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Top, die Wette gilt - oder wie Colin Chapman die Schnelligkeit des Lotus 22 bewies

Erstellt am 2. März 2013
, Leselänge 3min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
2
Archiv Reinhard / Max Pichler 
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Man stelle sich einmal vor, der bekannte Formel-1-Fachjournalist Michael Schmidt, tätig beim Automagazin „Auto Motor und Sport“, würde in Monza am Schnitt von Sebastian Vettel zweifeln und dem Red Bull Team Betrug vorwerfen.

Worauf Didi Mateschitz kurzerhand die Rennstrecke in Monza mieten und seinen FIA-geprüften Rennwagen mit Sebastian Vettel am Steuer die Renndistanz als Beweis nochmals fahren lassen würde. Absolut unverstellbar, heute!

Von Frankenberg wirft Chapman Betrug vor

Aber genau so geschah es in der Saison 1962. Die Lotus 22 Formel-Junior-Autos waren derartig schnell unterwegs, dass der für die Zeitschrift “Auto Motor und Sport” schreibende Fachjournalist sowie Ex-Rennfahrer Richard von Frankenberg den Engländern Betrug vorwarf.

Er glaubte nicht, dass auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Monza mit 1100 ccm ein 30-Runden-Schnitt von 172,5km/h in der Zeit von 56 Minuten und 40,8 Sekunden möglich sein konnte. Schliesslich wurde der Lotus 22 bei einem Mindestgewicht von 400kg von einem 102 PS starken, einfachen 1092 ccm Stosstangenmotor aus dem Ford Anglia angetrieben. Was nicht sein konnte, durfte nicht sein.

Peter Arundell steigt in den Lotus 22 - links kann man Colin Chapman erkennen
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

Der Gegenbeweis wird in Monza angetreten

Diesen Vorwurf liess sich Colin Chapman nicht gefallen und schlug von Frankenberg vor, die Renndistanz mit dem in Monza siegreichen Fahrzeug und dessen Piloten in aller Öffentlichkeit zu wiederholen. Und so geschah es dann am 2. Dezember 1962. Viele Journalisten und Fotografen fanden sich im Autodromo di Monza ein und wollten Zeugen dieser Wettfahrt sein.

Am Sonntag-Morgen fuhr Peter Arundell zuerst im Tourenwagen, dann im Formel Junior einige Testrunden.

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30 Runden im Schnitt von 185,5 km/h

Um 12:30 Uhr hiess es dann: „Top die Wette gilt“ und 1000 Pfund wurden als Prämie  ausgesetzt.

Peter Arundell startete zum 30 Runden Sprint mit einer Gesamtdistanz von 172,5 km. Chapman kontrollierte jede einzelne Runde und stellte eine regelmässige Kadenz, mit Rundenzeiten zwischen 1’50,4“ und 1’51,8“, fest.

Peter Arundell dreht die 30 Wett-Runden präzise wie ein Schweizer Uhrwerk
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

Nach 55’48,7“ war die Wette gelaufen und endete mit dem Triumph der Engländer. Nachdem Arundell seine dreissigste Runde absolviert hatte, fuhr er mit 1’49,8 und dem Schnitt von 188,525 km/h noch einen neuen Rundenrekord (1’50,9“) für Rennwagen der Formel Junior. Der Schnitt über die Gesamtdistanz erhöhte sich damit auf 185,445 km/h und mit dieser Leistung war der kleine Lotus 22 volle 52,1 Sekunden schneller als ein halbes Jahr zuvor am 24. Juni im angezweifelten Rennlauf.

Zu beachten dabei ist, dass die Bahn bei den eisigen Temperaturen lange nicht so schnell war wie in den Sommermonaten. Um eine Eisbildung zu verhindern wurde die eine Lesmo-Kurve am Samstag Abend noch gesalzen und die noch feuchten Stellen wurden am Sonntag-Früh mit Marmorstaub behandelt.

Die Automobil-Revue schrieb damals: „Nach seiner Ankunft wurde Arundell ein begeisterter Empfang bereitet. Unter den ersten, die dem Fahrer gratulierten befand sich Richard von Frankenberg, der sich bei den Engländern für den geäusserten Verdacht entschuldigte“.

Peter Arundell und Lotus haben die Wette gewonnen - links von Arundell steht Colin Chapman und rechts Richard von Frankenberg
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

Nach der Rundenhatz wurde der Motor auf seine Masse geprüft und er wies vorschriftsgemässe 1092 ccm aus. Auch das verwendete Benzin konnte nicht angezweifelt werden.

So gingen die 1000 Pfund Wettgeld nach England.

Immer wieder Zweifel und Betrugsverdächte

Im Motorsport wurde und wird die Technik oft angezweifelt. Oft ist es aber äusserst schwierig, den Beweis zu erbringen. Sogenannte “Vorstandszeiten” waren/sind an der Tagesordnung. Man versuchte dabei, vorwiegend bei den Tests mit allen Mitteln (z.B. untergewichtiges Auto, wenig Sprit, neue Reifen) zum optimalen Zeitpunkt eine superschnelle Runde zu drehen, um damit Sponsoren anzulocken oder zumindest die Vorstandsetage zu beruhigen.

Es gab aber auch immer wieder schwierig zu erklärende Vorkommnisse, wie zum Beispiel jener Tag im Jahr 1997, an dem Damon Hill im eigentlich völlig unterlegenen Arrows plötzlich in Ungarn bis kurz vor Schluss das Rennen anführen konnte. Eine billige Dichtung im Hydrauliksystem verhinderte den Sieg und damit die absolute Sensation. Er wurde schlussendlich hinter dem Williams von Jacques Villeneuve Zweiter.

Damon Hill auf dem unterlegenen Arrows, mit dem er 1997 fast einen Grand-Prix-Sieg errang
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Ein damaliger Mechaniker versicherte vor kurzem hoch und heilig, dass alles absolut legal war damals. Die Bridgestone-Reifen hätten bei den damaligen Temperaturen eine immense Rolle gespielt, was den Ausgang erkläre, meinte er. Wer aber Tom Walkinshaw, den damaligen Arrows-Teamchef kannte, weiss, dass jener immer wieder in Grenzbereichen operierte.

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