Der 5. Concours d’Elegance Eclectica Crans-Montana am 25. Juli machte seinem Namen alle Ehre: Die ausgestellten Fahrzeuge waren tatsächlich eklektisch, sprich repräsentierten unterschiedlichste Stile: vom legendären Ferrari F40 mit kaum 7000 Kilometern auf dem Tacho über den ehemaligen 69er Maserati Quattroporte von Sir Peter Ustinov und einen Alfa Romeo Giulia der Carabinieri bis hin zum Nachwuchs-Oldtimer Nissan Figaro von 1991.
Überflieger Nissan R390 GT1
Ein weiterer Nissan wurde sogar zum «Best of Show» gekürt. Allerdings nicht irgendein Nissan, sondern der R390 GT1 – jenes Fahrzeug, das beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1998 mit den Formel-1-Piloten Erik Comas, Jan Lammers und Andrea Montermini den sechsten Gesamtrang belegte. In Crans-Montana feierte der Nissan einen weiteren Erfolg, nachdem er im Winter bereits beim «The ICE» in St. Moritz präsentiert worden war.
Getarntes Strassenfahrzeug
Seinen grossen Auftritt hatte der GT1 schon vor dem Jury-Entscheid, denn kam nicht auf einem Anhänger, sondern auf eigener Achse ins Wallis. «1998 verlangte das Reglement der GT1-Klasse für Le Mans, dass der Rennwagen von einem Serienmodell abgeleitet sein musste. Dies führte dazu, dass echte Prototypen als Strassenfahrzeuge getarnt eine Zulassung erhielten», berichtete Erik Comas, dessen Nissan R390 GT1 in Grossbritannien registriert ist.
Rückfahrkamera am Rennwagen
«Dafür musste ich meinen Nissan R390 GT1 unter anderem mit einer Rückfahrkamera ausstatten», fügte der französische Rennfahrer hinzu, der lange Zeit in der Schweiz lebte, zunächst in Villars-sur-Ollon, später in Aigle, und der sogar einen Schweizer Pass besitzt.
Le Mans mit Kofferraum
Um zu zeigen, dass sein Nissan R390 GT1 «wirklich ein strassenzugelassenes Auto ist, mit dem man übers Wochenende reisen kann», zeigte Erik Comas der Automobildesignerin Alessia Ombrella – einem der fünf Jurymitglieder des Concours d’Elegance Eclectica – den Kofferraum, in dem sich tatsächlich unter anderem ein Koffer befand.
Porsche mit Knickscheibe
Auf ihrem Weg am Nissan R390 GT1 vorbei – der zahlreiche Zuschauer faszinierte –, bewunderte Jurymitgliederin Alessia Ombrella einen im Wallis zugelassenen Porsche 356. «Er stammt aus dem Jahr 1951 und gehört zu den ersten 600 gebauten Porsche-Fahrzeugen», sagte Besitzer Bernard Moix. Diese ersten Modelle verfügten noch über keine Tankanzeige.
Um herauszufinden, wie viel Kraftstoff sich im Tank befindet, musste man die Fronthaube öffnen, den Tankdeckel abschrauben und einen Holzstab hineinschieben, der mit Markierungen für den Füllstand versehen war: 5, 10, 20, 30, 40 und 50 Liter!
Prominenter Vater
Dieser nach höchsten Standards restaurierte Porsche 356 Knickscheibe belegte den dritten Platz in der Kategorie «Classiques», die Fahrzeuge bis Baujahr 1990 umfasste. Der zweite Platz ging an den 69er Maserati Quattroporte des Bildhauers Igor Ustinov, der in Rue im Kanton Freiburg ansässig ist. Dabei handelt es sich um das Auto, das seinem Vater Sir Peter Ustinov, gehörte – geboren am 16. April 1921 in London und verstorben am 28. März 2004 in Genolier im Kanton Waadt.
Der Schauspieler, der 1961 für seine Rolle in Stanley Kubricks «Spartacus» mit dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde, war ein grosser Bewunderer schöner Autos im Allgemeinen und von Maseratis im Besonderen. «Mein Vater bewunderte die Formel-1-Piloten sehr und besuchte gemeinsam mit dem berühmten Fotografen Bernard Cahier, einem Freund der Familie, zahlreiche Grands-Prix», erzählte Igor Ustinov in Crans-Montana.
Renn-Historie im Wallis
Aber auch in Crans-Montana selbst waren vor 60 Jahren zahlreiche Formel-1-Piloten unterwegs. Damals zählte das Bergrennen Sierre-Montana zur Europa-Bergmeisterschaft; bei der Ausgabe am 28. August 1966 siegte der Italiener Lodovico Scarfiotti auf einem Ferrari Dino 206 P und setzte sich dabei gegen die Porsche 910 durch, die von Gerhard Mitter und Hans Herrmann pilotiert wurden. Nur eine Woche später, am 4. September 1966, gewann Lodovico Scarfiotti am Steuer seines F1-Ferrari 312 den Grossen Preis von Italien in Monza. Bis heute ist er der letzte italienische Fahrer, der seinen Heim-Grand-Prix gewonnen hat!
Achtung, Polizeisirene!
Apropos Italien: Der Alfa Romeo Giulia der Carabinieri zählte bei den Besuchern zu einem der beliebtesten Fahrzeuge. Die Sportlimousine aus dem Jahr 1969 – im Besitz eines Ferrari-Sammlers – wurde in Crans-Montana von einem echten Polizisten aus dem Kanton Genf gefahren, der zur Freude der Zuschauer regelmässig die Polizeisirene ertönen liess!
Sieger aus Italien
Italienische Modelle lagen beim Concours d’Elegance Eclectica ganz klar in Front: Allein vier Fahrzeuge siegten in ihren jeweiligen Klassen. So triumphierte der Ferrari F40 zur Freude seines Besitzers Blaise Zuchuat in der Kategorie «Passion». Was den gelben Alfa Romeo 8C Competizione des Norwegers Nicklass Naess – der bei Bugatti in Molsheim arbeitet – und den grauen Ferrari Testarossa «Monospecchio» von Umberto D’Amato aus dem Kanton Waadt betrifft, so sicherten sich diese Fahrzeuge jeweils den Sieg in den Kategorien «Modernes» bzw. «Classiques».
Strandauto mit Esprit
Schliesslich ging die Auszeichnung «Esprit d’Eclectica», an den Morris Spiaggetta, der von Giovanni Michelotti in Turin entworfen und gebaut wurde. Das kleine Strandauto – im Englischen als Morris Shellette bekannt und heute im Besitz von Sandro De Giuli aus Genf – beweist, dass man kein Supercar braucht, um bei einem Concours d’Elegance einen Preis zu gewinnen!
Noch ein prominenter Vater ...
«Mein Vater hatte den Verantwortlichen von Morris diesen Prototyp vorgeschlagen, um ihnen ein Serienfahrzeug anzubieten, das sich für die weitläufigen Strände Australiens eignete», erzählte Edgardo Michelotti, Sohn von Giovanni Michelotti und Kurator des Archivio Storico Michelotti. «Die Idee stiess auf positive Resonanz, erwies sich jedoch als nicht realisierbar, da das betreffende Morris-Modell gerade aus der Produktion genommen worden war.»
Picknick und Spenden-Gala
Die vom Ex-Indy-500-Rennfahrer Nelson Philippe geleitete Anlass ging weit über eine blosse statische Präsentation von Fahrzeugen hinausgeht. Sowohl am Tag vor wie auch am Tag nach dem Concours d’Elegance gab es Ausfahrten auf den herrlichen Bergstrassen des Wallis. Und im Rahmen der Gala am Samstagabend wurden Spenden für die Brandopfer vom 1. Januar des Jahres in Crans-Montana gesammelt.


































































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