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Bild (1/4): Volvo L3314 (1964) - primär für den militärischen Einsatz gebaut, aber auch für zivile Zwecke sehr nützlich (© Bruno von Rotz, 2012)
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    Volvo L3314 Laplander - nördlicher Geländekünstler der Sechzigerjahre

    Erstellt am 3. Oktober 2012
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Bruno von Rotz 
    (43)
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    Wer an die früheren Volvo-Modelle denkt, erinnert sich gemeinhin an den Buckel-Volvo (z.B. PV 444), den Amazon (z.B. 123 S) oder das elegante Coupé P 1800 S. Kaum jemand wird sich aber ein hochbeiniges Geländefahrzeug von der Statur eines Pinzgauers vorstellen.

    Volvo L3314 (1964) - riesige Räder für das kompakte Fahrzeug
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Doch zwischen 1961 und 1970 stellte Volvo immerhin fast 9’000 Allrad-Vehikel vom Typ L3314/3315 her. Als Militärfahrzeug konstruiert, wurden die meisten allerdings im harten Wehrdienst eingesetzt, nur ein geringer Teil des Gesamtproduktion wurde dem zivilen Einsatz zugeführt.

    Volvo schon früh mit 4x4-Personenwagen

    Bereits 1943 baute Volvo auf dem Fahrgestell des PV 800 einen Geländewagen namens TVP, ausgerüstet mit einem Sechszylinder-Benzinmotor, der rund 80 PS leistete. Bis in die frühen Sechzigerjahre wurde der Wagen, der am Ende TP21 hiess gebaut.

    Ende der Fünfzigerjahren erhielt Volvo einen Entwicklungsauftrag für einen einen Allrad-Frontlenker mit Ladekapazität für acht Personen zum Einsatz in der schwedischen Armee.

    Unter Chefkonstrukteur Nils-Magnus Hartelius entstand ein vergleichsweise leichtgewichtiges Mehrzweckfahrzeug mit viel Platz im Innenraum, aufgebaut auf einem Lastwagen-Leiterrahmen mit hinterer und vorderer Starrachse an Blattfedern.

    Griff in das eigene Ersatzteilregal

    Da der neue Geländewagen kostengünstig hergestellt werden musste, griff man für die Komponenten in das jeweils aktuelle Ersatzteilregal. Der Motor stammte aus den gängigen Personenwagenmodellen, entsprechend wurde bei den Prototypen der B16-Antriebssatz eingesetzt. Dies bedeutete vier Zylinder und Benzin als Treibstoff. Auch Getriebe und Ausstattungselemente stammten aus parallel produzierten Serienfahrzeugen von Volvo

    Zweckdesign ohne Firlefanz

    Design-technisch waren die Anforderungen an einen Geländewagen nicht hoch, der Zweck stand im Vordergrund. Trotzdem verschaffte Hartelius dem Allradler eine schwedische Note, indem er auf den Flanken Schutzleisten aus Holz anbrachte. Ansonsten sorgten glatte Flächen und plane Scheiben für geringe Produktionskosten.

    Volvo L3314 (1965) - Ur-Laplander mit offener Ladebrücke
    © Archiv Automobil Revue

    Mit dem L3314 in die Serienproduktion

    Nach umfangreichen Tests, die mit dem Vorserienmodell L2304 - es wurden 91 Fahrzeuge hergestellt - durchgeführt wurden, ging der offiziell “Laplander” genannte Geländewagen unter der Typenbezeichnung L3314 in Serie. Statt des B16-Motors kam nun der stärkere B18 A mit 1,8 Litern Hubraum und 68 DIN-PS Leistung zum Einsatz.

    Technische Besonderheiten

    Als Frontlenker bot der Laplander viel Platz für die Besatzung, die hinten quer zur Fahrrichtung befördert wurde. Dank vorderen Freilaufnaben war der Allradantrieb nicht permanent, sondern zuschaltbar. Zur Optimierung der Geländetauglichkeit liess Volvo Niederdruckreifen der Grösse  8.90-16 für 6,5 x 16 Zoll grosse Felgen herstellen.

    Die Seilwinde wurde zentral vom Motor angetrieben, das Zugseil konnte via Umlenkrollen nach vorne oder hinten geführt werden.

    Ziviler Einsatz als Polizei-, Feuerwehr oder Mehrzwecksfahrzeug

    Nachdem sich der L3314 und seine Bauvarianten L3304 (mit Panzerabwehrkanone) und L3315 (Kommunikationsversion) im militärischen Dienst bewährt hatte, wurden auch Zivilversionen hergestellt und an Feuerwehr-Einheiten, Gemeinden/Kommunen und Unternehmen, die Bedarf für ein robustes geländefähiges Transportmittel hatten, verkauft.

    Der Laplander konnte in unterschiedlichen Konfigurationen bestellt werden, u.a. mit Pritsche, Planenverdeck oder vollkarossiert.

    Mit der Serie 2 nach Ungarn

    Während Volvo ab 1974 einen grösseren Bruder des Laplander mit der Typenbezeichnung C303 in Produktion nahm, wurde die Nachfrage nach dem kleineren Laplander mit dem Nachfolger C202 gestillt, der aber wegen mangelnder Produktionskapazitäten in Schweden zwischen 1977 und 1981 in Ungarn gefertigt wurde. Der C202 profitierte vom weiter erstarkten und vergrösserten B20-Motor und auch die Karosserie war modernisiert worden.

    Der recht teure C303 und seine Brüder war eine ganze Nummer grösser als der Laplander, wiesen einen B30-Sechszylindermotor auf und waren auch mit drei (und teilweise vier) Achsen ausgerüstet. 1983 gewann ein C303 seine Klasse bei der Rallye Paris-Dakar.

    Restauriert über sechs Jahre

    Der originale Laplander, also der L3314 ist in unseren Breitengraden seltener als die meisten Ferrari-Modelle. Wer also ein derartiges Fahrzeug sein Eigen nennen will, muss kaufen, was er findet, unabhängig vom Zustand.

    Das fotografierte Modell L3314HT von 1964 wurde in rund sechs Jahren fast grundlegend neu aufgebaut. Vier der sechs Jahre gingen allerdings für die Suche und Beschaffung der für die Restaurierung nötigen Teile drauf. Die Firma Classic Car Connection liess aber nicht locker, bis alle notwendigen Komponenten in Schweden und Norwegen gefunden waren. Und was nicht gefunden werden konnte, wurde nachgefertigt. So entstand dann in rund 1’000 Arbeitsstunden der Laplander neu und präsentiert sich heute in perfektem Zustand, wie wohl kaum ein Zweiter.

    Sitzen auf der Vorderachse

    In einen Laplander setzt man sich nicht einfach hinein, man besteigt ihn. Typisch für die Frontlenkerbauweise sitzt man im L3314 hoch und direkt über der Vorderachse.

    Volvo L3314 (1964) - Cockpit mit dem Nötigsten - der Drehzahlmesser ist nicht serienmässig
    © Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

    Der Motor wird per Startknopf nach Einschalten der Zündung in Gang gesetzt. Sofort erklingen Volvo-Fans bekannte Töne. Das Vierganggetriebe folgt dem normalen Schaltschema. Das Fahrverhalten ist wegen der riesigen Reifen auf hartem Untergrund etwas schwammig, die Lenkung sehr indirekt. Immerhin ist der Wendekreis recht klein und der Motor kommt mit dem doch recht hohen Gewicht des Wagens gut zurecht.

    Der König im Gelände

    Seine grosse Stunde kommt für den Laplander aber im Gelände, wo er seinen grossen Böschungswinkel, die hohe Bodenfreiheit in Kombination mit dem relativ kurzen Radstand, sowie die gute Gewichtsverteilung voll ausspielen kann. Ähnlich einem Haflinger überwindet der L3314 Schwierigkeiten, wie man es nicht für möglich hielte. Kein Wunder setzte auch der Notfallarzt im Oberengadin in den Siebzigerjahren einen Laplander ein, wenn die Strassen sonst kein Durchkommen mehr ermöglichten.

    Noch heute praktisch

    Acht Personen und noch einiges an Nutzlast kann man im Laplander, der in Schweden auch liebevoll “Valp” und “Puppy” genannt wurde, transportieren, und dies über Stock und Stein und fast bei jeglichen Fahrbedingungen. Sogar eine Amphibienversion mit ausklappbarer Bootsschraube gab es einst, allerdings beim L3314 nur zu Versuchszwecken.

    Trotzdem will man heute nicht unbedingt lange Reisen mit dem Schweden unternehmen, dazu ist er innen zu laut und das Fahren erfordert zu grosse Konzentration. Aber als klassenloses Einsatzfahrzeug für Kundenbesuche taugt er allemal. Und Aufmerksamkeit ist einem sowieso sicher, denn kaum jemand kennt diesen frühen Geländewagen von Volvo.

    Wir danken der Classic Car Connection für die Möglichkeit, den kurligen Schweden Volvo L3314HT kennenlernen zu können.

    Weitere Informationen zu den frühen Volvo-Geländewagen finden sich unter anderem auf der Website www.laplander.ch.

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