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Bild (1/2): Ford Galaxie 500 (1963) - Tourenwagen mit üppig Leistung (© Bonhams, 2017)
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    Ford Galaxie 500 - der Goliath, der es den Davids zeigte

    15. Juli 2017
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
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    5,33 Meter Länge und 2,02 Meter Breite sowie über 1,7 Tonnen Gewicht prädestinierten den Ford Galaxie 500 eigentlich nicht zum Siegeskandidaten bei Tourenwagenrennen, aber dank mehr als 400 PS Leistung bügelte Jack Sears mit seinem Dickschiff die Konkurrenz in der britischen Tourenwagenmeisterschaft des Jahres 1963 nieder.

    Jack Sears in seinem Ford Galaxie 500 in der Britischen Tourenwagenmeisterschaft des Jahres 1963 - Premierensieg in Silverstone (aufgenommen im Becketts Corner)
    © Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

    Den Rennsport im Auge

    Der Ford Galaxie wurde bereits seit 1959 produziert und wie üblich Jahr für Jahr dem veränderten Publikumsgeschmack angepasst. Es gab den Wagen als zwei- oder viertürige Coupé, als Cabriolet und als sogenannte Hardtop-Variante mit zwei Türen und festem Dach. Letztere bildete auch die Basis für den Einsatz in Tourenwagenrennen. Doch Ford stellte schon bald fest, dass der Wagen zu schwer, leistungsmässig zu schwach und aerodynamisch nicht optimal war.

    Ford Galaxie 500 XL (1963) - Basis für die Rennwagen
    © Zwischengas Archiv

    Mit der nach einem halben Baujahr eingeführten Modell-Serie 1963 1/2 wurden viele dieser Mängel beseitigt.

    Schon der neu eingeführte 289-er-Motor konnte mit 198 SAE-PS aus 4,7 Litern punkten, für den Rennsport aber bot Ford einen neuen 427-er High Performance V8 an. Dieser leistete mit 6,9 Litern Hubraum je nach Vergaserkonfiguration 416 oder 431 SAE-PS bei 5600/6000 Umdrehungen. Mit Schwingungsdämpfern an den Ventilfedern, Verzicht auf hydraulische Ventilstössel, Rennkolben und vielen weiteren Goodies wurde diese hohe Leistung möglich.

    Ford gab damals an, dass alle bewegten Teile des Motors bei 6000 Umdrehungen individuell aufeinander abgestimmt und ausbalanciert würden. Gekoppelt wurde der Motor mit dem Viergang-Borg-Warner T-10-Getriebe.

    Mehr Leistung und weniger Gewicht

    Ford drehte aber nicht nur an der Leistungsschraube, sondern machte den Galaxie auch leichter. Kunststoffteile für die Karosseriebeplankung, Aluminium-Stosstangen und Befestigungen und der Verzicht auf Isolationsmaterialien sorgten für eine Gewichtsreduktion von rund 170 kg, mit Fiberglastüren wären es sogar 193 kg gewesen, doch diese waren den Ford-Ingenieuren zu unsicher.

    Ford Galaxie 500 (1963) - Rot war die typische Farbe für den weissen Wagen
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    USD 4200 kostete eine weiss lackierte und mit rotem Vinyl-Interieur ausgestattete derartige Rennversion, also rund 1/3 mehr als der herkömmliche Galaxie XL für USD 3268.

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    Kaum Abweichungen von der Serie

    Das Reglement der britischen Tourenwagenmeisterschaft erlaubte nur geringe Anpassungen an den Rennwagen, die im Prinzip fast serienmässig daherkommen mussten. So verblieb denn auch das gesamte Vinyl-Interieur im Auto. Der Wagen mit Chassis-Nummer 3N66R143030, den das Willment Rennteam auf Aufforderung von Ford USA 1963 in der Meisterschaft einsetzen sollte, wurde bei Holman-Moody vorbereitet. Mit etwas Feinarbeit waren die Spezialisten in der Lage, 450 PS aus dem nun mit einem Vierfachvergaser ausgerüsteten Motor herauszuholen.

    Ford Galaxie 500 (1963) - üppig Hubraum und Leistung - rund 400 PS wurden dem 427er zugesprochen
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    Aus Sicherheitsüberlegungen wurde ein Überrollbügel eingebaut, damals unüblich in der britischen Tourenwagenmeisterschaft. Und prompt reklamierten die Konkurrenten, weil sie befürchteten, der eingeschweisste Bügel würde die Torsionsfestigkeit der Karosserie vergrössern und damit Vorteil im Rennbetrieb bieten. Während der Saison jedenfalls wurden immer mehr Teile des Überrollbügels nach Protesten entfernt.

    Ein anpassungsfähiger Rennfahrer

    Als Fahrer wurde Jack Sears ausgewählt. Er war im Prinzip ein Gentleman Driver, denn für seine Fahrdienste war Sears kaum je bezahlt worden, Hotelspesen waren fast noch das Grösste, was er erwarten konnte. Selbst seine Autos musste Sears, geboren am 16. Februar 1930, meist selber kaufen. Seine finanzielle Unabhängigkeit hatte er seinem Grossvater, der mit Schuhen reich geworden war, und seinem Vater, der bereits in den Dreissigerjahren alte Autos sammelte, zu verdanken.

    Bereits als Schüler erhielt Jack Sears einen Morgan 4/4 und begann Autorennen zu fahren. Auch Autos aus Vaters Sammlung, u.a. ein TT Sunbeam aus dem Jahr 1914 dienten ihm als Rennwagen und er lernte, mit den unterschiedlichsten Autos zurechtzukommen und schnell zu sein. Nach einer Ausbildung als Bauer übernahm er eine grosse Farm  in Norfolk. Zunächst verlangte der grosse Bauernhof seine ganze Aufmerksamkeit, doch schon bald fand er wieder Zeit, an Rennen teilzunehmen, u.a. am Monte Carlo Rallye des Jahres 1956.

    Im Jahr 1958 konnte Sears die Britische Tourenwagenmeisterschaft auf einem Austin A105 gewinnen, allerdings erst nach einem Stechen am Ende der Saison, weil neben ihm Tommy Sopwith die exakt gleiche Punktezahl (auf einem Jaguar 3.4) aufwies. Gefahren wurde mit zwei identischen Riley 1.5, die nach fünf Runden getauscht wurden. Sears siegte mit 1,6 Sekunden Vorsprung.

    Jack Sears bewies sich als sehr schneller Fahrer, der auch mit schwierigen Verhältnissen (und Autos) zurechtkam.

    Mit drei verschiedenen Wagen zum Tourenmeister-Titel

    Für das Jahr 1963 tat sich der Gentlemen-Driver mit dem Rennteam von John Willment zusammen und startete bei den ersten Läufen mit einem Ford Cortina GT. Bereits im Januar aber war Sears gefragt worden, ob er bereit sei einen Nascar-Ford Galaxie in der BTCC zu steuern. Sears meldete einige Zweifel an: “Das Ding kann man ja nie mehr stoppen”. Doch er wurde überzeugt, dass Ford bei den Bremsen wesentliche Fortschritte gemacht habe. Nach einigem Überlegen sagte Sears schliesslich zu, denn sonst wäre der Galaxie gar nicht beschafft worden.

    Ford Galaxie 500 (1963) - langer Überhang hinten
    © Copyright / Fotograf: Bonhams

    Im Mai kam der Wagen dann gerade rechtzeitig für Silverstone an, noch mit Strassenreifen besohlt. Trotzdem ging Sears mit dem Wagen (Kennzeichen BML 9A) auf ein paar Proberunden, doch bereits im dritten Umlauf, als Jack das Tempo steigerte, platzte einer der hinteren Reifen. Kein guter Start.
    Am nächsten Tag kamen dann auch die Rennreifen an und Sears stellte den Galaxie auf die Pole Position. Die Bremsen funktionierten besser als erwartet, waren allerdings im Vergleich zum Jaguar deutlich unterlegen.

    Doch der britische Rennfahrer kämpfte noch mit anderen Problemen. So war der Galaxie linksgelenkt, was für Sears ungewohnt war, und die Kupplung erlaubte keinen stehenden Rennstart, der in den USA nicht üblich, in Grossbritannien aber Standard war.

    So verlor denn Sears auch beim Start bereits drei Positionen an die Jaguar-Fahrer, doch auf der nächsten längeren Geraden segelten er an Sir Gawaine Baillie, Roy Salvadori und Graham Hill vorbei und legte schon bald einen beträchtlichen Abstand zu ihnen. Sears siegte beim Premierenrennen in Silverstone und auch auf den weniger geeigneten Rundstrecken von Crystal Palace oder Brands Hatch konnte der Galaxie die Jaguar-Meute hinter sich lassen.

    Ford Galaxie 500 in der BTCC 1963

    Trotzdem fuhr er am Ende der Saison dann den nagelneuen Ford Lotus Cortina, den man nun fördern wollte, siegte auch damit (in seiner Klasse, während u.a. Graham Hill im Sears-Galaxie ebenfalls gewann) und wurde britischer Tourenwagenmeister des Jahres 1963.

    Überlebt

    Nicht selbstverständlich ist, dass Jack Sears Tourenwagen überlebt hat.

    Ford Galaxie 500 in der BTCC 1963

    Tatsächlich verbrachte der Galaxie das Ende der 63-er-Saison in Südafrika, kam dann aber für 1964 wieder zurück nach Grossbritannien. Sears konnte noch weitere vier Rennen im Dickschiff gewinnen, danach wurde der Wagen erneut nach Südafrika verschifft, wo er 1966 rot gespritzt die Meisterschaft gewann.

    Bis 1989 blieb der Wagen im Süden, dann konnte Sears ihn zurückkaufen.

    Jack Sears und sein Ford Galaxie 500

    Er liess ihn komplett von einem ehemaligen Mechaniker des Willment-Teams restaurieren und wieder in der ursprünglichen Farbe (“Corinthian White”) lackieren und zeigte sich ab und zu damit an Veranstaltungen, z.B. dem Goodwood Festival of Speed.

    Goodwood Festival of Speed 2014 - Ford Galaxie 500 (1964) - Jack Sears im Ford
    © Copyright / Fotograf: Adam Beresford - Courtesy Goodwood Festival of Speed

    Vor einem Jahr verstarb Jack Sears und nun sollen mehrere seiner Wagen verkauft werden.

    Bonhams wird den Galaxie 500 (BML 9A) am 9. September 2017 anlässlich der Goodwood Revival Versteigerung unter den Hammer bringen. Als Wert wurden £ 180’000 bis 220’000 geschätzt, viel Geld für einen Ford, aber vielleicht genau die richtige Summe für ein legendäres Rennfahrzeug.

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