Der Historiker Marcus Popplow würdigt mit seiner Biographie den Menschen Felix Wankel. Er spürt dabei auch den bisher eher unbekannten Phasen des Lebens nach und zeichnet das Bild eines Mannes, das weit über den Erfinder Wankel hinausgeht.
Mehr als 50 Jahre nach der Vorstellung durch NSU hat der Kreiskolbenmotor (KKM) „Prinzip Wankel“ nichts von seiner faszinierenden Ausstrahlung verloren. Nur rotierende Teile, die kompakt, präzise und scheinbar mühelos zusammenarbeiten, verleihen dem Wankelmotor gerade im direkten Vergleich mit dem Hubkolbenmotor selbst für Nichttechniker den vermeintlich überzeugenden Vorteil. Doch bereits mit der Vorstellung des KKM wendet sich Felix Wankel von NSU ab. In Neckarsulm hatte man sein kinematisches Prinzip des Drehkolbenmotors (DKM) aus praktischen Gründen in den KKM umgekehrt. Damit war gleichzeitig eine weitere Kooperation Wankels mit seinen Partnern und Auftraggebern gescheitert.
Was war das für ein Mann, der dem wohl revolutionärsten Motorenkonzept in der Geschichte des Automobils zum Durchbruch in die Serie verhalf und seinen Namen verlieh? Dieser Frage geht Marcus Popplow akribisch nach und entdeckt einen beharrlichen, ja, gar versessenen Tüftler, dem es trotz mangelnder akademischer Ausbildung über Jahrzehnte gelingt, seine Faszination für Abdichtungsprobleme und später Rotationskolbenmaschinen auf andere zu übertragen und damit im Alter Reichtum und Weltruhm zu erlangen.
Als Autodidakt gilt der „Tüftler“ in der Welt des Maschinenbaus als „Enfant terrible“, Echte Akzeptanz hat er nie erfahren, seine unbeirrbare Konsequenz im Verfolgen seiner Visionen mag ein übriges dazu bei getragen haben, dass er stets als Aussenseiter gilt. Ein Image, dass er im Alter zu kultivieren pflegt. Dabei hat Felix Wankel auch eine ganz andere Seite als den „Maschinenträumer“ (Wankel über Wankel) zu bieten. Er interessierte sich für die Natur und engagierte sich auch politisch, ist äusserst kreativ und im gewissen Sinne auch sehr geschäftstüchtig.
Auf 150 Seiten teilt Popplow seine Wankel-Biographie in vier Kapitel ein und nähert sich dabei in überzeugender Art und Weise einer der schillerndsten aber auch bedeutendsten deutschen Erfinderpersönlichkeiten des 20 Jahrhunderts. Eine Annäherung, die bis in den engeren Kreis Wankels, seiner Familie, seiner engsten Mitarbeiter und Geschäftspartner hin reicht und dabei analytisch das Profil eines Mannes liefert, der eigentlich nie zufrieden war.
Das Buch richtet sich nicht an NSU- oder Ro 80-Fans, sondern an jene, die sich für Technikgeschichte, deutsches Erfindertum und deren Durch- und Umsetzung interessieren. Zahlreiche Abbildungen und Illustrationen runden den Zugang zu Felix Wankel ab.
Bibliographische Angaben
Marcus Popplow, Felix Wankel: Mehr als ein Erfinderleben , Sutton Verlag 2011, 160 Seiten, 50 Bilder (Schwarz-Weiß), ISBN: 978-3-86680-763-1, Preis: 15,95 EUR.
















































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