Concours d’Elégance Suisse 2016 - Fontänen und Klassiker im Schlosspark

Erstellt am 20. Juni 2016
, Leselänge 7min
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Bruno von Rotz
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Bruno von Rotz 
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Irgendwie hat sie noch gefehlt, die Schönheitskonkurrenz von Genf, im alljährlichen Concours-Zyklus rund um die Welt. Dabei könnte sie sich doch sogar historischer Wurzeln berufen, denn im Sommer 1953 fand anlässlich der Genfer Rosenwoche ein vom Genfer Verkehrsverein und dem ACS organisierter Concours d’Elégance mit rund 20 Fahrzeugen im Rosenpark statt.


Lancia Aurelia Coupé (1953) - am Concours d'Elégance Genf von 1953
Archiv Automobil Revue

Sieger und damit Empfänger der Goldenen Rose von Genf wurde damals ein von Pinin Farina karossiertes Lancia Aurelia Coupé.

Neuanfang

Doch Organisator Mathias Doutreleau weiss es noch genauer, denn bereits 1927 wurde in Genf der erste Concours durchgeführt, der letzte dann 1954. Dann verschwand diese schöne Tradition.


Die schönen Vorkriegs-Klassiker vor dem Chateau Coppet - Concours d'Elégance Suisse 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Und jetzt sollte sie am 18. und 19. Juni 2016 wiedererweckt werden. Als Rahmen wählte Doutreleau das etwas ausserhalb von Genf liegende Chateau de Coppet, wahrlich ein würdiger Rahmen für eine Klassiker-Veranstaltung.


Der Ferrari 330 GTC zusammen mit einen 300 SL und einem Alfa Romeo 6C 2500 SS - Concours d'Elégance Suisse 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Und dass die Westschweizer Szene nach einem derartigen Anlass dürstete, konnte der Besucher auf den ersten Blick wahrnehmen. Denn mit rund fünf Dutzend ausgesuchten Klassikern zeigten die lokalen Sammler Ausschnitte von dem, was sie zu bieten haben. Und man kann sicher sein, dass nur ein kleiner Teil der vielen Klassiker, die in Genfer, Walliser oder Waadtländer Garagen stehen, nach Coppet gebracht wurden.

Gelungener Einstand

In unzähligen Nächten (und Tagen dazu) hatte Doutreleau die zweitägige Veranstaltung durchgeplant, professionell hatte er sich u.a. mit einem Auftritt an der Rétromobile in Paris angekündigt.


Ferrari 365 GTS/4 Daytona Spider (1973) - am Concours d'Elégance Suisse 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Für den Samstag Morgen war eine kurze Tour d’Elégance angesagt, danach stellten sich die 53 Concours-Fahrzeuge im Schlosspark im privaten Rahmen auf, während die vielköpfige Jury unter der Leitung von Adolfo Orsi, verstärkt durch zusätzliche Spezialisten und Experten, sich die Autos genauer anschauen konnte.


Mercedes-Benz 190 SL (1959) - am Concours d'Elégance Suisse 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Am Sonntag inspizierten dann rund 1500 interessierte Besucher die öffentlich ausgestellten Klassiker, am Nachmittag folgte die Award-Zeremonie, also die Übergabe der Preise.

Angebote von Zwischengas-Spezialisten
Alfa Romeo 1750 GT Am (1968)
Mercedes Benz 300 d W189 (1960)
Delahaye Typ 32a (1912)
Maserati Ghibli 4.7 Campana Spyder (1969)
0041 56 631 10 00
Bergdietikon, Schweiz

Wetterkapriolen

Eigentlich klappte alles wie am Schnürchen, nur das Wetter wollte nicht ganz mitspielen. Während der Samstag-Vormittag noch freundlich wirkte, prasselte kurz nach dem Mittagessen ein Platzregen auf die Autos hinab. Dies kam so schnell, dass mancher Cabriolet-Besitzer die schützende Kapuze nicht rechtzeitig montieren konnte. Und nass wurden die Leute, die ihren Wagen für die Wasserflut vorbereiten wollten, sowieso. Selbst die Arbeit der Jury musste unterbrochen werden.


Noch kommt das Wasser von unten - Fahrzeuge der verschiedensten Epochen im Schlosspark - Concours d'Elégance Suisse 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Während des weiteren Verlaufs des Nachmittags beruhigte sich das Wetter wieder und am Sonntag dämpften nur noch einige wenige Regentropfen die Begeisterung der Besucher.

50 Jahre Lamborghini Miura

Als er seine Klasseneinteilung vornahm, kam Doutreleau am vielleicht wichtigsten Sportwagen-Jubiläum der Gegenwart natürlich nicht vorbei. Schliesslich erlebte der Lamborghini Miura seine Premiere in Genf vor exakt fünfzig Jahren. Doch statt eine beliebige Selektion der verschiedenen Modelle zu zeigen, entschied sich der Organisator dafür, sich auf die schnellste und letzte Variante, den Typ P 400 SV zu konzentrieren.


Die vier Lamborghini Miura SV bildeten eine eigene Wertungsklasse - Concours d'Elégance Suisse 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Vier dieser Fahrzeuge, alle mit Jahrgang 1971, stellten sich der Jury, ein sicherlich nicht alltägliches Zusammentreffen, wurden doch nur 150 SV gebaut.

Rund um die Fontäne

Wie es sich für einen richtigen Schlosspark geziemt, verfügt auch das Schloss Coppet über einen Teich mitsamt Fontäne in der Mitte. Um diese herum scharten sich die Fahrzeuge, eingeteilt in verschiedene Wertungsklassen. Berührungsängste gab es kaum, da stand ein Alfa Romeo 1600 Junior Spider in unmittelbarer Nähe zu einem Ferrari F40, ein Mercedes-Benz 190 SL in Nachbarschaft mit einem Ferrari 365 GTS/4 Daytona Spider.


Das Schloss Coppet bot den feierlichen Rahmen für den Concours - Concours d'Elégance Suisse 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Limousinen von Bentley oder Rolls-Royce erhielten genauso ihren Platz, wie ein Renault 4CV (“Heck”) oder ein Lotus Esprit.

Vorkriegsautos als Höhepunkt

Für viele Besucher sicherlich am eindrücklichsten waren die Vorkriegsautos, allen voran die beiden Hispano-Suiza und der Talbot-Lago 150 C, entworfen durch George Paulin und karossiert durch Marcel Pourtout im Jahr 1938.


Talbot-Lago 150 C Pourtout (1938) - am Concours d'Elégance Suisse 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Kaum weniger elegant wirkte der Bugatti Typ 57 Stelvio aus dem Jahr 1934. Die Schweizer Autobauer-Tradition vertrat der PicPic R2 aus dem Jahr 1920, das älteste Auto auf dem Platz.

Bis zu den Supersportwagen der Neuzeit

Fast quer durch alle Epochen reichte das Altersspektrum, auch vor der Neuzeit machte der Concours Suisse nicht halt. Ein Pagani Huayra, ein McLaren 675 LT oder ein Aston Martin V600 Vantage Le Mans verknüpften die Tradition mit der Gegenwart.

Keine einfache Aufgabe für die Jury

Ein derartig weitmaschiges Spektrum von Automobilen ist auch von einer grossen Jury nicht einfach zu bewältigen, soll jeder Wagen fair behandelt werden. Welcher Historiker weiss denn schon gleichzeitig Bescheid über die handkarossierten Autos der Vorkriegszeit und die Kunststoffautos der Siebzigerjahre? Doch am Ende des Tages wollten die Trophäen verteilt werden und das wurden sie auch.


Rot und Grün - zwei der schönsten Lamborghini Miura SV überhaupt - Concours d'Elégance Suisse 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Als “Best of Show” wurde der Lamborghini Miura SV der Rossomiura Collection auserkoren. Der Talbot Lago T150C von 1938 erhielt den Preis für die eleganteste Karosserielinie, der PicPic R2 von 1920 die Auszeichnung für den besterhaltenen Wagen. Die beste Restaurierung wurde dem Ferrari 330 GTC von 1968 zugestanden, den Style-Preis von Zenith dem Rolls-Royce Silver Dawn aus dem Jahr 1953. Und auch für den Ferrari F40 von 1991 gab es einen Sonderpreis.


Der Ferrari F40 von 1991 erhielt auch einen Sonderpreis am Concours d'Elégance Suisse 2016
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Weiter so!

Es war eine gelungene Erstdurchführung, darin waren sich die anwesenden Besucher einig. Natürlich gibt es Verbesserungspunkte, die gibt es immer. Mehr Fokus bei der Komposition der Klassen könnte helfen, mehr Rücksicht oder Gewicht auf Schweizer Karosserien wäre spannend und angesichts der geografischen Lage sinnvoll. Zudem könnte vielleicht bei der nächsten Durchführung versucht werden, damalige Gewinner und Teilnehmer des Concours von Genf wieder zusammenzubringen. Auch qualitativ gäbe es bei der Fahrzeugauswahl noch hie und da etwas zu verbessern.


Alfa Romeo 1600 Junior Zagato (1973) - nach dem grossen Regen am Concours d'Elégance Suisse 2016 wollten die Autos wieder getrocknet werden
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Aber dies alles soll aufbauende Kritik auf hohem Niveau sein, denn schon beim ersten Mal fühlte sich die Veranstaltung im Chateau de Coppet durchaus reif an und all diejenigen, die noch skeptisch waren, werden beim nächsten Mal sicherlich gerne ein Auto nach Genf bringen. Und das wird dann am 17./18. Juni 2017 sein, wie Mathias Doutreleau bereits ankündigte.

Klassensieger

  • Voitures de tourisme d’avant 1940
    1. Picpic R2 von 1920, im Besitz der Familie Pictet (CH)
    2. Rolls Royce 20 HP von 1926, im Besitz von Hugo Gordon (CH)
  • Voitures de sport d’avant 1940
    1. Bugatti 57 Stelvio von 1934 im Besitz von Jack Braam Ruben (NL)
  • Voitures de sport d’après 1945
    1. Lancia Aurelia B20 von 1953 im Besitz von Keith Bowler (GB)
    2. Jaguar XK150 von 1958 im Besitz von Jean-Edgar de Trentinian
  • Futures Classiques (1970-1985):
    1. Jensen Interceptor von 1975 im Besitz von Brett Gage (SA)
    2. Lotus Esprit de 1977 im Besitz von Alexis Georgacopoulos
  • Hispano Suiza
    1. Hispano Suiza H6C Thrupp & Maberly von 1927 im Besitz von The Keller Collection at the Pyramids (US)
    2. Hispano Suiza H6c Boulogne von 1925 im Besitz von Charles Howard (GB)
  • Rolls-Royce
    1. Rolls-Royce Silver Dawn von 1953 im Besitz von Gérard Le Clerc (CH)
    2. Rolls-Royce Silver Cloud III «Chinese Eyes» von 1953 im Besitz von Zoran Mitrovic (CH)
  • Bentley
    1. Bentley Mark VI Sedanca Gurney-Nutting von 1947 im Besitz von Beat Schwarz
    2. Bentley S1 von 1958 im Besitz von Jean-David Pelot
  • Ferrari à moteur avant :
    1. Ferrari 250 GT Lusso von 1964 im Besitz von Steve Dula
    2. Ferrari 330 GTC von 1968 im Besitz von Stefano Albinati
  • Ferrari à moteur arrière
    1. Ferrari F40 von 1991 im Besitz von Steve Dula
    2. Ferrari 246 GTS von 1974 im Besitz von Sebastien Bottinelli
  • 50e anniversaire de la Lamborghini Miura
    1. Lamborghini Miura SV von 1971 im Besitz der Collection Caveng
    2. Lamborghini Miura SV von 1971 im Besitz von Automobili Lamborghini
  • Années Pop-Art, voitures de Ville
    1. MG GTC von 1968 im Besitz von John Bell
    2. Toyota Sport 800 von 1968 im Besitz von Sebastien Bottinelli
  • Années Pop-Art, voitures de Sport
    1. Aston Martin DB4 GT von 1960 im Besitz von Colin Pasold
    2. Maserati Ghibli von 1968 im Besitz von Thierry Painset

Spezialpreise

  • Prix de la Ligne
    Remis pour le dessin de carrosserie le plus gracieux.  Ce prix a été décerné par un jury composé de Pierre Doutreleau, Artiste Peintre, Yves Dubernard, Designer, et Marina Vandel, illustratrice:
    Talbot Lago T150C von 1938 carrossée par Pourtout im Besitz von Christopher Gardner
  • Prix de la Meilleure Préservation
    Décerne à l’automobile dans le meilleur état de préservation:
    PicPic R2 von 1920 im Besitz der Familie Pictet
  • Prix de la meilleure restauration
    Ferrari 330 GTC von 1968 im Besitz von Stefano Albinati
  • Prix du Style Zenith
    Remis pour l’équipage ayant le plus de style:
    Rolls-Royce Silver Dawn von 1953 im Besitzv on Gerard Le Clerc
  • Prix du Président Honoraire
    Ferrari F40 von 1991 im Besitz von Steve Dula
  • Grand Prix Gagnant du Concours d’Elégance Suisse / Best of Trophy Award
    Lamborghini Miura SV von 1971 im Besitz der Rossomiura Collection

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von bi******
21.06.2016 (09:11)
Antworten
Vielen Dank für die immerwieder tollen Aufnahmen und den interessanten Bericht.
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