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Pontiac Firebird Trans Am - Brabbeln für ein Schlitzohr

Erstellt am 23. März 2016
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
32
GM Corporation 
4
Balz Schreier 
1
Archiv 
25

Der Film “Smokey and the Bandit” (Titel der deutschsprachigen Fassung: “Ein ausgekochtes Schlitzohr”) war ein Kassenschlager und machte ein Auto weltberühmt, dass eigentlich seine besten Zeiten schon lange hinter sich hatte, der Pontiac Firebird Trans Am.

Pontiac Firebird Trans Am (1978) - der Heckspoiler kam im Jahr 1978 dazu
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Mit Schnauzbart und Cowboy-Hut

Burt Reynolds hiess der damals sehr beliebte Schauspieler, der im Film den Lastwagenfahrer “Bandit” mimte und mit seinem schwarzen Pontiac Firebird für eine Wette die Polizei von einem bierschmuggelnden Sattelschlepper (Kenworth W900A) ablenkte.

Pontiac Firebird Trans Am von 1980 - Burt Reynolds und das Autos aus dem Film "Smokey and the Bandit", im ersten Teil fuhr er allerdings ein 77-er-Modell
Zwischengas Archiv

Heisse Verfolgungsjagden, eine mitfahrende Hochzeitsbraut (Sally Field) und deftige Dialoge kennzeichneten den 96-minütigen Streifen, der für gerade einmal 4,3 Millionen USD (inklusive Gagen) abgedreht wurde und 1977 fast das Achtzigfache einspielte.

Pontiac Firebird Trans Am (1977) - im Film "Smokey and the Bandit"
Zwischengas Archiv

Der Pontiac Firebird wurde mit 155’000 produzierten Exemplaren im Jahre 1977 das erfolgreichste Modell der ganzen Pontiac-Palette und die sportliche Trans-Am-Variante alleine trug mit 68’745 Fahrzeugen dazu bei. Verantwortlich für diesen eigentlich unerwarteten Erfolg war aber sicherlich nicht alleine der Film, sondern ein eigentliches Vakuum im amerikanischen Autoangebot, denn zu jener Zeit war nur noch die Chevrolet Corvette sportlicher.

Geboren als Pony Car

Der erste Pontiac Firebird kam im Jahr 1967 - sozusagen als Alternative zum Pony Car Ford Mustang - auf den Markt, konzipiert als Parallelmodell zum Chevrolet Camaro.

Pontiac Firebird (1968) - als Sportcoupé
Archiv Automobil Revue

Ausgerüstet mit Sechs- und Achtzylinder-Motoren setzte man damals auf sportliches Design und hohe PS-Leistungen. Und das Rezept kam gut an, 82’000 Exemplare konnten bereits im ersten Jahr ausgeliefert werden.

GM Firebird III (1959) - alle drei Firebird zusammen
Copyright / Fotograf: GM Corporation

Auch den Namen musste man damals nicht neu erfinden, denn bereits 1954 gab es von General Motors ein Gasturbinen-Konzeptfahrzeug namens Firebird.

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Entwicklung zum Muscle Car

1970 wurde das Styling des Firebird komplett überarbeitet und modernisiert. Die Motorgrösse stieg auf bis 7,5 Liter und die Leistung auf gegen 370 PS.

Pontiac Firebird (1970) - agressive Frontgestaltung
Archiv Automobil Revue

Typisch für den starken Firebird war die gut sichtbare Hutze auf der Motorhaube.

Leistungsabfall

Dann wirkten sich neue Abgasvorschriften und der Zwang, mit bleifreiem niedrigoktanigem Benzin auszukommen, auch auf den Pontiac Firebird aus. Die Motoren wurden kleiner, die Leistung sank. Doch im Gegensatz zur Konkurrenz blieb Pontiac dem V8-Motor als Topmotorisierung treu, eine Entscheidung, die sich ab 1973 wieder mit steigenden Absätzen bezahlt machte, nachdem man noch 1972 über eine Einstellung des Modells diskutiert hatte.

Pontiac Firebird (1970) - kraftvolle Linienführung
Archiv Automobil Revue
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Kantige Front

Für das Jahr 1977 gab man dem Firebird eine neue Front mit vier Rechteckscheinwerfern und bot mit dem 6,6-Liter-V8 einen richtig grossen Benzinmotor an. Das Modell gefiel auch den Filmemachern und so kam Burt Reynolds zu seinem Pontiac Firebird Trans Am 6,6, obschon es sich beim Filmauto eigentlich um ein 76-er-Modell mit den nötigen äusseren Anpassungen handelte.

Pontiac Firebird TransAm (1978) - erhält in Washington D.C. eine Parkbusse von einem berittenen Polizist Mitte der Achtzigerjahre
Archiv Automobil Revue

Im Jahr darauf erhielt der Trans Am dann auch noch einen kräftigen Heckspoiler, im Jahr darauf eine erneute Gesichtsmodifikation. Im Frühjahr 1982 kam schliesslich die nächste Generation mit komplett neuem Design auf den Markt, nachdem der Absatz der Firebird-Baureihe beim letzten Jahrgang 1981 wieder auf knapp 71’000 Exemplare geschrumpft war.

Pontiac Firebird Trans Am (1978) - sieht kompakter aus als er mit fast fünf Metern Länge ist
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Gross und massig

Fast fünf Meter lang ist das nicht besonders geräumige Coupé, im Kofferraum findet sich mit rund 220 Litern gerade genug Platz für zwei Personen, die Hintersitze will man höchstens Kindern anbieten. Auch von der üppigen Breite von fast 1,9 Metern spürt man im Innern nicht allzuviel. Man sitzt tief, worunter auch die Übersichtlichkeit etwas leidet. Dafür blickt man auf ein komplett bestücktes Armaturenbrett, das ein wenig an amerikanische Rennwagen erinnert.

Pontiac Firebird Trans Am (1978) - ein Cockpit wie in einem damaligen Rennwagen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Mit dem rechten Hand startet man den 6,6 Liter grossen V8-Motor, der es auf rund 180 PS bringt, was nach etwas Rechnerei eine Literleistung von ungefähr 27 PS ergibt. Die Höchstleistung fällt bereits bei 3600 Umdrehungen an, das maximale Drehmoment von 435 Nm bei 1600 Umdrehungen. Dass man hier also keinen Sportmotor vor sich hat, ist sofort klar und auch die Automatik mit Drehmomentwandler kommt damit sehr gut klar

Cruisen mit knapp vierstelligen Drehzahlen und wohltönendem Brabbeln ist also angesagt, das empfahl schon Klaus Westrup, als er den Firebird Trans Am 1977 für die Zeitschrift “Auto Motor und Sport” testete.

Sportliche Fahrleistungen

Doch es ging auch schneller. Immerhin sprintete der vollgetankt 1750 kg schwere Firebird in 10,4 Sekunden von 0 bis 100 km/h und erreichte im Test eine Höchstgeschwindigkeit von 201,1 km/h. Ein Porsche 924 hängte den Pontiac also nicht ab, kostete aber etwa gleich viel und bot nur vier Zylinder und eine Magerausstattung. 30’110 deutsche Mark oder 23’495 Schweizer Franken wurde man Ende 1977 los, wenn man sich den komfortabel ausgerüsteten Pontiac Firebird Trans Am in die Garage stellen wollte.

Pontiac Firebird Trans Am (1978) - prall gefüllter Motorraum
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Nach dem Kauf wurde es aber teurer, denn der Achtzylinder wollte üppig gefüttert werden. 23,7 Liter liess Westrup auf 100 km Fahrstrecke durch den Holley Doppel-Register-Fallstrom-Vergaser laufen. Wer nur sanft rolle, komme ein bisschen darunter, wer oft ins volle Drehmoment greift, können auch bis zu 28 Liter pro 100 km aus dem 76-Liter-Tank pumpen, meinte der Testfahrer damals.

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Kein Rennwagen

Die eigentliche Domäne des Pontiac ist das gemütliche Dahingleiten. Denn dann kommt der vibrationsarme V8 und die sanft schaltende Dreigangautomatik perfekt zur Geltung. Und man spürt auch kaum Schläge von der hinteren Starrachse. Sind noch die Dachluken offen, dann lässt man sich von niemanden und gar nichts mehr stressen und spürt auch von Untersteuern im Grenzbereich wenig. Langsam muss man deswegen nicht sein, mit dem Verkehr auf Landstrassen und Autobahnen kann man immer mithalten.

Pontiac Firebird Trans Am (1978) - das Gesicht mit den vier Rechteckscheinwerfern wurde auf das Jahr 1977 eingeführt
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Viel Angewöhnung erfordert das Fahren im Pontiac nicht, wenn man einmal weiss, dass das Fernlicht (wie einst im VW Käfer) per Fusstaster aktiviert wird und die Motorhaube (sollte es einmal nötig sein) mit einem Hebel unter der Stossstange entriegelt wird.

Man freut sich über die umfangreiche Serienausstattung, die immerhin eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Tempomat und Automatikgurten beinhaltete und überlegt sich, ob man sich nicht doch auch einen Schnauzbart wachsen lassen sollte, der zum Feuervogel auf der Motorhaube doch richtig gut passen würde.

Pontiac Firebird Trans Am (1978) - breite Rückleuchten
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Wir danken dem Surber US-Car-Center für die Gelegenheit zur Probefahrt im goldfarbenen Pontiac Firebird Trans Am von 1978.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von mo******
30.03.2016 (11:25)
Antworten
Ich war mit einem 69er Firebird Cabi in den USA und Kanada unterwegs. 6,4 Liter, 4-Gang-Handschaltung und Trommelbremsen. Runterschalten brachte mehr Verzögerung als die Bremschen. Den möchte ich heute wieder!
Später fuhr ich einen Trans AM. Der war schon schwerfälliger, aber immer noch schneller als die meisten glaubten. Sogar bei einem Slalom in Lignières.
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