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Maserati Ghibli der Neunzigerjahre - der letzte und beste Biturbo

Erstellt am 18. November 2015
, Leselänge 4min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
43
Maserati / Werk 
3
Archiv 
10
Maserati Ghibli 2.8 (1997) - fäht um Kurven wie auf Schienen, sagte man früher
Maserati Ghibli 2.8 (1997) - bulliges Heck
Maserati Ghibli 2.8 (1997) - handlich zu fahren
Maserati Ghibli 2.8 (1997) - auf Landstrassen zuhause
Maserati Ghibli 2.8 (1997) - in der Tradition der Biturbo-Modelle
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Maserati-Freunde zogen ihre Augenbraue hoch, als der Sportwagen-Hersteller aus Modena 2013 einen Viertürer mit sechs Zylindern namens Ghibli auf den Markt brachte. Der Maserati Ghibli der Sechzigerjahre gilt zurecht bis heute als einer der schönsten Sportwagen aller Zeiten, der seine Kraft aus acht Zylindern schöpfte.

Bild Maserati Ghibli (1970) - bestechendes Design von Giugiaro, damals in Diensten von Ghia
Maserati Ghibli (1970) - bestechendes Design von Giugiaro, damals in Diensten von Ghia

Wie konnte man da die Typenbezeichnung “Ghibli”, die auf einen Wüstenwind zurückgeht, an eine Limousine mit einem V6-Motor heften?

Nun, so überraschend kam die Wiederverwendung der klangvollen Bezeichnung nicht, denn bereits in den Neunzigerjahren gab es ein viersitziges Auto mit einem Sechszylindermotor, die auf den Namen Maserati Ghibli hörte und intern Tipo AM336 genannt wurde. Es handelte sich hier um die 1992 vorgestellte letzte Inkarnation des Maserati Biturbo.

Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - mit intelligenter elektronisch gesteuerter Aufhängung
Maserati Ghibli 2.8 (1997) - mit intelligenter elektronisch gesteuerter Aufhängung

Lange und verwirrende Ahnengeschichte

Der Maserati Biturbo wurde bereits 1981 präsentiert. Das kompakte Coupé war modern konzipiert und mit dem V6-Zweiliter, drei Ventilen pro Zylinder und doppelter Turboaufladung fortschrittlich. Nur die Vergaser erinnerten an traditionellen italienischen Sportwagen-Motorenbau, wurden denn aber auch schon bald durch eine Einspritzung ersetzt.

Bild Maserati Biturbo (1982) - am Genfer Automobilsalon von 1982 - gleich zwei Turbolader beatmen den Motor
Maserati Biturbo (1982) - am Genfer Automobilsalon von 1982 - gleich zwei Turbolader beatmen den Motor

Über die nächsten Jahre lösten sich die Modelle in schneller Folge ab, es entstanden Seitenlinien und Varianten. Biturbo S, Biturbo II, Biturbo S II, Biturbo Si, 222, 222E, 2.24v, 222SE, 222SR, 2.24v II oder 222 4V hiessen die Coupés, dazu gestellten sihc noch Viertürer mit Bezeichnungen wie 425, 420 oder 430. Und auch offene Varianten wurden produziert, sie hiessen Spyder.

Bild Maserati Biturbo (1982) - am Genfer Automobilsalon von 1982 - 6'000 bis 7'000 Exemplare will Maserati vom neuen Sportwagen pro Jahr herstellen - Eingang in die Gross-Serie
Maserati Biturbo (1982) - am Genfer Automobilsalon von 1982 - 6'000 bis 7'000 Exemplare will Maserati vom neuen Sportwagen pro Jahr herstellen - Eingang in die Gross-Serie

Der Erfolg gab den Maserati-Machern, die die Marke deutlich tiefer positioniert hatte, recht, die Stückzahlen stiegen auf mehrere Tausend pro Jahr an. Doch finanziell entwickelte sich die Firma weniger positiv als erhofft, Besitzer De Tomaso musste Anteile verkaufen und Fiat übernahm 1989 zuerst 49% und bis 1993 die gesamte Firma.

Bild Maserati Shamal (1990) - kompaktes Coupé mit kurzen Überhängen
Maserati Shamal (1990) - kompaktes Coupé mit kurzen Überhängen

Unter neuem Regime erschien 1990 der Maserati Shamal mit neu entwickeltem Achtzylindermotor und einer durch Marcello Gandini neu gestalteten Karosserie. Dies hätte das Ende der Biturbo-Reihe sein können, doch am 23. April 1992 präsentierte Maserati auf dem Turiner Autosalon mit dem Ghibli die letzte Variante des zweitürigen Biturbo. Bis Ende 1997 entstanden 2183 Exemplare. 

Kompaktes Sportcoupé

Die Freiheitsgrade für Gandini waren beschränkt, als er den Ghibli zeichnete. Bodengruppe und Karosseriebasis mussten vom Biturbo übernommen werden, auch Glasanteile, Türen und Dachbereich mussten weiterverwendet werden. Gandin schaffte es aber, dem Ghibli ein eigenständiges Design, das in Teilen an den Shamal angelehnt war, zu geben.

Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - das Design stammt von Marcello Gandini
Maserati Ghibli 2.8 (1997) - das Design stammt von Marcello Gandini

Das Coupé wirkt stimmig, für manche Geschmäcker fast ein wenig zu elegant und unauffällig. Nur der aufgesetzte Kofferraumdeckel, den man auch vom BMW M3 kennt, irritierte manchen Betrachter.

Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - elegantes Interieur mit viel Leder und Holz
Maserati Ghibli 2.8 (1997) - elegantes Interieur mit viel Leder und Holz

Innen war der Ghibli aber ein typischer Maserati jener Zeit, mit grosszügig verteiltem Holz, Connolly-Leder und edlen Teppichen. Nicht fehlen durfte auch die Analoguhr in der Mitte des Armaturenbretts. Natürlich war eine Klimaanlage an Bord und auch die Aussentemperatur wurde gemessen.

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Starke Motoren

Im Bug des Ghibli tat entweder eine zwei oder 2.8 Liter grosse Version des Biturbo-V6 seinen Dienst. Der kleinere Motor leistete mehr, bot allerdings weniger Drehmoment. Für Exportmärkte kam vor allem der 2,8-Liter-Ghibli zum Zug, der 284 PS bei 5500 Umdrehungen leistete.

Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - V6-Motor und zwei Turbolader
Maserati Ghibli 2.8 (1997) - V6-Motor und zwei Turbolader

Geschaltet wurde zuerst über fünf später über sechs Gänge. Die einzeln aufgehängten Räder (waren bis 1994 16 Zoll gross, danach 17 Zoll. Eine Besonderheit waren die elektronisch gesteuerten Koni-Dämpfer. Vier Scheibenbremsen waren selbstverständlich.

Evolution und Varianten

Neben der grossen Modellpflege im Jahr 1994, bei der ABS Serienausstattung wurde, entstand 1995 das Sondermodell Ghibli Cup, das nur mit Zweiliter-Motor, dafür aber 330 PS erhältlich war und im Prinzip die Strassenvariante des Rennwagens war, der im eigenen Markencup genutzt wurde. Vom Cup wurden weniger als 90 Modelle gefertigt, während der 2,8-Liter-Ghilbi immerhin über 1000 Mal verkauft werden konnte. Eine Rarität blieb mit rund 60 Autos auch der Ghibli Primatist, der zur Feier eines Rennboot-Geschwindigkeitsrekords von Bruno Abbate (mit Biturbo-Motorisierung) aufgelegt wurde, sich aber nur bezüglich Ausstattung und Farbe von den anderen Modellen unterschied.

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Gefühlte Dynamik

Knapp 1,35 Tonnen, gerade einmal 4,223 Meter Länge und 1,775 Meter Breite machen den Ghibli zusammen mit dem 284 PS starken Motor zum quirligen Pistenräuber. Der Wagen fühlt sich herrlich handlich an, bremst vertrauensbildend und lässt sich ohne grossen Aufwand schnell bewegen. Die Werksfahrleistungen von 5,7 Sekunden für den Sprint von 0 bis 100 km/h und die 260 km/h Spitze nimmt man dem Coupé sicherlich ab.

Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - handlich zu fahren
Maserati Ghibli 2.8 (1997) - handlich zu fahren

Enttäuschend ist höchstens die Tonkulisse, die arg gedämpft daherkommt und die man sich gerne etwas aggressiver wünschte. Und für grossgewachsene Passagiere könnten die optisch attraktiven Sitze noch etwas bequemer daherkommen. Dafür erfreut die gute Übersichtlichkeit, die den Verzicht auf neuzeitliche Parkpiepser leicht macht.

Der Ghibli konnte zwar seinem grossen Namen bezüglich Eleganz und Auffälligkeit nicht ganz gerecht werden, dafür war er zu sehr auf Understatement getrimmt, aber als letzte und wohl beste Biturbo-Variante hat er sicherlich einen guten Platz in der Maserati-Ahnengalerie verdient.

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit, den Maserati Ghibli von 1997 für eine Fotosession ausleihen zu dürfen. 

Bilder zu diesem Artikel

Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - das Lenkrad steht vergleichsweise flach
Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - Der Dreizack auf dem Heckdeckel
Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - gute Sichtverhältnisse
Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - bulliges Heck
Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - handlich zu fahren
Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - auf Landstrassen zuhause
Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - in der Tradition der Biturbo-Modelle
Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - mit intelligenter elektronisch gesteuerter Aufhängung
Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - kantiges Gandini-Design
Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - kurze Überhänge
Bild Maserati Ghibli 2.8 (1997) - nur 4,223 Meter lang
Quelle:
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von mj******
17.11.2017 (09:49)
Antworten
Das Problem in der Menschheitsgeschichte war schon immer die Erbfolge. Es gibt immer Generationen, die durch Talent, harte Arbeit und Leidenschaft grosse Werke schaffen, denen sie dann Namen geben, die in die Geschichte eingehen. Da aber niemand unendlich lange lebt kommt es, früher oder später, durch Erbschaft bedingt, zwangsläufig zur Wachablösung. Und so wird nicht nur Geld vererbt, was das kleinere Übel dar stellen würde, sondern vor allem Entscheidungsgewalt. Diejenigen, die nun unverdienter massen Entscheidungsgewalt inne haben und zudem sehr selten Talent ihr eigen nennen können, suchten, vor den glorreichen Werken ihrer Ahnen, ebenfalls nach Anerkennung. Diese glauben sie erreichen zu können indem sie sich der grossen Namen grosser Werke ihrer Ahnen bedienen oder, wie in der jüngeren Vergangenheit der Italienischen Autoindustrie, ihren wenig attraktiven Kreationen Namen geben, die des Eigenlobs voll sind. So z.B. Bravo, Brava, Mito, Stilo... etc.
von su******
24.11.2015 (13:08)
Antworten
ich habe hir keiner melding von maserati racing mit den spoiler vorne vor den windshutz scheibe hat gelesen wo von ich in Berlin einer gehaben habe
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