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Mazda Cosmo 110 S – revolutionäres Wankelcoupé aus Japan

Erstellt am 21. Juli 2011
, Leselänge 7min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
56
Bruno von Rotz 
13
Archiv 
25
Mazda Cosmo 110 S (1969) - kaum jemand erkennt das Coupé auf Anhieb
Mazda Cosmo 110 S (1969) - nur 159,5 cm breit
Mazda Cosmo 110 S (1969) - der Wankelklang ist charakteristisch
Mazda Cosmo 110 S (1969) - die grosse Heckscheibe ist prägend
Mazda Cosmo 110 S (1969) - hierzulande fast unbekannt
Bild von Partner Württembergische

Im Jahre 1963 zeigte Mazda an der Tokyo Motor Show einen Sportwagen mit Wankelmotor, “Projekt L402A” genannt. Es war dies der weltweit erste Sportwagen mit Produktionsabsichten, welcher einen Zweischeibenwankelmotor aufwies. 1967 dann ging der Wagen als Mazda Cosmo 110 S in den Verkauf, allerdings fast ausschliesslich in Japan.

Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - kaum jemand erkennt das Coupé auf Anhieb
Mazda Cosmo 110 S (1969) - kaum jemand erkennt das Coupé auf Anhieb

Der Wankelmotor und Felix Wankel

In den frühen Sechzigerjahren galt der Rotationskolbenmotor von Felix Wankel als die Zukunftstechnologie im Motorenbau. Trotz bedeutend weniger Teilen, insbesondere bewegten Teilen, und vergleichsweise geringen Abmessungen erreichten Wankel-Motoren hohe Leistungswerte. Damit schien das Konstruktionsprinzip Rotationskolbenmotor in der Lage zu sein, den herkömmlichen Otto-Motor mit auf- und abbewegten Kolben mittelfristig zu ersetzen. NSU, der Arbeitgeber von Felix Wankel, und eine ganze Reihe von Automobilherstellern, darunter Mercedes-Benz, Citroën und Mazda, machten sich daran, Fahrzeuge für diese neue Motorengeneration zu entwickeln.

Doch der an sich einfache Wankelmotor war nicht problemlos. Die Abdichtung der Motoren  (Stichwort Dichtleisten) war eine grosse Herausforderung, der Verbrauch war hoch, das Drehmoment niedrig und hohe Drehzahlen und eine entsprechende Geräuschkulisse erkauften gute Fahrleistungen.

Die unermüdlichen Ingenieure von Mazda

Mazda war einer der ersten Lizenznehmer des NSU-Wankelmotors und ging den Weg bis zur Serienreife und darüber hinaus wohl am konsequentesten. Eine der Geschichten, die erzählt wird, besagt, dass ein Mazda-Ingenieur die Spitze seines Bleistifts ansah, als er über das Dichtleistenproblem nachdachte. Vielleicht war Graphit ja die Lösung, dachte er und war mit dem Ansatz erfolgreich. Möglicherweise ist es ein Zufall, aber der Leiter des Ingenieurteams, welches bei Mazda an der Entwicklung des Rotationskolbenmotors arbeitete, war ein gewisser Kenichi Yamamoto, der später Vorsitzender von Mazda wurde.

Die Mazda-Entwickler begannen im Jahre 1962 am neuen Sportwagen zu arbeiten, erste Ergebnisse lagen im Jahre darauf vor und im selben Jahr konnte dann auch der Prototyp an der Motor Show in Tokyo gezeigt werden.

Bild Mazda Cosmo Sport (1968) - Serienversion mit 110 PS auf einer Ausstellung
Mazda Cosmo Sport (1968) - Serienversion mit 110 PS auf einer Ausstellung

Im November 1964 berichtete die Automobil Revue über die Mazda-Versuche mit einem Vierscheiben-Wankelmotor mit 1,6 Liter Kammervolumen und 140 PS Leistung. Im Prototypen Cosmo aber war zu jener Zeit ein 800 cm3-Zweischeiben-Wankelmotor verbaut, der zu diesem Zeitpunkt 70 PS abgab.

Über den Prototypen schrieb Korrespondent T. Yoshiki:
“Für die praktischen Fahrversuche mit einem Zweischeiben-Rotations- kolbenmotor hat die Firma Toyo Kogyo (ähnlich wie dies bei NSU der Fall ist) ein sportliches Coupe, das die Bezeichnung Mazda Cosmo trägt, gebaut. Mazda ist die normale Markenbezeichnung für die andern Fahrzeuge dieser Firma. Im Gegensatz zum NSU-Spider mit Wankel-Motor ist beim Cosmo der Motor vorne und nicht als Hecktriebsatz eingebaut.
Der Zweischeibenmotor zeigt einen ähnlich kompakten Aufbau wie das grosse Ausstellungsmodell mit vier Scheiben. Die Disposition der Ansaug- und Auspuffkanäle ist jedoch umgekehrt, die Zündkerzen liegen (von vorne gesehen) auf der rechten Seite. Wiederum sind alle Hilfsaggregate dem Motorblock vorgelagert.
Der Motor hat einen Kammerinhalt von insgesamt 800 cm3; es handelt sich somit um die gleiche Kammergrösse wie beim Vierscheibenmotor. Die Leistung wird mit 70 bis 80 PS bei 6000 U/min angegeben.
Die Kraftübertragung mit Kupplung, vollsynchronisiertem Vierganggetriebe und Differential an der Hinterachse ist konventionell. Als Besonderheiten des Fahrgestells seien die vorderen Scheibenbremsen und die De-Dion-Hinterachse erwähnt. Dank der niedrigen Bauhöhe des Motors gelang es, bei nur 118 cm Wagenhöhe eine gute Sicht für den Fahrer über die niedrige Motorhaube zu erzielen. Die Gürtellinie der Karosserie liegt knapp über der Oberkante der 14-Zoll-Reifen.”

Es sollte aber noch bis 1966 dauern, bis die erste Vorserie gebaut werden konnte und erst im Jahre 1967 lief der erste Produktions-Cosmo mit  geänderter Spezifikation vom Band.

Bild Mazda Cosmo (1964) - eine sehr frühe Version aus dem Jahre 1964, nur Cosmo genannt
Mazda Cosmo (1964) - eine sehr frühe Version aus dem Jahre 1964, nur Cosmo genannt
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Jaguar E-Type (1963)
Jaguar E-Type (1963)
Talbot Typ 65 (1934)
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De Tomaso Pantera GTS (1976)
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Allard K1 (1948)
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Moderne Technik des Mazda Cosmo 110 S

Im Gegensatz zu NSU, die beim NSU Wankel Spider einen Einscheiben-Wankelmotor einsetzte, baute Mazda mit dem Cosmo 110 S den weltweit ersten Zweischeiben-Wankelmotor-Sportwagen. Der Motor, L10A genannt, wie ein Kammervolumen von 2 x 491cm3 auf. Damit lieferte er 110 PS bei 7000 U/min, spätere Versionen kamen dann auf 128 PS (Motor L10B).

Bild Mazda Cosmo Sport (1968) - Durchsichtszeichnung - Wankelmotor mit zwei Kreiskolben
Mazda Cosmo Sport (1968) - Durchsichtszeichnung - Wankelmotor mit zwei Kreiskolben

Gekoppelt war der Motor an ein Vierganggetriebe. Als Unterhaltsarbeiten waren Ölwechsel alle 6’000 km gefordert. Das Fahrzeug verfügte über eine selbstragende Karosserie mit Trapez-Dreieckquerlenker vorne und De-Dion-Hinterachse.

Bild Mazda Cosmo Sport (1968) - Durchsichtszeichnung
Mazda Cosmo Sport (1968) - Durchsichtszeichnung

Amerikanisch-Europäisches Design beim 110 S

Optisch sah der neue Wagen auf jeden Fall anders aus, als das, was man sich in den Sechzigerjahren von den Japanern gewohnt war. Das Design zeigte amerikanische und italienische Elemente, war insgesamt aber durchaus gefällig.

Bild Mazda Cosmo Sport (1967) - hier wird der 110 S noch Cosmo Sport genannt
Mazda Cosmo Sport (1967) - hier wird der 110 S noch Cosmo Sport genannt

Zwei Personen fanden im 4,14 Meter langen Coupé Platz. Mit 940 kg war das Auto leicht und bot mit seinen 110 PS überdurchschnittliche Fahrleistungen, der Sprint von 0 bis 100 km/h wurden laut Werk in 8,7 Sekunden geschafft, die Höchstgeschwindigkeit war mit 185 km/h angegeben.

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Probefahrt in einem der ersten Coupés

Road & Track berichtete bereits im Jahr 1967 über eine erste Probefahrt im japanischern “Grand Tourer”. Die Fahrbarkeit auf dem Strassennetz von Tokyo wurde gelobt, die Fahrleistungen (obschon noch nicht eingefahren) überzeugten, die Bremsen ebenfalls. Kritik gab es am Fahrwerk, das den Wagen zu sehr neigen liess in Kurven. Auch vom Preis waren die Amerikaner nicht ganz überzeugt, mit USD 4111 war der Cosmo umgerechnet fast doppelt so teuer wie ein Datsun Fairlady 2000 Roadster (USD 2360). Immerhin konnte der Mazda die weit gereisten Probefahrer soweit überzeugen, dass sie nun eifrig auf eine Wankellimousine warteten, denn der Motor wusste zu begeistern.

In zwei Serien gebaut

Der Cosmo wurde in zwei Serien gebaut. Die sogenannte “Serie II”, die ab Juli 1968 in den Verkauf gelangte, unterschied sich vom Vorgänger durch mehr Leistung und einem Fünfganggetriebe, aber vor allem durch einen um 38 cm verlängerten Radstand. Dieser garantierte bessere Platzverhältnisse im Innern und ein ruhigeres, komfortableres Fahrverhalten.

Bild Mazda Cosmo Sport (1968) - Serienversion ausgestellt
Mazda Cosmo Sport (1968) - Serienversion ausgestellt

Erkennbar sind die Fahrzeuge der zweiten Serie auch am anders geformten Kühlergrill vorne.

Sound- und Fahrerlebnis

Wankelmotoren bieten immer eine besondere Geräuschkulisse, das ist beim Mazda Cosmo 110 S nicht anders. Passanten erinnert das hochfrequente Röhren irgendwie an einen Zweitakt-Kabinenroller.

Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - der Wankelklang ist charakteristisch
Mazda Cosmo 110 S (1969) - der Wankelklang ist charakteristisch

Sitzposition und Ergonomie sind für einen Kleinseriensportwagen sehr gut, auch an der Rundumsicht gibt es kaum etwas zu kritisieren. Das Lenkrad sitzt natürlich immer rechts, was den hiesigen Einsatz (Thema Parkhaus, Autobahnzahlstellen im Ausland) etwas erschwert.

Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - sportliches und fahrerorientiertes Cockpit
Mazda Cosmo 110 S (1969) - sportliches und fahrerorientiertes Cockpit

Der kompakte Mazda 110 S lässt sich recht flott bewegen, fordert aber beim Benzinverbrauch seinen Tribut. 15 bis 17 Liter pro 100 km fliessen gut und gerne durch die Stromberg-Hitachi-Vergaser. Dafür ist der Mazda im Vergleich zu den NSU-Motoren wesentlich haltbarer, es treten kaum Dichtleisten oder Temperaturprobleme auf.

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Sportlicher Erfolg auf dem Nürburgring

Ausserhalb Japan konnte man den Mazda Cosmo 110 S kaum auf Rennpisten sehen. Eine Ausnahme bildete die Teilnahme von zwei Fahrzeugen beim Marathon de la Route auf dem Nürburgring, welcher vom 20. bis 24. August 1968 durchgeführt wurde.

Bild Mazda 110 S (1968) - Mazda wird Vierter bei Marathon du Route auf dem Nürburgring
Mazda 110 S (1968) - Mazda wird Vierter bei Marathon du Route auf dem Nürburgring

Hinter zwei Porsche 911 und einem Lancia Fulvia beendete ein 110 S die 84-Stunden-Langstreckenprüfung als Vierter, der zweite Mazda hätte Fünfter werden können, hätte er nicht in der letzten Rennrunde ein Rad verloren.

Knapp 1600 Exemplare gebaut

Von 1967 bis 1972 wurden 1519 Mazda Cosmo 110 S hergestellt und fast ausschliesslich auf dem japanischen Markt mit Rechtslenkung verkauft. Mit den Vorserien und Prototypen wurden insgesamt 1599 Fahrzeuge hergestellt. Nur ein geringer Teil, man spricht von rund 250 Fahrzeugen, hat überlebt. Die meisten davon waren ursprünglich weiss lackiert, Sonderfarben gab es auf Wunsch.

Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - die weit vorne montierten Spiegel sind typisch für einen Japaner aus dieser Zeit
Mazda Cosmo 110 S (1969) - die weit vorne montierten Spiegel sind typisch für einen Japaner aus dieser Zeit

Das fotografierte rote Exemplar aus dem Jahr 1968 fuhr ursprünglich in Japan und wurde bereits in Rot ausgeliefert. Der grüne Wagen befindet sich in zweiter Hand bei einem Mazda-Händler in Österreich, hat kaum 25’000 km auf dem Tacho und nimmt regelmässig an Ausfahren, Treffen und Gleichmässigkeits-Rallyies (z.B. Ennstal Classic) teil.

Nur eine Handvoll Fahrzeuge in Europa

In Europa sind nur wenige Fahrzeuge bekannt, in den letzten Jahren sind die Preise stetig gestiegen, was den Cosmo zum teuersten strassengängigen Mazda macht. Ersatzteile sind nicht einfach aufzutreiben, Restaurierungen entsprechend aufwändig.

Wir danken Kurt Hofstetter und der Langwies Garage in Wallenwil und dem Mazda-Händler in Österreich für die Unterstützung bei den Fotoaufnahmen. Und wir sind der Galerie “widmertheodoridis” in Eschlikon dankbar, dass wir deren Fassade so effektvoll als Hintergrund nutzen durften.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - Für den Rallye-Einsatz ausgerüstet
Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - Der Mazda-Wankel-Schriftzug auf der Front
Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - Die Tankklappe ist hinter der Heckscheibe mittig angeordnet
Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - Für bessere Aerodynamik und Optik abgedeckte Scheinwerfer
Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - Überall wird auf den Wankelmotor hingewiesen
Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - Alle Madza 110 S sind rechtsgelenkt
Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - Diese Ansicht musste mancher Konkurrent häufiger sehen
Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - Der Mazda fühlt sich in den Bergen wohl
Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - kaum jemand erkennt das Coupé auf Anhieb
Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - nur 159,5 cm breit
Bild Mazda Cosmo 110 S (1969) - der Wankelklang ist charakteristisch
Quelle:
Logo Quelle
von ho******
17.09.2020 (12:29)
Antworten
Ich möchte was dazu sagen , in Augsburg / DE ist ein Museum von Mazda das heißt Mazda Classic Automobil Museum Frey
Wertachstraße 29b
86153 Augsburg
Da ist der Cosmo auch zu sehen !
von kd******
15.09.2020 (09:15)
Antworten
NSU war nicht der Arbeitgeber von Wankel, sondern der Lizenznehmer!
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