Schon der Einband besticht durch Kreativität, ist er doch im absoluten Porsche-typischen Stil gehalten. Die bekannten Krähenfuss- oder Hahnentritt-Muster des Porsche-Polsters lassen das Cover unverkennbar daherkommen.
Im Vorwort ist zu lesen, dass es selbst für Porsche nicht alltäglich ist, dass ein Sportwagen bei seiner Vorstellung eine derartig grosse Aufmerksamkeit erfahren hat wie der 911R im Jahr 2016. Weniger ist so oft viel mehr, auch hier beim R-Modell. Denn der Unterschied zur Basis wurde damals wie heute nicht vollkommen geändert, nur die Besinnung auf das Wesentliche wurde etwas ernster genommen. Heute da alle Autos vollgeladen sind mit diversen Extras, elektronischen Helfern und unnötigem Wohlstand, da besteht die Gier der Puristen auf Verzicht.
Bis 1967 setzte Porsche werksseitig kaum 356 oder 911 ein, stattdessen mussten die Kleinserien wie 550 oder 718 die Lorbeeren einfahren. Jedoch zeigte sich vermehrt, dass Erfolge auf der Rundstrecke oder bei Rallyes ein äusserst nachhaltiges Werbemittel darstellten. Also begann man auch in Zuffenhausen vermehrt dem Slogan "Win on Sunday, sell on Monday" Treue zu zeigen.
Zur Pressevorstellung in Hockenheim im Dezember 1967 schrieb Manfred Jantke in Auto, Motor und Sport: "Die offene Tür reichte an diesem Tag bis hinein in die Cockpits der Rennwagen. Wir probierten als Selbstfahrer zunächst den 911R, weil man zu dem zivil aussehenden Wagen als normaler Autofahrer noch am ehesten Vertrauen fasst. Genauso wie aussen, so sieht der R auch innen wie ein normaler 911 aus. Erst einmal in Fahrt, entpuppt er sich jedoch als unerhörtes Kraftpaket mit lautem Ansauggeräusch. Beim Beschleunigen in den Gängen eilt der Zeiger des Tourenzählers abrupt auf 8000 U/min, und im nächsten Gang hat er es wieder genauso eilig. Nicht minder eindrucksvoll ist das Bremsvermögen dieses nur 882,6 kg wiegenden Porsche. Trotz allem ist er ein Auto, mit dem man sich gern auch mal im Verkehr bewegen würde. "
Als Premiere für den 911R wurde das Strassenrennen von Mugello im Juli 1967 gewählt. Für Mugello sprach, dass das Werksteam infolge der Markenweltmeisterschaft sowieso vor Ort war und dass das Rennen von seiner Charakteristik einer Asphaltrallye glich und vor allem waren hier Prototypen zugelassen. Der Streckenverlauf ähnelte der Targa Florio und die Veranstaltung war hochkarätig besetzt. Das absolut ideale Testterrain.
Vom ersten 911R wurden insgesamt 20 Autos und 4 Prototypen gebaut. Die Fahrgestellnummer 118.9.9001 erlangte noch eine ganz spezielle Bekanntheit. Das Auto kam bei einer Nacht- und Nebel-Aktion zu ganz besonderer Ehre. Die vier Schweizer Profi- und Amateur-Rennfahrer Jo Siffert, Rico Steinemann, Dieter Spörry und Charles Vögele wollten im November 1967 mit einem Carrera 6 auf dem Oval in Monza auf Weltrekordjagd gehen. Nachdem aber der 906 den Strapazen der Steilkurven in Monza nicht gewachsen war, musste innert Stunden ein anderes Auto mobilisiert werden. Da ein weiterer Carrera 6 nicht weitergeholfen hätte, wich man auf den neuen 911R aus und siehe da Porsche holte bei einer Gesamtfahrzeit von 96 Stunden diverse Distanz-Weltrekorde und zum Schluss über die Gesamtdistanz mit einem Schnitt von 209,23 km/h auch diesen Rekord nach Deutschland zurück. Die alten von Porsche erzielten Weltrekorde wurden inzwischen von einem Ford Comet in Daytona und einem Toyota 2000 GT in Japan überboten. Dass dieses Unterfangen, welches Rico Steinemann, der in diesem Buch fälschlich als Redakteur der Automobil-Revue aufgeführt wird, obwohl er Gründer und Chefredaktor des damals besten Motorsportmagazines "powerslide" war, nicht einfach war, wird auf rund 22 Seiten eindrücklich beschrieben.
Nach 186 ausführlichen Seiten über den alten 911R fügen sich weitere 180 Seiten über den 1370 kg schweren 991R aus dem Jahr 2016 dazu. Das ist jenes Auto, dessen komplette Produktion von 991 Stück am ersten Messetag in Genf im März 2016 innerhalb von nur 12 Stunden komplett ausverkauft war.
Auch hier wird der komplette Werdegang minutiös beschrieben und dargestellt.
Dabei sind speziell noch die beiden Durchsichtsvorlagen zu erwähnen, die das Fahrwerk sowie den Antriebsstrang auf eindrückliche Art und Weise zeigen.
In diesem Buch wird wirklich jede Kleinigkeit über die beiden R-Modelle erzählt, gezeigt und in Tabellen dargestellt. Auch hier besticht einmal wieder mit welch akribischer Genauigkeit heute Bücher produziert werden. Den drei Herausgebern Christoph F. Mäder, Dr. Georg Konradsheim und Dr. Thomas A. Gruber ist nichts entgangen, was die beiden R-Modelle betrifft und sie erkannten ganz richtig: "Erst die intensive Aufarbeitung der Geschichte der beiden Fahrzeuge hat offenbart, wie umfangreich die Anstrengungen hinter diesen beiden Projekten waren, die sich so rein äusserlich so wenig von den jeweiligen Serienmodellen unterscheiden."
Für einen Fotografen auffallend ist, dass das Bildmaterial vom 991R bei weitem nicht so toll und emotional ist, wie das zu seinem Vorgänger. Sind die alten Bilder eine echte Augenweide, so kommen die Neuen trotz wesentlich besserer Technik bis auf wenige Ausnahmen deutlich langweiliger daher.
Nichtsdestotrotz sind die 384 Seiten sicher für jeden 911R Besitzer ein "must have" und für jeden Porsche-Fan infolge des stattlichen Preises von fast EUR 400 ein "nice to have”.
Bibliografische Angaben
- Titel: 911R
- Autoren: Christoph F. Mäder, Dr. Georg Konradsheim, Dr. Thomas Gruber
- Sprachen: Deutsch
- Verlag: T.A.G. Motor Books GmbH, Seidelstrasse 5, 30163 Hannover DE
- Auflage: 1. Edition
- Format: Gebunden mit Schuber, 26,5 x 30,5 cm
- Umfang: 384 Seiten, grossformatige Farb- und Schwarz-Weiss Bilder und viele interessante Werksdokumente, über 635 Abbildungen
- ISBN: 978-3-9818419-4-7
- Preis: Euro 387.-
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