Karl (Carlo) Abarth (15. November 1908 bis 24. Oktober 1979), geboren und gestorben in Wien, war vor dem Zweiten Weltkrieg ein bekannter und erfolgreicher Motorradrennfahrer. Nach dem Krieg nahm er alte Kontakte zur Familie Porsche wieder auf und wurde zu deren Vertreter in Italien.
Er lancierte zusammen mit Rudolf Hruschka (Hruska), einem ehemaligen Mitarbeiter von Ferdinand Porsche, und Tazio Nuvolari ein Formel 1-Projekt, in das Piero Dusio mit seiner Cisitalia einstieg. Abarth und Hruschka wurden beide Mitarbeiter von Cisitalia, doch nach kurzer Zeit geriet die Firma in finanzielle Schwierigkeiten und Dusio verschwand nach Argentinien.
Gründung der Firma Abarth im Jahr 1949
Abarth gründete die Firma Abarth & C. am 31. März 1949 zusammen mit Armando Scagliarini als Geldgeber in Bologna. Noch 1949 machte Abarth einen Sitz in Turin an der Via Trecate auf, wo die Produktion stattfand. Dort konnte die Firma auch auf Personen aus Cisitalia-Zeiten zählen.
Seine ersten eigenen Sportwagen wie der 205A waren denn auch mit Cisitalia verwandt.
Das Brot- und Buttergeschäft waren sofort nach der Gründung der Verkauf von Auspufftöpfen (marmitte Abarth), später ganze Auspuffanlagen, und Ansaug-Systeme (collettori Abarth) bestehend aus Krümmer und Vergaser.
Daneben verkaufte er zu Beginn auch eine Lenkradschaltung für den Fiat 500 (Topolino), für die sogar Tazio Nuvolari Werbung machte.
Lärm verkaufen
Das Geschäft mit Auspuffanlagen weitete sich rasch aus und Abarth bot nach und nach Ausführungen für praktisch alle Modelle von europäischen Marken an. Markenzeichen war der kernige Ton und Carlo Abarth wird mit dem Satz zitiert, dass er Lärm verkaufe.
Abarth produzierte daneben immer auch Autos. Zuerst in der Tradition von Cisitalia, basierend auf der Mechanik von Fiat, und mit Karosserien von Designern wie Boano, Ghia, Michelotti oder Scaglione. Die Stückzahlen blieben allerdings minimal.
Schnelle Rennsemmeln
Der Sprung kam mit der Einführung des Fiat 600 im Jahre 1955. Schon im gleichen Jahr entwickelte Zagato eine Berlinetta für den 600 und Abarth schob einen 750 cm3 mit 41,5 PS drunter. Zugleich bot er den Fiat 600 aus der Serie mit dem „750er-Paket“ sowie die Komponenten als Tuning-Paket (cassetta di trasformazione) für den Selbsteinbau zum Kauf an. Zudem fand Zagato eine ganze Reihe von Nachahmern, die sich alle auch auf Abarth stützten.
Schon an der Mille Miglia 1956 tauchten die ersten Abarth auf und sie erregten einiges Aufsehen. Im Sommer fuhr dann Abarth in Monza mit einem 750er Monoposto von Bertone eine erste Serie von Geschwindigkeitsweltrekorden und erreichte über 72 Stunden einen Schnitt von 140,6 km/h. Weitere Rekorde sollten noch folgen. Er weckte das Interesse von Fiat.
Da der 600er Anlaufschwierigkeiten hatte wegen dem Preis und der niedrigen Leistung (21,5 PS), kam die Nachricht von den Weltrekorden und den sportlichen Erfolgen gerade recht.
Vertrag mit Fiat
Entsprechend dem Wunsch von Carlo Abarth sah der Vertrag mit Fiat, geschlossen Anfang 1958, vor, dass Abarth für jeden Sieg (Klassensiege und Rekorde) irgendwo in der Welt eine Prämie erhielt. [Nach Renzo Avidano (AISA Monografia 90, 2010), der rechten Hand von Carlo Abarth seit 1949, war dieser Vertrag der Grund, warum Abarth nur beschränkte Möglichkeiten hatte, sich von den kleinen Klassen zu lösen und grossvolumige Sportwagen anzubieten, da der Geldfluss von Fiat für Abarth immer wichtig blieb].
Auf den Fiat 600 derivazione Abarth (1955-1970) folgten die derivate 500 (1957-1971) und die derivate 850 (1964-1971). Sehr erfolgreich waren auch die derivate Simca (1962-1965), wohingegen das Experiment mit Porsche zu Problemen führte, weil Porsche mit der gelieferten Qualität nicht zufrieden war.
Eigene Rennwagen
Ab 1961 entwickelte Abarth die Spider Prototypen mit Rohrrahmen-Chassis. Von 1000 cm3 bis letztendlich 3000 cm3.
Daneben gab es immer wieder Pläne, in die Formel 1 oder wenigstens in die Formel 2 einzusteigen. Man baute einen 6-Liter für die Can-Am. Alle diese Projekte blieben ohne Erfolg. Dafür konnte man die Monoposti für die Formula Italia liefern.
Verkauf an Fiat
Per 31. Juli 1971 verkaufte Abarth seine Firma an Fiat. Der Konzern hatte 1969 eine eigene Abteilung für die Unterstützung von Kunden in Rennen aufgebaut und dachte darüber nach, die Siegprämien an Abarth einzustellen. Die Bestände der Rennabteilung, an denen Fiat keinerlei Interesse zeigte, kaufte Carlo Abarth und vermittelte sie an Enzo Osella, einen ehemaligen Mitarbeiter.
Mit dem Verkauf wurde Abarth zur Rennabteilung des Fiat-Konzerns (Abarth Corse, später Fiat Auto Gestione Sportiva). Von hier kamen und kommen die Autobianchi A112 Abarth (noch in der alten Firma entwickelt), der Fiat Ritmo Abarth, der Abarth Grande Punto und der Abarth 500. Zudem entstanden dort die Rallye-Autos wie der SE030 (auf Basis Fiat 131), der SE037 (auf Basis Lancia Beta Montecarlo) oder der SE038 (Lancia Delta S4). Später wurde die Firma mit Fiat fusioniert.
Wieder “eigenständig”
Abarth ist seit 2007 wieder eine eigene Tochterfirma und die Marke Abarth ist Teil der Markengruppe Alfa Romeo/Maserati innerhalb von Fiat Chrysler Automobiles (FCA). Der Sitz ist (wieder) am Corso Marche in Turin.
Im Jahr 2024 kann die Firma “Abarth” somit ihren 75. Geburtstag feiern. Einen Einblick in Abarths Schaffen gibt die umfangreiche Bildergalerie.



































































































































































































































































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