Michigan Model R Touring - 40 PS und übergrosse Reifen

Erstellt am 26. Februar 2018
, Leselänge 3min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Ryan Merrill - Courtesy RM/Sotheby's 
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Michigan Forty Model R Tourer (1913) - Reserve-Pneu hinten
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - hoch aufbauend
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - im Stil der Zeit
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - Starrachsen vorne und hinten
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - massives Lenkrad
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - Instrument im Fussbereich
Bild von Partner Württembergische

Für die meisten Leute ist “Michigan” ein amerikanischer Bundesstaat, wenigen ist bekannt, dass der Name auch für eine, respektive sogar mehrere Autofirmen stand. Da gab es einmal die “Michigan Automobile Company”, die im Jahr 1901 in Grand Rapids einen Dampfwagen baute.

Bild Michigan Forty Model R Tourer (1913) - vier Türen
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - vier Türen

Einige Jahre später begann die Michigan Buggy Company in Kalamazoo ebenfalls mit der Fertigung eines Automobils. Weil man schon über zwei Dutzend Industrievergangenheit hatte, rechnete man sich auch beim Automobilbau gute Chancen aus und präsentierte 1909 den Michigan Forty.

Komponentenbauweise

Die Autos, die in Kalamazoo entstanden, nutzten eine Vielzahl von Technik-Komponenten aus der damaligen Zuliefererszene, während die Aufbauten bei der Michigan Buggy Company selber entstanden.

Bild Michigan Forty Model R Tourer (1913) - Blick auf den Vierzylinder, der Kühlventilator kam wohl erst später dazu
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - Blick auf den Vierzylinder, der Kühlventilator kam wohl erst später dazu

So hatten frühe Modelle einen Acetylen-betriebenen Prest-O-Starter und einen Vierzylindermotor von Buda, gekoppelt an ein Dreiganggetriebe. Die Lenkung stammte von Gemmer, die Zündung von Briggs.

Kurze Karriere

Die ersten Autos wurden für das Jahr 1910 gebaut, 1911 sollen etwa 1000, 1912 weitere 1700 Wagen das Werk verlassen haben. Im Jahr 1913 verliessen dann die letzten Autos die Firma, die Bankrott anmelden musste. In Summe wurden gemäss Firmenangaben über 4000 Autos produziert, weniger verkaufsorientierte Schätzungen gehen allerdings eher von 1200 gebauten Personenwagen aus.

Angebote eines Zwischengas-Händlers
Austin Healey 3000 (1963)
Austin Healey 3000 (1963)
Ford Mustang 350 GT (1966)
Ford Mustang 350 GT (1966)
Jaguar E-Type (1963)
Jaguar E-Type (1963)
Stutz Blackhawk (1972)
Stutz Blackhawk (1972)
0413404220
Luzern-Littau, Schweiz

Fünf Modelle im Jahr 1912

Im Jahr 1912 bot man den Michigan in fünf Varianten an, nämlich als Model K einen Tourenwagen für fünf Personen mit 40 PS, als Model M einen Roadster mit 40 PS und als Modelle “H”, “E” und D” Varianten mit einer kleineren Maschine und 33 PS.

Bild Michigan Forty (1913) - Werbung
Michigan Forty (1913) - Werbung

Allen Modellen gemeinsam war die Ausrüstung mit Magnetzündung, elektrischer Ausrüstung, Hupe und Werkzeug. Vorne und hinten führten Starrachsen die Räder. Gebremst wurde ausschliesslich an der Hinterachse.

Misswirtschaft und teure Hobbys

In Anbetracht der überschaubaren Produktion gab die Michigan Buggy Company überproportional viel Geld für Werbung aus. In vielen Zeitschriften erschienen Inserate, die den “Mighty Michigan” über den Klee lobten, der für USD 1500 verkauft wurde. Man versprach sogar eine lebenslange Garantie (“life guarantee”) und alle relevanten Eigenschaften, die ein Auto zu jener Zeit haben musste.

Bild Michigan Forty (1912) - Werbung
Michigan Forty (1912) - Werbung

Doch es waren wohl nicht die Werbeausgaben und die weitreichenden Versprechungen, die der Firma den Hals brachen, sondern der Lebenswandel und die Verfehlungen der Besitzer. Während der eine sein Geld bei Pferderennen verprasste, versuchte sich der andere im nicht ganz legalen Vertrieb von Aktien. Verhaftungen und der Bankrott waren die Folge.

Kaufen Sie kein kleines Auto

Noch im Jahr 1912 riet die Michigan Buggy Co ihren potentiellen Kunden, nicht ganz ohne Eigennutz, davon ab, kleinen Autos ab. Der Trend zeige ganz klar in Richtung grössere Wagen, verkündeten sie in ihren Werbeannoncen. Mehr Antriebskraft sei zu begrüssen, die 40 PS des Michigan seien den 30 oder 35 der Konkurrenz vorzuziehen.

Bild Michigan Forty Model R Tourer (1913) - Reserve-Pneu hinten
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - Reserve-Pneu hinten

Klein waren die Michigan-Fabrikate sicherlich nicht. Mit einem Radstand von 116 Zoll oder fast drei Metern war beispielsweise das Model K ein stattliches Auto. Mit seinem 4,8 Liter grossen 40-PS-Motor konnte der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von rund 90 km/h erreichen, sicherlich schnell genug für die damaligen Strassen.

Bild Michigan Forty Model R Tourer (1913) - massives Lenkrad
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - massives Lenkrad

Und weil man die Konkurrenz in jeder Hinsicht übertreffen wollte, erhielt der Michigan grössere Reifen, als es sein Gewicht und seine Fahrleistungen verlangten. Und natürlich machte man auch mit dieser Errungenschaft Werbung.

Ein Überlebender

Das Michigan Model R mit Chassis-Nummer 5881 stammt vermutlich aus dem letzten Produktionsjahr. Der Wagen wurde damals Farmer-Familie in Iowa neu für USD 1585 gekauft und nur sparsam eingesetzt, bis er im Jahr 1925 eingelagert wurde. 65 Jahre später konnte ihn Art Burrichter gut erhalten und im Originalzustand kaufen.

Bild Michigan Forty Model R Tourer (1913) - im Stil der Zeit
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - im Stil der Zeit

Vor seinem Tod verkaufte Burrichter im Jahr 2002 den Wagen an John McMullen, der den Wagen (leider) koplett restaurieren liess. 2014 versteigerte RM Michigan an der Motor City Versteigerung für USD 132’000. 

Nun soll der Michigan, eines von vielleicht einem Dutzend überlebenden Wagen, an der Ford Lauderdale-Versteigerung von RM/Sotheby’s am 6./7. April erneut einen neuen Besitzer finden.

Man darf gespannt sein, was den Interessenten im Jahr 2018 diese Rarität wert ist.

Weitere Informationen

  • Website zur Michigan Buggy Co und deren Produkten

Bilder zu diesem Artikel

Michigan Forty Model R Tourer (1913) - Reserve-Pneu hinten
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - hoch aufbauend
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - im Stil der Zeit
Michigan Forty Model R Tourer (1913) - Starrachsen vorne und hinten
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