Im April 1975 ist in Berlin der Volkswagen LT präsentiert worden. Der große Bruder des – zu dem Zeitpunkt schon in der zweiten Generation produzierten – Typ 2 erweiterte die Produktpalette aus Hannover nach oben.
Da der "Bulli" nicht für die ganz großen Lasten vorgesehen war, entwickelte man bei Volkswagen ein Modell unterhalb der schweren LKW, aber oberhalb des Transporters zur Ergänzung des Angebotsprogramms: ein Lastentransporter im Segment von 2,8 bis 3,5 Tonnen. Beim Namen blieben die Niedersachsen kühl und sachlich. So wurde aus dem Lasten-Transporter schlicht der Modellname: LT
Im Anhang fand man die Bezeichnungen 28, 31 oder 35 für das zulässige Gesamtgewicht von 2,8, 3,1 bzw. 3,5 Tonnen. Wie schon beim Transporter hörte Volkswagen auch beim LT auf die Wünsche der Kunden, so dass es den LT gleich zu Beginn in zwei Radständen und zwei Dachvarianten gab. Lieferbar war das Raumwunder als Kastenwagen, Kombi, Bus, Pritsche, Doppelkabine und als Fahrgestell mit Fahrerhaus.
Im Vorfeld der Entwicklung war festgelegt worden, dass das Verhältnis von der Verkehrs- zur Nutzfläche nochmals besser sein sollte als beim Transporter mit Heckmotor. Dazu konzipierten die Ingenieure von Volkswagen ein Fahrzeug mit der platzsparenden Frontlenker-Bauweise des Transporters und einem Frontmotor, der zwischen Fahrer- und Beifahrersitz oberhalb der Vorderachse platziert wurde. Angetrieben war aber weiterhin die Hinterachse.
Ohne den Motor im Heck stand somit der gesamte hintere Teil als Laderaum zur Verfügung. Und doch blieb der LT kompakt: Im Vergleich zum T2 wuchs der LT nur um 34 cm in der Länge und 30 cm in der Breite. Er bot aber aufgrund des neuen Raumkonzeptes mit 7,85 Kubikmeter Laderaum über 50 Prozent mehr Ladevolumen. Stolz war man bei Volkswagen auch auf die bis dahin bei Nutzfahrzeugen eher vernachlässigte Ergonomie. Mit Hilfe von Arbeitswissenschaftlern wurde das Fahrerhaus entwickelt. Dank dieser Kooperation wurden zum Beispiel die Bedienelemente nah am Fahrer angeordnet und eine große Frontscheibe sowie extragroße Außenspiegel installiert.
Für ein Plus an Fahrkomfort sorgte unter anderem eine Einzelradaufhängung an der Vorderachse, wie sie auch noch viele weitere Jahre nach der Einführung des LT noch nicht Standard in dem Segment war. Zu Beginn gab es den Lastentransporter wahlweise mit einem Zweiliter-Vierzylinder-Benzinmotor aus dem Audi 100 (auf 55 kW/75 PS gedrosselt und an den Betrieb in einem Nutzfahrzeug angepasst) oder einem 2,7-Liter-Vierzylinder-Dieselmotor vom englischen Hersteller Perkins mit 48 kW (65 PS).
Volkswagen ersetzte ihn 1979 durch den ersten eigenen Sechszylinder-Dieselmotor. Der neue 2,4-Liter-Diesel leistete im LT zwar nur acht PS mehr als sein Vorgänger, entwickelte aber deutlich mehr Drehmoment und lief äußerst sanft – so ruhig, dass Volvo diesen Motor sogar in den 240 einbaute.
Wie auch der Transporter erhielt der LT über die Jahre zahlreiche Modellpflegen. Hier ein Auszug:
1983:
- Sechszylinder-Turbodiesel mit 75 kW (102 PS). Damit war der LT zum stärksten Transporter Europas herangewachsen
- Sechszylinder als Benziner mit 66 kW (90 PS)
- optimierte Einbaulage des Motors bringt Platz für einen dritten Sitz im Fahrerhaus
- neugestaltetes Armaturenbrett
- dritter Radstand für Pritschen bis 4,6 Meter Länge lieferbar
1985:
- LT 55 mit 5,6 Tonnen Gesamtgewicht
- LT 35 auf Wunsch mit einer Hinterachse mit Einzelbereifung
- zuschaltbarer Allradantrieb
- rechteckige statt bisher kreisrunde Scheinwerfer
1993:
- neuer Kühlergrill und Kunststoff-Elemente im Bereich der Rückleuchten
- überarbeiteter Turbodiesel mit Ladeluftkühler und 70 kW (95 PS)
Aufgrund seiner Qualität und Zuverlässigkeit gepaart mit der großen Nutzfläche bei kompakten Abmessungen wurde der LT auch schnell zu einer beliebten Basis für Reisemobile. Noch heute sind einige davon auf den Straßen der Welt unterwegs. So wunderte es 1988 auch niemanden, dass Volkswagen neben dem kompakten "California" auf Basis T3 auch ein Reisemobil auf Basis des LT präsentierte: den "Florida" für vier Personen und mit Nasszelle.
Nach 21 Jahren und über 470'000 produzierten LT war 1996 schliesslich die Zeit reif für einen Nachfolger.










































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