Die Marke Tatra mag verschwunden sein, die Erinnerungen an die herausragenden Autos dieser tschechischen Marke bleiben bestehen und mit ihnen lebt auch der Mann, der diese Fahrzeuge massgeblich gestaltete, weiter: Hans Ledwinka.
Eine lange Geschichte
Tatra gehört zu den ältesten Automarken überhaupt, die Spuren der Firma reichen bis ins Jahr 1850 zurück, als man begann Pferdekutschen zu fertigen.
Die beiden Autoren Ivan Margolius, selber Tatra T600 Tatraplan Besitzer, und John G. Henry, führen den Leser in ihrem Buch “Tatra: The Legacy of Hans Ledwinka” von den ersten Anfängen, über frühe Lizenz-Autokonstruktionen bis zum T11, den Hans Ledwinka nach seinen eigenen Vorstellungen gestaltete. Bereits vorher hatte er viele Fahrzeuge bei Tatra respektive deren Vorgängerfirma entwickelt, das Unternehmen aber auch zweimal verlassen. Doch er kehrte wieder zurück.
Vom Front- zum Heckmotor
Während die frühen Tatra-Automobile den Motor vorne hatten, schwenkte Ledwinka in den Dreissigerjahre, als seine Arbeiten am T77 begannen, zum Heckmotor. Die Luftkühlung hatte sich schon beim T11 bewährt und wurde beibehalten.
Die wichtigste Neuerung aber kam bei der Gestaltung der windschlüpfigen Karosserie, wobei man sich beim Aerodynamiker Jaray und seinen Lizenzen bediente. 1934 konnte der erste Prototyp des T77 Journalisten gezeigt werden. Und diese waren sicherlich beeindruckt von der futuristischen Form, die beispielsweise einen Chrysler Airflow schon veraltet aussehen liess.
1936 folgte der T87, der mit seiner selbsttragenden und hübscheren Karosserie sowie dem V8-Aluminium-Magnesium-Motor viele Fortschritte zeigte, und Ledwinkas Lieblingsentwurf war.
Im Buch werden Entwicklungsschritte beschrieben, mit Zeichnungen, Plänen und Fotos die technischen Besonderheiten gezeigt, der Leser immer in die Fortschritte einbezogen.
Es folgten weitere Modelle, auch ohne Ledwinkas Beiträge, z.B. der T600, der T603 oder der T613 mit Vignale-Karosserie. Der letzte Tatra-Personenwagen hiess T700 und stammt aus den Neunzigerjahren, doch das Projekt war nicht überaus erfolgreich und 1999 gab Tatra die Personenwagen-Produktion auf, um sich nur noch auf Nutzfahrzeuge zu konzentrieren.
Hans Ledwinkas Beitrag
Das Buch von Margolius und Henry, das vor 25 Jahren in der ersten Auflage erschien und nun in einer erweiterten zweiten Auflage zu kaufen ist, deckt die gesamte Automobilproduktion von Tatra, aber auch fast das ganze Leben von Hans Ledwinka ab, inklusive seiner Beiträge zu Steyr-Automobilen und zum Volkswagen. Es ist also mindestens so sehr eine Biografie wie eine Automarken-Historie.
Bildstark
Das Werk ist umfangreich illustriert und es beeindrucken vor allem die historischen Detailaufnahmen, die dem Leser gerade die frühen Tatras näher bringen. Die Entwicklung der Modelle T77 und T87 wird sicherlich am stärksten beleuchtet.
Hinten im Anhang finden sich auch noch diverse Originaldokumente und ein Stichwortverzeichnis. Trotzdem eignet sich das Buch weniger zum punktuellen Nachschlagen als zum aufbauenden Verstehen der Entwicklungsleistung Ledwinkas.
Fast hundert Euro sind nicht wenig für ein 224-seitiges Buch, aber wer sich wirklich für Tatra interessiert, wird kaum eine Alternative finden.
Bibliografische Angaben
- Titel: Tatra: The Legacy of Hans Ledwinka
- Autoren: Ivan Margolius, John G. Henry
- Sprache: Englisch
- Verlag: Veloce Publishing
- Auflage: 2. erweiterte Auflage 2015
- Format: Gebunden mit Schutzumschlag, 26 x 26 x 2,3 cm
- Umfang: 224 Seiten, 328 Abbildungen
- ISBN: 978-1845847999
- Preis: £55 (UK), ca. € 93.00 (D)
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