem Gelände zum "Montagu Motor Museum" umgebaut wurde. 1967 rief Montagu das erste, heute weltberühmte Beaulieu Autojumble ins Leben, das auch nach dem Umzug des National Motor Museums weiterhin in Beaulieu stattfinden wird. Im Juli 1972 wurde das Museumsgebäude dann vom Duke of Kent eröffnet; gleichzeitig ging es in den National Motor Museum Trust über, der die private Sammlung in eine gemeinnützige Stiftung mit nationalem Anspruch überführte.
Der Pachtvertrag läuft aus
Und damit beginnt das eigentliche Thema: Der Pachtvertrag mit der Familie Montagu läuft 2030 aus und wird nicht verlängert. Zwei Jahre lang wurde über eine Erweiterung verhandelt, die Gespräche blieben aber leider fruchtlos. Als Grund werden Platzprobleme und eine nicht mehr ausreichende Infrastruktur für die stetig wachsende Sammlung genannt. Am neuen Standort will der Trust deshalb auch ein Ausbildungs- und Trainingszentrum für "Heritage Engineering"-Lehrlinge aufbauen.
Nicht alle sind über die Ankündigung glücklich: Nicky Deering vom Beaulieu Parish Council sagt, man sei "in shock at the news" gewesen, informiert worden sei man offenbar erst eine Woche vor dem offiziellen Statement.
Fördergelder und Ticketpreise
Das Beaulieu Estate zog 2024 306'681 Besucher in den Ort und ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren der Region New Forest. Wichtig zu erwähnen: Der genaue Anteil, den das National Motor Museum Trust pro Ticket erhält, ist nicht offiziell ausgewiesen. Bekannt ist nur, dass vom vollen Eintrittspreis von GBP 27.56 (Stand August 2026) lediglich ein kleiner Teil an den Trust fliesst, obwohl das Museum rund 75 Prozent der Besucher anzieht. Für sein Modernisierungsprojekt, inklusive des geplanten Ausbildungszentrums für Heritage Engineering, war der Trust auf Fördergelder des National Lottery Heritage Fund angewiesen, die wiederum eine neu ausgehandelte, fairere Erlösteilung mit Beaulieu Estate voraussetzten. Genau diese Neuverhandlung von Pacht und Erlösteilung scheiterte laut Insidern im Juli 2026, was den Trust schliesslich zur Suche nach einem neuen Standort bewog.
Was in Beaulieu bleibt
Trotz des Weggangs will Beaulieu Estate den Motoring-Bezug nicht aufgeben. Rund 29 Fahrzeuge aus dem Besitz der Familie Montagu, darunter der Sunbeam 1000 HP Landspeedrekordwagen, der De Dion-Bouton (1903) und ein Rolls-Royce Silver Ghost (1909), bleiben vor Ort und bilden den Grundstock für ein eigenes, kleineres Automuseum. Auch Palace House, die Abtei, die Monorail und der Veranstaltungskalender, allen voran das Autojumble, sollen so weiterlaufen wie bisher. Beaulieu betont dazu, man betreibe schon seit über 70 Jahren ein Automuseum und werde das auch in Zukunft tun; Motoring bleibe "very much a part of our identity".
Wie es weitergeht
Wohin es das National Motor Museum am Ende verschlägt, weiss aktuell noch niemand. Gesucht wird ein Standort mit mindestens 4650 Quadratmetern (50'000 sq ft) und einer besseren verkehrstechnischen Anbindung als das etwas abgelegene New Forest. Der laufende Pachtvertrag mit Beaulieu gilt zwar noch bis 2030, laut Insidern könnte der Umzug aber auch früher über die Bühne gehen. Für Besucher soll sich bis dahin erst mal nichts ändern, was danach kommt, dürfte aber eines der spannendsten Kapitel in der 74-jährigen Geschichte des Museums werden.
Besuchen Sie das National Motor Museum bevor es umzieht!!
Adresse: The National Motor Museum, Beaulieu, Brockenhurst, Hampshire SO42 7ZN, United Kingdom
Telefon: +44 1590 614650
Sammlung: Rund 250 bis 280 Fahrzeuge, 1,9 Millionen Archivobjekte
Internet: nationalmotormuseum.org.































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