Von 27. bis 29. September 2024 fand auf der Grand-Prix-Strecke von Spa-Francorchamps wieder das legendäre Langstreckenrennen "Spa Six Hours" statt. Die Wettervorhersage war für alle Aktiven und Zuschauer an diesem Wochenende ziemlich ernüchternd. An allen drei Tagen zeigte das Thermometer um die zehn Grad an und das Regenradar auf den diversen Wetter-Apps glich mit zahllosen Regenwolken eher einem Streuselkuchen.
Doch die motorsportbegeisterten Fans aus Belgien, Holland, Deutschland, Frankreich und England konnte das nicht stoppen und so waren speziell am Samstagvormittag die meisten der großen Parkplatzflächen schnell belegt. Wo sonst konnte man zum Saison-Ende noch einmal eine großartige Mischung historischen Motorsports erleben? Angefangen mit klassischen Formel-Fahrzeugen, Prototypen, GT und Sportwagen bis hin zu der historischen Formel 1.
Favoriten unter den Teilnehmern
Auch die gemeldeten Fahrer bildeten zum Höhepunkt in Spa – dem sechs stündigen Langstreckenrennen – eine kleine "Hall of Fame". Unter anderem traten an: Andre Lotterer – dreimaliger Gesamtsieger der 24 Stunden von Le Mans; Dario Franchitti – viermaliger Indy-Car-Gesamtsieger; Frank Stippler – mehrfacher Sieger der 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa; Chris Harris – TV-Moderator; und mit Thierry Boutsen, Eric van de Poele und Karun Chandhok gleich drei ehemalige Formel-1-Fahrer. Insgesamt waren für das Sechs-Stunden-Rennen 220 Fahrer auf 79 Fahrzeugen gemeldet.
Wer um den Gesamtsieg fahren wollte, kam bei einem Blick in die Ergebnisliste der Vorjahre an einem Ford GT 40 nicht vorbei. So waren in diesem Jahr gleich 20 dieser Langstreckenlegenden gemeldet. Aber auch diverse Lotus Elan, Shelby Cobra als Roadster und Coupé, Ford Mustang, Jaguar E-Type, TVR, Porsche 911, Ginetta, MGB, Triumph und einige dicke Brummer wie Ford Falcon und Ford Galaxie nahmen das Sechs-Stunden-Rennen unter die Räder.
Für die Startaufstellung war das beste Ergebnis aus zwei Qualifikationsläufen maßgebend. Das Fahrerduo Graf von Oeynhausen mit Lokalmatador Nico Verdonck setzte den türkisfarbenen GT 40 mit der Startnummer 30 mit einer Zeit von 3:07,042 Minuten auf die Pole-Position.
Daneben machte sich der GT 40 von Gerry Pearson, Alex Brundle und Chris Harris und einer gefahrenen Bestzeit von 3:10,605 Minuten breit. In der zweiten Startreihe fanden sich die beiden GT 40 der Fahrerbesatzungen Daniel und Oliver Hart mit Nicky Pastorelli und Oliver Bryant, Joe Twyman und Phil Keen wieder.
Vom Thron gestossen
Als gegen 15:55 Uhr die Fahrzeuge auf die Einführungsrunde geschickt wurden, betrug die Temperatur 10 Grad, im Start- und Zielbereich war es aber immerhin trocken. Das galt allerdings nicht für die gesamte ca. sieben Kilometer lange Strecke, die ja quer durch den belgischen Ardennenwald führt. Feuchte Abschnitte wechselten sich mit mehr oder weniger getrockneten Bereichen ab. Die kleinen Gischtfontänen der Vorausfahrenden riefen alle Fahrer zur Wachsamkeit. Das Startduell bis zur La Source sicherte sich souverän Nico Verdonck.
Als etwas später ein türkisfarbener Punkt sichtbar wurde, der mit großem Vorsprung aus der ersten Runde in Führung liegend zurückkam, machte sich an der Boxenmauer beim Team Oeynhausen/Verdonck Erleichterung breit, und man steckte stolz eine P1 in die Boxenanzeigetafel.
Erst ab der 14. Runde musste die Nummer 1 der Nummer 2 weichen. Der dunkle GT 40 von Eric van de Poele und Ford CEO Jim Farley hatte die Führung übernommen. Gegen Ende der ersten Rennstunde hatte sich der rote GT 40 mit der Startnummer 41 des Teams von Dario Franchitti, Marino Franchitti und Andre Lotterer, die vom Startplatz 9 ins Rennen gestartet waren, ebenfalls zur Spitzengruppe durchgekämpft und übernahm ab der 27. Runde den ersten Platz.
Im weiteren Rennverlauf blieben auch die Regenwolken nicht untätig und überraschten Fahrer und Zuschauer immer wieder mit kleinen Schauern. Die Bremspunkte veränderten sich, die Curbs wurden wieder rutschiger und die Sicht war nicht immer optimal. Ausrutscher, kleine Dreher und öfter auch Besuche im Kiesbett erforderten häufig den Einsatz der zwei Safety-Cars. Ärgerlich, wenn dann der mühsam erkämpfte Vorsprung wieder dahin war und das Feld zusammenrückte. Auf der anderen Seite bot es auch den mit Adrenalin vollgepumpten Fahrern die Möglichkeit, das eigene Fahrzeug kurz zu checken und selbst ein wenig durchzuschnaufen.
Boxen- und Tankstopp
Wer Glück hatte, konnte seinen geplanten Boxen- oder hochgerechneten Tankstopp durchführen. Beides muss in Spa getrennt voneinander durchgeführt werden. An der eigenen Box dürfen kurze Wartungen und der Fahrerwechsel stattfinden. Zum Nachtanken gilt für alle die gleiche Regel: getankt wird an der zentralen Tankstelle im unteren Bereich des Fahrerlagers. Hier stehen vier Zapfsäulen bereit, die von Sportwarten der Reihe nach den ankommenden Fahrzeugen vergeben werden. Jeder Fahrer muss aussteigen und selbst tanken. Hilfreich ist es natürlich, wenn man einen großen Tank hat, oder sogar wie die Ford GT 40 zwei Tanks. Bei diesen liegen die Einfüllstutzen jeweils links und rechts unten an der A-Säule. Der gesamte Tankinhalt eines GT 40 liegt bei rund 140 Litern.
Einige Boxencrews rechnen in Spa mit einem Rundenverbrauch von ca. 2,6 Litern Benzin, andere geben einen Verbrauch von ca. einem Liter pro Minute an. Je nach Witterungsverhältnissen, der Fahrweise und den absolvierten Safety-Car-Runden schwankt der Verbrauch entsprechend. Da es zwischen dem Fahrer und seiner Box keinen Funkverkehr gibt, muss man sich als Fahrer zum Tankstopp an die jeweilige Hochrechnung oder die gezeigte Anzeigetafel halten und anschließend hoffen, dass man einen freien Tankplatz erwischt. Ansonsten können schon einmal gute drei bis fünf Minuten unfreiwillige Pause eintreten.
Ein Unglück kostete den Sieg
Die drei Führenden kamen innerhalb von vier Runden zum ersten Tankstopp. Anschließend mischte sich das Feld bedingt durch Safety-Car-Phasen, Wetterkapriolen und Boxenstopps immer wieder kräftig durch. Leider bekam der türkisfarbene GT 40 von Oeynhausen/Verdonck, die mehrere Stunden immer in der Spitzengruppe lagen, Motorprobleme und fiel knapp zehn Runden vor Rennende aus. Noch dramatischer erwischte es den GT 40 von Oliver und Daniel Hart und Nicky Pastorelli, denn sie führten in der letzten Rennhälfte mehr als 40 Runden das Feld an, bevor es sie in der "Pif Paf"-Kurve erwischte und der karamellfarbene GT 40 im Kiesbett landete. Glückliche Profiteure hiervon waren Dario Franchitti, Marino Franchitti und Andre Lotterer. Ihr GT 40 mit der Startnummer 41 kämpfte viele Runden mit dem Hart GT 40 um die Spitze und hatte zum Schluss ein Quentchen mehr Glück.
So stand auf dem nächtlichen Siegerpodest, bei 7 Grad Luft- und 8 Grad Streckentemperatur:
- auf dem 1. Platz: Dario Franchitti, Marino Franchitti und Andre Lotterer mit 106 gefahrenen Runden.
- auf dem 2. Platz: Oliver Hart, Daniel Hart und Nicky Pastorelli mit 105 gefahrenen Runden.
- auf dem 3. Platz: ein fehlerfrei gefahrener Lotus 26R des Teams von Gordon Shedden, Ben Barker und Rory Butcher mit 105 gefahrenen Runden.
Der GT 40 ist unschlagbar
Wie im Vorjahr gelang es also wieder mit einem effizienten "Underdog Car" und lediglich 1600 ccm, einer perfekten Fahrerpaarung und geschickten Boxenmanagement acht Ford GT 40 zu schlagen.
Zwölf Sekunden nach dem Lotus 26R lief dann auf dem 4. Platz der GT 40 von Gary Pearson, Alex Brundle und Chris Harris ein. Michael Funke, der Gewinner des letzten 1000-Kilometer-Rennens am Nürburgring am vorletzten Wochenende, durfte mit seinem Team einen fünften Gesamtrang feiern. Die anderen Teams der Top Ten waren die Ford GT40 von Bryant-Twyman-Keen, Wakeman-Smith-Grant Peterson, Macedo Silva-Monroy, Wood-Nuthall-Lyons und Meins-Lillingston Price-Huff.


























































































































































































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