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Vom Gebrauchtwagen zum Klassiker (Teil 2) - die richtige Fahrzeugpflege

Erstellt am 22. November 2020
, Leselänge 8min
Text:
Marcel Schoch
Fotos:
Marcel Schoch 
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Steffen Kahl hat mehr als 30 Jahre Berufserfahrung. Seit 1996 arbeitet als Spezialist für die Aufbereitung von Fahrzeugen der Marken Jaguar und Land Rover bei der Werner Haas Automobile GmbH in Augsburg. Dort kümmert er sich sowohl um Neu- als auch Gebrauchtfahrzeuge. „Besonders liegen mir aber die Oldtimer am Herzen“, sagt Steffen Kahl, der von seinem Kollegen und Meister Jürgen Bachmann, den Auftrag bekommen hat, unseren Jaguar XJ-S, Baujahr 1988 mit V12-Motor, optisch aufzubereiten und zu pflegen. „Diesen speziellen Jaguar kenne ich bereits seit Jahren“, sagt Steffen Kahl, der gerade eine Handwäsche für das schöne Cabriolet vorbereitet.

Steffen Kahl rührt nach Herstellervorgabe das Autoshampoo an. Es enthält schmutzlösende Tenside.
Copyright / Fotograf: Marcel Schoch

Nur Handarbeit

Der Aufbereitungsexperte des bekannten Land Rover und Jaguar-Autohauses würde nie auf die Idee kommen, einen solchen Wagen durch die Waschstraße zu fahren. „Old-, Youngtimer und Cabriolets werden immer mit der Hand gewaschen. Zum Waschen verwendet der Pflege-Profi ein mildes Autowaschshampoo, das bei seiner Anwendung besonders stark schäumt. „Das stellt sicher, dass die Reinigungstenside länger Zeit haben, Schmutz abzulösen, bevor sie beginnen, von der Karosserie abzutropfen“, erklärt Steffen Kahl. „Ganz wichtig ist auch, einen speziellen Autowaschschwamm zu verwenden. Er hat eine weiche und eine etwas festere Seite.“ Mit der weichen Seite wird der Schaum erzeugt, mit der festeren können zum Beispiel festgetrocknete Insekten von der Karosserie schonend abgewaschen werden. Steffen Kahl achtet bei der Wäsche besonders darauf, dass das Fahrzeug nicht zu schnell abtrocknet und wäscht hier und da nochmal nach.

Ganz wichtig ist auch, dass man das Fahrzeug nicht in der prallen Sonne wäscht. Ihm als Profi steht hierfür selbstverständlich eine moderne Waschhalle im Autohaus Haas zur Verfügung, die auch mit einem Ölabscheider ausgerüstet ist. „Man muss penibel auf die Gesetze zur Reinhaltung des Grundwassers und der Gewässer achten. Wer sein Auto so bei sich auf dem Grundstück wäscht und erwischt wird, bekommt eine saftige Geldstrafe“, weiß Steffen Kahl, der die Gesetze von zahlreichen Fortbildungen her kennt.

Auf die Mittel kommt es an

Während der Schaum wirkt, kümmert er sich auch um die Felgen. „Hier sitzt hartnäckiger Bremsstaub, der sich meist nur mit Felgenreiniger löst“, sagt der Kfz-Profi. „Ich verwende ein sehr mildes Mittel, dass nicht so intensiv riecht, da die Dämpfe sehr gesundheitsgefährdend sind.“ Um trotzdem eine gute Reinigungswirkung zu haben, nimmt er einen Pinsel zu Hilfe, mit dem er den Bremsstaub von der Felge „massiert“. Auch für die Scheiben und Lampengläser gibt es spezielle Reiniger. „Hier habe ich einen speziellen Scheibenreinigerschaum, der auch Fette und Öle anlöst“, sagt Steffen Kahl. „Ihn trage ich immer ganz zum Schluss auf, da er sehr stark wirkt und daher schnell abgewaschen gehört.“ Sofort nach seinem Auftragen beginnt Steffen Kahl mit der sanftesten Einstellung des Hochdruckreinigers den Jaguar abzuwaschen. Der Druck, den dabei die Sprühlanze haben darf, sollte keinesfalls den eines gewöhnlichen Gartenschlauchstrahls übersteigen.

Abgesprüht wird immer von oben nach unten, damit bereits gereinigte Flächen nicht erneut mit Waschwasser verschmutzt werden. Nachdem der Jaguar abgewaschen ist, macht sich Steffen Kahl sofort ans trocknen. Das Cabrio-Verdeck hat er nicht gewaschen. Es wurde erst vor wenigen Wochen gründlich gewaschen. Eine erneute Wäsche würde mehr schaden, als nützen“, begründet hier der Pflege-Profi seine Vorgehensweise. Zum Abtrocknen verwendet Steffen Kahl einen Abzieher mit einer extra weichen Silikonlippe: „Damit ziehe ich das Wasser ganz leicht von der Karosserie, ohne sie zu verkratzen.“ Nach wenigen Minuten ist er bereits fertig und beginnt alle Spalte, Türen und Deckel des Jaguars gründlich mit einem Microfasertuch abzutrocknen.

Steffen Kahl schäumt die gesamte Karosserie ein und achtet darauf, dass das Fahrzeug nicht zu schnell abtrocknet.
Copyright / Fotograf: Marcel Schoch
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Ab ins Innere

„Wichtig ist hier besonders auch der Bereich um die A-Säule. Dort kann sich Feuchtigkeit lang halten und zusammen mit Schmutz (Laub und Sand) regelrechte Rostnester bilden“, weiß Steffen Kahl aus langjähriger Erfahrung. Ist das Fahrzeug gründlich abgetrocknet, kommt der Innenraum dran. Zuerst wird der grobe Schmutz mit Pressluft aus Winkeln, Ecken, Kanten und Spalten vorsichtig herausgeblasen. Hierzu hat Steffen Kahl eine Pressluftpistole mit langem Düsenrohr, so dass er damit auch aus den tiefsten Ecken den Schmutz herausbekommt. Ein langhaariger Pinsel ist zudem sehr hilfreich zusammen mit der Pressluft die Gitter der Lüftungsdüsen zu reinigen. „Die Düsen und auch die Lüftungsrohre sollten öfters mal gereinigt werden“, empfiehlt Steffen Kahl. „Das verhindert, dass Laub oder Insekten in den Rohren oder an den Düsen dort verrotten und so dann üble Gerüche entstehen. Hat der Wagen, wie unser Jaguar, eine Lederinnenausstattung dann wird jetzt diese gereinigt. „Dazu gibt es verschiedene Mittelchen auf dem Markt“, so Steffen Kahl. „Obwohl sie alle ähnlich pflegen, sollte man zuerst versuchen, im Geschäft an ihnen zu riechen, denn es gibt verschiedene Duftrichtungen, die nicht jedermanns Geschmack sind.

Auch sollte man sie zuerst an einer verborgenen Stelle testen, ob sie tatsächlich das halten, was sie versprechen! Ich verwende gerne die Lederpflege von Liqui Moly, da sie beinahe geruchsneutral ist und höchstens ein paar Stunden nach Leder riecht.“ Steffen Kahl vergisst beim Auftragen und Einreiben der Lederpflege nicht, auch verborgen Stellen mit ihr zu behandeln. So, zum Beispiel, unter den Kopfstützen: „Hier entsteht zwischen dem Leder Reibung. Die Lederpflege verhindert, dass das Leder sich aufreibt.“ Auch den Sitzflächen und den Wangen der Sitze muss man sich intensiv widmen, da sie beim Fahren und beim Ein- und Aussteigen intensiv beansprucht werden. „Pflegemittel färben in der Regel das Leder nicht nach, sondern füttern es lediglich nur mit speziellen Pflegestoffen, die es geschmeidig halten und vor Wasser und Schimmel schützen“, führt Steffen Kahl weiter aus. „Will man es nachfärben, weil das Leder blas geworden ist, sollte man die Sitze zu einem Kfz-Polsterer geben. Der kann sie dauerhaft nachfärben, ohne dass was später auf die Kleidung abfärbt.“

Den Lack pflegen, nicht das Holz

Eine Pflegeherausforderung ist immer ein Holzarmaturenbrett. Doch so schlimm, wie manche glauben, ist es bei „modernen“ Holzarmaturenbrettern meist nicht. Der Grund ist einfach: „Viele Holzarmaturenbretter sind mit Klarlack versiegelt“, erläutert Steffen Kahl. „Solange der Klarlack in Ordnung ist, ist es auch meist das Holz darunter.“ Zur Pflege genügt dann völlig eine gute Lackpflege, denn es gilt ja den Lack zu pflegen und nicht das darunterliegende Holz. Steffen Kahl sprüht daher auf alle Holzapplikationen im Jaguar Glanzsprühwachs und poliert anschließend die Oberflächen. Das Sprühwachs kann auch auf Metalloberflächen, wie verchromte Aschenbecher oder Zierblenden, gesprüht werden. Hier schützt es ebenfalls die Oberfläche und verhindert durch seine wasserabweisende Wirkung, dass Oberflächen durch Kondenswasser rosten können.

Für eine Holzarmaturenbrett, das mit Klarlack lackiert ist, braucht es Wachs und keine Holzpflege.
Copyright / Fotograf: Marcel Schoch
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Nun fliegen die (Stoff)fetzen

Danach sollten die Teppiche gereinigt werden. „Ein starker Industriestaubsauger muss es hier schon sein“, so Steffen Kahl. „Er holt aus den Fußmatten auch noch den letzten Staub heraus.“ Es ist wichtig, dass dieser Staub regelmäßig aus den Fasern gesaugt wird, da er bei Belastung wie Schmirgelpaste wirkt. „Dadurch wird zuerst der Glanz des Teppichs und mit der Zeit auch die Fasern zerstört“, so der Pflege-Profi. „Wie oft man saugen muss, hängt natürlich davon ab, wie schnell der Teppich verschmutzt wird.“ Auch bei den Sitzen muss der Schmutz aus allen Falzen, Ecken und Kanten gesaugt werden, da er hier besonders abrasiv wirkt. Müssen Ölflecken aus dem Teppichbelag beseitigt werden, hilft meist ein guter Teppichschaum oder ein Nass/Trockensauger. Keinesfalls sollte man mit Waschbenzin oder ähnlichen an einen solchen Fleck herangehen. Lieber mehrmals in kleinen Schritten vorsichtig säubern, als mit einem zu scharfen Mittel eine massive Verfärbung zu riskieren. Und wenn man schon den Sauger in der Hand hält und auch ein Cabriolet besitzt, kann man gleich noch gründlich das Verdeck absaugen.

Nicht vergessen! Hat man den Sauger schon mal in der Hand, sollte man das Verdeck auch gleich absaugen.
Copyright / Fotograf: Marcel Schoch

Im nächsten Arbeitsschritt klebt Steffen Kahl den Rand des Stoffverdecks zur Karosserie mit Maler-Abdeckklebeband ab. „So verhindere ich, dass Lackpolitur oder Wachs den Verdeckstoff verunreinigt“, erklärt der erfahrene Kfz-Profi seine Vorgehensweise. „Auch spart es Zeit, da ich einerseits am Verdeckrand beim Polieren nicht aufpassen muss, anderseits brauche ich nicht mühsam Politurreste aus dem Verdeck waschen.“ Ist der Lack nach der Handwäsche immer noch leicht verschmutzt und fühlt sich beim Darüberstreichen pickelig an, sollte die Oberflächen vor dem Polieren und Versiegeln noch mit Lackknete behandelt werden. Ein Tipp hierzu: Etwas Glasreiniger auf den Lack gesprüht, hilft der Knete, den angelösten Schmutz besser aufnehmen zu können.

Zu altem Glanz zurück

Ob jetzt Politur oder Wachsversiegelung bzw. ein Kombiprodukt zur Anwendung kommt, hängt vom Zustand es Lacks ab. Reine Polituren sollten nur bei matten Lacken zur Anwendung kommen, da sie den Lack allmählich abschmirgeln. Steffen Kahl verwendet für den Kofferraumdeckel ausnahmsweise ein Kombiprodukt, da er leichte Kratzspuren gezeigt hat. Das Polieren geht am schnellsten mit der Poliermaschine. „Hier genügen wenig Druck und gleichmäßige Bewegungen“, sagt Steffen Kahl. „Nach dem Polieren bzw. Wachsauftrag wird das getrocknete Pflegemittel mit einem Mikrofasertuch abgewischt. Ähnlich funktioniert die Pflege von Kunststoff-, Gummi- und Chromoberflächen. Auch hierfür gibt es die passenden Pflegeprodukte, die das Material reinigen, pflegen bzw. die Oberflächen gegen Witterungseinflüsse versiegeln.

Um den gereinigten Gummi vor den Resten der Chrom-Glanzcreme zu schützen, hat sie Steffen Kahl ebenfalls abgeklebt.
Copyright / Fotograf: Marcel Schoch

Zum Schluss der Pflege zieht unser Pflege-Profi noch das Abdeckklebeband vom Verdeck ab und sprüht den Verdeckstoff noch mit einem Verdeckpflegemittel ein. Es sorgt dafür, dass der Stoff und der darin enthaltene Gummi nicht brüchig wird und imprägniert gleichzeitig die Oberfläche. „Es darf nur auf völlig gereinigten Verdecken verwendet werden, da sonst der Schmutz mit versiegelt wird“, warnt hier noch Steffen Kahl.

Sicher kann man noch viel mehr machen. Doch wer bereits die Tipps aus unseren beiden Artikeln regelmäßig berücksichtigt, kann sicher sein, dass sein „Schätzchen“ ziemlich sicher seinen 30. Geburtstag erlebt!

Checkliste – was muss regelmäßig gepflegt und getan werden?

  • Karosserie und Felgen regelmäßig waschen, um aggressiven Straßenstaub und Bremsbelag-Abrieb zu entfernen.
  • Den Lack mit Karosseriewachs vor UV-Strahlung, Staub, Vogelkot und Wasser schützen.
  • Polituren nur im Ausnahmefall bei verblasstem Lack verwenden.
  • Innenraum regelmäßig aussaugen, um Faserabrieb durch Staub zu vermeiden.
  • Bei Öl- oder Fettflecken im Teppich mit milden Reinigern arbeiten (zuerst an verborgener Stelle testen).
  • Einen starken Nass/Trockensauger mit schmaler Düse zum Aussaugen verwenden.
  • Bei der Lederpflege auf Geruch des Pflegemittels achten.
  • Lackierte Holzarmaturenbretter brauchen eine Lack-Wachspflege, keine Holzpflege.
  • Zum Trocknen oder Polieren ein gutes sauberes Tuch verwenden (Mikrofaser ist ideal und lässt sich auch waschen).
  • Pflegeprodukte immer sparsam anwenden (auf Gebrauchsanleitung achten)
  • Bei Pflegeprodukten immer auf Qualität achten. So spart man Geld!
  • Allgemein: Pflegearbeiten nicht auf die lange Bank schieben, sonst hat man doppelte Arbeit.

 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von he******
23.11.2020 (09:07)
Antworten
Besten Dank für den tollen Beitrag zu Autopflege.
Was ich noch empfehle, nach dem Reinigen resp. Polieren vom Lack solle eine Wachsversiegelung aufgetragen werden. So kann der Lack geschützt werden und verleiht ihm zusätzlichen Glanz.
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