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Bild (1/1): Der erfolgreiche Rennfahrer Karl Kling (© Daimler AG, 1954)
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  • Karl Kling – Kling, Glöckchen klingelingeling …

    Erstellt am 2003
    Text:
    Hartmut Lehbrink (bearbeiten von Daniel Reinhard)
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
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    Am 16. September 2001 wurde Karl Kling 80 Jahre alt. Wer, bitte schön? Die Antwort auf diese durchaus berechtigte Frage führt unweigerlich zu der frohen Doppelbotschaft des 4. Juli 1954. Zitiert sei also die "Frankfurter Allgemeine", die am Tage darauf inmitten der politischen Melange auf ihrer ersten Seite journalistisch ausgenüchtert einrückte, was tags zuvor in der Westhälfte des vaterländischen Provisoriums einen wahren Identitätsausbruch aufgerührt hatte: "Deutschland ist Fussballweltmeister" und "Fangio siegt in Reims - Mercedes-Erfolg in Frankreich".

    Mercedes Benz W 196 R (1954) - Rad-an-Rad-Duell zwischen Fangio und Kling beim Grossen Preis von Frankreich 1954
    © Copyright / Fotograf: Copyright Daimler AG

    Einer der Schnellsten

    Ursächlich beteiligt an diesem halbnationalen Hochgefühl waren die Herren Max Morlock und Helmut Rahn. Und Karl Kling, der Fangio im voll umkleideten W196 nach 500 Kilometer Renn-Distanz mit einer Wagenlänge Abstand durchs Ziel gefolgt war - graumeliert schon, vom Krieg um die sieben besten Rennjahre geprellt und in diesem, seinem ersten grossen Preis bereits in einem Stadium, in dem sich für den heutigen Sportsmann ganz sanft die Tür zur geriatrischen Abteilung auftut. Bemerkenswert an diesem Erfolg waren drei Dinge: Zum einen, dass die brandneuen stromlinienförmigen W196 nach 15 Jahren Abstinenz der Stuttgarter vom europäischen Formelrennsport kamen, sahen und siegten, zum zweiten die Art und Weise, wie dies geschah, nämlich mit einer hauchdünnen Zehntelsekunde Abstand und nachdem die Wagen der verzweifelnden Konkurrenz (Hawthorn, Ascari, Gonzales und Cie.) restlos überfordert am Rande der Piste verwelkt waren.

    Und schliesslich - aber darauf müssen wir etwas näher eingehen: Für Karl Kling nämlich, der fast neben Juan Manuel Fangio über die Ziellinie fuhr, war dies der erste Grand Prix. Kling zählte damals bereits 43 Lenze, nach den Maßstäben des Leistungssports, der seine eigene Zeitrechnung hat, beinahe ein Greis. Was ging in ihm vor in jenen Minuten und Stunden? Lag es nicht nahe, den überraschenden zweiten Platz als Anzahlung für Grösseres anzusehen, die Weltmeisterschaft etwa?

    Mercedes-Benz 300 SL (1952) - Karl Kling und Hans Klenk anlässlich der III. Carrera Panamericana 1952
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Wenn man Karl Kling später danach fragte, wich er aus: "Ich war in erster Linie Langstreckenfahrer, hatte einen sechsten Sinn für das Unbekannte hinter der nächsten Kurve. 1954 kannte ich kaum eine GP-Strecke. Um grosse Preise zu gewinnen, viele, muss man in der Meute gefahren sein, mitten drin im Pulk der grossen Namen. Auch das fehlte mir."

    Aber dann blitzte plötzlich sein Ehrgeiz durch: "Manchmal dachte ich, soweit wie Fangio könntest du auch gelangen, aber es gab so viel, was dem im Wege stand."

    Was er mit dieser vagen Andeutung meinte, erfuhr man nicht. Fangio jedenfalls war für ihn der Grösste der Motorsport-Koryphäen, trotz Clark, trotz Rindt und Stewart, trotz Fittipaldi, über den er sich so gar keine Meinung bilden konnte.

    "Moss war wohl der Universellste, ein rücksichtsloser Draufgänger, dem nur das letzte Fünkchen Glück fehlte…" Glück fehlte indessen auch Karl Kling, gerade da, wo es greifbar nahe schien. Beim Grossen Preis von Deutschland reichte es nur zum vierten Platz, in Spanien zum fünften.

    Nur elf Grand-Prix-Rennen

    Kling (1910-2003) wurde allerdings nur elf Grand Prix alt. Am Ende der Saison 1955 steckte Daimler-Benz seine Silberpfeile vorläufig endgültig in den Köcher zurück. Und als Alfred Neubauer mit einer Gebärde von durchscheinender Symbolik eine Art Leichentuch über die Rennwagen der Untertürkheimer breitete, begrub er die Formel 1 Karriere des Herrenfahrers aus Giessen, die zu spät angefangen und zu früh aufgehört hatte, gleich mit.

    Mercedes Benz W 196 R (1954) - Grosser Preis von Spanien am 24. Okt. 1954 - Überhitzungsprobleme bei Kling (4) - Papierfetzen vor der Kühlöffnung beinträchtigen die Leistungsabgabe
    © Copyright / Fotograf: Copyright Daimler AG

    Klings Geschicke waren seit eh und je verwoben mit denen des Hauses Daimler-Benz und so bedeutete der Rückzug der Untertürkheimer vom aktiven Motorsport mit dem Ende der Saison 1955 für ihn auch den Schlusspunkt hinter seiner Karriere als Rennfahrer. Er beendete als Dritter den Grossen Preis von England, belegte mit Fangio im 300-SLR-Sportwagen den zweiten Platz bei der Targa Florio und glänzte mit weiteren Ehrenplätzen bei der Tourist Trophy und dem Grossen Preis von Schweden. Eine Reihe von Stürzen erklärt er mit Pech oder dem aggressiven Fahrstil von Konkurrenten. Aus deren Sicht sah es freilich etwas anders aus: Kling sei zu ehrgeizig, überziehe sein fahrerisches Potential und wolle um jeden Preis Weltmeister werden.

    Die Zehntelsekunde von Reims indessen blieb unbewältigte Vergangenheit: "Ich Idiot. Ich hätte ihn packen können. Das Rennen ging über 61 Runden. Ich dachte, es seien 60 und nahm anschliessend den Fuss vom Gas. Da war er weg. "Karl Kling erzählt leise und vertraulich-mitteilsam, lässt dann plötzlich seine Stimme anschwellen, rollt drohend das R.

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    Ausklingen lassen

    Die deftige autobiographische Notiz stand in eigentümlichem Gegensatz zum Idyll seines Sommersitzes am Bodensee unweit von Radolfzell. Gegenüber, malerisch am Schweizer Ufer gelagert, das Städtchen Steckborn. Links zeichnet sich die Insel Reichenau gegen den Horizont ab. Ganz hinten schwimmt Konstanz im Dunst des Tages. Dies sei, schwärmt Kling, die schönste Kante, viel weniger überlaufen als der Ostteil des Sees, noch ziemlich unberührt, von grosser landschaftlicher Vielfalt.

    Seit 1959 besass er dieses Anwesen, hat inzwischen um zwei Anbauten erweitert, was nur ein Sommerhäuschen sein sollte, wohnte hier seit seiner Pensionierung 1970 zwischen Juni und September. Der See war ganztägig Unterhaltungsprogramm und zugleich ein guter Freund.
    Kling kannte jedes seiner Gesichter, mal sanft, mal erregt oder ausser sich, wenn drüben im Schweizerischen die Fallwinde aus den Bergen stürzen oder die Bäche zusammenschiessen. Früher, gar nicht lange her, da war das Ehepaar Kling viel Wasserski gelaufen, Wilma Kling noch mit 70, bis es mit ihrer Gesundheit bergab ging. Das Motorboot, das fest zu den guten Dingen des Lebens gehört hatte, wurde ebenso gestrichen wie Klings 24. Motorrad, eine Yamaha.

    In späteren Jahren dümpelte nur noch ein Leichtmetall-Kahn ein paar Meter vor dem Ufer. Gleichwohl gab es viel zu tun. Das Alltägliche, freundlich überhöht durch die Schönheit des Fleckchens, nahm den Pensionär rigoros in Anspruch: "Ich habe immer etwas zum Knoddeln." Eine sagenhafte Wachstumsgegend sei das; alle acht Tage könne man den Rasen mähen und die Hecke, gerade vor einem Monat geschnitten, sei schon wieder fällig.

    Kein Asket

    Besonders asketisch sei er nicht, treibe keinerlei Sport, lebe halt so. Dazu gehörte der Wein zur Siesta am Wasser, ein Viertele oder auch zwei, ein schöner Badener oder ein Trollinger Spätlese, der Chasselas aus Aigle oder auch der sehr trinkbare Riesling aus Arenenberg von der anderen Seite, mit acht oder neun Fränkli keineswegs übertrieben teuer.

    Mercedes-Benz 300 SL (W194) (1952) - Fahrerteam Kling/Klenk an der Mille Miglia 1952
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Und da geschah es auch schon einmal, dass er die Zeitung sinken liess, in der er gerade gelesen hat, und dass zwischen Tag und Traum plötzlich die Vergangenheit zurückkehrte wie in einem Film von Ingmar Bergmann. Dann fuhr Karl Kling mit dem Mercedes 300 SL wieder über den Raticosa-Pass wie an jenem trübseligen Regensonntag im Mai 1952 auf der 19. Mille Miglia: "Ich könnte noch heute die ganze Route aufzeichnen, so hat sich alles eingeprägt."

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    Dem Krieg entronnen

    Der Krieg bedeutete für ihn einen tiefen Einschnitt, wie für viele andere, eine Zäsur von sieben langen Jahren. Glücklicherweise blieb er Zivilist, reiste aber als technischer Berater zu den Frontflugverbänden - viele Maschinen hatten Mercedes-Triebwerke. Seinen alten Wunschtraum legte er auf Eis und 1946 buddelte er irgendwo in Stuttgart einen verstaubten BMW 328 aus, mit dem er am 29. September beim Karlsruher Dreiecksrennen Zweiter wurde.

    Dann machte er die Bekanntschaft von Ernst Loof, der treibenden Kraft hinter den Veritas Sport- und Rennwagen und baute drei davon selbst "in einem Werkstättchen" in Stuttgart. Seine Motoren präparierte er stets eigenhändig und erzog ihnen Standfestigkeit an, ein delikates Unterfangen zu jener Zeit.

    Der deutsche Sportwagenmeister 1948 und 1949 hiess Karl Kling und 1950 war er im Werks-Mercedes 170S sogar Tagesschnellster beim 6-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, das auf seine Anregung hin ins Leben gerufen wurde.

    Mercedes-Benz 170 S (1950) - Karl Kling am ADAC-6-Stunden-Rennen
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    1951 stieg er dann auf in die Oberstufe des Motorsports: Mercedes verschiffte die Dreiliter-Formelwagen von 1939 nach Argentinien, für Fangio, Lang und Kling. Aber die klobigen Oldtimer mit ihren schwierig einzustellenden Doppelstufen-Kompressormaschinen waren den Nachkriegs-Ferrari unterlegen. Froilan Gonzales, der Pampas-Stier, gewann die beiden Rennen um den "Evita Péron-Cup"; Kling, der seinen alten Traum zumindest zur Hälfte erfüllt sah (er fuhr endlich einen GP-Renner, aber die Veranstaltung hatte keinen Weltmeisterschaftsstatus) belegte in der Addition beider Läufe den zweiten Platz.

    Der Vogel von der Carrera

    Dann hörte er auch noch einmal den berstenden Knall und spürt den Schreck, als ein halbes Jahr später bei der Carrera Panamericana während des Anstiegs zur Sierra Madre der Geier durch die Windschutzscheibe kam, ein Prachtexemplar von 1,15 Meter Spannweite und fünf Kilogramm Gewicht. Den Rest des 3113 Kilometer langen Rennens verbrachte das Gespann Karl Kling/Hans Klenk hinter Gittern, Metallstäben, die die beiden vor weiteren Luftangriffen schützen sollten - und gewann.

    Mercedes-Benz 300 SL (1952) - Karl Kling und Hans Klenk an der III. Carrera Panamericana Mexico nach dem berühmten Unfall mit dem Geier
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Von ihnen beiden stammt für Langstreckenrennen die Erfindung des sogenannten "Gebetbuches", eine detaillierte Streckencharakteristik, hinter der unendlicher Trainingsfleiss steckt. Wenn Klenk im zurief: "Nach dem Buckel links voll!", dann pflegte Kling auch links voll zu fahren - der Marschplan stimmte immer, kein Wunder, denn Klenk galt als bester Beifahrer der Branche. Klings Erfolge 1952 wurden mit dem Prädikat "Sportler des Jahres" honoriert.

    Pechsträhne

    1953 erwischte er dagegen eine Pechsträhne. Die Mercedes GP-Wagen für die kommende Saison reiften in einer einjährigen Renn-Pause heran, und so gab Kling ein Gastspiel bei Alfa Romeo. Das Coupé war schnell, aber zerbrechlich; so blieb der Lorbeer aus. Bei Versuchsfahrten auf dem Nürburgring stürzte Kling in den Hohlweg unterhalb des Wehrseifenbrückchens, wurde aber nur leicht verletzt. In der Carrera kam er mit dem Porsche 550 Spyder nur 50 km weit, als ihn eine defekte Hinterachse aus dem Gefecht warf. Bei der Einreise nach Amerika war er übrigens in die Räder einer anonymen Gesetzes-Maschinerie geraten - man sperrte ihn vorübergehend auf Ellis Island ein. Warum er eigentlich im Knast sitzen musste, erfuhr er nie.

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    Sportdirektor

    Als Alfred Neubauer mit dem Ende der Saison 1955 abdankte, übernahm Kling die Sportabteilung und wurde zum Regisseur, der die zahlreichen Erfolge der Mercedes, 220 und 300SE inszenierte, so etwa den Dreifachsieg bei der Rallye Monte-Carlo 1960, die Einsätze beim "GP Standard" in Argentinien, bei dem seine Autos auf den ersten Platz abonniert schienen. Eugen Böhringers wilde, verwegene Jagden bei den 6-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring sind ebenso unvergessen.

    Mercedes-Benz 220 S (1961) - Spitzenreiter des Mercedes-Benz-Teams sind Karl Kling/Rainer Günzler - Rallye Algier-Zentralafrika 1961
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Dann tastete er sich selbst mit dem Mercedes 220 zum zigsten Male durch die ausgetrockneten Wasserläufe des Tschad - so wie bei der Rallye Algier-Cap 1959 und 1961: "Damals habe ich alter Sack durchgehalten, während viele Junge auf der Strecke blieben."

    Dann waren unversehens die Gesichter der alten Kameraden wieder da. Hermann Lang um Beispiel, "das Herrmännle, ein fairer Sportler, der mich nicht ein einziges Mal behindert hat, wenn ich ihn überholen wollte". Einfach und gradlinig sei der gewesen, so wie er die Leute am liebsten habe.
    Oder Rainer Günzler, der ihn durch Afrika begleitete: "Ein Pfundskerl. Er sprach fliessend Englisch und Französisch, so dass ich mich ganz aufs Fahren konzentrieren konnte." Da war aber auch "Altmeister K. - Sie wissen schon - Rudi Caracciola". Den mochte Kling nicht. Auf der Rallye Monte Carlo 1951 hätte es beinahe eine Keilerei gegeben und in Bremgarten 1952 habe Altmeister K. ihn unaufhörlich gesperrt, bis er dann rausgeflogen sei.

    Wenige echte Freundschaften

    Echte Freundschaften sind ohnehin rar in diesem Handwerk und so dementiert Karl kling - abseits jeglicher verklärender Schönfärberei und Altersmilde - gerne energisch und unmissverständlich, was da so einige Chronisten zu Papier brachten und was dann unwidersprochen zur Legende sich verfestigt hat. Immer mehr dünnte der Tod den Kreis der früheren Kollegen aus. Kling war Mitglied im Club International des Anciens Piloten, dessen Sekretärin Maria-Teresa de Filippis  ihn zuverlässig auf dem laufenden hielt, wie etwa über das Ableben von Hermann Lang oder Piero Taruffi.

    Sieger Juan Manuel Fangio und Karl Kling anlässlich des Grossen Preises von Monza 1955
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Seine Armbinde hätte ihm auch im hohen Alter noch Zutritt verschafft zu den Grand Prix Veranstaltungen, die er aufmerksam verfolgte, allerdings: "Was soll ich all diesen Brassel und diese Reiserei auf mich nehmen?" Da sitze er lieber bei Wein vor der Glotze und werde rundum informiert. Würde Karl Kling noch einmal den gleichen Weg gehen? "Aber natürlich. Warum denn nicht? Das Drum und Dran mag sich verwandelt haben. Der Sport selbst ist, was er immer war."

    Geldsegen

    Doch, geändert habe sich schon einiges, vor allem, seitdem das grosse Geld Einzug gehalten habe in die Branche.

    Mercedes-Benz 300 SLR (1955) - drei Werkswagen mit Juan Manuel Fangio (Sieger), Stirling Moss (Platz 2) und Karl Kling (Platz 4, Nummer 2) beim Eifelrennen 1955
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Bis 1956 hatte Karl kling 150’000 Mark auf die hohe Kante gelegt, inklusive des Erlöses aus dem Verkauf seiner Verita-Rennwagen, mit denen er nach dem Krieg hierzulande souverän über die Zweiliter-Klasse herrschte. 60’000 Mark brachte der zweite Platz in Reims. 10’000 Mark der Sieg beim Avusrennen im gleichen Jahr, 70’000 Mark trugen die beiden afrikanischen Abenteuer 1959 und 1961 zusammen ein.

    Als Rennfahrer noch echte Kerle waren

    Geändert hatte sich auch der Umkreis der Technik: Noch der W196 sei ein Auto für harte Hunde gewesen. Mit 65 Kilogramm habe man auf das Pedal für die Einscheibenkupplung treten müssen. 85 Kilogramm Zuwendung habe die Bremse gefordert, wollte man die Räder zum Blockieren bringen. Und durch den Gitterrohrrahmen sei sengend die Hitze des Motors gekrochen.

    Mercedes Benz W 196 (1954) - locker und gelöst wirkt Karl Kling hier im Stromlinien-Mercedes
    © Copyright / Fotograf: Archiv Daimler AG

    Fangio sei buchstäblich gebrandmarkt an beiden Oberschenkeln, spätestens seit dem Grand Prix Argentinien 1955, als die Luft 56 Grad heiss über dem Asphalt flimmerte.

    Mercedes-treu

    Klings Verhältnis zu seinem früheren Arbeitgeber war ausgesprochen harmonisch, war es immer. Nie sagt er Mercedes, Daimler-Benz oder auch bloss Daimler, sondern immer nur "die Firma", das Teil zum Ganzen erhebend. Schon mit 16 begab er sich in die Obhut der Firma, diente ihr als Betreuer der Luftwaffe im Motorenbereich während des Zweiten Weltkrieges, fuhr die Rennen als Angestellter, blieb ihr treu bis 1970 und darüber hinaus.

    Mercedes-Benz 300 SL (1957) - Karl Kling mit dem neuen Roadster auf der Prüfstrecke - Genfer Autosalon 1957
    © Archiv Automobil Revue

    Die Firma war das A und O, auf die liess Kling nichts kommen: Nie habe es Ärger mit Vorgesetzten gegeben, stets seien alle gut gewesen zu ihm, selbst der gefürchtete Neubauer, mit dem er prächtig habe wursteln können. Auch im hohen Alter zählte er sich noch zur Wir-Gruppe im Zeichen des Sterns, der die Herrschaft des Menschen über Land, Wasser und Luft symbolisierte, sagte "unsere Teststrecke", sagte unsere SL-Bremse war nicht besonders gut", oder: "Die Maschine von unserem W196 drehte 8800 Touren."

    Häufig rief jemand an und fragte: "Herr Kling, welches Auto soll ich kaufen?" Dann leistete er geduldige Ueberzeugungsarbeit im Sinne der Firma, gewährte Schützenhilfe aus dem Ruhestand. Schliesslich waren die Anrainer des Untersees traditionell eine treffliche Zielgruppe für die Stuttgarter.

    Immer zügig unterwegs

    Kling selbst lenkte im Seniorenalter einen 300 CE-24, der sein Soll und noch zwei weitere Pferdestärken auf die Bremsen brachte. Auf diese kleinen Unterschiede achtete er schon. Wenn man sich auf ein paar Schleichwegen um den Stadtverkehr von Radolfzell herummogelte und alles bestens lief, schrumpfte der Anmarsch bis zu Klings schönem Haus in Böblingen auf ein Autostündchen.

    Wie er denn jetzt fahre? "Schnell", kam es emphatisch und wie aus der Pistole geschossen zurück. Allerdings sei er noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen bis auf die üblichen Parksünden, habe nie einen Unfall gehabt ...

    Der Hang zum Dynamischen gehörte zu den Grundbedürfnissen des Karl Kling, seit er denken konnte. Und selbst vorher: Er habe nicht einmal auf dem Nachttopf still sitzen können, erzählten ihm seine Eltern später, sondern sei damit diagonal durch das Kinderzimmer gesprengt. Sein Vater war Rektor der Pestalozzischule in Giessen gewesen. Wohl gerade deshalb ödete den praktisch veranlagten Kling junior das Pennälerdasein an, und schliesslich stellte er als Obertertianer seinem Vater ein Ultimatum  "Entweder du lässt mich Automobilhandwerker werden, oder ich lerne überhaupt nichts mehr."

    Die Drohung wirkte ungemein. Kling bestand (quasi als Beweis, wo seine Fähigkeiten zu suchen waren) mit 21 die Meisterprüfung und verdingte sich als Angestellter in der Giessener Daimler-Benz Niederlassung.

    Karriere über Umwege

    Seinem Ziel Rennfahrer zu werden, näherte er sich allerdings nur mit kleinen Schritten. Einer davon war die Teilnahme an Gelände- und Zuverlässigkeitsfahrten für Motorräder. Mit 24 heiratete er seine Jugendliebe Wilma, Beständigkeit und klare Linie auch hier: "Ich habe nur eine Frau in meinem Leben geliebt und sie auch geheiratet", wehrte er sich später, als man ihm mancherlei Flirts andichten wollte.

    Ab 1935 betreute er die Annahme der Kundendienstabteilung im Stammwerk, bekniete ständig seine Vorgesetzten und wurde endlich, zwei Jahre später, zu Nachwuchsprüfungen auf den Nürburgring mitgenommen. Seine Hoffnungen zerplatzten jedoch wie Seifenblasen, denn die Talent-Suche endete vorzeitig: einige der Testwagen mussten nämlich aus Gräben, Bäumen und Büschen beiderseits der Fahrbahn gepflückt werden, wo sie von anderen Kandidaten im Übereifer des Gefechts platziert worden waren.

    Rennleiter Neubauer tobte und brach die Versuchsfahrten ab, ohne dass Kling selbst zum Probefahren gekommen wäre. Als Ersatz fand der verhinderte GP-Pilot Aufnahme in die Geländemannschaft des Werks und startete bei Langstreckenprüfungen wie der Polenfahrt, auf der es ziemlich rau herging: "Eine verkappte Mille Miglia mit Geländecharakter über sechs Tage, manchmal auch Nächte durch. Eine gute, wenn auch harte Schule."

    Winterdomizil

    In Böblingen wohnten die Klings im Winter; das Haus sei eigentlich viel zu gross für ein kinderloses Ehepaar, dazu in vorgeschrittenen Jahren. Ansonsten liess er sich aus dem Paradies am See nur locken, wenn die Firma es unbedingt wollte. Noch in den Achtzigerjahren reiste er für sie kreuz und quer durch Mexiko gereist, und 1990 stand Argentinien auf dem Programm, wiederum im Rahmen einer Dienstfahrt. Aber da wurde Karl Kling doch schon zögerlich: Einmal müsse Schluss sein, vor allem brauche ihn seine Frau.

    Bescheiden

    Als einige Zeit vor seinem Geburtstag die Firma anfragte, was man unternehmen solle, um seinen Achtzigsten gebührend zu würdigen, stiess das auf den entschlossenen Widerstand des Jubilars. "Gornix", soll er gesagt haben, bestimmt mit drohend gerolltem R. Und: "Ich bin kein Snob."
    Schon um seinen 75. Geburtstag habe man ein viel zu kostspieliges Gedöns gemacht. Mit so etwas soll man andere erfreuen, die keine Gelegenheit zur Selbstdarstellung ausliessen und zur Eröffnung jeder Cola-Dose erschienen.

    Er selbst dachte eher sozial-karitativ: "Die sollen doch das Geld in eine Stiftung für bedürftige ehemalige Werksangehörige stecken. Manch einer hat es bestimmt nötiger als ich. Ich bin immer ein zufriedener Mensch gewesen." Beneidenswert, wer das sagen kann …

    Karl Kling an seinem 80. Geburtstag - es gratulieren Wolfang Peter, Prof. Hans Scherenberger, Kal Bunz, Walter Schock, Manfred von Brauchischt, Paul Pietsch und Hans Herrmann
    © Copyright / Fotograf: Daimler AG

    Und eine Feier zum 80. Geburtstag gab’s natürlich doch noch … und viele seiner alten Kollegen waren dabei.

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    ···
     
    Quelle:

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    ka******:
    13.04.2020 (21:54)
    Den Mercedes-Benz W154 von 1939 als "klobigen Oldtimer" zu bezeichnen ist Auto Bild Niveau!
    ka******:
    14.04.2020 (08:24)
    Hermann Lang meinte mal bezüglich des W 154 sinngemäß daß er damit wie auf einer Violine hätte spielen können.
    Mit einem "klobigen Oldtimer" wäre das sicher nicht möglich gewesen.
    Abgesehen davon meinen Dank daß hier bei zwischengas an Karl Kling erinnert wird.
    re******:
    15.04.2020 (05:56)
    Der lachende Italiener mit der Schutzbrille neben Karl Kling ist
    Eugenio Castellotti ( 3. Platz ) .
    re******:
    15.04.2020 (06:01)
    Der lachende Italiener mit der Schutzbrille neben Karl Kling
    ist Eugenio Castellotti ( 3. Platz )
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