ADAC Eifelrennen 2012 - Von kämpfenden Zwergen bis zu donnernden Elefanten

Erstellt am 10. Juni 2012
, Leselänge 6min
Text:
Balz Schreier
Fotos:
Balz Schreier 
79
Stephan Traber 
4
Beste Bilder
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Während drei Tagen (8.-10. Juni) durften die rund 18'000 Zuschauer in die faszinierende Welt des historischen Rennsports eintauchen, dies umso eindrücklicher in Kombination mit der malerischen Landschaft der Nordschleife in der Eifel. Obwohl die Wetterprognosen kühle Winde und vereinzelte Regenschauer ankündigten, strömten sehr viele Leute an diesen magischen Ort des Motorsports. Dass grösstenteils dann doch die Sonne schien, liess das Wochenende zur intensiven Erlebniswelt werden.

Vor allem Vielfalt zeichnete diese Veranstaltung aus, für jeden Gusto gab es Leckereien zu geniessen:

  • Wie an der Hockenheim Historics fuhren auch hier die Zwerge um ihren Sieg
  • Rund 80 Vorkriegsfahrzeuge versammelten sich im historischen Fahrerlager und fuhren einmal pro Tag auf die Strecke und absolvierten ihre Runden auf dem Grand-Prix-Kurs und der Nordschleife.
  • Porsche Kremer Racing hatte allen Grund zum Feiern: 50 Fahrzeuge drehten in den Abendstunden ihre Runden zum 50-jährigen Jubiläum
  • Die Hubraummonster der Canadian American Serie (CanAm) beglückten die Zuschauer mit imposantem Motorsound und eindrücklichen Kämpfen um die vorderen Positionen
  • Eine Weltsensation war die grosse Ansammlung der ruhmreichen Marke Veritas, über 20 dieser Fahrzeuge nahmen am “Treffen der Legenden” teil
  • Liebhaber der Sechzigerjahre kamen während den Rennläufen des FHR HTGT voll auf ihre Kosten (Historische Tourenwagen- und GT-Trophy).
  • Und dann natürlich die Hauptattraktion des Wochenendes: Das 3-Stunden Eifelrennen rund um die Nordschleife! Langstrecken Fans und Zuschauer, die vor allem Action sehen wollten, freuten sich auf diese Stunden während des Wochenendes: 160 Fahrzeuge kämpften auf der kombinierten langen Rundstrecke - Grand-Prix-Strecke und Nordschleife - während drei Stunden um Platz und Sieg. Das war wie in alten Zeiten!

Das 3-Stunden Eifelrennen - 160 Fahrzeuge in 2 Feldern - 14 Sekunden trennen Gold von Silber

Man wusste es bereits vor dem Start: die Fahrer würden ans Limit gehen und dies drei Stunden lang! Umso gespannter warteten die Zuschauer auf den Start. Die beiden Felder “FHR Langstreckencup” und “Youngtimer Trophy” wurden nacheinander auf die Strecke gelassen, das schnellere Feld logischerweise zuerst. Das idyllische Rauschen in den Wäldern der Nordschleife und das frühlinghafte Vogelgezwitscher wurde bald mit weit entfernten Motorgeräuschen untermalt. 

Während Minuten hörte man das Aufheulen der Motoren durch die Wälder hallen, manchmal näher, dann wieder weiter weg. Plötzlich stieg die Lautstärke aber stetig an und es wurde richtig laut, die Köpfe der Zuschauer reckten sich und blickten gespannt auf die frühest sichtbare Kurve... 

Und dann schossen die ersten um die Kurve, sofort war man sich im klaren: hier zählt jede Sekunde! Besonders beeindruckend war die Steilwandkurve des “Karussells”, das im östlichen Teil der Nordschleife liegt. Die schnellsten Fahrzeuge des Rennens flogen regelrecht in die Senke und manövrierten vibrierend dem Ausgang entgegen. Ziel dieses sehr speziellen Streckenabschnitts ist klar: möglichst viel Geschwindigkeit mitnehmen für die “Hohe Acht”, die steilste Partie der Nordschleife, die gleich nach dem Ausgang des Karussells beginnt.

14 Sekunden Vorsprung nach 180 Minuten: Die spannende Schlussphase steht stellvertretend für die unterhaltsame Action. Nach 3:00.04,012 Stunden überquerte Dr. Edgar Althoff mit seinem violett-grünen Porsche Carrera RSR #327 als Erster die Ziellinie des ADAC Eifelrennens. Der Zweitplatzierte Daniel Schrey benötigte mit seinem gelben Kremer Porsche 935 K1 #502 nur 13,927 Sekunden (!) mehr für die 18-Runden-Distanz. „Das war ein wirklich mitreißendes Finish eines insgesamt sehr spannenden Rennens – und damit ein perfektes Beispiel für den packenden Motorsport, der den Fans in diesem Jahr geboten wurde. 

Unsere Fotogalerie  zeigt auf vielen Bildern spannende Momente, vorwiegend beim Karussell sowie ein paar Eindrücke aus der Boxengasse!

Kampf der Zwerge

Hohe Beliebtheit bei den Zuschauern geniessen immer wieder die Teilnehmer in ihren kompakten und wendigen Fahrzeugen. Obwohl alle klein in Form und Hubraum sind, wird diese Diszilin nicht umsonst “Kampf der Zwerge” genannt. Jede Platzierung zählt, je früher im Ziel, desto mehr Punkte. Das Gerengel im grossen Feld der Kleinstfahrzeuge artet oft in harte Kämpfe aus und genau dies macht den Zuschauern natürlich besonders viel Spass.

Verschiedenste Serien fuhren hier gleichzeitig rund um die GP Strecke des Nürburgrings, dieses Jahr waren dies “Abarth-Coppa-Mile”, “NSU-TT-Trophy”, die “British-Car-Trophy” und der “Fiat-Simca-1300-Histo-Cup”.

Dass auch hier die Fahrer an die Grenzen des Materials und ihrer Fahrkünste gingen, zeigten die vielen Dreher und Ausrutscher. Vereinzelte mussten ihr Fahrzeug auch gleich stehen lassen. Die Piloten gingen derart an das Limit der Fahrwerkskomponenten, dass sie immer wieder das kurveninnere Hinterrad abhoben, etwas was in anderen Serien nicht in dieser Deutlichkeit zu beobachten war.

Unsere Fotogalerie zeigt Eindrücke von den Test- und Rennläufen (wird erst im Verlaufe des 12. Juni publiziert).

Donnernde Elefanten

Besonders spannend war die diesjährige Präsenz an Vorkriegsfahrzeugen. Die “8. Vintage Nürburgring” organisiert vom Classic Drivers Club füllte das historische Fahrerlager mit äusserst kostbaren Boliden aus dem Zeitraum 1900 bis 1940. Bekanntere Marken wie Bentley, Bugatti, BMW, Mercedes-Benz, Maserati, Alfa Romeo, MG und Jaguar waren Bestandteil der Versammlung, rarere Marken fehlten aber ebenso nicht: viele Blicke  der Zuschauer wanderten von ganz alten Zeitgenossen wie De Dion (1908) oder Locomobile (1916) über Invicta, Alvis und Riley aus den 30ern bis hin zu Veritas, HRG und Healey aus den Vierzigerjahren. 

An jedem der drei Veranstaltungstage wurden diese Schätze des letzten Jahrhunderts auf die Strecke gebeten, einmal zu Rundfahren auf der GP Nürburgring Strecke und zweimal auf die Nordschleife.

Unsere Fotogalerie  zeigt viele Eindrücke von der GP Strecke und der Nordschleife. Es fällt beim Betrachten der Fotos auf, wie anders die Bilder der Nordschleife wirken, wenn derart urtümliche Zeitgenossen die Rennbahn zieren...

50 Jahre Porsche Kremer Racing

Motorsport, Porsche, Gesamtsiege und Traditionsrennstall, so könnte man das berühmte Kremer Racing Team in knappster Form beschreiben! Gesamtsiege bei den 24 Stunden von Le Mans, den 24 Stunden von Daytona sowie von Spa und zahlreiche Fahrertitel in der Deutschen Rennsportmeisterschaft, der Interserie und der GT-Europameisterschaft schmücken die Erfolge der Vergangenheit. 

Um das 50-jährige Bestehen zu feiern wurden einige berühmte Kremer Porsche im Fahrerlager parkiert und während dem “Nacht der Legenden”-Lauf auch gefahren. Der berühmte Porsche 935 K3 in der Jägermeister-Lackierung und der nicht minder bekannte “Vaillant”-935 K2 zogen viele bewundernde Blicke auf sich, auch die Fotografen freuten sich an diesen historischen Preziosen, was man unmisverständlich in der Fotogalerie erkennen wird.

Diese knisternde Rennsportatmosphäre wurde gepaart mit einem dramatischen Licht des Sonnenuntergangs... noch schöner kann man sich die Eifel eigentlich nicht vorstellen.   

CanAm Challenge Cup

Obwohl dieses Feld einigermassen dünn ausfiel, waren auch dieses Jahr die bis zu 9-Liter bestückten Hubraummonster eine Attraktion für sich. Mit ihrem unvergelichglichen ohrenbetäubend stampfenden Motorensound drehten die Lola und McLaren ihre Runden.

Beim Anblick dieser motorsportlichen Extremen ruft man sich immer wieder gerne in Erinnerung, nach welchen minimalistischen Regeln diese Fahrzeuge gebaut wurden: zwei Sitze und eine alle vier Räder abdeckende Karosserie plus zwei “Türen” (einfach etwas Aufklappbares auf der Seite, siehe Fotos). Das war’s. Der Rest war frei wählbar: Reifenbreite, Fahrzeuggrösse, Materialen, Hubraumgrösse... Kein Wunder wären die schnellsten Fahrzeuge in der Lage, bei genügend Geschwindigkeit an der Decke eines Tunnels zu fahren, soviel Abtrieb war vorhanden.

Unsere Fotogalerie zeigt schöne Bilder des Trainingslaufs sowie den Rennen und aber auch ein paar Eindrücke von der Boxengasse.

Stürmende Sechziger

Die FHR Historische Tourenwagen- und GT-Trophy brachte ein dicht bepacktes Feld an den Start, von Lotus Elan über Jaguar E-Type bis zum Volvo Amazon und Ford GT 40 und natürlich mit etlichen Porsche 911. Aber auch Raritäten waren am Start, so zum Beispiel der Jo Siffert/Hans Herrmann Porsche 907, der beim 24 Stunden Rennen von Le Mans den fünften Gesamtrang erreichte!

Unsere Fotogalerie zeigt einen bunten Mix dieses reizvollen Feldes!

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