Michaelskreuzrennen 2011 - Alois Muffs Bugatti und Wetterkapriolen

Erstellt am 10. Oktober 2011
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
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Alois Muff war ein begabter und wohl auch erfolgreicher Volksmusiker. Nur so ist zu erklären, dass Muff ein kostspieliges Hobby hatte, er besass nämlich einen Rennwagen vom Typ Bugatti 35B und bestritt damit Autorennen als Amateur.

Bugatti Typ 35 B von Alois Muff - am Baum hängend beim Michaelskreuzrennen 1933Am 9. Juli 1933 nahm er als Demofahrer am Michaelskreuzrennen in Root teil. Er kam spät, war nervös und trieb seinen Bugatti wie ein Besessener den Hang hoch, bis er rund 100 Meter unterhalb des Zieles eine Kurve verfehlte, den Abhang herunter schleuderte und den Wagen schliesslich an einen Baum hängte.

Der unverletzte Muff stand unter Schock und murmelte “S’esch fertig mit em Muff!”, verkauft das Wrack und fuhr hinterher keine Rennen mehr. Nur sechs Jahre später starb er im jugendlichen Alter von 34 Jahren. Die Kurve heisst heute "Muff-Rank".

Muffs Bugatti wieder am Start

78 Jahre später stand der inzwischen restaurierte Bugatti von Alois Muff wieder am Start in Root und fuhr wie damals wieder den steilen Berg hoch, diesmal aber ohne Zwischenfälle,

Grandioser Bugatti-Auftritt

Ein Grand-Prix-Bugatti alleine ist schon ein guter Grund, eine Veranstaltung zu besuchen, tatsächlich aber waren elf der seltenen Fahrzeuge von Ettore Bugatti für das Michaelskreuzrennen angemeldet. Der Tourenwagen Bugatti Typ 57 von 1934 fuhr im Rahmen der Corso-Klasse mit, die übrigen waren in der Rennklasse gemeldet, gleich sieben Bugatti 35 (A, B und C), ein Bugatti 37, ein Bugatti 51 und ein Bugatti 59. Dass dann nicht alle diese Autos auch auf dem Platz waren, respektive auf der Bergrennstrecke fuhren, lag wohl zumindest teilweise auch an den ungünstigen Wetterumständen.

Wetterkapriolen

Hatte bei der letzten Durchführung vor drei Jahren noch die Sonne gelacht, kräuselte Petrus diesmal die Stirne. Tief verhangen war der Himmel am Samstag, Nebelschwaden minimierten die Sicht, Regen und tiefe Temperaturen machten die Strecke rutschig. Die Kompensation für das schlechte Wetter kam dann am Sonntag, als der Himmel aufriss und Sonne Publikum und Fahrer erwärmte.

Rennstrecke mit Tradition

Die Bergprüfungsfahrt Gisikon-Root nach Michaelskreuz fand schon in den Zwanziger- un Dreissigerjahren statt, meist wurde sie für Motorräder ausgetragen. Und sie fand meist im Sommer statt, wo sich das Publikum vermutlich an wärmeren Temperaturen erfreuen konnte.

Abwechslungsreiche, aber enge Strecke

Die Bergstrecke von Gisikon-Root nach Michaelskreuz ist 3'420 Meter lang und überbrückt eine Höhendifferenz von 305 Metern. Acht Kehren und eine Reihe weiterer Kurven sind zu durchfahren. Die Strasse ist rund 3,5 bis 4 Meter breit und nicht gerade topfeben, was vor allem die Fahrer der schnellen Autos und der Motorräder zur Vorsicht mahnen musste. Insgesamt ist die Strecke aber flüssig angelegt und sowohl für Vor- als auch Nachkriegsfahrzeuge attraktiv. Die Kurven sind nicht zu eng und gut zu bewältigen. Nur das Überholen ist wegen der geringen Strassenbreite heikel, so dass sich oftmals kleine Staus bildeten während der Bergfahrten.

Breit gefächertes Fahrzeugfeld

Angetreten zur “Max Ettmüller Gedenkfahrt” waren neben fast hundert Motorrädern und Gespannen über 150 Touren-, Sport- und Rennwagen, die rund 100 Jahre Automobilgeschichte repräsentierten. Das älteste Fahrzeug, ein American La France 10, stammte aus dem Jahr 1915. Sowohl die Vorkriegs-, wie auch die Nachkriegsgeneration waren reichhaltig und vielfältig repräsentiert.

Reichhaltiges Vorkriegs-Fahrzeugfeld

Neben den bereits erwähnten Bugatti hatte sich ein überaus eichhaltiges Feld von Vorkriegs-Sport- und Rennwagen in Root eingefunden. S.S. 90, Invicta S-Type, Nash, Marmon, Buick, Vale, Wolseley oder Atalanta liessen die Herzen der Kenner schneller schlagen, aber auch die häufiger zu sehenden Alvis, Austin, Riley oder MG erfreuten das Publikum durch herzhafte Drifts und standesgemässe Geräuschkulisse.

Raritäten und Alltagsklassiker von einst

Bei den Fahrzeugen, die nach dem Krieg gebaut wurden, gab es äusserst seltene Exemplare zu sehen wie den De Tomaso Vallelunga, den Healey Silverstone, die Ginetta G4, den Matra Djet V5, den Iso Rivolta, den ehemaligen Werksrennwagen Audi Quattro oder den originalen Lotus Elan, der in den Sechzigerjahren schon für Bestzeiten am Eigental-Bergrennen gesorgt hatte.

Aber es gab auch Autos zu sehen, die vor Jahren in mancher Garage auf ihren Einsatz warteten, vom Fiat Mirafiori, über den Opel Commodore, den VW Käfer bis zu einem ganzen Rudel von Toyota Celica. Und natürlich durften in diesem Feld auch die schönen Alfa Romeo Limousinen und Sport-Coupés aus den Sechziger- und Siebzigerjahren nicht fehlen.

Den Abschluss machten eine kleine Gruppe von Formel-Rennwagen, die mit herrlichem Getöse den Hang hochschossen.

Wo sind sie geblieben

Einige der angemeldeten Fahrzeuge konnten auf der Strecke leider nie gesichtet werden, so zum Beispiel der Ford Cortina Lotus, der Lancia Fulvia 1600 HF, der Allard M1 DHC, der Datsun 2000 Roadster oder Alfa Romeo Giulietta SS. War es das schlechte Wetter oder sorgten technische Probleme für ein Nichterscheinen?

Es ging um nichts!

Es gab eigentlich nur Sieger am Michaelskreuzrennen. Denn es ging um nichts! Pech hatten ein paar der Motorrad-Fahrer, die auf der rutschig-nassen Strecke zu Fall kamen. Und einige Teilnehmer beklagten technische Probleme, die weitere Bergfahrten verhinderten. Aber insgesamt überwogen die positiven Erfahrungen und besonders am Sonntag war es allen wieder zum Lachen zumute.

Stimmung im Festzelt

Wer nicht gerade fuhr oder nicht zuschauen wollte, oder wer vom Wetter flüchtete fand in der vielfältigen Festzelt-Landschaft im Startgelände Abwechslung und wärmende Stärkung. Der Kaffeeumsatz dürfte jedenfalls trotz des teilweise ausbleibenden Publikums die Erwartungen übertroffen haben.

Alle drei Jahre

Das letzte Michaelskreuzrennen war 2008 durchgeführt worden, hoffentlich können wir auf eine Wiederaufnahme im Jahr 2014 hoffen.

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