Er könne es mir nicht genau sagen, denn die einen seien zwar angemeldet, aber nicht gekommen, dafür andere mit dabei, die nicht angemeldet waren. Doch Platz habe es genug, bezahlt habe jeder und jede, und die rund 125 Startnummern seien alle vergeben. Für Bernhard Taeschler, OK-Präsident des 13. internationalen Micro-Car-Meetings, ist das eine Verpflichtung, und dennoch ist er gelassen: "Ich bin einfach da, die Leute wissen ja, wo sie mich finden."
Ein Glücksfall
Das Schulhaus in Meisterschwanden soll neu gebaut werden, aus diesem Grund braucht sich niemand zu sorgen, dass die Festbänke für einmal auf dem roten Sportplatz aufgestellt werden. Der Boden ist amortisiert und wird sowieso demnächst entfernt, damit war es für die Gemeinde ein Leichtes, für das 50. Micro-Car-Treffen sogar den Tartanplatz zur Verfügung zu stellen – ein Idealfall.
Denn vom 1. bis 3. Mai war es wieder so weit: Das 13. Micro-Car-Treffen brachte die kleinsten aller Automobile an den Hallwilersee nach Meisterschwanden und damit zurück zu den wurzeln des grössten Treffens seiner Art in Europa.
Dass die Organisatoren derweil seit 50 Jahren etwa im Vierjahresrhythmus ein so grosses Treffen auf die Beine stellen, ist nicht selbstverständlich. Denn: "Wir verfügen nur über ein Klassenkassenkonto bei der Bank", wie uns Bernhard Taeschler am Samstagnachmittag erklärt. Der Grund ist einfach: Die Organisatoren sind weder in einem Verein organisiert noch einem entsprechenden Club zugehörig. "Jedes Mal, seit wir 1976 das erste Treffen auf die Beine gestellt haben, wurden wir gefragt, wann wir das nächste Treffen planten, und jedes Mal konnten wir es nicht im Voraus sagen. Wir haben noch nie gleich nach Ende des einen Treffens an das nächste gedacht. Ja, wir haben uns immer gehütet, wieder eines zu versprechen. Aber seit 50 Jahren war es stets das Gleiche: Wir bringen unser Treffen erfolgreich zum Abschluss, dann organisieren wir im Folgejahr eine Reise, die darf auch etwas weiter weg führen. Dann sitzen wir im Jahr darauf wieder zusammen, bereden, ob es denn wieder ein Treffen sein soll, und organisieren dann ein weiteres Treffen für das Jahr darauf. Man glaubt es kaum, aber es sind seit 50 Jahren die selben zehn Leute, die den Kern des Organisationskomitees bilden. Also, darum musst du mich jetzt auch nicht fragen, ob es nach der 13. Ausgabe, nach dem 50-jährigen Jubiläum, wieder ein Micro-Car-Meeting geben wird. Wenn alles passt, dann sicher. Aber eben, im Voraus wussten wir das nie, und so ist es bis heute!" lacht uns Taeschler entgegen, nachdem er seine Pfeife auf den Tisch vor uns gelegt hat.
Ein eingeschworener Haufen von Enthusiasten
Ein harter Kern von Rollermobil-Fahrern habe sich schon in den frühen 1970er-Jahren regelmässig im Delphin, dem Hotel und Restaurant am See in Meisterschwanden getroffen, meint Taeschler. So sei das erste Treffen keine Hexerei gewesen, etwa 30 Fahrzeuge aus dem In- und benachbarten Ausland seien problemlos zu organisieren gewesen. Und damals sei es noch keinem in den Sinn gekommen, dafür seine Isetta, seinen Messerschmitt, das Goggomobil oder die Heinkel-Kabine auf einen Anhänger zu verladen.
Die Anreise auf Achse sei Ehrensache gewesen. Die Leute waren noch jung und alle seien als leichte bis ziemlich heftige Spinner angesehen worden. In einer Zeit, in der es immer nur bergauf gehen sollte, war der freiwillige Verzicht etwas eher Ungewöhnliches. Und allzu viele der Kleinstwagen waren in den 1970er-Jahren gar nicht mehr unterwegs. Sie wurden in der Zeit der Hochkonjunktur in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre geradezu von den Strassen gefegt.
Und ja, es soll einmal eine Zeit gegeben haben, in der man sich mit einer Isetta nicht einmal in der Nähe einer BMW-Niederlassung habe blicken lassen sollen. Man schämte sich für die eigene, bescheidene Vergangenheit.
Umso erfreulicher war und ist es, dass sich diese Gruppe von Spinnern der Kategorie der Rollermobile angenommen hat, oder wie es die Definition in der Festschrift ausdrückt: den Autos mit drei oder vier Rädern, die maximal 500 Kubikzentimetern Hubraum haben (Ausnahmen bestätigen die Regel), kaum länger als drei Meter sind und irgendwo zwischen 1947 und 1965 gebaut wurden.
"Natürlich kommen nicht mehr alle auf der Strasse, manche verladen ihr Auto auf einen Anhänger", sagt Taeschler. "Die Gründe sind relativ einfach, an erster Stelle steht der Verkehr, vor dem sich viele fürchten. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h wären zwar manche Fahrzeuge sogar autobahntauglich, doch das will sich niemand mehr antun", wie der passionierte FMR Tg 500-Pilot meint.
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Den Verzicht zelebrieren
Und dann kommt wohl auch das Alter mancher Teilnehmenden hinzu, wobei das Thema Microcars höchst familientauglich ist. Bei Taeschlers ist sogar die dritte Generation schon eifrig mit von der Partie, wo etwa eine Enkeltochter den Stand am Flohmarkt ihres Grossvaters betreut. Was Taeschler auch freut, ist die Tatsache, dass es unter den Micro-Car-Freunden keine Differenzen gibt. Da ist man auch markenübergreifend friedlich vereint. Und selbst wenn manche der Kleinstautomobile mittlerweile ein durchaus beachtliches Preisniveau erreicht haben, so spielt dieses hier absolut keine Rolle.
Wichtig scheint, dass man dem Verzicht mit Wonne frönen kann und sich an den charmanten Unzulänglichkeiten der Sparmobile erfreut. Eines ist offenkundig: Man nimmt sich, seine Leidenschaft und die Fahrzeuge nicht ganz so todernst wie das vielleicht in anderen Autoclubs oder bei Treffen der Fall ist. Das merkt man sehr wohltuend.
Ein Platz im Trockenen
Wer am Freitag oder Samstag etwas über den Platz neben dem Schulhaus geschlendert ist, mag eines festgestellt haben, was alle diese Rollermobile und Kleinstautomobile gemeinsam haben: Sie wirken gemütlich. Und selbst wenn es nur bescheidene Platzansprüche waren, die sie befriedigen konnten, so war es besser, unter Dach zu sitzen, als beim Motorrad Wind und Wetter ausgesetzt zu sein. In vielen Fahrzeugen haben sich die Besatzungen etwas eingerichtet. Gut gibt es ein Faltdach, so dass die Sonne rein-, aber die Hitze raus kann. Das gilt besonders für die Fahrzeuge wie die Messerschmitt/FMR mit ihren Plexiglas-Hauben. Bei Regen aber schliesst man das Dach und geniesst die behagliche Gemütlichkeit.
Nun, vom 1. bis 3. Mai stand das Wetter definitiv auf ungetrübter Sonne an glasklarem Himmel. Die rund 125 Fahrzeuge und ihre Besatzungen durften zudem auf ein reichhaltiges Programm zählen, und viele haben mit ihren Autos denn auch die Gegend um den Hallwiler- und Baldeggersee im Seetal und den Sempachersee hinter dem nächsten Hügelzug des Aargauerisch-Luzernischen Voralpengebiets erkundet.
Am Freitag standen nach einem ersten Stelldichein eine Führung in der Interkantonalen Polizeischule IPH auf dem Programm, oder das Kursschiff lud zu einer Seerundfahrt ein. Auch Seengen mit dem Schloss Hallwil war nicht weit. Das Zentrum der Aktivitäten war aber in jedem Fall die Mehrzweckhalle von Meisterschwanden, wo immer einige Autos zu sehen waren – quasi in einem animierten ad-hoc Museum und mit höchst kompetenter Führung, nämlich den Besitzerinnen und Besitzer selber.
Am Samstag schickten die Organisatoren die Teams auf die Micro-Car-Rallye, die in Hitzkirch zum Mittagshalt pausierte. Nach der zweiten Etappe füllte sich gegen Nachmittag wieder der Parkplatz in Meisterschwanden mit Fahrzeugen. Neben vielen Zaungästen wurde auch der Gemeindepräsident von Meisterschwanden unter den Gästen gesichtet. Die gute Zusammenarbeit mit den Behörden war mit dem grosszügigen Platzangebot, den unkompliziert zu nutzenden Besucherparkplätzen und der zur Verfügung gestellten Infrastruktur offenkundig – ein vorbildlicher Idealfall.
Thomas Good mit seinem Kroboth Allwetterroller von 1954 war kurzfristig verschwunden, nur um mit einem Alphorn auf dem Beifahrersitz wieder aufzutauchen – Stimmung pur. Einzig der Tod des ehemaligen Motorradrennfahrers und begeisterten Micro-Car-Piloten Jacques Cornu wenige Tage vor der Austragung des Treffens trübte die Freude. Für ihn wurde eine Gedenkminute abgehalten. Allerdings war der Romand alles andere als ein Kind von Traurigkeit, und deshalb wird er der Micro-Car-Gemeinschaft stets mit seiner überaus humorvollen Art in guter Erinnerung bleiben.
Am Sonntag folgte als letztes Highlight des Treffens über Mittag eine Showfahrt am Mutschellen. Der Anlass endete am Nachmittag wieder in Meisterschwanden, wo die Gäste von weiter her ihre Fahrzeuge wieder auf die Anhänger packten, und die grosse Verabschiedung den Abschluss bildete. Ob ein weiteres Treffen stattfinden wird, wollten uns die Organisatoren nicht verraten. Aber wie man nun weiss, haben sie dies seit 50 Jahren nie im Voraus getan. Angesichts der vielen Begegnungen und zufriedenen Gesichter darf man aber damit rechnen, dass in etwa vier Jahren wieder ein internationales Micro-Car-Treffen stattfinden wird. Wir sind gespannt.

















































































































































































































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