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Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath (Buchbesprechung)

Erstellt am 25. August 2022
, Leselänge 4min
Text:
Paul Krüger
Fotos:
Ingo Rappold (Repro Zwischengas) 
11
Rennwagen | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Lieferwagen | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Sonderfahrzeuge | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Bau eines Bestattungsfahrzeugs | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Bestattungsfahrzeuge | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Werbeanzeige aus den Sechzigerjahren | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"

Heute kennt man das 1948 von Eugen Rappold gegründete Unternehmen hauptsächlich für seine Bestattungswagen auf Opel- oder Mercedes-Benz-Basis. Doch in den ersten Jahren nach dem Krieg, als man für jeden Auftrag dankbar war, und zur Wirtschaftswunderzeit war Rappold ein "Vollsortimentler", der Kühlwagen, Omnibusse, Rettungswagen, Abschleppwagen, Viehtransporter aber auch Sonderkarosserien für PKW und sogar Rennwagen fertigte.

Reich bebilderte Historie

Nach 73 Jahren musste das Karosseriewerk Rappold in Wülfrath Ende 2021 schliessen, weil sich kein Nachfolger fand. Nun hat Ingo Rappold, der Sohn des Firmengründers, ein 344 Seiten starkes Buch herausgebracht. Zusammen mit Karosseriebaumeister Horst Puck, der 1948 als 13-Jähriger Lehrling bei Rappold angefangen hat, erzählt er die Historie des Familienbetriebes von den Anfängen bis zum noch gar nicht so lange zurückliegenden Ende und beschreibt dabei detailliert nicht nur die wirtschaftliche, sondern auch die bauliche Entwicklung: Vom Bau der eigenen Werkshalle in der Mettmanner Strasse 1953 und der neuen Halle für Unfallreparatur 1965 bis zum Abriss der alten Rheinpreussen-Tankstelle auf dem Firmengelände 1988.

Bild Rennwagen | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Rennwagen | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"

Zusätzlich wird jede bei Rappold gefertigte Aufbauart in einem eigenen Kapitel vorgestellt und mir ihren speziellen, funktionsbedingten Anforderungen an den Karosseriebau erläutert. Neben den relativ selbsterklärenden Spezien wie Omnibussen und Kühltransportern sind es hier vor allem die teils einmaligen Sonderfahrzeuge, die Interesse wecken. Wer weiss zum Beispiel noch, dass es einst so etwas wie Brieftaubentransporter gab? Das Rappold-Buch erinnert nicht nur an die Existenz dieses kuriosen LKW-Typs, sondern erklärt auch, wie er idealerweise auszusehen hat und aufgebaut sein muss, damit er einerseits seinenen Zweck erfüllt uns es andererseits den Tieren gut geht.

Bild Sonderfahrzeuge | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Sonderfahrzeuge | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"

Illustriert wird all das mit Material aus dem Firmenarchiv: Werbeanzeigen, Verkaufsprospekte, Zeitungsausschnitte, sonstige Dokumente wie etwa die Urkunde zur Grundsteinlegung 1953 und natürlich jede Menge historische Fotos. Aufgrund des Alters sind einige Bilder von unterwältigender Qualität, was den Herausgebern aber bewusst war. Sie schreiben dazu im Vorwort, dass die bisher unveröffentlichten Fotos der Vollständigkeit und Dokumentation halber dennoch ins Buch gehören, auch wenn sie höchsten Ansprüchen an modernen Buchdruck sicher nicht genügen. Das sehen wir ähnlich. Ein unscharfes oder verwackeltes Bild eines seltenen Motivs ist immer noch besser als gar keins.

Regenbogen in Schwarz

Schnappschüsse aus der Werkstatt zeigen die Entstehung eines Aufbaus und die Arbeitsweise bei Rappold. Freunde historischer Lieferwagen können sich über zahlreiche Transporter-Aufnahmen aus den Fünfzigerjahren mit zeitgenössischer Werbeaufschrift – teils sogar in Farbe – freuen. Manches Motiv regt gar zum Schmunzeln an. Etwa die Werbeanzeige für einen Bestattungswagen auf Mercedes-Benz-W124-Basis mit Radlaufchrom und geschüsselten Centra-Kreuzspeichenrädern vor schwarzem Hintergrund samt Dark-Side-of-the-Moon-Regenbogen – zeitgeistiger geht's fast nicht.

Bild Werbemotiv aus den Achtzigerjahren | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Werbemotiv aus den Achtzigerjahren | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"

Bestattungsfahrzeuge bilden natürlich den Grossteil des Bildmaterials, da Rappold sich im Laufe der Jahre zunehmend auf diese Fahrzeugform spezialisierte. Neben einer grossen Menge an Fotos fertiggestellter Wagen zeigt das Buch auch Datenblätter und Preislisten samt Einzelheiten wie Hebesysteme für Särge und dergleichen. Der überwiegende Teil der schwarzen Grosskombis basiert auf einem Modell von Mercedes-Benz. Interessant sind auch hier eher die ungewöhnlicheren Ausgangsmodelle wie Hansa 2300, Cadillac Sixty-Special oder Studebaker Lark VIII. Zu den modernsten Fahrzeugen gehört einen futuristischer Jaguar XF, dessen gläsernes Hinterteil auch von einer Luxusyacht stammen könnte.

Bild Bestattungsfahrzeuge | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Bestattungsfahrzeuge | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"

Das grosse Kapitel der Bestattungswagen ist dabei nicht nach Marken, sondern nur grob chronologisch sortiert, was das Wiederfinden eines Bildes zwar manchmal etwas komplizierter, aber nicht unmöglich macht. Ein grösseres kleines Ärgernis ist, dass die Typenangaben gerade bei Mercedes-Benz-Modellen nicht immer stimmen. So werden gelegentlich W123 und W124 oder W124 und W126 verwechselt, die sich aber zum Glück auch ohne diese Angabe leicht identifizieren lassen. Zumal die Ausgangsbasis ohnehin zweitrangig ist. Wichtiger ist das, was sich hinter der B-Säule verändert hat. Und hier wird erst durch die grosse Zahl an Fotos die Vielfalt in dem deutlich, was man gemeinhin als simplen schwarzen Kombi mit grossem Seitenfenster abtut.

Fazit

"Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath" ist kein Buch für das schnelle Lesevergnügen zwischendurch. Es will studiert und intensiv betrachtet werden. Alles andere wäre auch Ressourcenverschwendung. Denn detaillierter und aus direkterer Quelle wird man die Geschichte des kleinen Familienbetriebes wohl kaum wieder zu lesen bekommen. Obendrein spricht es wegen seiner inhaltlichen Vielfalt eine breite Zielgruppe an: Ob man sich nun für LKW aus den Sechzigern, Lieferwagen aus den Fünfzigern, Bestattungswagen, Feuerwehrfahrzeuge, Sonderfahrzeuge im Allgemeinen oder ganz generell für Karosseriebau interessiert – Ingo Rappolds Buch bietet für alle Interessensgebiete genug Material. Mit 44 Euro ist es günstiger als das Jubiläums-Buch der BMW M GmbH – und 100 Seiten umfangreicher.

Bibliografische Angaben

  • Titel: "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
  • Sprache: Deutsch
  • Autoren: Ingo Rappold, Horst Puck
  • Herausgeber: Ingo Rappold
  • Auflage: 1. Auflage 2022
  • Format:  303 x 216 mm, gebunden
  • Umfang: 344 Seiten, ca. 900 Abbildungen
  • Preis: EUR 44.00
  • Kaufen/bestellen: erhältlich bei Buchhandlung Rüger in Wülfrath

 

Bilder zu diesem Artikel

Rennwagen | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Lieferwagen | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Sonderfahrzeuge | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Bau eines Bestattungsfahrzeugs | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Bestattungsfahrzeuge | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Werbeanzeige aus den Sechzigerjahren | "Rappold Karosseriewerk – Spezialkarosserie- und Fahrzeugbau aus Wülfrath"
Quelle:
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Favicon
von Fr******
06.09.2022 (10:33)
Antworten
Noch immer ist der Titel bei Bh Rüger nicht als Neuerscheinung gelistet. Gibt es nur diese Bezugsquelle?
Mit Grüßen, Frank.
Favicon
von Fr******
30.08.2022 (16:10)
Antworten
Danke Euch für Eure Antwort, wollte natürlich nicht meckern sondern ledeglich sicherstellen, das Mitleser Fehler beim Bestellversuch nicht erst bei sich vermuten,
mit Grüßen, Frank.
Antwort vom Zwischengas Team (Zwischengas Team)
31.08.2022 (13:46)
Herr Rappold versichert, mehrere Kartons Bücher eigenhändig in den Laden gebracht zu haben, die auch von Herrn Rüger in Empfang genommen wurden. Der Fehler scheint also irgendwo "zwischendrin" zu liegen. Vielleicht sollten Sie es statt schriftlich einmal telefonisch versuchen und gegebenenfalls den Chef persönlich verlangen.
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