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Bild (1/6): Matra-Simca Bagheera (1974) - vorgestellt 1973, produziert bis 1980 (© Daniel Reinhard, 2017)
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    Matra-Simca Bagheera - Kunststoff-Flunder für die Dreierbande

    13. September 2017
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (38)
    ADAC Motorwelt 
    (2)
    Archiv Zwischengas 
    (1)
    Bruno von Rotz 
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    Eigentlich hätten wir den Matra-Simca Bagheera ja gerne silber- oder noch besser gelb-lackiert fotografiert. Schliesslich wurde der Mittelmotorsportwagen im Mai 1975 unrühmlich zum Empfänger der “Silbernen Zitrone” des ADACs gekürt. Dazu hatte eine 1,55 Meter lange Mängelliste geführt, in der ein früher Besitzer den eigentlich noch neuwertigen Wagen mit allen seinen Fehlern dokumentierte.

    Matra-Simca Bagheera (1974) - 84 PS reichten damals für 187 km/h
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Doch unser Fotoauto ist goldfarbig, ein gutes Omen? Schliesslich hatte ja alles so gut angefangen damals!

    Neuanfang

    Bereits im Dezember 1969 begann die Idee für einen neuen Mittelmotorsportwagen zu reifen. Zu jenem Zeitpunkt wurde nämlich ein Zusammenarbeitsvertrag zwischen Chrysler France, die die Geschäfte von Simca übernommen hatte, und Matra unterschrieben. Damit war das Ende des Matra 530, der bekanntlich den Ford-V4 vor der Hinterachse hatte, besiegelt. Ein Nachfolger musste her und der sollte sich pro Jahr 10’000 Mal verkaufen lassen. Dazu mussten Praxisnutzen, Alltagstauglichkeit, Sportlichkeit und Traumwagen-Styling unter einen Hut gebracht werden, keine einfache Aufgabe.

    Doch Konstrukionschef Phillipe Guédon fand zusammen mit Jacques Rousseau den richtigen Kompromiss! Die Technik für den neuen Typ M 550 wurde weitgehend vom Simca 1100 Special übernommen, der Mittelmotorbauweise, die bereits bei den Modellen Matra Djet und 530 angewandt wurde, blieb man treu. Um der 2+2-Falle zu entgehen, platzierte man drei Sitze in einer Reihe und verpackte das Auto in eine elegante Fastback-Coupé-Form, die wohl nicht ganz zufällig an den Maserati Ghibli erinnerte.

    Matra-Simca Bagheera (1974) - mit der praktischen Heckklappe aus Glas
    © Zwischengas Archiv

    Unter der Kunststoffhaut, die aus rund 20 verschiedenen Polyesterteilen bestand, sorgte ein Stahlgerippe für eine steife und mit Knautschzonen vorne und hinten versehene Fahrgastzelle. Im Prinzip hätte der Bagheera auch ohne Plastikteile, die teilweise aufgeklebt oder angenietet wurden, fahren können. Diese Konstruktionsweise wurde später in ähnlicher Form auch beim BMW Z1 wieder verwendet.

    Vorne montierten die Ingenieure Dreiecksquerlenker, hinten Einzelradaufhängungen  an Längslenkern und querliegenden Drehstabfedern, jeweils ergänzt durch Stabilisatoren. Vier Scheibenbremsen sorgten für die Verzögerung. Während vorne 155-er Reifen auf 13-Zoll-Felgen montiert wurden, kamen hinten 185-er zum  Einsatz.

    Matra-Simca Bagheera (1974) - fertig montierte Hinterachse
    © Archiv Automobil Revue

    Der Motor war ein alter Bekannter, konnte man ihn doch auch im Simca Rallye 2 oder 1000 TI finden. Im Matra erhielt der Vierzylinder mit seitlicher Nockenwelle und hängenden Ventilen eine Weber-Gemischaufbereitung mit zwei 36 DCNF-Doppelvergasern spendiert, was dem 1294 cm3 grossen Motor 84 PS bei 6000 Umdrehungen entlockte.

    Begeistert empfangen

    Vorgestellt wurde der Matra-Simca Bagheera der Presse bereits am 14. April 1973, die Öffentlichkeit bekam den neuen Sportwagen dann anlässlich der 24 Stunden von Le Mans am 9. und 10. Juni 1973 erstmals zu sehen. Zu jenem Zeitpunkt waren bereits 500 gelbe Bagheeras an die Händler in Frankreich verteilt worden.

    Matra-Simca Bagheera (1974) - Blick ins Innere des Mittelmotorsportwagens
    © Archiv Automobil Revue

    Der neue Sportwagen war schnell in aller Munde, auch der Name, den man in Anlehnung an den schwarzen Panther aus Kiplings “Dschungelbuch” gefunden hatte, war eingängig. Bald schon mussten willige Käufer sechs Monate Wartezeit akzeptieren, wenn ihr Land überhaupt schon beliefert wurde. Schon nach 18 Monaten waren die ersten 10’000 Exemplare verkauft.

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    Viel getestet

    Für ein Nischenprodukt erfreute sich der Matra-Simca Bagheera eines überdurchschnittlichen Interesses der Autojournalisten. Kaum ein Magazin liess sich die Fahrt im flachen Sportwagen entgehen. Herbert Völker fuhr ihn für die Auto Revue, Götz Leyrer testete den Dreisitzer für Auto Motor und Sport. Viele Zeitschriften prüften ihn sogar mehrfach. Die Automobil Revue etwa widmete ihm in kurzer Zeit vier Artikel, eine Ankündigung, Probefahrtnotizen sowie einen Test der Normal- und der S-Version.

    Und im Grossen und Ganzen waren sich die Autojournalisten einig: Der Matra-Simca war ein gutes Auto, dem der Spagat zwischen Traumwagen und braver Alltagstechnik überraschend gut geglückt war. Gelobt wurden die Sparsamkeit, die trotz kleinem Motor guten Fahrleistungen, der Komfort und die Ergonomie. Natürlich fanden die Testfahrer aber auch ein paar Haare in der Suppe. So wurde die schlechte Schaltpräzision kritisiert, die ungenügende Übersichtlichkeit nach hinten, die nicht ausreichende Heiz- und Defrosterwirkung sowie vor allem die nachlässige Verarbeitung.

    Matra-Simca Bagheera (1974) - die geringe Höhe verheisst eine gute Aerodynamik und überzeugende Fahrleistungen
    © Archiv Automobil Revue

    Im Vergleich zur Konkurrenz konnte sich der Matra-Simca aber durchaus sehen lassen, bei einem Preis von DM 14’198 oder CHF 18’650 lag man ungefähr zwischen Fiat 124 Sport Coupé und Alfa Romeo GT 1300 Junior, liess aber bezüglich Höchstgeschwindigkeit alle hinter sich. 186,5 km/h stoppte Auto Motor und Sport, gar 187,5 km/h waren es bei der der Automobil Revue. Ein trotz üppiger Breite von 1,74 Metern dank nur 1,2 Meter Höhe geringer Querschnitt und ein Luftwiderstandsbeiwert von ca. 0,33 waren für dieses kleine Wunder verantwortlich. Beim Beschleunigen konnte der 940 kg schwere Bagheera mit seinen 84 PS dann weniger brillieren, 12,2 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h sahen im Vergleich zu den 10,6 des 1,8-Liter-Fiat nicht so gut aus. Aber mit dem VW-Porsche 914 und dem Alfa Romeo konnte der Matra durchaus mithalten

    “Daß der Bagheera weit mehr als seine Vorgänger das Zeug hat, auf dem naturgemäß begrenzten Sportwagenmarkt zu einem Verkaufserfolg zu werden, kann kaum bezweifelt werden, denn er sieht nicht nur besser aus, sondern bietet auch den Vorzug der Dreisitzigkeit, er ist komplett ausgestattet, erreicht ordentliche Fahrleistungen und verfügt über sichere Fahreigenschaften sowie über einen recht guten Fahrkomfort. Gegen ihn sprechen die nachlässige Verarbeitung und der für einen 1,3-Liter-Sportwagen ziemlich hohe Preis. Dennoch - die Chance, in Zukunft mehr Matra-Autos auf der Straße zu sehen, war noch nie so groß”, fasste Götz Leyrer seine Eindrücke in im Februar 1974 für Auto Motor und Sport zusammen.

    Die Sache mit der silbernen Zitrone

    Und Leyrer lag schon richtig, denn im erfolgreichsten Jahr, 1974, konnte der Dreisitzer 11’266 mal verkauft werden, womit die Jahresproduktion den Gesamtausstoss für den Vorgänger M530 bereits übertraf. Dass man mittlerweile Matra nicht zuletzt wegen der Sporterfolge (u.a. in der Formel 1) deutlich besser kannte, war daran sicherlich genauso mitschuldig, wie das gut ausgebaute Händlernetz von Simca/Chrysler France.

    Doch dann holten einige Unterlassungssünden den schicken Franzosen ein. Verarbeitungsmängel und fehlender Rostschutz am Stahlblech-Gerippe sorgten für Undichtigkeiten und Unzuverlässigkeit. Dass man an den Motor kaum herankam bei Wartungseingriffen, machte die Sache noch schlimmer.

    Axel Bier und sein Matra-Simca Bagheera auf der Titelseite der ADAC Motorwelt 5/1975
    © Copyright / Fotograf: ADAC Motorwelt

    Viele Bagheera-Besitzer litten unter den Problemen, einen traf es aber besonders schlimm: Axel Bier aus Berlin. Er kaufte am 21. Februar 1974 einen der 2050 in Deutschland ausgelieferten Bagheera. Die fehlende Betriebsanleitung und ein Riss in der Kunststoffkarosserie waren erste Frühwarnungen, fehlende Befestigungsnieten bei den hinteren Kotflügeln und nicht richtig angebrachte Trennfugen stimmten sorgenvoll. Es sollte aber noch schlimmer kommen. Der Aschenbecher war falsch eingebaut, die Lenkung flatterte, nach der ersten Wagenwäsche stand das Wasser im Innenraum, die Heckklappe war undicht. Bei Tachostand 501 km brachte Bier den Wagen zurück zum Händler, um die bisher entdeckten Mängel beseitigen zu lassen. Bald darauf verlor der Bagheera Kühlwasser, war die Frontscheibe undicht, die Türverkleidungen aufgequollen. Immer wieder brachte der unglückliche Matra-Besitzer den Wagen in die Werkstatt, nach zwei Monaten schliesslich fiel die rechte Antriebswelle ab. So ging es weiter, ein richtiges Montags-Auto hatte Bier da erwischt. Dass sich der Hersteller auch noch aus der Verantwortung schleichen wollte und auf den Händler verwies machte die Geschichte nicht einfacher. Nach 10 Monaten schliesslich meldete Bier seinen Bagheera ab, nun sprachen die Anwälte und Gerichte. Als Trost erhielt Biers Wagen dann die “Silberne Zitrone” des ADAC.

    Die damaligen Berichterstattung zeigt, dass seine Geschichte kein Einzelfall war, aber auch andere Hersteller, darunter Volkswagen und Ford, hatten damals riesige Qualitätsprobleme.

    Für den Matra-Simca aber war die negative Presse sicherlich nicht hilfreich, die Verkaufszahlen sackten ab.

    Mehr Leistung und mehr Luxus

    Auch der Hersteller sah Verbesserungsmöglichkeiten, verpflanzte im Sommer 1975 den 1,4-Liter-Motor aus dem 1308 GT mit 90 PS ins Heck der nun Bagheera S genannten Variante. Bereits ein Jahr zuvor hatte man mit dem Modell “Courrège” eine veredelte Version in Weiss in den Verkauf gegeben, die aber wohl trotz Lederinterieur und speziellem Kofferset vielen zu teuer war.

    Matra-Simca Bagheera (1977) - mit der Modellpflege wuchsen die Stossfänger und die (hinteren) Lampen
    © Zwischengas Archiv

    1976 erschien dann ein rundum erneuerter Bagheera mit umgestalteten Karosserieenden und diversen Verbesserungen.

    Der ADAC nahm sich den Wagen mit 90-PS-Motor erneut vor und lobte den Federungskomfort, den günstigen Verbrauch, die guten Platzverhältnisse und die zielgenaue Lenkung sowie die reichhaltige Serienausstattung. Auf der Minus-Seite standen der früher kaum kritisierte laute Motor, das ausbrechende Heck bei schnellen Richtungsänderungen, sowie spiegelnde Instrumente und verwechselbare Schalter.

    Optisch empfand die ADAC Motorwelt das Restyling als Gewinn, aerodynamisch aber war es wohl ein Rückschritt, die 90-PS-Variante lief nur gerade 179 km/h. Dafür aber war der Testwagen im Regen dicht und es klapperte auch nichts. Und selbst der sich stark erwärmende Kofferraum erhielt eine positive Note: “Na ja, Du weißt doch, wegen der Brötchen; im Bagheera bleiben sie wenigstens knusprig …”, stand im ADAC-Test geschrieben, und: “Man muß eben alles nur von der richtigen Seite sehen …”.

    Talbot-Matra Bagheera X (1980) - umfangreich augerüstetes Modell mit 1,4-Liter-Motor
    © Zwischengas Archiv

    Die letzte Änderung am Bagheera war weniger eine funktionelle, als eine namenstechnische. Im Jahr 1979 änderte die Bezeichnung von Matra-Simca auf Talbot-Matra, eine Folge der Übernahme von Simca durch Peugeot. Das S-Modell fiel damals allerdings aus dem Programm, es gab nur noch den Bagheera X, eingeführt 1977 als Luxusausführung und Nachfolger des Courrége, und die Normalvariante.

    Talbot Matra Murena (1981) - elegantes Coupé
    © Zwischengas Archiv

    Im April 1980 wurde die Produktion nach 47’802 gebauten Autos gestoppt, im September 1980 wurde der Nachfolger Talbot-Matra Murena auf dem Pariser Autosalon vorgestellt. Jener war technisch eng mit dem Bagheera verwandt, dass Chassis wurde aber deutlich besser rostgeschützt und es gab auch grössere Motoren, die dem Bagheera verwehrt waren.

    Der Super-Bagheera, der nicht sein sollte

    Herbert Völker hatte in seinem Test für die österreichische Autorevue schon 1974 den zu schwachen Motor kritisiert, auch andere Testfahrer wünschten sich damals einen Zweiliter im Heck. Ein solcher entstand tatsächlich, doch das Ergebnis war deutlich aufwändiger, als es sich die Kritiker hätten vorstellen können.

    Matra-Simca Bagheera U8 (1973) - der U8-Motor mit acht Zylindern und zwei verbundenen Kurbelwellen
    © Archiv Automobil Revue

    Der Bagheera U8 , intern M 560 genannt, verfügte nämlich über einen aus zwei Simca-Motoren zusammengebauten Achtzylinder mit 2,6 Litern Hubraum im Heck. Dieses war wegen des Längseinbaus um stattliche 23 Zentimeter länger geworden, was den nun 190 PS starken Mittelmotorrenner noch gestreckter erscheinen liess.

    Matra-Simca Bagheera U8 (1973) - zusätzliche Kühlöffnungen in den Flanken und spezielle Felgen
    © Archiv Automobil Revue

    Wegen des erwarteten Preises, der über das Doppelte des normalen Bagheera ausgemacht hätte, und der Benzinkrise kam der U8 nie aus dem Prototypenstadium heraus. Schade!

    Viele Jahre später

    Fast 44 Jahre alt ist der goldfarbene Matra-Simca, der uns zur Probefahrt einlädt. Man sieht ihm die Jahre nicht an, was sicherlich daran liegt, dass die bisherigen Besitzer dem Dreisitzer einiges an Unterhalts- und Restaurierungsarbeiten angedeihen liessen.

    Matra-Simca Bagheera (1974) - drei Sitze nebeneinander
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Der Einstieg erfolgt problemlos und man lässt sich in den weich gepolsterten und entlang der Wagenlängsachse verschiebbaren Fahrersitz fallen. Instrumente und Schalter sind komplett um das unten abgeflachte Kunststoff-Lenkrad, das sich so eigentlich gummiartig anfühlt, gruppiert. Dass Matra mit Flugzeugen Erfahrung hatte, beweist ein Blick auf die Hauptinstrumente, die einen eher an Höhenmeter und künstlichen Horizont erinnern, als an Drehzahlmesser und Tachometer. Wo sonst werden die Drehzahlen denn schon viertstellig angezeigt?

    Matra-Simca Bagheera (1974) - erinnern an Instrumente im Flugzeugbau
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Ergonomisch geht die Einrichtung aber in Ordnung, die zwei Beifahrer haben viel Raum nach vorne, sollten aber nicht zu breit sein, wenn man bei 1,43 Meter Innenbreite wirklich zu Dritt sitzen will.

    Matra-Simca Bagheera (1974) - quer eingebauter Vierzylindermotor, bauähnlich zum 1308 GT
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Die rechte Hand dreht den Zündschlüssel und schon ertönt im Heck der Vierzylinder. Sein Klang erinnert sofort an das luftige Laufgeräusch des Simca Rallye 2, ohne allerdings aufdringlich oder störend zu wirken, zumindest solange man sich im zivilen Drehzahlbereich aufhält.

    Matra-Simca Bagheera (1974) - Starten und Leerlauf

    Das Einlegen des ersten Gangs lässt uns sofort an die damalige Kritik an der Schaltpräzision erinnern. So fühlt sich das also an. Auch der mittig sitzende Mitfahrer muss spätestens dann, wenn der zweite oder vierte Gang eingelegt wird, sein Knie aus dem Weg schieben, damit der Gang sicher gewählt werden kann. Gottseidank sind es nur deren vier Gänge, die das Getriebe anbietet, so findet man sich dann doch schnell zurecht.

    Matra-Simca Bagheera (1974) - ist auch ein Kurvenkünstler
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Es wäre auch schade, wenn die Schaltung von den Fahrqualitäten des Bagheera ablenken würde, denn diese sind auch heute noch überzeugend. Der flache Sportwagen lenkt behände ein und umrundet Kurven mit relativ geringer Seitenneigung, obschon dafür kaum Komfort geopfert werden muss. Dieser 1,3-Liter-Sportler macht richtig Laune und man versteht, dass er den Händlern 1974 fast aus den Händen gerissen wurde.

    An Prestigewert war der Kunststoff-Dreisitzer damals von seinen vergleichsweise bieder aussehenden Konkurrenten, wenn wir einmal VW-Porsche 914 oder Fiat X 1/9 ausser Acht lassen, sowieso nicht zu schlagen, und das Maserati-Styling kommt auch heute noch gut an.

    Matra-Simca Bagheera (1974) - nur wenige konnten ihn damals überholen
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Nur selten geworden sind sie, die Bagheera der ersten Serie. Rost, Unfälle und die erwähnten Qualitätsprobleme haben den Bestand deutlich reduziert, selbst an grossen Autotreffen fallen sie daher heute auf, wie eine gelbe Zitrone unter lauter braunen Kartoffeln.

    Wir danken der Oldtimer Galerie, die den goldfarbenen Matra-Simca Bagheera von 1974 am 14. Oktober 2017 in Toffen versteigert , für die Gelegenheit zur Probefahrt.

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    ma******:
    18.09.2017 (22:26)
    Wirklich schlimm, dass dieses Auto so viele Konstruktions- und Qualitätsmängel aufwies. Ich fuhr über 10 Jahre einen Simca Matra Rancho, dem auch viel Schlechtes nachgesagt wurde. Dank meiner Rostvorsorge kannte ich keine solchen Probleme und die Mechanik versagte bloss einmal als im Ausland die Lichtmaschine streikte. Mit Glück erreichte ich mein Zuhause jedoch ohne Reparatur. Vermutlich waren die Ranchos nicht so schlecht wie ihr Ruf. Meines Wissens hat mein Wagen bei einem Liebhaber die Jahrzehnte seither überdauert als einer der wenigen, die nicht der braunen Pest zum Opfer gefallen sind.
    Martin Frey frey.m@bluewin.ch
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