Mercury Cougar – starker Puma für James Bonds Frau Tracy

Erstellt am 21. November 2020
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bonhams 
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www.007magazine.co.uk - Courtesy Bonhams 
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Ford Motor Company 
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Am 10. September 2020 starb Diana Rigg, die viele Fans rasanter Fernsehserien als Emma Peel aus “Mit Schirm, Charme und Melone” (“The Avengers”) am Steuer eines Lotus Elan in Erinnerung behalten. Fast noch bekannter aber war ihr Auftritt als Teresa di Vicenzo im Jahr 1969 in der Verfilmung des James-Bond-Bands von Ian Fleming namens “Im Geheimdienst ihrer Majestät” (“On Her Majesty's Secret Service”). Sie verkörperte darin eine gelangweilte Contessa und fuhr einen offenen Lancia, jedenfalls in der Buchvorlage. Im Film wurde daraus ein Mercury Cougar XR-7 Convertible.

Von der Designstudie …

Bereits an der sechsten internationalen Automobilausstellung von New York, die vom 21. bis 29 April 1962 ein wahres Feuerwerk von Showcars und Studien präsentieren konnte, sorgte ein Ford Cougar 406 für Aufsehen. Es handelte sich dabei um einen Traumwagen mit elektromechanisch zu öffnenden Flügeltüren und 6,7 Liter grossem V8-Motor. Das Armaturenbrett war von einem modernen Verkehrsflugzeug inspiriert, die Scheinwerfer waren versenkbar, der Wagen nur gerade 1,26 Meter hoch.


Ford Thunderbird "Cougar" (1963)
Copyright / Fotograf: Ford Motor Company

Ford-Generaldirektor Lee A. lacocca kommentierte den Cougar 406 damals so: „Obwohl wir keine konkreten Pläne für die Produktion dieses Wagens haben, gehört er mehr auf die Erde als ein Traumwagen.“

An der New Yorker Weltausstellung wurde dann der Ford Cougar II gezeigt, der zwar keine Flügeltüren mehr hatte, aber immer noch Klappscheinwerfer. Auch die Form war immer noch atemberaubend. Als technische Basis diente eine Shelby Cobra (Chassis CSX2008).


Ford Cougar II (1963) - ausgestellt am Autosalon von Brüssel 1966
Archiv Automobil Revue

Dieses Konzeptfahrzeug wurde sogar noch im Januar 1966 am Autosalon in Belgien gezeigt, vermutlich als Vorbereitung auf einen kommenden Serien-Cougar. Cougar wird übrigens mit Puma übersetzt.

… zum Serienauto

Ein Serienauto namens Cougar wurde erstmals im September 1966 präsentiert und zwar unter der Marke Mercury. Positioniert als grosser Bruder des Ford Mustang wurde der Mercury Cougar als komplett neu konstruiertes Hardtop-Coupé vorgestellt. Mit 281 cm Radstand gliederte sich der Wagen zwischen den grösseren Mercury-Modellen und dem Mustang ein, den der Comet in der Länge um sieben Zentimeter übertraf. 483 x 181 cm betrugen seine Grundmasse, was ihn auch innen etwas geräumiger machte als den Mustang. Vorne konnte der Käufer zwischen Einzelsitzen und Sitzbank auswählen, das Lenkrad wies einen Holzring auf. Die Doppelscheinwerfer waren im abgeschalteten Zustand unter Deckeln verborgen, trotzdem erinnerte die selbstragende Coupé-Karosserie insgesamt wenig an die Prototypen von 1962 und 1963. 


Mercury Cougar (1966) - Präsentation am Pariser Autosalon 1966
Archiv Automobil Revue

Als Motoren standen anfänglich ein 4,7-Liter-V8 mit 260 PS und ein 6,4-Liter-V8 mit 320 PS zur Verfügung. Das stärkste Modell kam mit Stabilisatoren vorne und hinten sowie Scheibenbremsen an der Vorderachse, die für die anderen Modelle gegen Aufpreis erhältlich waren. Als Getriebe kamen Drei- und Viergangvarianten sowie eine Automatik zum Einbau. Fahrwerkstechnisch war der Cougar mit Einzelradaufängungen vorne (oberer Trapez-Dreieckquerlenker, unterer Querlenker) und Starrachse hinten ein Kind seiner Zeit.

Gegen 200 km/h Spitze wurden dem über 1,5 Tonnen schweren Coupé zugetraut in der stärksten Ausführung, der Verbrauch war mit 18 bis 24 Liter pro 100 km entsprechend hoch.

Schon bald tauchte der Cougar bei Nascar-Rennen auf und an der New York Auto Show im April 1967 wurde eine Dan-Gurney-Spezialversion mit Kunststoffmotorhaube und Überrollbügel gezeigt.

Der Mercury Cougar war in den USA ein Verkaufserfolg, schlug sich gegen den Camaro prächtig und ergänzte den Ford Mustang nach oben. Vom ersten Modelljahre wurden über 150’000 Exemplare verkauft, im Jahr darauf sanken die Zahlen für das minimal modellgepflegte Coupé etwas.

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Grösser und stärker

Im Herbst 1968 wurde ein runderneuerter Mercury Cougar präsentiert. Die Automobil Revue schrieb damals:
“Der viersitzige Cougar, mit dem sich die Lincoln-Mercury Division vor allem an die «sportlich orientierten» Automobilisten richtet, präsentiert sich für 1969 mit einem neugezeichneten Gewand, das den Passagieren mehr Bewegungsfreiheit bietet. Ausserdem ist dieser Amerikaner nunmehr auch als Cabriolet, mit noch leistungsfähigeren Motoren und einer Reihe neuer Extras lieferbar.”

Das Design orientierte sich nun ein wenig an der berühmtem Cola-Flasche, Front- und Heckscheibe waren stärker geneigt, der Kühler wurde neu gestaltet, die Scheinwerfer blieben in Ruheposition verdeckt.


Mercury Cougar (1969) - als Cabriolet
Copyright / Fotograf: Ford/Werk

Mit nur 492 cm Länge und 188.5 cm Breite war der Cougar deutlich gewachsen, was sich mit mehr Bewegungsfreiheit im Innenraum auswirkte.
Mehr passive Sicherheit wurde mit mit verformbaren Knautschzonen vorne und hinten ermöglicht, viele Komfortattribute machten den Cougar bereit für ein anspruchsvolles Publikum.

Auch leistungsmässig wurde aufgerüstet, mit dem Siebenliter standen nun 335 PS bei 5200 Umdrehungen zur Verfügung und es gab auch ein Sperrdifferential, damit die Leistung nicht einfach so verpuffte. Wer Rennsport betreiben wollte, hatte Auswahl aus vielen Tuning-Möglichkeiten und wer es besonders edel haben wollte, griff zur XR-7-Ausführung.

In der Schweiz gab es 1969 einen Mercury Cougar ab CHF 22’950. Dafür erhielt man im Vergleich auch einen Mercedes-Benz 230, aber nicht viel mehr.


Mercury Cougar (1969) - neue Front - Genfer Automobilsalon 1969
Archiv Automobil Revue

Auto Motor und Sport verglich den Cougar mit 5,8-Liter-Motor und 202 PS bei 4000 Umdrehungen 1970 mit europäischen Spitzenprodukten, die allesamt deutlich mehr kosteten. Mit 8,5 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/n und 213 km/h Spitze schlug sich der Amerikaner achtbar, zumal er deutlich weniger kostete als die europäischen Konkurrenten von Iso Rivolta oder Porsche. Der leiste und drehmonentstarke V8-Motor wurde gelobt, der gute Gesamtkomfort genauso.

Auch das Fahrverhalten wurde als sicher eingestuft, obschon die Hinterachse bei schlechter Fahrbahn zum Trampeln neigte. Windgeräusche und Testverbrauch (27,7 Liter pro 100 km) entlockten Reinhard Seiffert allerdings nicht gerade Jubelrufe. Trotzdem reichte es für ein positiv ausklingendes Fazit:
“Bleibt festzustellen, daß Ford mit dem Cougar neben dem Mustang ein zweites sportliches Auto im Progamm hat, das in Innenraum und Komfort etwas höhere Ansprüche erfüllen kann, ohne in der Leistung weniger zu bieten. Funktionell ist der Cougar nicht, er hat vielmehr unverkennbar Luxuscharakter. Aber er ist nicht übertrieben groß, paßt noch in europäische Parklücken und kann als handlich gelten: ein europatauglicher Amerikaner.”

Man muss sich wundern, wie rasant es denn die stärkste Version des Cougar hätte angehen lassen, wenn schon die schwache 202-PS-Version so gut ging.

Weit herum sichtbarer Filmauftritt

Ausprobieren durften die rasanten Fahrleistungen der Variante mit 428 Cobra-Jet-V8 die Stuntmen bei den Dreharbeiten zum James-Bond- Film “On Her Majesty’s Secret Service”, nicht aber James Bond alias George Lazenby, der erstmals (und nie mehr danach) in der Rolle des britischen Geheimagenten zu sehen war.


Mercury Cougar XR-7 (1969) - Diana Rigg alias Teresa die Vicenzo rennt zum Auto zurück
Copyright / Fotograf: www.007magazine.co.uk - Courtesy Bonhams

Drei von insgesamt 127 gebauten XR-7 Cabriolets mit dem starken Motor des Modelljahrs 1969 lieferte Ford an die Filmgesellschaft. Und sie wurden prächtig in Szene gesetzt, etwa bei der Strandszene früh im Film, als Bond Teressa vor zwei Schurken rettet.


Mercury Cougar XR-7 (1969) - das berühmte Eisrennen
Copyright / Fotograf: www.007magazine.co.uk - Courtesy Bonhams

Noch wichtiger aber war der Auftritt als Fluchtfahrzeug in den Schweizer Alpen, als die attraktive Gräfin den Geheimagenten rettet und dabei unter anderem in ein Eisrennen hineinplatzt.

Beschränkt wintertauglich

Der wild schlitternde Cougar dürfte vielen Filmfans noch in Erinnerung geblieben sein, ein heckangetriebener Amerikaner mit schwerem Motor vorne und viel Leistung an den Hinterrädern war sicherlich nicht das perfekte Winterauto in Europa. Im Film aber gelingt die Flucht zumindest vorübergehend und mindestens eines der drei Filmautos überlebt ohne gröbere Blessuren in einer Berghütte.

Genau dieser Wagen, der am 6. Februar 1969 ausgeliefert wurde, kommt nun bei Bonhams im Dezember 2020 an der Bond Street (wie passend) unter den Hammer. Beinahe hätte der Cougar als Teilespender oder ähnlich gerettet, aber ein Käufer erkannte den historischen Wert des Wagens und liess ihm eine Komplettrestaurierung angedeihen.


Mercury Cougar XR-7 (1969) - mit cem Cabriolet in den Skiurlaub
Copyright / Fotograf: Bonhams

Sogar die im Film zu sehenden Skiträger wurden wieder montiert und zwei passende Kneissl-Skipaare aufgeschnallt.


Mercury Cougar XR-7 (1969) - Automatik-Ausführung
Copyright / Fotograf: Bonhams

Mit einem Schätzpreis von £ 100’000 bis 130’000 (EUR 112’000 bis 145’000, CHF 120’000 bis 180’000) soll der historische Wert dieses Filmfahrzeugs, aber auch die aufwändige Restaurierung honoriert werden.

Nur vier Jahre sportlich

Die zweite Generation des Cougar verkaufte sich mit Modelljahr 1969 und 1970 deutlich weniger gut als die erste. Insgesamt wurden knapp über 172’000 Coupés und Cabriolets produziert, insgesamt sicherlich ansehnliche Stückzahlen, aber eben mit abnehmendem Trend.
So entschied man sich bei Ford ab Modelljahr 1971 noch mehr auf Komfort und Grösse, aber auch weniger auf Sportlichkeit zu setzen. Trotzdem erreichten die Stückzahlen nie mehr die Mengen, die man in den Sechzigerjahren absetzen konnte.

Die Wahl des amerikanischen Cabriolets für eine Gräfin und Tochter eines korsischen Gauners mag überraschen, doch Ende der Sechzigerjahre galten die starken Amerikaner durchaus als “chic” und begehrenswert. An Leistung mangelte es nicht und das Design war Geschmacksache. Ein passendes Cabriolet von Lancia gab es zum Zeitpunkt der Dreharbeiten nicht mehr und so endete James Bond auf dem Beifahrersitz des roten US-Cabriolets.


Mercury Cougar XR-7 (1969) - George Lazenby und Diana Rigg alias James Bond und Teresa di Vicenzo
Copyright / Fotograf: www.007magazine.co.uk - Courtesy Bonhams

Am Ende des Streifens heiratet Bond Tracy (Teresa), doch die Ehe währt nur kurz, bis ein Kugelhagen der fröhlichen Zukunft ein Ende bereitet. Mit der Ehe endet auch Lazenbys Engagement als Bond. Aber daran war der Cougar nun definitiv nicht schuld.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von je******
22.11.2020 (19:14)
Antworten
Würde mich sehr interessieren, wie man mit einer solchen Gewichtsverteilung, wie dieser Cougar sie aufweist, ein Eisrennen (ohne Spikes?) gewinnen kann. Wunder über Wunder.
von ab******
22.11.2020 (15:12)
Antworten
Toll, dass Sie an einen der besten Bond-Filme überhaupt erinnern! "Im Geheimdienst ihrer Majestät" war bei weitem nicht so erfolgreich wie der anschließende "Diamantenfieber" wieder mit Sean Connery, ist seinem Nachfolger aber in jeder Hinsicht turmhoch überlegen.
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