Zagato Raptor Concept – der etwas andere Lamborghini Diablo

Erstellt am 6. November 2019
, Leselänge 4min
Text:
Daniel Koch
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Scott Pattenden - Courtesy of RM Sotheby's 
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Archivio A.M. Zagato 
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Balz Schreier 
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Lamborghini / Werk 
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Der Raptor, der auf dem Lamborghini Diablo VT basiert, wurde von Zagato in Zusammenarbeit mit Lamborghini als Konzeptfahrzeug gebaut. Das futuristische Design entstand unter der Leitung des damaligen Chefdesigners Nori Harada. Wie das ebenfalls geplante Modell "Canto" schaffte es auch der Raptor nicht in die Serienproduktion und es blieb bei diesem Einzelstück.

Begeistertes Publikum

Die Premiere hatte der Raptor 1996 am Genfer Automobilsalon und erregte durch sein futuristisches Aussehen und das aussergewöhnliche Hubdach, das anstelle von Türen das Cockpit freigab, viel Aufsehen.


Spektakuläres Hubdach - Zagato Raptor (1996)
Copyright / Fotograf: Scott Pattenden - Courtesy of RM Sotheby's

Zuvor sah man ähnliche Dachkonstruktionen nur bei Kitcars mit VW Käfer-Technik (zum Beispiel im Nova, Sterling und deren Derivate) sowie im Jahr 2006 beim Aero-X Concept von Saab. Andere Designer bedienten sich ebenfalls gerne des spektakulären Hubdachs, welches es aber nie in die Grossserienproduktion geschafft hat.


Ähnliches, wenn auch weniger aufwändig konstruiertes Hubdach im Kitcar - Sterling GT (1971)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Neben der Optik überzeugte auch der Aufbau auf der bewährten Diablo-Technik, die sicher stellte, dass der flache Renner auch so schnell war wie er aussah.


Der Raptor verwendet fast die komplette Technik vom Diablo - Lamborghini Diablo VT (1995)
Copyright / Fotograf: Balz Schreier

Kontrovers aufgenommen

Anlässlich der Präsentation des Prototypen berichtete die AR-Zeitung in Ausgabe Nr. 14 vom 28. März 1996:
"Zagato ist ein alter, unter Liebhabern leichter und schneller Coupes legendärer Name. Berühmt wurde er auch durch die mit ihm verbundene Double-Bubble-Dachform. Nach Zeiten des Suchens und der vermeintlichen Inaktivität ist das Mailänder Haus immer wieder für Überraschungen gut, die keinen an ausgefallenem Design Interessierten unberührt lassen. So brachte Zagato - bzw. die Nachfolgefirma SZ Design - dieses Jahr eine kontroverse Schöpfung mit Namen Raptor nach Genf, die zuallererst durch ihre höchste aggressive Erscheinung auffällt. Das darf sie natürlich auch, befindet sich doch hinter den beiden Sitzen das 12-Zylinder-Triebwerk des vierradgetriebenen Lamborghini VT. Fast selbstverständlich besitzt das wie zum Sprung geduckte, gekonnt durchmodellierte Coupe ein Doppelkuppeldach, dessen Oberteil sich zum Offenfahren entfernen lässt. Ob das blausilbem glänzende Raubtier noch in die heutige Zeit passt oder nicht, stand für die Zagato-Leute nicht zuvorderst auf der Prioritätenliste. Viel eher ging es wohl darum, dem mit Traditionen verbundenen und mit Emotionen geladenen Namen zu neuer Aktualität zu verhelfen".

Offenbar machte man sich schon vor fast einem Vierteljahrhundert Gedanken, wie Supersportwagen in die moderne Welt passten.


Zur Jagd bereit - Zagato Raptor (1996)
Copyright / Fotograf: Scott Pattenden - Courtesy of RM Sotheby's
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Vorbote der Zukunft?

Wenn man sich den Raptor von der Seite ansieht, dann fallen Linien und Elemente auf, die über 20 Jahre später unter anderem an einen Koenigsegg oder an einen Lotus Evora erinnern.


Elegante Silhouette - Zagato Raptor (1996)
Copyright / Fotograf: Scott Pattenden - Courtesy of RM Sotheby's

Neue Technologie im Konstruktionsbüro

Der Zagato Raptor war eines der ersten Fahrzeuge weltweit, dessen ganze Entwicklung vollständig auf Computerberechnungen und von von Computer unterstützen Zeichnungen (sogenanntes CAD, oder "Computer Aided Design) basierte, und so schafften es die Ingenieure, das Fahrzeug in nur vier Monaten fertigzustellen.


Einzelstück von Zagato - Zagato Raptor (1996)
Copyright / Fotograf: Scott Pattenden - Courtesy of RM Sotheby's

Leichtgewicht mit Genen des Diablo

Der Raptor wurde auf einem Gitterrohrramen aufgebaut und mit dem Sechsganggetriebe, dem Allradantrieb und dem 5.7 Liter grossen V12 Motor mit einer Leistung von 492 PS aus dem Diablo ausgestattet. Geplant war auch ein optionaler Z-Kompressor, mit welchem die Leistung auf über 600 PS gesteigert werden sollte.


Wenn der Raptor im Rückspiegel auftaucht, wird die Spur wohl schnell geräumt - Zagato Raptor (1996)
Copyright / Fotograf: Scott Pattenden - Courtesy of RM Sotheby's

Dank der leichten Carbonkarrosserie, dem Fehlen von Türen, der Verwendung von Magnesiumrädern und einem minimalistischen Innenraum war er rund 300 Kilogramm leichter als der Diablo. Zudem verzichtete man im Raptor auf das ABS und die Traktionskontrolle, welche der Diablo an Bord hatte.

Ein Supersportwagen

Für den Sprint von null auf hundert benötigte der Raptor laut Werksangaben weniger als vier Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit wurde mit über 320 km/h angegeben.


Dynamischer Auftritt - Zagato Raptor (1996)
Copyright / Fotograf: Archivio A.M. Zagato

Einzelstück geblieben

Obwohl die Reaktionen auf den Raptor positiv waren, und er auch bei Testfahrten gute Noten bekam, blieb es bei diesem einen Fahrzeug. Es wurde vermutet, dass Lamborghini auf die Serienproduktion verzichtete, da man mit dem Canto bereits ein neues Modell im Köcher hatte, welches ebenfalls von Zagato entworfen wurde. Den Canto ereilte aber dasselbe Schicksal wie den Raptor, er wurde nie in Serie gefertigt.

Lamborghini spendierte stattdessen dem Diablo ein Facelift und behielt ihn noch einige Jahre im Programm, bis er 2001 durch den von Luc Donckerwolke gezeichneten Murciélago abgelöst wurde.


Raptor auf der Strasse - Zagato Raptor (1996)
Copyright / Fotograf: Archivio A.M. Zagato

Aus zweiter Hand

Die treibende Kraft hinter dem Raptor, Alain Wicki, erwarb das Einzelstück, nachdem das Projekt gestoppt wurde. Anfangs versuchte er noch zusammen mit Zagato, selber eine Kleinserie aufzulegen, aber diese Idee scheiterte.


Der obere Teil des Daches kann entfernt werden, dann wird der Raptor Roadster (oder Targa) - Zagato Raptor (1996)
Copyright / Fotograf: Scott Pattenden - Courtesy of RM Sotheby's

Im Jahr 2000 bot er das Fahrzeug an einer Auktion im Genfer Museum an, an der es für CHF 380'000 (damals etwa 250'000 Euro) einen neuen Besitzer fand. An derselben Versteigerung wurde einer von 80 gebauten Ferrari 275 GTB mit Aluminiumkarrosserie für CHF 400'000 verkauft. Dieses Auto würde im Jahr 2019 bei Auktionen rund den sechsfachen Preis erzielen.

Seltene Gelegenheit

Das hier vorgestellte Einzelstück wurde am 30. November 2019 an der RM/Sotheby's Auktion in Abu Dhabi angeboten. Als Schätzpreis nannte das Auktionshaus USD 1,3 bis 1,6 Millionen, mit einem Höchstgebot von USD 1,1 Millionen wurde das Fahrzeug jedoch nicht verkauft.

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