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Stock-Car-Rennen –Gladiatorenkämpfe wie in alten Zeiten

Erstellt am 20. Mai 2011
, Leselänge 4min
Text:
Bernhard Brägger
Fotos:
Archiv Bernhard Brägger 
15

Ende der 50er-Jahre weckte nach dem Rundstreckenverbot von 1955 eine weitere Motorsportart eine breite Öffentlichkeit und entfachte hitzige Diskussionen, böse Leserbriefe aber auch humorvolle Reaktionen. Die in Mode gekommenen Stock-Car-Rennen beschäftigten sogar den schweizerischen Bundesrat und das Bundesgericht.

Einer Agenturmeldung vom 15. Oktober 1959 war zu entnehmen: „ Seit einiger Zeit werden in der Schweiz sogenannte Stock-Car-Meetings durchgeführt. Es sind Rennen, die mit alten, abbruchreifen Autos auf einer ovalen Grasbahn mit zwei Geraden von 60 bis 80 m Länge im Freien durchgeführt werden, wobei es gestattet ist, die Konkurrenten dadurch auszuschalten, dass deren Wagen durch absichtlich herbeigeführte Kollisionen gerammt und so an der Weiterfahrt gehindert werden. Sieger ist derjenige, der zuerst eine bestimmt Anzahl Runden zurückgelegt hat.“

Ohne rückwirkend Stellung zu nehmen, die schönen Oldtimer zu beklagen oder sogar zum Moralisten zu werden, spiegeln die zufällig zusammengestellten Leserbriefe, die kantonale- und bundesgerichtliche Rechtsprechung, Agenturmeldungen oder redaktionelle Stellungnahmen den damaligen Zeitgeist in Sachen motorsportlicher Randerscheinungen wieder. Anfangs der Sechziger-Jahre wurde es in Belp, im Sand nördlich von Bern, in Grenchen oder auch Genf still um die Stock-Car-Rennen. Das neu in Kraft getretene Strassenverkehrsgesetz und seine Vollziehungsverordnung wurden zur schwer umfahrbaren Schikane – aber auch das Interesse an dieser Art Motorsport  ging rapide zurück.

Aus dem Bundesgericht: „Der Regierungsrat Solothurn seinerseits vertrat die Auffassung, dass Stock-Car-Meetings keinen vernünftigen Sinn und Zweck hätten. Sie seien ein primitives Mittel – wie in alten Zeiten die Gladiatorenkämpfe – um die Sensationslust des Publikums zu wecken. Die Regierung des Kantons Solothurn hat durch Beschluss vom 30. April 1959 die Rennen auf seinem Kantonsgebiet aus sicherheitspolizeilichen Gründen verboten. Hiergegen wandte sich der Verband Stock-Car-Clubs mit staatsrechtlicher Beschwerde an das Bundesgericht und beantragte Aufhebung des Verbots. Das Bundesgericht hat mit Entscheid vom 30. September die Beschwerde gutgeheissen und das Verbot als haltlos aufgehoben.“

Instruktionskommission des Bundesgerichtes: „…. von einer Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung kann nicht die Rede sein.“

Automobil Revue: „Damit werden die Stock-Car-Rennen, zu deren Freunden die AR nicht zählt, eine weitere Belebung erfahren. Das neue Strassenverkehrsgesetz will bekanntlich auch solchen Rennen zuleibe rücken, was aber schwer fallen dürfte, weil sie auf privatem Grund stattfinden und sich das Gesetz auf den Verkehr auf öffentlichen Strassen bezieht.“

ACS mitschuldig: „An der Tatsache, dass sich Stock-Car-Rennen heute eines dermassen regen Zuspruchs erfreuen, ist der ACS zweifellos mitschuldig, denn er hat sich einfach geschlagen gegeben, als in der Schweiz die Rundrennen verboten wurden und er keinen Ersatz gesucht hat.“

Leserbriefschreiber: „ Wer dagegen ist, soll ruhig daheim bleiben. Selbstverständlich muss für die Zuschauer ein Höchstmass an Sicherheit geleistet werden. Also warum die harmlosen Rennfahrer bevormunden?“

Leserbriefschreiber: „Schade, dass die Fahrer und Organisatoren von Stock-Car-Rennen nicht mehr Einsicht und Verantwortungsbewusstsein haben und durch Verzicht auf ihre Rennen den echten Automobilsport schützen helfen.“

Leserbriefschreiber: „ Es ist unbegreiflich, dass seriös aufgezogene Rennen nicht mehr abgehalte werden dürfen (GP Suisse auf dem Bremgartenring), gegen einen solchen Unfug aber angeblich nicht eingeschritten werden kann.“ Und weiter: “Darüber täuscht das umgehängte Mäntelchen der Befürworter wie: lehrreiche Sache für technisch interessierte Jugend, wertvoll für die Erprobung von Chassis und Karrosserie, damit die Konstrukteure etwas lernen können und ähnliches mehr, nicht hinweg.“

Leserbriefschreiber:  „Der Gegner dieser Sportart möge selbst ein solches Meeting besuchen und dann erst ein Urteil übe dessen Wert oder Unwert fällen. Auf jeden Fall wird jeder bestätigen, der in Belp dabei war, dass das Gelächter über die urkomischen Situationen nie abriss.“

Anfrage Etter (Aarwangen) im Nationalrat: „ Es handelt sich bei diesen Veranstaltungen um nervenkitzelnde Volksbelustigungen fragwürdiger Güte. Die Auswirkungen solcher Renndemonstrationen können nur negativer Art sein.“

Der Bundesrat antwortet auf eine weitere Anfrage: „…dass der betreffende Gesetzesabschnitt im Verlaufe des nächsten Jahres in Kraft treten kann und dass dieses Verbot in der Vollziehungsverordnung so umschreiben werden soll, dass auch Stock-Car-Rennen untersagt sein werden.“


An dieser Stelle möchten wir uns noch bei Peter Hürlimann, der uns half, einige der Fahrzeuge zu identifizieren, die auf den Bildern zu finden sind, bedanken. Alle Bilder stammen aus Stockcar-Rennen aus den späten Fünfzigerjahren, vermutlich auf einer Pferderennbahn in der Westschweiz, z.B. Payerne. Der Parcours wurde jeweils mit Wasser aufgeweicht ...

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