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Auto Moto d'Epoca
Bild (1/1): Milburn Electric Model 15 Light Coupe (1915) - Coupe-Aufbau, wegen der Höhe auch "phone box" (Telefonzelle) genannt (© Courtesy RM/Sotheby's, 2019)
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    Milburn Electric Model 15 Light Coupé - erfolgreiches Elektroauto aus den USA vor über 100 Jahren

    Erstellt am 24. September 2019
    Text:
    Daniel Koch
    Fotos:
    Courtesy RM/Sotheby's 
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    Als um das Jahr 1910 die meisten amerikanischen Haushalte über eine Stromversorgung verfügten, begann das erste goldene Zeitalter der Elektrofahrzeuge. Die bekannteste Marke dieser Technologie ist wohl Detroit Electric, die 1907 mit dem Bau von Elektroautos begann. Aber bereits 1900 startete in Cleveland, Ohio die Firma Baker mit dem Modell Baker Electric. Erst 1914 wurde in Toledo, Ohio die Firma Milburn Wagon Company gegründet, von welcher auch der in diesem Bericht abgebildete Milburn Electric Model 15 Light Coupe stammt.

    Milburn Electric Model 15 Light Coupe (1915) - Das Heck sieht der Front nicht unähnlich
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby's

    Vorteil für Milburn

    Der Hersteller hat damals von den Erfahrungen der Mitbewerber profitiert und einige clevere Ideen umgesetzt. Die Batterien wurden mit Rollen versehen um sie schnell austauschen zu können um somit eine lange Wartezeit für den Ladevorgang zu vermeiden.

    Milburn Electric 15 Coupé von 1915

    Im Model 15 Light Coupe gab es sogar ein Gas- und ein Bremspedal, womit die ungewohnte Bedienung des Gashebels mit der Hand wie im Model 27 oder in Fahrzeugen anderer Hersteller vermieden werden konnte.

    Genügend Reichweite

    Mit voll geladenen Batterien konnte bereits damals eine Distanz von 60 Meilen zurückgelegt werden, das entspricht immerhin etwa 100 Kilometern. Als Höchstgeschwindigkeit gab der Hersteller 24 km/h an, was für damalige Verhältnisse ausreichend war.

    Milburn Electric Model 15 Light Coupe (1915) - Anzeige für Volt und Ampère
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby's
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    Kein Lenkrad

    Was der Milburn mit Elektrofahrzeugen anderer Hersteller gemein hatten, war, dass ein konventionelles Lenkrad fehlte. Gelenkt wurde mit einer Stange, die links im Innenraum neben dem Fahrer angebracht war. Schob man die Stange nach vorne, dann fuhr man eine Linkskurve. Zog man sie nach hinten, dann drehte sich das Auto in eine Rechtskurve.

    Milburn Electric Model 15 Light Coupe (1915) - Der Fahrer sitzt hinten auf der Couch und lenkt mit der Stange anstatt einem Lenkrad - ansonsten sieht es aus wie in einem Wohnzimmer
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby's

    Kein Anlasser

    Die Elektroautos waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei Frauen sehr beliebt, weil damals die meisten Autos mit Verbrennungsmotor noch mit einer Kurbel gestartet werden mussten. Im Elektrofahrzeug musste man nur einen Schalter im Innenraum betätigen, um losfahren zu können.

    Milburn Electric Model 15 Light Coupe (1915) - Schalter für das Ein- und Ausschalten des Fahrzeuges sowie für den Ladevorgang
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby's
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    Ungewöhnliche Sitzposition

    Der Fahrer sass auf einer Couch im hinteren Bereich, daneben hatte ein Mitfahrer Platz. Weitere zwei Passagiere konnten auf Klappsitzen entgegen der Fahrtrichtung und vor/gegenüber dem Fahrer Platz nehmen. Diese Layout war damals durchaus üblich, auch wenn es aus heutiger Sicht etwas aussergewöhnlich erscheint. Das gemütliche Interieur mit seinen Vorhängen erinnerte an ein Wohnzimmer auf Rädern.

    Milburn Electric Model 15 Light Coupe (1915) - Zwei Passagiere finden auf Klappsitzen gegen die Fahrtrichtung Platz, unter dem heruntergeklappten Sitz sind Gas- und Bremspedal zu sehen
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby's

    Verschiedene Aufbauten

    Die meisten Fahrzeuge von Milburn hatten den Coupé-Aufbau, der wegen seiner Höhe auch “phone booth” (Telefonzelle) genannt wurde. Es wurden aber auch Roadster-, Town Car und Lieferwagen-Karosserien angeboten.

    Milburn Electric Model 15 Light Coupe (1915) - Blende über der Windschutzscheibe
    © Copyright / Fotograf: Courtesy RM/Sotheby's

    Fulminanter Produktionsstart

    Nachdem Milburn im ersten Jahr bereits 1000 Fahrzeuge absetzen konnte, wurden ab 1917 und in den Folgejahren  jährlich rund 1500 Stück  verkauft, was für den noch jungen Markt durchaus als Erfolg zu werten war. Schon in den frühen Zwanzigerjahren flaute die Begeisterung für die Elektrofahrzeuge aber  wieder ab, der elektirsche Anlasser und deutlich höhere Reichweiten sprachen nun für den Benzinmotor. 

    Milburn schloss 1923 seine Tore und die Firma wurde an General Motors verkauft.

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    Heute wieder in Betrieb

    Dass man mit einem restaurierten Milburn und frischen Batterien nach über 100 Jahren noch fahren kann, beweist neben Sammlern und Enthusiasten die Thayer School of Engineering in Dartmouth, USA. Dort wurde ein Milburn des Modells 27L mit Batterien aus einem Golfplatz-Fahrzeug ausgerüstet, das Auto kann nun wieder gefahren werden.

    Gemäss dem amerikanischen Milburn Register sind heute nur noch 55 existierende Fahrzeuge bekannt, davon lediglich 4 Stück des Modells Electric Model 15 Light Coupe.

    Der abgebildete Milburn sucht an der Hershey-Auktion von RM am 10./11. Oktober 2019 einen neuen Besitzer. Das Elektroauto wird ohne Mindestpreis zum Schätzwert von US$ 30’000 bis 40’000 angeboten.

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    Ch******:
    01.10.2019 (13:09)
    Ein interessanter Kunde von Milburn war der Sicherheitsdienst des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, der verschiedene Einheiten der elektrischen Milburns für die Abschirmung des Präsidenten einsetzte.
    po******:
    01.10.2019 (09:13)
    Nicht zu vergessen war dies das Auto von Oma Duck!
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