Die Uhr am Handgelenk zeigte gerade einmal halb zehn, da war das Dorfzentrum schon bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 600 Autos hatten sich am 18. und 19. Mai zum diesjährigen Oldtimer in Obwalden in Sarnen eingefunden. Die wenigen Flächen, die nicht von Autos beansprucht wurden, nahmen ein paar Imbisstände und bereits so früh am Tag jede Menge Besucher ein. Das beliebte Volksfest mit dem Altauto-Schwerpunkt ist definitiv nichts für Langschläfer.
Noch ausserhalb des offiziellen Veranstaltungsgeländes liessen sich die ersten vierrädrigen Juwelen entdecken. Auf dem kleinen öffentlichen Parkplatz im Norden standen Mercedes-Benz 300 SL Roadster und Citroën DS Cabriolet mit einer Selbstverständlichkeit neben VW-Käfer und Peugeot 404, als wären sie ebenfalls gewöhnliche Alltagsautos. Ähnlich verhielt es sich mit einem Nissan Skyline GT-R der Generation R33, der zwischen all den silberschwarzgrauen Gegenwartsgefährten vor allem durch seine intensive gelbe Farbe hervorstach.
Hurra, die Schule brennt!
Hinter der Barriere, die den modernen Verkehr von den historischen Dauerparkern trennt, folgte gleich die nächste Überraschung: Wer glaube, das Interesse an Vorkriegsautos würde nachlassen, wurde hier eines Besseren belehrt. Vom Austin bis zum Bentley – die Menge an geschwungenen Kotflügeln, Trittbrettern und freistehenden Scheinwerfern war erfreulich hoch, ebenso wie die der Kinder und Jugendlichen, die die rund 90-jährigen Autoveteranen begeistert in Augenschein nahmen.
Wer zum ersten Mal da war, musste aufpassen, sich nicht in dem Geflecht aus kleinen Gassen und Schleichwegen zu verlieren (Ja, der Autor spricht hier auch von sich selbst). Jeder Abzweig schien einen eigenen Themenschwerpunkt zu haben: hier Alltagsautos der Siebziger, dort US-Strassenkreuzer der Fünfziger. Eine Strasse war fast ausschliesslich mit Ford Mustang der Jahre 1965 bis 1970 gefüllt – zwischen denen ein armer MGB etwas verloren wirkte.
Bewusst thematisch abgegrenzt war die Sonderschau historischer Feuerwehrfahrzeuge auf dem Schulgelände von Sarnen, die ebenfalls rund 90 Jahre in die Vergangenheit blickte. Bevor Geländewagen und schwere LKW üblich wurden, waren in den Dreissigerjahren oft amerikanische Luxuswagen von Packard oder Cadillac im Einsatz gegen die Flammen. Dank ihrer starken Motoren und der robusten Bauweise liessen sich Mannschaft wie Ausrüstung zuverlässig und schnell zum Einsatzort bringen.
Neben den Publikumslieblingen Fiat 500 oder Chevrolet Bel Air konnten sich die Besucher auch an einigen "Alltagsexoten" erfreuen. So waren in Sarnen gleich zwei Austin Cambridge mit Farina-Linie zugegen, ebenso wie ein Datsun Cherry 100 A und ein Alfa Romeo Giulietta – wohlgemerkt nicht die Sechzigerjahre-Schönheit, sondern ihre weniger grazile Achtzigerjahre-Schwester. Wer selbst keinen Oldtimer hat oder einfach mal etwas anderes als seinen eigenen Klassiker erleben wollte, konnte sich bei einer der sieben Kilometer langen "Taxifahrten" in einem Fremdfahrzeug chauffieren lassen.
Über den Berg nach Engelberg
Zu sehen gab es also reichlich. Nur hören konnte man von den Autos wenig, da Schlagermusik aus nicht dafür gebauten Lautsprechern und ein ambitionierter Leierkastenonkel stetig um die akustische Vorherschafft wetteiferten. Um gegen sie anzukommen, brauchte es schon die Hubraum-Donnergewalt eines American LaFrance. Selbst der Lancia Stratos, dessen Ferrari-V6 gewiss keine Flüsterstimme hat, hat es gar nicht erst versucht und zog statt der Ohren lieber mit seinen vollständig klappbaren Karosseriedritteln die Blicke auf sich.
Wer auf unverfälschte Verbrennungsakustik Wert legte, musste bis 15:15 Uhr warten. Dann nämlich brach der automobile Inhalt des Dorfkerns zu seiner Nachmittagsausfahrt auf, die knapp 30 Kilometer durch den Kanton Obwalden und zurück nach Sarnen führte. Für den Pfingstsonntag zog das Treffen nach Engelberg um, wobei die Teilnehmer die Wahl hatten, ob sie lieber die schnelle oder die schöne Route fahren wollten. Mit jeweils 49 Kilometern waren die Strecken um das Stanserhorn herum oder über den Ächerlipass drüber nämlich genau gleich lang.
Wer als Zuschauer der Oldtimer-Ankunft in Engelberg beiwohnen wollte, musste nicht ganz so früh aufstehen wie am Tag zuvor. Dort war der Dorfkern erst ab 11:00 Uhr reserviert.
Weitere Eindrücke vom O-iO vermittelt eine unterhaltsame Bildergeschichte .


























































































































































































































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