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Die Formel-1-Turbo- und Fahrer-Legenden am Grand Prix von Österreich 2015

Erstellt am 26. Juni 2015
, Leselänge 4min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
90
Formel-1-Legenden im Gruppenbild - Danner, Patrese, Berger, Lauda, Alesi, Piquet, Martini, Prost - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Gruppenbild der F1-Legenden - Danner, Patrese, Berger, Lauda, Alesi, Piquet, Martini, Prost - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Heute haben sie's gut zusammen, die Formel-1-Legenden Danner, Patrese, Berger, Lauda, Alesi, Piquet, Martini, Prost - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
McLaren TAG-Porsche MP4-2B (1985) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
McLaren TAG-Porsche MP4-2 (1984) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015

Die Diskussionen über die aktuelle Formel 1 sind sehr einseitig geworden. Gesprochen und geschrieben wird leider nur noch um die verlorene Attraktivität. Eine Sportart, die zu Michael Schumachers Zeiten Zusatztribünen erforderte und den Medien in jeder Ausgabe mindestens eine Geschichte entlockte, in der die Formel 1 oder deren Helden zelebriert wurde.

Diese Zeiten sind vorbei. Kamen zur ersten Neuauflage des GP in Österreich vor einem Jahr noch Hunderttausend Zuschauer so waren es dieses Jahr nur gerade mal die Hälfte. Ein gähnend langweiliges Rennen lief über schier endlose Runden und bot in keiner Weise die Substanz zum bezahlten Preis. Auf höchster Ebene diskutiert man über Szenarien, wie man die aus dem Ruder laufende Sache wieder in den Griff bekommen und sie dazu noch wesentlich attraktiver gestalten könnte. Lautere Motoren, neue vermutlich noch kompliziertere Reglemente und die Wiedereinführung des Nachtankens sind in Diskussion.

Bild McLaren TAG-Porsche MP4-2B (1985) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
McLaren TAG-Porsche MP4-2B (1985) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015

Die Attraktivität der alten Helden

Es gab aber ein abseits liegendes Fahrerlager welches tatsächlich noch leiser war wie die aktuelle F1, aber trotz dessen alle Zuschauer anzog wie ein Magnet. Es bestand aus nur acht Autos, dazu kamen natürlich noch deren Helden. Ja es waren irgendwie noch richtige Helden, im Gegensatz zu den PR-Produkten der heutigen Zeit.

Warum bekamen sie den Heldenstatus? Eigentlich ganz einfach, nämlich dank Action auf und vor allem neben der Strecke.

Die heutigen Piloten sind am Rennwochenende verschollen. Man sieht sie nur in ihren Autos, versteckt hinter dem Visier. Später noch die ersten drei auf dem Podium in Perwoll gewaschenen Overalls (aufgefallen nach der zwei-stündigen Hitzeschlacht in Singapur 2014) und zum Schluss bei der PK (Pressekonferenz), wo sie nur das sagen, was ihnen vom Team täglich vorgekaut wird. Egal ob Hamilton nun eine Wolle auf Rosberg, oder das ganze Team hat, er macht gute Miene zum bösen Spiel und erklärt den Journalisten, dass er mit "Graining" zu kämpfen hatte und daher nicht in der Lage war, seinen Teamkollegen zu attackieren.

Die Formel 1 wird genau in dem Moment wieder attraktiv, wenn die Piloten wieder das sagen dürfen, was sie auch wirklich mitteilen wollen. Das wird den Marketing-Leuten sicher überhaupt nicht gefallen, dafür aber die F1 wieder zum Ursprung zurückführen und damit auch wieder massiv mehr Gesprächsstoff liefern. So könnte man vielleicht wieder viele der momentan abspringenden Fans zurückgewinnen.

Bild Die Parade der Turbo-F1-Legenden - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Die Parade der Turbo-F1-Legenden - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015

Die Monoposti der Turbo-Ära ...

Das attraktivere Fahrerlager beherbergte wie gesagt acht Autos, Turbos der ersten Generation aus den Achtzigerjahren. Wohlklingende Namen wie Brabham-BMW, McLaren-Porsche oder Renault standen zur Fahrt bereit. Die Fahrer-Helden waren auch vor Ort: Piquet, Lauda, Prost, Berger, Patrese, Danner, Martini und Alesi. Letzterer als Jüngster und ohne Turbo-Erfahrung im Sauber C14 unterwegs.

Bild Jean Alesi im Sauber Cockpit - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Jean Alesi im Sauber Cockpit - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015

Kaum waren die alten Helden auf einem Platz vereint, ging auch schon die Post ab. Sprüche fielen an allen Ecken und Enden, jeder versuchte dem andern einen Streich zu spielen.

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... und die Helden von einst hinter dem Lenkrad

Prost half Lauda in den Overall und versuchte dabei ein weiteres Mal dem Österreicher glaubhaft zu machen, dass er damals der klar schnellere Mann gewesen wäre. Patrese erinnert sich an seinen Abflug infolge eines technischen Defektes in der damaligen Texaco-Schikane. Rückwärts rutschte er damals über das nasse Gras auf eine Fotografin zu. Diese konnte dem Italiener ausweichen, vergass jedoch in der ganzen Hektik ihre Fototasche, die dann auch prompt von dem rechten Hinterrad des Brabham überrollt wurde.

Bild Formel-1-Legenden im Gruppenbild - Danner, Patrese, Berger, Lauda, Alesi, Piquet, Martini, Prost - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Formel-1-Legenden im Gruppenbild - Danner, Patrese, Berger, Lauda, Alesi, Piquet, Martini, Prost - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015

Kontrahenten wurden über die Jahre zu Freunden. Lauda zeigte Prost cool den Stinkefinger, worauf dieser zur Show dessen Finger von der Hand zu schneiden drohte. Berger bekam beim ORF-Interview dauernd die Handschuhe von Piquet ins Gesicht geschmissen. Patrese versuchte Piquets Auto zu klauen.

Bild Niki Lauda wird interviewt, Alain Prost kommentiert - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Niki Lauda wird interviewt, Alain Prost kommentiert - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015

Lauda konnte Prost nicht folgen, kam zurück und beschwerte sich über einen viel zu schwach eingestellten Ladedruck von 1,8 bar. “Wir fuhren früher 3 bar, die will ich jetzt auch wieder haben”, schrie er. Danner schaffte gerade mal eine Runde, da war der anfällige Zakspeed schon ausser Gefecht.

Bild Zakspeed 871-03 (1987) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Zakspeed 871-03 (1987) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015

Gerhard Berger verabschiedete sich kurz darauf mit einem kapitalen Motorschaden und der dazu gehörenden turbo-typischen Rauchwolke.

Lauda liess den Porsche-Motor so richtig Feuer spuken und Martini fackelte den Motori-Moderni gleich ganz ab.

Bild Minardi M186-01 (1986) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Minardi M186-01 (1986) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015

Der Renault lief nur bedingt und Alesi im Sauber wollte wohl so lange weiterfahren, bis er sich um 14 Uhr ins Feld der aktuellen Autos integriert hätte. Wo er sicher keine schlechte Figur gemacht hätte ...

Bild Die gut gelaunte BMW-Truppe mit Flückiger, Ast, Oefner, Piquet, Voll, Rosche, Kupferschmid und Knerr - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Die gut gelaunte BMW-Truppe mit Flückiger, Ast, Oefner, Piquet, Voll, Rosche, Kupferschmid und Knerr - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015

Es war also wieder so richtig was los in Spielberg. Piquet lachte mit Roche über die elf Motorschäden an nur einem Tag und erzählt von seinem besten Boxenstopp. Der Brabham-BMW kam damals in Führung liegend zum Nachtanken und Reifen wechseln an die Box. Das Auto wurde von den Mechanikern abgefertigt und die Weiterfahrt freigegeben. In diesem Moment entstieg Nelson dem Auto und meinte locker: "Diese Hektik von euch wäre nun wirklich nicht nötig gewesen, da das Getriebe im Eimer ist."

Kurzes, aber sehenswertes Spektakel

Die Parade dauerte nur wenige Runden, die meisten schafften nicht einmal diese, aber eines war sofort klar, dass die Show der Vorgruppe lustiger und unterhaltsamer war als die der Hauptgruppe. Einzig der spektakuläre Unfall von Raikkonen und Alonso konnte noch ein klein wenig Salz in die ach so fade Suppe streuen.

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Bild Gruppenbild der F1-Legenden - Danner, Patrese, Berger, Lauda, Alesi, Piquet, Martini, Prost - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Bild Heute haben sie's gut zusammen, die Formel-1-Legenden Danner, Patrese, Berger, Lauda, Alesi, Piquet, Martini, Prost - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Bild McLaren TAG-Porsche MP4-2B (1985) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Bild McLaren TAG-Porsche MP4-2 (1984) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Bild Renault RE50-03 (1984) - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Bild Die Parade der Turbo-F1-Legenden - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Bild Upps, wo geht's denn da zum Start? - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Bild Fleissig wurden die Legenden nach Autogrammen gefragt - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Bild Gut gelaunter Didi Mateschitz - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Bild Didi Mateschitz mit Alain Prost (von hinten) und Jean Alesi - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
Bild Didi Mateschitz zusammen mit Alain Prost und Jean Alesi - an der F1-Legenden-Parade anlässlich des GP Österreich 2015
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von Reiffan
30.06.2015 (20:53)
Antworten
Formel E... so eine fade Nullnummer. Da übertönt mein Gähnen schon diese Fahrzeuge.

Die F1 sollte mit viel simplerer Technik, Handgeschaltet ohne Fahrhilfen, kein Boxenfunk und ohne mögliche elektronische Eingriffe von der Box her sein. Die Autos müssen laut, schnell und zuverlässig sein.
Zudem sollte das blöde Bestrafen für jede noch so kleine Berührung oder Motor/Getriebewechsel aufhören. Auch die langweiligen "Hermann Tilke: Asienstrecken ohne jede Tradition mit 200m Auslaufplätze rund um die eigentliche Rennstrecke sind zum gähnen.
Aktiviert die Nordschleife des Nürburgrings für diese neue F1 und lasst Haudegen fahren und nicht die verweichlichten Computerkids.
Und die F1 sollte eine Fahrer-WM sein, ohne die beschissenen Teamwertungen und Absprachen etc.
Dann würde ich wieder F1 schauen!!!
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von berndamsee
30.06.2015 (13:01)
Antworten
Hallo!
Die Formel 1 laboriert schon seit längerem an Fantasielosigkeit und Fadesse. Es ist eine reine Materialschlacht geworden ohne jeden Reiz.

Wer, so wie ich, der noch mit Jochen Rindt aufgewachsen ist, der Colin Chapman noch als genialen Konstrukteur kennen gelernt hat ... der kann der modernen Formel 1 nichts mehr abgewinnen. Und anscheindend geht das mehreren Menschen genau so.

Die letzten Massnahmen, per Publikumsabstimmung diversen Fahrern Vorteile zu verschaffen, ist das letzte Aufflackern eines toten Motorsports. Man/frau sollte verstehen, dass die Formel 1 ihren Zenit schon längst überschritten hat ... da gibt es kein zurück mehr.

Aber zum Glück gibt es eine Alternative, die wesentlich spannender ist: Formel e.

Die Fahrerliste in der Formel e liest sich wie in alten Tagen. Bekannte Namen grosser Formel 1-Piloten tauchen auf einmal wieder auf ... es sind die Söhne ... quasi die nächste Generation.

Und sie haben nicht die Fornel 1 gewählt, sondern bewusst die wesentlich modernere und zukunftssichere Formel e!

Die Formel 1 ist tot, es lebe die Formel e!

LG Bernd
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