Zum krönenden Abschluss der Messe-Saison 2024 strömten über 13'500 Besucher zur Retro Classics Bavaria. Schon der erste Messetag war gut besucht und die zahlreichen Besucher konnten sich in den Hallen 3, 3A und 3C auf einige Sonderschauen und Präsentationen freuen.
Jubiläen mit Sonderschauen
Die Messe stand ganz im Zeichen des Blitzes, denn bereits 1899 verließ der "Opel Patent-Motorwagen System Lutzmann" mit rund 3,5 PS als erstes Opel-Kraftfahrzeug die Rüsselsheimer Werkshallen und sollte den Grundstein für eine bis heute andauernde Fahrzeugproduktion bei Opel legen – eine Erfolgsgeschichte, die nun 125 Jahre währt. Aus diesem Anlass wurden einige Fahrzeuge aus der Opel-Classic-Sammlung gezeigt: vom ersten gebauten Opel-Fahrzeug von 1899 bis hin zum elektrischen Manta. Zudem war Opel viele Jahre auch Teil der DTM und zeigte sich so auch im grossen Feld der Sonderausstellung "40 Jahre DTM".
Nur wenige Meter vom Norisring – dem "Monaco der DTM" – entfernt, konnten fast 30 originale DTM-Fahrzeuge von 1984 bis 2021 bewundert werden, darunter sechs Sieger-Fahrzeuge von 1987 bis 2021, z. B. der Audi V8 Quattro, mit dem Hans-Joachim Stuck den DTM-Titel 1990 auf dem Hockenheimring einfuhr; der Opel Calibra V6 4x4 des "Opel Team Jost" (besser bekannt als "Cliff-Calibra"), mit dem Manuel Reuter 1996 die Konkurrenz in der ITV deklassierte; oder der Mercedes-AMG GT3 von Haupt Racing, mit dem Maximilian Götz die DTM-Saison 2021 gewonnen hat.
Doch nicht nur die Original-Rennfahrzeuge, auch ein Teil der Fahrer und Sieger von einst gaben sich im Rahmen des "Race-Talks" am zweiten Messetag ein Stelldichein und erzählten zur Freude der Fans über ihre Erlebnisse auf (und abseits) der DTM-Pisten: Volker Strycek, Manuel Reuter, Maximilian Götz, Altfrid Heger, Konrad Schmidt, Frank Biela, Kurt König und Gerhard Müller hatten sichtlich Spass.
Kein Jubiläum wurde mit der Sonderschau "Marcello Gandini" gefeiert. Bekanntlich ist der Designer von Lamborghini Miura und Alfa Romeo Montreal (sowie unzähligen anderen Automobilen) dieses Jahr von uns gegangen. Die kleine Sonderschau mit vier Lamborghini-Modellen und einem Alfa Romeo war eine schöne Geste.
Drei Autos aus zwei Deutschlands
Auch unter den übrigen ausgestellten Klassikern versteckte sich manche Perle. Auf einige spezielle Fahrzeuge wollen wir deshalb ganz kurz etwas genauer eingehen. Allen voran der EMW 340-7 von 1952, dessen Geschichte eng mit der Teilung Deutschlands verknüpft ist. Ab 1948 auf Basis des 326 als BMW 340 entwickelt, lag das BMW-Werk Eisenach in der sowjetischen Besatzungszone. Ab 1952 wurden die dort gebauten Autos deshalb als EMW (Eisenacher Motorenwerk) verkauft, da die Namensrechte für "BMW" im Westen verblieben. EMW 340 kamen oft als Taxi zum Einsatz.
Auch die. Die von 1953 bis 1958 gebauten Opel-Kapitän-Modelle standen Mitte der Fünfzigerjahre auf dem dritten Platz der deutschen Zulassungsstatistik – hinter dem VW Käfer und dem Opel Olympia Rekord. Deshalb konnte schon 1956 der zweimillionste Opel bejubelt werden. Zur Feier des Jubiläums verliess am 9. November 1956 ein Kapitän mit 24-Karat-vergoldeten Zierteilen die Rüsselsheimer Werkshallen. Auch die Lackierung und Polsterung wurden speziell angefertigt. Der Wagen drückt noch heute den ganzen Stolz der Belegschaft aus, als erstes deutsches Werk zwei Millionen Fahrzeuge hergestellt zu haben.
Noch heute ein spektakulärer Anblick ist der schwarze Opel RAK2, mit dem der 29-jährige Fritz von Opel – Enkel des Firmengründers Adam Opel – befeuert von 24 Pulverraketen 1938 auf der Avus 238 km/h erreicht hatte. Der RAK 2 war nach dem RAK 1 das zweite Raketenfahrzeug von Opel gewesen, im Vergleich zum Vorgänger aber wesentlich windschnittiger gestaltet, verfügte über doppelt so viele Raketen und war mit grossen Seitenflügeln ausgestattet. Diese waren übrigens durch ein falsch berechnetes Profil wirkungslos, und Fritz von Opel hatte bei seinem wilden Ritt mit heftigen Schlenkern zu kämpfen und hätte mit dem Vorderwagen beinahe abgehoben.
Der Verbleib des originalen RAK 2 von 1928 ist leider ungeklärt. Es gilt als sicher, dass er spätestens seit Kriegsende nicht mehr existiert. Es gibt drei Nachbauten. Das von Opel Classic entstand 1992 und ist mit einem Chevrolet-V8 motorisiert.
Im Rückgang
Opel war in Nürnberg eine erfreuliche Ausnahme. Leider fahren die Klassikabteilungen der Hersteller ihre Auftritte bei den Messen immer weiter herunter. Die privaten Anbieter und auch die überregionalen Clubs stossen bei der Menge an Messen so langsam, aber sicher an ihre Kapazitätsgrenzen. Beim Veranstalter gibt man sich zufrieden, obwohl die drei Hallen auch nicht wirklich ausgebucht waren.

































































































































































































Kommentare