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Bild (1/4): Zimmer Quicksilver (1986) - Originelle Ansicht auch von hinten (© Courtesy RM/Sotheby’s, 2019)
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    Zimmer Quicksilver – exzentrisches Coupé aus Florida

    Erstellt am 24. Dezember 2019
    Text:
    Daniel Koch
    Fotos:
    Courtesy RM/Sotheby’s 
    (21)
    Bruno von Rotz 
    (9)
    Balz Schreier 
    (5)
     
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    In die Ruhmeshalle des Autodesigns hat es der Zimmer Quicksilver zwar nicht geschafft, aber er ist dennoch ein Hingucker. Sein Design polarisiert, für den europäischen Geschmack ist er vielleicht etwas zu opulent gezeichnet, aber originell ist er allemal. Zimmer spielte Mitte der Achtzigerjahre in der Liga der exklusiven Hersteller wie Excalibur, Clénet oder Stutz.

    Design Anleihen von Klassikern

    Zwischen 1978 und 1988 beschäftigte Paul Zimmer in Pommpano Beach, Florida, immerhin bis zu 175 Mitarbeiter, und stellte Fahrzeuge her, die sich beim Design an den Dreissigerjahren orientierten. Als Basis dienten meistens Modelle von Ford, denen er eine neue Karosserie schneiderte und den Innenraum aufwertete.

    Zimmer Quicksilver (1986) - Opulentes Heck mit viel Chrom
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby’s

    Die Grossserie war aber immer an Türen, Scheiben, Spiegeln und anderen Teilen sichtbar. Nach dem Bankrott der Firma wurden die Rechte an der Marke an Art Zimmer verkauft, der die Firma unter dem Namen Art Zimmer Neo-Classic Motor Car Company Ltd. in Hamilton, New York wiederbeleben wollte.

    Technik aus der Grossserie

    Der von uns porträtierte Quicksilver nahm innerhalb der Zimmer-Modelle einen Sonderstatus ein. Der Designer Don Johnson hat hier modernere Designelemente aufgegriffen, und zusammen mit Paul Zimmer ein aussergewöhnliches Coupé geschaffen, das auf dem Pontiac Fiero basierte.

    Pontiac Fiero Formula (1988) - am Kunststoffautotreffen "Fantastic Plastic 2016"
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Der unveränderte Sechszylinder Mittelmotor mit einem Hubraum von 2.8 Liter und einer Leistung von 140 PS trieb die Hinterräder an, die Wahl der Gänge übernahm eine 3-Gang Automatik. Die zurückhaltende Motorisierung, die schon im Fiero keine Beschleunigungsorgien zuliess, dürfte auch den Quicksilver eher zum Cruiser als zum Renner machen.

    Zimmer Quicksilver (1986) - Der Pontiac Fiero Mittelmotor leistet 140 PS
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby’s
    Angebote von Zwischengas-Spezialisten
     
    ToffenMarch2020

    Stark modifiziert

    Die Form des Coupés hatte nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit dem Fiero, zwischen Kühler und A-Säule wurde es um 16 Inch (rund 40 cm) gestreckt.

    Zimmer Quicksilver (1986) - Die Front wurde zwischen dem Kühler und der A-Säule rund 40 cm gestreckt
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby’s

    Die zusätzliche Länge kam nicht dem Innenraum zugute, sondern ermöglichte vorne einen kleinen Kofferraum. Obwohl im Interieur noch vieles an den Pontiac erinnert, so hat Zimmer auch hier Hand angelegt, und die Sitze sowie das Armaturenbrett mit Leder und Holz aufgewertet. Die für amerikanische Verhältnisse kompakte Karosserie wurde aus Fiberglas und Kohlefasermaterial gefertigt, und mass 480 cm in der Länge und 180 cm in der Breite.

    Zimmer Quicksilver (1986) - Das Interieur wurde mit Holz und Leder aufgewertet
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby’s

    Nicht nur Zimmer benutzte den Fiero

    Das kleine Mittelmotorcoupé von Pontiac war aber auch in der Kit Car Szene beliebt, auf seiner Basis sind unzählige, mehr oder weniger gelungene Replikas von Ferrari, Lamborghini und anderen Exoten entstanden. Sogar Pontiac selber bot über ausgewählte Händler eine alternative Karosserie für den Fiero an, die dem Ferrari 308 verblüffend ähnlich sah, und nannte das Fahrzeug "Mera". Dass man sich in Maranello darüber nicht freute, verwundert nicht, und nach einer Klage von Ferrari wurde der Verkauf des Mera nach weniger als 300 Stück eingestellt.

    Zimmer Quicksilver (1986) - Zimmer Kühlerfigur
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby’s
    Bonhams2020Paris

    Fachpresse mit Fragezeichen

    Die Redaktoren der AR Zeitung waren sich offenbar nicht ganz sicher, was unter der Kunststoffhaut des Zimmer Quicksilver steckte, und schrieben am 4. September 1986 in Ausgabe 36:
    "Möglicherweise ist der Quicksilver unter seinem pompösen Kleid mit dem ebenfalls zweisitzigen, aber deutlich kürzeren Pontiac Fiero verwandt. Wenn auch der Quicksilver-Radstand mit 278 cm deutlich länger ist, so stimmen doch die vordere und die hintere Spur mit 148 beziehungsweise 150 cm mit jener des Fiero genau überein. Als weitere Details werden die elektronische Benzineinspritzung, eine Zahnstangenlenkung mit Servo sowie Vierradscheibenbremsen genannt.
    Mit dem Quicksilver will Zimmer gegen den Cadillac Allante, den kommenden Buick Reatta und den Chrysler-Maserati antreten; dass er auch zu zahlreichen Importwagen eine Alternative verkörpern soll, versteht sich von selbst. Das exklusiv geformte neue Coupé würde es durchaus verdienen, zu einem kommerziellen Erfolg zu werden und damit die Bricklin- und DeLorean-Flops vergessen zu lassen. Die Zimmer Motor Cars Corporation hat denn auch einen durchaus gesunden Hintergrund. Sie ist eine Tochtergesellschaft der Zimmer Corporation, die zwölf Firmen umfasst und zur Hauptsache Wohnhäuser und Freizeitprodukte herstellt. Auch ein Werk für die Produktion extravaganter Motorcaravans hat bisher zur Zimmer-Gruppe gezählt."

    Zimmer Quicksilver (1986) - Die Armaturen wurden vom Fiero übernommen
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby’s

    Nichts für introvertierte Fahrer

    Sicher ist, dass der Quicksilver auch heute noch auffällt. Der Fahrer muss also gewillt sein, bei jedem Stopp Auskunft zu geben, und er darf sich nicht daran stören, unter ständiger Beobachtung der anderen Verkehrsteilnehmer zu stehen.

    Zimmer Quicksilver (1986) - Heck mit hochgezogener Stossstange
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby’s

    Er kann aber stolz darauf sein, zu einem exklusiven Kreis von Autofahrern zu gehören, die einen Quicksilver besitzen. Die Kundenkartei von Zimmer soll so illustre Namen wie Frank Sinatra, Dolly Parton und Hulk Hogan umfasst haben.

    Der abgebildete Quicksilver wurde 1986 gebaut, stammt aus erster Hand und wurde erst 464 Meilen (rund 747 KM) gefahren. Er wird an der RM/Sotheby's Auktion in Arizona, USA versteigert, die vom 16. bis 17. Januar 2020 stattfindet. Das Angebot startet ohne Mindestpreis, das Auktionshaus erwartet ein Gebot von $ 40'000 bis 50'000 (CHF 39'000 bis 49'000 oder EUR 36'000 bis 45'000).

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    za******:
    11.01.2020 (11:40)
    Der o. g. Quicksilver wirkt auf mich, wie ein kleiner Ableger von Les Dunhams "Corvorado"*. Jenem pompösen Gefährt auf *CORVette-Basis, mit Cadillac Eld*ORADO-Stilelementen, dass der Killer "Whisper" im James Bond-Film "Live And Let Die" kutschierte.
    ar******:
    08.01.2020 (12:52)
    1991 stand ich bei einem Wiesen-Gebrauchtwagenhändler im ehemaligen Ostberlin(!) vor gleich zwei Zimmer Quicksilver'n. Einer silber, der andere schwarz. Der geforderte Preis betrug damals DM 20.000,-- pro Exemplar.
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