Rallye Monte Carlo 1949 - Eine komplizierte Rechnungsformel ohne sportlichen Wert

Erstellt am 20. Januar 2011
, Leselänge 3min
Text:
Bernhard Brägger
Fotos:
Archiv 
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Vier Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen. Nun schreibt der Automobile Club de Monaco die erste Nachkriegs-Rallye aus. Über 200 Equipen melden sich. Niemand hat diesen Erfolg erwartet. Alte Wagen – während des Kriegs sorgfältig versteckt – sind wieder fahrtüchtig gemacht  und starten in Richtung Monaco. Viele bekannte Fahrer wollen erneut ihrer Leidenschaft frönen: Healey, Lahaye, Quatresous, Chiron, die  Frauen Molander und Simons und auch Gatsonides macht sich bemerkbar. Doch eine Sternfahrt im früheren Sinne ist die erste Nachkriegsrallye nicht mehr. Die Grenzen im Osten sind zugesperrt. Die neuen Machthaber sind nicht an einer Kapitalisten-Rallye  interessiert. Die abenteuerlichen Strassen liefern keine Schlagzeilen mehr, höchstens Ochsen- und Pferdegespanne suchen den Weg durch Schnee und Schlamm - hie und da vielleicht ein Dnebr mit Seitenwagen. So wird ein von Monaco ausgehender und in Monaco endender 3‘096 Kilometer langer Parcours ausgeheckt. Nach wie vor soll während drei Tagen und drei Nächten pausenlos durchgefahren werden. Über die Französischen Seealpen, durch die Schweiz, ins Elsass, nach Luxemburg, Amsterdam und via Brüssel, Paris, Lyon zurück nach Monaco. Und überall gilt es den 50er-Schnitt zu halten.

Eigentliche Probleme bietet sie nicht, die Rallye Monte Carlo von 1949. Nebel am Apennin, ein spektakulärer Unfall von Lahaye/Quatresous oder Navigationsfehler führen zu zerstörten oder wegen Einsturzgefahr gesperrten Brücken. Zu den Siegern von 1935 noch dies: Kaum liegen sie auf dem Dach, prallt  ein Mitkonkurrent in den kopfstehenden Renault und stellt ihn – so unglaublich dies klingt - wieder auf die Räder. Schliesslich erreichen 167 das Ziel, 38 haben die dreitausend Kilometer in der Idealzeit geschafft.

Um die 167 Beifahrerinnen und Beifahrer so richtig zu ärgern, weiss der Automobil Club de Monaco auch bei der ersten Nachkriegs-Rallye ein Rezept. Oberhalb von Monaco gilt es, zwischen der Moyenne-Corniche und der Haute-Corniche eine Zusatzprüfung zu fahren. 17,1 Kilometer lang ist die Schlaufe und muss dreimal möglichst genau abgefahren werden. Eine höchst komplizierte Rechnungsformel ohne jeden sportlichen Wert sorgt schon im Vorfeld für Alpträume. Am Tage selber verlieren vor lauter Formeln, Faktoren, Koeffizienten, Schnitttabellen, Strafpunkten und Kommissaren mit wild schwenkenden, roten Fahnen die Beifahrer den Kopf, die Fahrer die Nerven. Am besten haben die Sieger von 1939, Trévoux/Lesurque, in den Mathematiklektionen aufgepasst und gewinnen zum dritten Mal die Rallye. Der Hotchkiss allerdings trug wenig zur Lösung der Rechungsaufgaben bei. Worms/Mouche, Dobry/Trebal oder die Siegerinnen der Coupe des Dames - mit den wohlklingenden Namen Comtesse van Limburg-Stirum/Van Vredenburg -  gehören einer neuen Generation Sternfahrer an!

P.S. Der bekannte Rennfahrer  Jean Louis Rosier – 1950 wird er die 24 Stunden von le Mans auf einem Talbot T26 GS gewinnen – verblüfft mit dem französischen Volkswagen, dem Renault 4 CV. Er schleudert  den Werkswagen mitten durch die noblen Hubraumhaien Hotchkiss, Bristol, Allard, Ford oder Delahaye  hindurch auf den 13. Rang. Die Usine Renault weiss dies mit einem Plakat zu würdigen: „Triomphe de la 4 CV Renault. Rosier gagne sa catégorie en battant 131 voitures de grosse cylindrée.“

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