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Mitsubishi Celeste – fast vergessenes Nippon-Coupé

Erstellt am 27. Mai 2021
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bruno von Rotz 
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Archiv Emil Frey Classics / Automobil Revue 
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Archiv 
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An welche japanischen Sportcoupés der Siebzigerjahre erinnert man sich? Toyota Celica, Datsun 240 Z, …. Ein Mitsubishi käme da den wenigsten in den Sinn. Mit dem Modell Celeste hatte die Marke mit den drei Diamanten als Erkennungssymbol allerdings ein heisses Eisen im Feuer, auch wenn das Coupé heute fast vergessen ist.

Mitsubishi Celeste (1977) - attraktives Coupé, als 1600 ST mit 73 PS, als 2000 GSR sogar mit 90 PS - Genfer Autosalon 1977
Archiv Automobil Revue

Mitsubishi selbst war kein Newcomer nach dem Krieg, bereits 1917 entstand das erste Automobil, dem Ford Model T nachempfunden. Von da an schritt man kontinuierlich vorwärts, baute eigene Zulieferbetriebe auf, beschäftige konzerneigene Konstruktionsbüros.

Sprung nach Europa

Etwas später als andere Automarken setzte Mitsubishi auch einen Fuss nach Europa, indem zunächst der holländische Autofahrer für die günstigen Autos aus Japan begeistert wurden. Nach ersten Erfolge begann man 1976 den deutschen Markt zu entwickeln und die Erb-Gruppe begann 1977 den Import in die Schweiz via die MMC-Automobile AG zu initiieren.

Vorstellung im Herbst 1975

Bereits etwas früher hatte Misubishi das neue Coupé Celeste an der 21. Tokio Motor Show vorgestellt. Die Automobil Revue notierte im November 1975:
“Grosses Interesse brachten die Salonbesucher aber auch dem neuen, sehr gefälligen Fliessheck-Coupé Mitsubishi Celeste mit 1,4- und 1,6-Liter-Motor entgegen, das in den USA als Plymouth Arrow verkauft werden soll. Eine recht bemerkenswerte Entwicklung verkörpert der Astron-80-Motor (im Colt Galant und Celeste eingebaut), bei dem zwei zusätzliche, einander entgegengesetzt laufende Wellen für aussergewöhnliche Laufruhe und Schwingungsfreiheit bei den beiden Vierzylindermotoren sorgen.”

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Gefällige Coupé-Linie

Dem neuen Coupé sah man die japanische Herkunft durchaus an, auch amerikanische Styling-Tendenzen waren auszumachen. Das Gesamtergebnis war hübsch anzuschauen und punktete vor allem auch funktionell. Der grosszügig verglaste Innenraum wurde nämlich nach hinten durch eine grosse Kofferraumklappe im Fliessheck abgeschlossen. Die Rücksitze waren umklappbar und eröffnete eine grosse Ladefläche, die auch sperrige Objekte wie z.B. ein Rennrad oder einen Heissluftballon aufnahm.

Mitsubishi Celeste (1977) - ein Rennrad hat Platz im Kofferraum
Copyright / Fotograf: Archiv Emil Frey Classics / Automobil Revue

Auch das Interieur trug typisch japanische Züge und überzeugte mit viel Ausstattung. So war etwa das Lenkrad verstellbar und die Uhrensammlung mit Drehzahlmesser überdurchschnittlich umfangreich, beim Spitzenmodell gehörte sogar ein Ampèremeter dazu.

Lanchester-Ausgleichswellen

Unter der Motorhaube gab es für Europa 1,6- und 2,0-Liter-Motoren mit 73 und 90 PS Leistung. Die fortschrittliche Konstruktion konnte mit einem Leichtmetall-Zylinderkopf, hängenden Ventilen, einer obenliegenden Nockenwelle, einem Fallstrom-Doppelvergaser, aber vor allem mit zwei Ausgleichswellen zur Senkung der Vibrationen aufwarten.

Mitsubishi Celeste (1977) - zwei Ausgleichswellen
Copyright / Fotograf: Archiv Emil Frey Classics / Automobil Revue

Diese Konstruktion ging auf Frederick Lanchester zurück, der die Idee bereits 1904 patentiert hatte. Mitsubishi aber war der erste Autohersteller, der die zwei parallel zur Kurbelwelle angeordneten Ausgleichswellen in der Grossserie einsetzte. Das Ergebnis war eine Vibrationsarmut, die einem guten Sechszylinder oder einem weniger guten Achtzylinder entsprechen sollte.

Die Automobil Revue notierte dazu:
“Der subjektive Eindruck, den wir vom Standlauf des 2-Liter-Motors gewonnen haben, bestätigt jedenfalls, dass es sich um einen ruhig drehenden Motor handelt. Laut Werk soll es mit der Methode der Schwingungsausgleichswellen möglich sein, Vierzylindermotoren bis zu einem Hubraum von 3 Litern relativ laufruhig zu gestalten.”

(Anmerkung der Redaktion: Porsche nutzte beim 944 denselben Konstruktionsansatz und vergrösserte den Vierzylindermotor beim 944 S2 dann tatsächlich auf drei Liter Hubraum.)

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Traditionelle Fahrwerktechnik

Während die Motoren von Mitsubishi innovativ waren, gestaltete man das Fahrwerk eher klassisch. Die vorderen Räder wurden von McPherson Federbeinen geführt, während hinten eine Starrachse mit Blattfedern den Bodenkontakt und die Übernahme der Antriebskräfte übernahm. Eine Kugelkreislauflenkung und eine gemischte Bremsanlage mit Scheiben/Trommeln waren ebenfalls bereits nicht mehr der letzte Schrei in der zweiten Hälfte der Siebzigerjahre.

Mitsubishi Celeste (1977) - robust und dynamisch
Copyright / Fotograf: Archiv Emil Frey Classics / Automobil Revue

Immerhin konnte aber das Leergewicht des Coupés mit 945 kg deutlich unter einer Tonne gehalten werden.

Umfangreiche Ausstattung

An Serienausstattung spare Mitsubishi nicht. So gab es bei allen Modellen eine Verbundglasfrontscheibe, eine Heckscheibenheizung, Automatikgurten, vordere Kopfstützen, ein MW-/UKW-Radio und getönte Scheiben. Die teureren Ausstattungsvarianten waren geradezu luxuriös ausgerüstet. Viele Komfortattribute, die bei der Konkurrenz teuer dazubezahlt werden mussten, waren bei diesen Celeste-Modellen bereits im Listenpreis drin.

Günstig und konkurrenzfähig

Ab CHF 14’550 oder DM 11’790 kostete der Celeste 1600 im Jahr 1977, damit unterbot man Konkurrenten wie den VW Scirocco bei ähnlichem Ausstattungsumfang locker um 10 bis 20 Prozent.

Mitsubishi Celeste (1977) - Cockpit
Copyright / Fotograf: Archiv Emil Frey Classics / Automobil Revue

Das Topmodell 2000 GSR kostete zwar CHF 15’650 oder DM 12’990, bot aber zusätzlich ein Öldruck- und Ampéremeter und natürlich den stärkeren 90-PS-Zweilitermotor. Allerdings wurde damit das Coupé auch um 65 kg schwerer und kopflastiger.

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Der amerikanische Zwilling

In den USA wurde der Mitsubishi Celeste als Plymouth Arrow vermarktet. Für die Chrysler-Marke war dies ein gutes Geschäft, hatte man doch im eigenen Bauprogramm nichts Ebenbürtiges zu bieten. So konnten in fünf Jahren 144’000 Exemplare abgesetzt werden.

Plymouth Arrow (1976) - die US-Variante des Mitsubishi Celeste
Zwischengas Archiv

Dem Verkauf half man allerdings auch mit einem gut ausgestatteten Werbebudget und dem Slogan “Me and My Arrow” auf die Beine.

Abgelöst nach sechs Jahren

Bereits im Jahr 1979 wurde der Mitsubishi Celeste einem Facelift unterzogen. Ab dann waren die Scheinwerfer vorne eckig anstatt rund. Die Leistung des Zweiliters stieg auf 105 PS.

Mitsubishi Celeste (1978) - nach dem Facelift
Zwischengas Archiv

Bereits im Juni 1981 stoppten die Fliessbänder für den Celeste.

Im Herbst 1982 ersetzte der Mitsubishi Cordia das Coupé Celeste. Mit dem Vorgänger hatte der auf der Limousine Tredia basierende Zweitürer mit Heckklappe kaum mehr etwas zu tun. Angesagt waren nun Frontantrieb und eine komplett andere Designsprache.

Wenige Überlebende

Nur wenige Japaner der Siebzigerjahre haben bis heute überlebt, die früh importierten Coupés von Mitsubishi sind hier keine Ausnahme. In der Schweiz sind im Jahr 2021 weniger als eine Handvoll Celeste noch zugelassen, allzu viele dürften es auch in Deutschland nicht sein.

Mitsubishi Celeste 1600 ST (1977) - nicht nur für Kirchgänger
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Das fotografierte Coupé des Typs 1600 ST gehört zu den ganz frühen Versionen, wurde es doch im Jahr 1977 zum ersten Mal zugelassen. Und es hat trotz einer ansehnlichen Laufleistung von über 90’000 Kilometern in der Sammlung von Emil Frey Classics fast unbeschadet überlebt.

Angenehmer Begleiter

Der Mitsubishi Celeste ist ein kompaktes Auto, nur gerade 411,5 cm lang, 161 cm breit und 133 cm hoch ist das Fliessheckcoupé. Im Innern empfängt einem der typische Japan-Look der Siebzigerjahre, aber an Ausstattung hat man damals wirklich nicht gespart. Man findet problemlos eine passende Sitzposition, wundert sich ein wenig über die filigranen Kopfstützen.

Mitsubishi Celeste 1600 ST (1977) - sportlich wirkendes Interieur
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Eine Freude fürs Auge sind die hübsch gemusterten Sitzbezüge. Die Rundumsicht ist hervorragend und die kleinen zusätzlichen Seitenfenster hinten haben einen echten Nutzen.

Mitsubishi Celeste 1600 ST (1977) - gut erreichbarer Schalthebel
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der Mitsubishi lässt sich manierlich starten, die Gänge des Vierganggetriebes rasten sicher ein. Alles führt sich stabil und wertig an, strömt Vertrauen an. Die 73 PS reichen für flüssiges Vorankommen, richtig sportliche Fahrleistungen sollt man aber nicht erwarten.

Mitsubishi Celeste 1600 ST (1977) - Leichtmetallzylinderkopk und obenliegende Nockenwelle
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Der Motor läuft dank der Ausgleichswellen zwar ohne unangenehme Vibrationen, dass er vier Zylinder aufweist kann er wegen seines Laufgeräusches aber nicht verhehlen. Ab 4500 Umdrehungen wird er zunehmend lauter, ohne deswegen mit zusätzlicher Dynamik zu verwöhnen. Dafür war er aber vergleichsweise sparsam, die Werksangaben versprachen Durchschnittsverbräuche von unter zehn Litern, was in Kombination mit dem 50-Liter-Tank für eine grosse Reichweite hoffen liess.

Mitsubishi Celeste 1600 ST (1977) - die Radioantenne versorgt den MW-UKW-Empfänger mit Signalen
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Das Fahrwerk wirkt komfortabel, die Seitenneigung unterbindet allzu forsches Tun auf der Strasse meist im Keim, obwohl das hinterradangetriebene Coupé durchaus zum flüssigen Fahren reizt. Die Lenkpräzision geht genauso wie die Bremsen in Ordnung, man will mit dem eleganten Mitsubishi-Coupé ja nicht an Geschwindigkeits-Rallyes teilnehmen.

Mitsubishi Celeste 1600 ST (1977) - Coupé mit hoher Ladekante
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

An Alltagsnutzen mangelt es nicht, vor allem der grosse Kofferraum mit der praktischen Heckklappe und den umklappbaren Rücksitzen waren damals ein gewichtiges Verkaufsargument.

Mitsubishi Celeste 1600 ST (1977) - erreichte knapp 160 km/h Spitze damals
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Heute dürfte man kaum je einem zweiten Exemplar begegnen und wäre der Wagen nicht so umfangreich beschriftet, man müsste sicherlich öfters neugierige Fragen von Passanten beantworten.

Das abgebildete Coupé wurde uns von Emil Frey Classics für die Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Es kann im Rahmen der Emil Frey Vermietungsaktivitäten auch für Ausfahrten und Gruppenveranstaltungen gemietet werden. Der Mitsubishi Celeste ist ein Wagen der Mietwagenflotte, die auch viele andere Klassiker wie z.B. MGC, Jaguar MK2 oder sogar Aston Martin V8 Volante umfasst. 

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von he******
06.06.2021 (12:21)
Antworten
Es ist schon erstaunlich, wie viele Coupés und Cabrios es in den 1970er Jahren in der unteren Mittelklasse gab. Teilweise nur Limousinen mit geänderter Dachform, aber auch ganz eigenständige Designs, einige auch mit abweichenden Innendesign. Und eine große Vielfalt der Formensprache, die es heute leider zumindest bei Brot und Butter Autos nicht mehr gibt. Ich denke da z.B. an die SUVs aus dem VW Konzern, die sich hauptsächlich im Namen unterscheiden. Schade eigentlich, dass der automobile Individualismus für Massenware wohl ausgestorben ist, weil sie mehrheitsfähig sein muss, um sich weltweit gut verkaufen zu können. Ähnliches kann man m.E. übrigens auch in der Architektur beobachten.
von Ru******
01.06.2021 (22:36)
Antworten
Formal fällt mir beim Celeste der Renault 17 ein, nur war dieser eine ganze Autogeneration früher (´71) herausgekommen und dazu bereits mit modernem Frontantrieb. Obendrein konnte man ihn mit einem großen elektr. Faltdach haben, was noch einmal andere Argumente mit ins Spiel brachte. Wer so spät dran ist wie der Celeste, der kann keine Loorbeeren mehr ernten. Noch dazu mit Blattfedern, da lachen ja sogar so kleine Coupés wie der zumindest als "1300" flinke FIAT 128 3Porte.
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