Leben und Technik am Limit (Buchbesprechung)

Erstellt am 14. Dezember 2020
, Leselänge 3min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno Schaffner / Repro Zwischengas 
16

Solche Bücher landen nicht jeden Tag auf dem Tisch. Bei Bruno Schaffners “Limit” handelt es sich um eine Mischung aus Biografie und Sammelalbum, die Briten nennen es “Scrapbook”. Mancher, der einiges erlebt hat, denkt im Alter darüber nach, seine “Memoiren” aufzuschreiben, vielleicht sogar zu veröffentlichen. Nur wenige aber tun es und längst nicht alle, die es tun, haben eine derartig spannende und schicksalshafte Geschichte zu erzählen wie Bruno Schaffner.

Benzin im Blut

Dass Schaffner irgendwann mit Autos zu tun haben würde, das zeichnete sich schon früh ab. Bereits seine Eltern fuhren Bugatti! Und der Vater restaurierte eigenhändig Automobile, so etwa einen Martini Baujahr 1910. Damit nahm er auch schon 1959 an der 2. Schweizerischen Motor Veteranen Rallye teil, er war somit ein Oldtimer-Enthusiast der ersten Stunde.


Vorbelastet - Buch "Limit" von Bruno Schaffner
Copyright / Fotograf: Bruno Schaffner / Repro Zwischengas

Da lag es auf der Hand, dass auch Sohn Bruno sich für Autos interessierte. Auf dem Schulweg kam der erste Kontakt mit der Marke Lotus zustande, eine wahrlich schicksalshafte Begegnung, denn die Autos von Colin Chapman sind sozusagen der rote Faden durch Bruno Schaffners zweite Karriere.


Schon früh im eigenen Lotus unterwegs - Buch "Limit" von Bruno Schaffner
Copyright / Fotograf: Bruno Schaffner / Repro Zwischengas

Arbeitgeber war zunächst noch eine Grossfirma und mit Automobilen hatte die Tätigkeit wenig zu tun, Sportwagen waren eher Hobby. Doch 1983 machte sich Schaffner selbständig und widmete sich ab sofort dem Unterhalt von Lotus Sport- und Rennwagen. 1991 wurde die junge Firma dann Lotus Händler, doch erst die Lotus Elise ab 1997 erlaubte Schaffner auch im Neuwagenverkauf grössere Sprünge. In vier Jahren wurden über 100 dieser leichtgewichtigen Sportwagen verkauft, ein echtes zweites Standbein.

Und dann die Tragödie: Schaffners Sohn Mike, der tatkräftig zur Firma gestossen war, verunfallte auf dem Beifahrersitz bei einer Probefahrt tödlich. Mancher hätte sich von diesem Schicksalsschlag nicht mehr erholt, doch Bruno Schaffner gab nicht auf und er fand schliesslich in Bruno Weibel einen Nachfolger für seine Firma.

Am Limit

Der Titel des Buchs ist kein Zufall, denn für Bruno Schaffner gehört das Leben am Limit zum Alltag. Sei es bei Leistungssteigerungen an den berühmten Vierzylinder-Twincam-Motoren oder beim Optimieren der Rennwagen, die er betreute, stets ging es darum, an die Nähe des Machbaren zu gehen und gleichzeitig noch genügend Sicherheitsmarchen zu haben, dass die Zuverlässigkeit nicht litt und das Ziel erreicht werden konnte.


Schaffner und "seine" Motoren - Buch "Limit" von Bruno Schaffner
Copyright / Fotograf: Bruno Schaffner / Repro Zwischengas

Schaffner bestritt auch sehr erfolgreich Rennen, sowohl im Formel-Auto als auch im Sportwagen. Und er ging auch fremd, denn es war eine Ginetta G4 IRS, mit der er viele seiner Siege und Platzierungen einfuhr. Dieser schöne Sportwagen aus England hatte immerhin einen Lotus-Twincam-Motor, obschon er ursprünglich mit einem DKW-Zweitakt-Dreizylinder den ersten Renneinsatz erlebte.

Rückblick, Freunde, Fahrzeuge und mehr

230 Seiten lang ist das Buch von Bruno Schaffner. Es ist eine Sammlung von Erinnerungen, Porträts von Leuten, die mit ihm einen Teil seines Weges beschritten, und Beschreibungen von Fahrzeugen und Technologien, die ihm wichtig waren.


Kunden und Wegbegleiter - Buch "Limit" von Bruno Schaffner
Copyright / Fotograf: Bruno Schaffner / Repro Zwischengas

Am besten liest man das Buch von vorne bis hinten durch, denn es ist weder sauber historisch strukturiert noch klar in Themenbereiche aufgeteilt. Aber es sind gerade diese Erinnerungsfetzen, Anekdoten und Einsichten, die Schaffners Buch so lesenswert machen.


Why Ginetta? - Buch "Limit" von Bruno Schaffner
Copyright / Fotograf: Bruno Schaffner / Repro Zwischengas

Und als Sammelalbum enthält das Buch manche Memorabilien aus dem Leben Schaffners, von Briefen, über Glückwunschkarten bis zu vielen Gruppenfotos.

Wertvoll für Sammler ist sicher die Auflistung der Fahrzeuge, an und mit denen Schaffner gearbeitet hat, am Ende des Buchs. Da werden auch lange Besitzerreihen, die sich wie das “Who is who” des Schweizer Rennsports lesen aufgelistet.


Einband - Buch "Limit" von Bruno Schaffner
Copyright / Fotograf: Bruno Schaffner / Repro Zwischengas

Dass ein Buch in Kleinauflage nicht günstig sein kann, versteht sich von selber, aber für manchen Lotus-Besitzer dürften sich die CHF 59.00 schon wegen einer Information oder Seite bereits lohnen. Und dazu kommen dann sozusagen als Dessert die anderen 229 Seiten, die sich ideal als Lektüre vor dem Kaminfeuer (oder in der Lotus-Garage) eignen.

Bibliografische Angaben

  • Titel: Limit
  • Autor: Bruno Schaffner
  • Sprache: Deutsch
  • Verlag: Eigenverlag
  • Auflage: 1. Auflage November 2020 (limitiert auf 500 Exemplare)
  • Format: Gebunden, 22 x 29 cm
  • Umfang: 230 Seiten, über 350 Abbildungen
  • ISBN: 978-3-033-08201-4
  • Preis: CHF 59.00 (plus Versandkosten)
  • Kaufen/bestellen: Per Email direkt beim Herausgeber oder schriftlich via Sonja Schaffner, Schweizäckerstrases 9, CH-8955 Oetwil a.d.L.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von co******
15.12.2020 (08:25)
Antworten
Eine der schönsten Begegnungen in der Oldtimer- und Histo-Motorsport-Welt.........
und sehr toller Mensch und tolles Paar .
von nivafan
15.12.2020 (08:58)
Antworten
Pflichtlektüre für alle, die Bruno persönlich kennen, die eine Portion grünes Blut haben, und denen allein der Name LOTUS ein Hühnerhaut produziert; eine der herausragenden Publikatonen, gerade weil sie nicht perfekt gemacht ist. Nach einem ersten Durchblättern freue ich mich auf die vor uns liegenden angen Winterabende!
von jo******
15.12.2020 (10:07)
Antworten
Liebster Bruno,
sehr gute Weihnachtslektüre und Bewunderung was Du alles schon so gemcht hast in Deinem leben
Gute Gesundheit wünscht Dir ein beonderer Lotus-Cortina Fan. Ich war immet total zufrieen mit Deiner Arbeit und wünsche dem jungen Bruno Weibel als nachfolger weiter Er
folg
allerherzlichst
Jost
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