Rudolf Fischer – der beste Amateur aller Zeiten

Erstellt am 24. August 2011
, Leselänge 7min
Text:
Bernhard Brägger
Fotos:
Archiv Bernhard Brägger 
3

Bern, 18. Mai 1952. Vier Schweizer stehen am Start zum Grossen Preis der Schweiz: Emanuel de Graffenried auf dem 2-Liter Maserati 4CLT, Peter Hirt mit dem 12-Zylinder Ferrari 212, Max de Terra auf Simca Gordini  und Rudolf Fischer mit seinem 1,5-Liter Ferrari 500. Nach 62 Runden überquert der Italiener Piero Taruffi auf Ferrari als Sieger den Zielstrich, gefolgt von Rudolf Fischer. De Graffenried wird sechster, Hirt siebter. De Terra scheidet aus. Auf einen Schlag ist Rudolf Fischers Name in aller Mund. Wenige Monate später erklärt Rudolf Fischer den Rücktritt vom Automobilrennsport.

Kurze Rennkarriere

Nur kurze Zeit dauerte die Rennkarriere des 1912 in Zürich geborenen Rudolf Fischer. Erst 1948 setzte er sich ins Cockpit eines 1,1-Liter Simca Gordini. Bereits 36 Jahre alt, an jenem verhängnisvollen Wochenende in Bern, als der bekannte italienische Motorradfahrer Omobono Tenni, Achille Varzi, der grosse Gegenspieler Tazio Nuvolaris und der ehemalige Schweizer Werkspilot bei Mercedes-Benz und Auto Union Christian Kautz  tödlich verunfallten. Der Preis von Bern, ein Rennen für die neu geschaffene Formel  2 mit 1,1-Litermotoren, lockte Weltklassepiloten an: Raymond Sommer, Jean Louis Trintignant, Piero Taruffi, Giuseppe Farina oder der unterdessen in die Jahre gekommene Hans Stuck.

Der spektakuläre Unfall

Morgens früh um 09.00 Uhr startete Rennleiter Max Christen das über 20 Runden dauernde Rennen. Kaum waren die 20 1,1-Liter-Wagen in Richtung Kiesgrube entschwunden, kam es beim Glasbrunnen zu einem der spektakulärsten Unfälle  der Renngeschichte. René Häfeli schildert die Szene in seinem Buch „Verstummte Motoren“:
„Trintignant touchierte bei einem Überholversuch die Leitplanken und wurde hoch in die Luft geschleudert. Der dichtauf folgende Sommer fuhr unter dem sich überschlagenden Gordini durch. Bira stieg voll in die Bremsen und wurde von Farina gerammt. Manzon wich den Unglückswagen aus und verliess die Piste. Und während des ganzen Tohuwabohus lag Maurice Trintignant schwer verletzt auf der Fahrbahn, ohne von einem einzigen Wagen touchiert zu werden!“

Fischer  kam bei der Unfallstelle ungeschoren durch und belegte schliesslich den 11. Rang. Sieger wurde Piero Taruffi auf Cisitalia. Maurice Trintignant erholte sich bald einmal von seinen Verletzungen. Rudolf Fischer musste  sich an diesem Rennen – am Grossen Preis von Genf vor einem Monat fiel er mit einem Kolbenschaden aus - endgültig entschlossen haben, als Privatfahrer den grossen Tenören die Stirn zu bieten, sei es mit Formel 2- oder sogar Formel 1-Rennwagen. Und als am 8. August der Preis der Ostschweiz in Erlen gestartet wurde, war Fischer mit seinem Simca Gordini wieder am Start und gewann bereits  das national ausgeschriebene Rennen mit Rundenvorsprung vor Walter Wüest auf Cisitalia.

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Unterlegenes Material

Für die Rennsaison 1949 baute Fischer einen 1,5 Litermotor in seinen Simca Gordini ein. Doch auch damit war er für den 9. Grossen Preis in Bern noch untermotorisiert. Nach 40 Runden stand der Sieger fest: Alberto Ascari. Der Italiener stand am Beginn einer steilen Karriere. Zweimal sollte er Weltmeister werden. Fischer brachte es nur auf 36 Runden!  Am Prix du Leman in Lausanne sah er die Zielflagge nicht.

1950 nahm er die Offerte von Hersham and Walton Motors (HWM) an, am Grand Prix in Bern den Werkswagen des indisponierten Stirling Moss zu fahren. Ein Motor von Alta trieb den skurrilen, zweisitzigen Formel  2 an. Fischer beendete das für Formel-2-Wagen ausgeschriebene Rennen auf dem hervorragenden 6. Platz noch vor den beiden HWM-Werksfahrern John Heathund Georg Abecassis. Raymond Sommer gewann vor den Simcas der Franzosen Maurice Trintignant und Robert Manzon. Das international ausgeschriebene Rundstreckenrennen im thurgauischen Erlen  gewann Luigi Villoresi. Fischer wurde auf einem 1,4-Liter OSCA vierter.

Im 12-Zylinder Ferrari 212

Als 1951 Juan Manuel Fangio Rudolf Fischer am Grossen Preis der Schweiz in Bern zum dritten Mal überholte, stand Fischer kurz vor der Aufgabe seines Hobbys. Da hatte sich der Restaurateur einen Ferrari mit dem 12-Zylindermotor des  212 angeschafft und jetzt dieses Debakel. Der 2,6-Liter gab zwar gute 160 PS ab, aber dies war zuwenig um dem Alfa Romeo 159 (Alfetta) oder dem Ferrari 375 Paroli zu bieten. Kam hinzu, dass Brillenträger Fischer beim strömenden Regen gegen sich beschlagenden Gläsern zu kämpfen hatte. Ein weiteres Handicap. Und so wurde er von der vierten Position in der Startrunde bis zur 11. nach hinten durchgereicht.

Aus der ersten Startreihe preschte Fischer in Erlen am Preis der Ostschweiz für Formel 2-Wagen los. Für dieses Rennen liess er einen 1,5-Liter-Motor einbauen. Stirling Moss auf HWM war im Training nur wenige Zehntelsekunden schneller. Doch die absolute Trainingsbestzeit fuhr Willi Peter Daetwyler auf seinem Alfa Romeo 412.  Er startete allerdings im Preis des Thurgaus, ein Rennen für Sportwagen. Maurice Trintignant, Simca Gordini, Emanuel de Graffenried, HWM,  Toni Ulmen, Veritas, Robert Manzon, Simca Gordini, Peter Whitehead, Ferrari 166, Hans Stuck, Veritas, zierten die Startliste des Hauptrennens. In der 26 Runde musste Moss die Führung wegen Aufhängungsschaden abgeben. Der sich kontinuierlich nach vorne arbeitende Whitehead übernahm nun das Kommando und gab es nicht mehr ab. Rudolf Fischer belegte den 2. Platz - dicht gefolgt von Robert Manzon.

Zu einem Sieg reichte es Rudolf Fischer 1951 aber doch noch. Die ACS Sektion Zürich organisierte am 22./23. September das Albis Bergrennen. Start in Adliswil – Ziel auf der Passhöhe. Auf dem Ferrari 212 erzielte er auf der recht anspruchsvollen Strecke Tagesbestzeit.

Das beste Rennen eines Amateurs aller Zeiten

Als Alberto Ascari auf dem Ferrari 500 am 16. September 1952 die Zielflagge am GP der Niederlande in Zandvoort sah, hatte er ausser dem GP in Bern und den 500 Meilen von Indianapolis alle Rennen zur Fahrer-Weltmeisterschaft der Saison  gewonnen. Eine fast unglaubliche Serie, die auch damit zu tun hatte, dass der Ferrari 500 unter normalen Umständen kaum zu schlagen war.

Und da wusste die Presse noch eine weitere Sensation zu würdigen. Rudolf Fischer belegte in der Fahrerweltmeisterschaft den vierten Gesamtrang. In der über 50jährigen Geschichte der Formel 1 ist dies nie mehr einem Amateur gelungen.

Wie kam es dazu? Ende 1951 trat Alfa Romeo aus der Formel 1 zurück. Die beinahe unschlagbaren und wunderschönen Alfa Romeo 159 - Alfettas wie sie genannt wurden - sollen verschrottet worden sein! Alfa Romeo wollte sich intensiver der Entwicklung der Personenwagen widmen – so jedenfalls tönte es aus den höchsten Etagen aus Milano. Das neue Formel 1-Reglement trat erst 1954 in Kraft. Um nach dem Rücktritt von Alfa Romeo ein genügend grosses Feld zu haben, wurde von der FIA die Saison 1952 für Fahrzeuge der bisherigen Formel 2 ausgeschrieben (Saugmotor mit Hubraummaximum von 2000 cm³). Da standen nur einige englische Konstruktionen in den Startlöchern. Maserati brachte seinen 2-Liter erst gegen Ende der Saison richtig in Fahrt und Mercedes-Benz war mit seinem Formel 1-Projekt noch in der Entwicklungsphase. So wurde der 4-Zylinder-Ferrari Typ 500 unschlagbar. Gordini oder Cooper-Bristol wurden zu Statisten degradiert.

Rudolf Fischers hatte sich auch einen solchen 4-Zylinder Ferrari angeschafft.  Der 2. Rang hinter Piero Taruffi am GP Suisse vom 18. Mai 1952 auf der schnellen Bremgarten-Rundstrecke in Bern und der 3. Rang auf der Nordschleife des Nürburgrings, der anspruchvollsten Rennstrecke der Welt, zeugten von der fahrerischen Klasse Rudolf Fischers. Einzig die Ferrari-Werksfahrer Alberto Ascari, Giuseppe Farina und Piero Taruffi klassierten sich in der Fahrer-Weltmeisterschaft vor dem Schweizer Amateur. Robert Manzon, Luigi Villoresi, Froilan Gonzalez, Jean Behra und andere damalige Asse mussten hinten anstehen..

Rücktritt auf dem Höhepunkt der Karriere

Doch der 4-Zylinder Ferrari 500 mit seinen rund 185 PS bei 7500 U/Min war weder in der Anschaffung noch im Unterhalt billig. Dazu kamen noch zwei schwere Motorschäden. All dies musste am Geldbeutel des Ruedi - wie er genannt wurde - arg geknabbert haben. Sponsoring war 1952 noch ein Fremdwort. Werksverträge waren den jungen Talenten reserviert.

Da trat Rudolf Fischer vom Rennsport zurück. Ein 2. Rang in Bern, ein 3. auf dem Nürburgring und der 4. Gesamtrang in der Fahrer-Weltmeisterschaft. Was will ein Privatfahrer noch mehr? Da konnte ihn auch der Sieg am Maloja-Bergrennen von seinem Entschluss nicht zurückhalten. Ruedi Fischer beendete seine Karriere auf dem Höhepunkt.

Rudolf Fischer starb am 30. Dezember 1976 in Luzern.

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