Viele Rallye-Boliden der bis 1986 ausgetragenen Gruppe B sind Autofans noch heute geläufig: Audi Sport quattro, Lancia Delta S4, Peugeot 205 T16 Turbo, Ford RS200 ... Gern vergessen werden dabei die Underdogs wie der Engländer, der erst kurz vor dem Schlusspfiff das Rallyeparkett betrat - der MG Metro 6R4. Der von einem schon 1980 erschienenen Kleinwagen abgeleitete Bolide, vertraute wie der Großteil des Establishments auf leistungsfähige Bilstein-Gasdruckstoßdämpfer und Einzelradaufhängung. Sein Motor allerdings war ein exotisches Einzelstück, das nicht wie in Gruppe-B-Kreisen üblich von einem Turbo befeuert wurde, sondern ganz auf natürliche Beatmung vertraute.
Der Drei-Liter-Sechszylinder war nur lose mit dem V8 von Rover verwandt und ansonsten eine Eigenkreation von MG. Mit dem großvolumigen Sauger wollte man der noch von Turbolöchern geplagten Konkurrenz ein Schnippchen schlagen. Doch die Laderfraktion entfachte einen wahren Leistungssturm, der die maximalen 416PS starken MG Metro 6R4 von den vorderen Plätzen fegte. Zur Ehrenrettung des Autos muss man allerdings sagen, dass sich der Motor wegen seiner Unzuverlässigkeit oft selbst ein Bein stellte. Das Grundkonzept des Fahrzeugs hatte durchaus Potenzial, wie der Anfangserfolg bei Lombard-RAC-Rally Ende 1985 bewies. Dort musste sich der Metro nur zwei deutlich stärkeren Lancia Delta S4 geschlagen geben und landete auf einem dritten Platz. Weitere Lorbeeren konnte sich der „rollende Spoiler“ in der Gruppe B jedoch kaum verdienen. Erschwerend kam hinzu, dass die Serie aufgrund einiger tragischer Unfälle nach der Saison 1986 eingestellt wurde.
Für den noch jungen 6R4 bedeutete diese Entscheidung jedoch keineswegs das Ende seiner Karriere. Ganz im Gegenteil: Als beliebter Rallyecross-Bolide ließ er es jetzt erst so richtig krachen und erlebte einen zweiten Frühling, wobei einige der stärksten Varianten dann doch über einen nachgerüsteten Turbo verfügten. Dem Motor des potenten Rallye-Metro stand sogar noch eine viel größere Karriere bevor - als der zunächst für den Supersportwagen Jaguar XJ220 vorgesehene 12-Zylinder aus Kostengründen gestrichen wurde, war seine Stunde gekommen. Um zwei Turbolader und einen halben Liter Hubraum erweitert, verdiente er sich das Brot fortan im damals schnellsten straßenzugelassenen Fahrzeug der Welt. Mit seinen 549 PS erreichte der Jaguar bei Testfahrten annähernd 350 km/h – oder 220 Meilen, wie der Modellname XJ220 bereits andeutet. Beim Metro 6R4 steht das Namenskürzel übrigens für „Sechszylinder“, „Rallye-Auto“ und „4-Rad-Antrieb“. Bis auf den Motor klingt dieses Rezept für einen Gruppe-B-Boliden doch gar nicht mal mehr so exotisch.




















































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