Italo-Design im Verkehrshaus Luzern - italienische Fahrzeugvisionen von 1968 bis 1978

Erstellt am 22. Oktober 2018
, Leselänge 5min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
37

Das Verkehrshaus in Luzern versucht verstärkt, sich von einem "Museum" zu einem "Haus" zu wandeln. Weg von leblosen Ausstellungsstücken und weg von all den Berührungsängsten, ist das Motto dazu. "In einem Haus wird gewohnt und im Verkehrshaus soll auch gelebt werden können", so Direktor Martin Bütikofer in seiner Ansprache. Vermehrt will man Leben ins “Haus” bringen, sei es mit Anlässen oder Sonderausstellungen. Daniel Geissmann und seinem Team gelang nun nach der Monteverdi-Kollektion in einem weiteren grossen Schritt, die jahrelang unangetastete Autohalle zu neuem Leben zu erwecken.


Die Sonderschau ist bereit für die Zuschauer - Sonderschau "Italo-Design 1968-1978 - Collezione Lopresto" im Verkehrshaus Luzern 2018
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Mit der am 19. Oktober 2018 eröffneten Sonderausstellung "Italo Design" sind einige Designikonen aus dem Automobilbau zu sehen, die für die Zeit der Flower-Power (1968), der Energiekrise (1973) bis hin zu der Ermordung von Ministerpräsident Aldo Moro durch die rote Brigade in Rom (1978) stehen.

Einflussreiches italienisches Design

Italien ist seit langem weltweit führend in Sachen Design, von der Architektur über Möbel- und Produktgestaltung bis hin zum Modedesign. "Wir sind ganz einfach die Besten", sagte der Architekt, Designer und Stadtplaner Luigi Caccia Dominioni (1913-2016) einmal. In diesem Umfeld waren es häufig auch gelernte Architekten, die zusammen mit ausgebildeten technischen Zeichnern und talentierten Metallverarbeitern ästhetisch hochwertige Karosserien für Automobile entwarfen und realisierten.


Lancia Flaminia Marica Ghia (1969) - Frontgestaltung - Sonderschau "Italo-Design 1968-1978 - Collezione Lopresto" im Verkehrshaus Luzern 2018
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Weltweit renommierte Designfirmen wie Pininfarina, Ghia, Bertone, Zagato und Italdesign waren, oder sind in Italien angesiedelt und schufen Karosserien nicht nur für die einheimische Automobilindustrie. So wurde etwa die erste Generation der VW-Modelle Golf, Scirocco und Passat in den Siebzigerjahren vom Italiener Giorgetto Giugiaro entworfen.

Prototypen und Raritäten

Die Sonderausstellung “Italo-Design” zeigt eine Auswahl von Paradebeispielen italienischen Automobildesigns aus der bewegten Zeit der Jahre 1968 bis 1978. Einzigartige Prototypen und Raritäten sind zu sehen, welche nur in einer kleinen Serie (oder als Einzelstück) produziert wurden. Sie stammen alle aus der Sammlung des Mailänder Architekten und Unternehmers Corrado Lopresto.


Lancia Flaminia Marica Ghia (1969) - elegantes Coupé von Ghia - Sonderschau "Italo-Design 1968-1978 - Collezione Lopresto" im Verkehrshaus Luzern 2018
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die ausschliesslich italienischen Fahrzeuge der Collezione Lopresto werden auf der Grundlage ausführlicher Recherchen sehr zurückhaltend restauriert und sind häufige Gewinner von höchsten Auszeichnungen an Eleganzwettbewerben.

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Passion für italienisches Design

"Ich bin ein Architekt, und ich bin Italiener. Also habe ich eine Passion für italienisches Design, zu den Personen hinter jedem Entwurf und jeder Zeichnung. Design ist nicht nur eine Frage der Form, sondern auch eine Frage der menschlichen Natur", so erklärte Lopresto bei der feierlichen Eröffnung der Sonderschau.


Schon von Kinderschuhen an mit dem Auto verbunden - Corrado Lopresto - Sonderschau "Italo-Design 1968-1978 - Collezione Lopresto" im Verkehrshaus Luzern 2018
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

"Als ich ein Kind war, besassen meine Eltern ein grosses Lagerhaus, in dem einige unserer Nachbarn und Freunde ihre Autos unterstellten – hauptsächlich Lancias. Und ich erinnere mich an einige sehr schöne Modelle. Auch wurde ich im Lancia meiner Eltern zur Schule gefahren. Es war eine Aurelia Berlina mit einem Lederinterieur, was zu der Zeit als äusserst seltene Ausstattung galt. Ich habe den Geruch des Leders noch heute in der Nase”, erinnerte sich Lopresto.

"Als ich 18 Jahre alt war, sparte ich jeden Cent, um mir ein Auto zu kaufen. Mein Vater wollte mir keines kaufen. Letztlich reichte es für einen Fiat Balilla Lusso mit Dreigangschaltung. In unrestauriertem Zustand, versteht sich. Die Instandsetzung dauerte ungefähr ein Jahr und war abgeschlossen, als ich in Mailand mein Studium begann. Es fehlte nur noch ein Detail: Der seitliche Zierstreifen. Also brachte ich den Wagen in eine Lackiererei. Der Eigentümer zeigte mir ein Buch mit allen verfügbaren Streifen. Zur ausgewählten Variante, sah er mich an und schrie: ‘Hau ab und lass mich in Ruhe weiterarbeiten! Du kannst doch nicht ernsthaft diese Streifen auf dein Auto malen lassen. Pass auf, lass den Wagen hier und komm in zwei Tagen wieder!’ Was ich nicht wusste war, dass ich meinen Wagen zu DEM Spezialisten gebracht hatte und tatsächlich besass das Lusso-Modell ab Werk spezielle Streifen. Er wollte, dass sie 100 Prozent mit dem Original übereinstimmten. Was hätte ich dagegen schon sagen können?"


Erklärungen von Corrado Lopresto zum Akt der Restaurierung - Sonderschau "Italo-Design 1968-1978 - Collezione Lopresto" im Verkehrshaus Luzern 2018
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

"Den Grossteil meiner Sammlung habe ich über Mund-zu-Mund beschafft. Alle meine Freunde wussten, dass ich nach Fiats, Lancias and Alfas Ausschau hielt. Vor allem aber aussergewöhnliche Modelle. Sobald sie von einem Auto hörten, meinten sie: ‘dieses hier ist interessant: es wurde nur einmal gebaut’ oder ‘es ist ein sehr spezielles Modell, allerdings in furchtbar schlechtem Zustand, der niemandem zusagt’. Das war genau das, was ich hören wollte, denn ich konnte dann diese speziellen Autos meist zum Spottpreis kaufen."


Regelmässiger Preisgewinner an den grossen Concours-Veranstaltungen - Corrado Lopresto - Sonderschau "Italo-Design 1968-1978 - Collezione Lopresto" im Verkehrshaus Luzern 2018
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

"Ich nahm 2001 das erste Mal an einem Concours d’Élégance teil und die Leute erkannten schnell meine Ambitionen, vor allem meine Philosophie und halfen mir, weitere Klassiker zu finden. Einige wollten sogar einfach nur, dass ich ihr Auto kaufe, im Glauben, dass es dann in guten Händen ist."

Weder Ferrari noch Maserati

Man kann Lopresto eine grosse Begeisterung für italienisches Design und Raritäten sicherlich nicht absprechen. Wer jetzt aber glaubt, Ferraris und Maseratis zu sehen liegt falsch. Lopresto besitzt weder noch, seine Autos stammen aus den Werken von Alfa-Romeo, Lancia und Fiat, sowie kleineren Firmen.


De Tomaso Pantera 7X Ghia (1973) - zusammen mit Corrado Lopresto - Sonderschau "Italo-Design 1968-1978 - Collezione Lopresto" im Verkehrshaus Luzern 2018
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Viele seiner Fahrzeuge sind Einzelstücke und kaum fahrbar, da sie eigentlich nur als Blickfang bei Auto-Salon`s gedacht waren. Manche dieser Zukunftsvisionen wurden erst nach Jahren wieder aufgegriffen und die Ideen Jahre oder auch Jahrzehnte danach in neuen Modellen angewendet.

Spannende Fahrzeuge

Gezeigt werden unter anderem der Prototyp des Alfa Romeo Alfasud Sprint, eine Alternative zum späteren Alfa Romeo Alfetta GT Coupé, der Lancia Flavia 2000 Super Sport Zagato, der Lancia Flamninia Marica von Ghia, der Autobianchi A112 Giovane von Pininfarina, der De Tomaso Pantera 7X von Ghia, der Lancia Sbilio von Bertone und der Fiat 850 T Visitors Bus von Bertone. Auch ein Zagato Zele und eine Vespa sind ausgestellt sowie ausgewählte Design-Gegenstände aus der Zeit.


Autobianchi A112 Giovani (1973) - mit Ecken und Kanten - Sonderschau "Italo-Design 1968-1978 - Collezione Lopresto" im Verkehrshaus Luzern 2018
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Zusätzlich kann der berühmte Alfa Romeo Giulietta SZ “Coda Tronca” von 1961 als einseitig restaurierter Prototyp bewundert werden, der international ausgezeichnet wurde.

Die Sonderschau ist bis auf weiteres im Verkehrshaus Luzern in der Auto-Halle zu besichtigen und eine sicherlich nicht alltägliche, dafür aber äusserst sehenswerte Ausstellung, da diese exklusiven Autos nur äusserst selten in der Öffentlichkeit und noch viel seltener in der Schweiz zu sehen sind.

Weitere Informationen gibt es auf der Website des Verkehrshauses Luzern .

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ma******
27.10.2018 (11:27)
Antworten
Läuft die Ausstellung noch?
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
27.10.2018 (12:19)
Ja, selbstverständlich, Genaues finden Sie auf der Website des Verkehrshauses (Link ist im Artikel).
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