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Lancia Lambda – eines der fortschrittlichsten Autos aller Zeiten feiert seinen 100. Geburtstag

Erstellt am 1. September 2021
, Leselänge 17min
Text:
Joachim Griese / Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
5
Bruno von Rotz 
23
Archiv Bertone 
1
Gerard Brown 
1
Archiv 
23

Am 1. September 2021 feiert man auf der ganzen Welt den 100. Geburtstag der Lancia Lambda – und noch heute ist sie – ja, man sagt “die Lambda” – ab und zu auf der Strasse und in autosportlichen Veranstaltungen zu sehen. Wer hätte das gedacht!

Innovationsschub

Mit ihren Eigenschaften war die Lambda ihrer Zeit technisch gesehen um 20 Jahre voraus:

  • ein Auto ohne separates Fahrgestell mit ausgezeichneter Strassenlage
  • Vorderräder mit unabhängiger Federung und Stossdämpfung
  • ein leistungsfähiger Motor mit obenliegender Nockenwelle
  • gut wirkende Bremsen an allen vier Rädern

Dieses Auto war aber nicht nur eine innovative Konstruktion, auch lange nach ihrer Bauzeit war sie gefragt und erlebte eine regelrechte Renaissance nach dem 2. Weltkrieg.

Ausgangspunkt war das Patent 171922 vom 28. März 1919 der Firma Lancia und C. für ein fahrgestellloses Fahrzeug.

Lancia Patent für Auto ohne separates Fahrgestell (1919)

Mitte März 1921 startete das Entwicklungsprojekt „Lambda“ innerhalb der Firma Lancia. Die Projektgruppe bestand neben Vincenzo Lancia und Battista Falchetto aus einer kleinen Zahl weiterer Mitarbeiter. Battista Falchetto war für die Entwicklung der vorderen Einzelradaufhängungen und für die Koordination des Projektes zuständig.

Testfahrt mit dem Lancia Lambda Prototyp im September 1921

Schon am 1. September 1921 – also weniger als ein halbes Jahr nach Projektbeginn – startete der Prototyp der Lambda am Moncenisio in der Nähe von Turin zur ersten Probefahrt mit Vincenzo Lancia am Steuer sowie Luigi Gismondi und zwei weiteren Mitarbeitern.

Die Probefahrten verliefen nach nur gut viermonatiger Entwicklungszeit – inklusive neuartiger vorderer Einzelradaufhängung und frisch entwickeltem Motor – sehr zufriedenstellend, und alsbald begann die Arbeit am Produktionstyp mit der Zielsetzung, die Lambda auf den Autosalons in Paris und London im Herbst 1922 zu präsentieren.

In schnellen Schritten zur Produktionsversion

Im Spätsommer 1922 wurde die Lambda Fachjounalisten aus mehreren Ländern vorgeführt; das Echo der Fachpresse war sehr positiv, ebenso die Eindrücke bei Besuchern und Fachleuten an den Autosalons von Paris und London. Es waren genügend Aufträge vorhanden, die Produktion konnte beginnen. Schon auf dem Autosalon 1923 in Paris musste Lancia mitteilen, dass die Lieferzeiten für die Lambda aufgrund der hohen Nachfrage länger als ein Jahr sein werden. Die Automobil Revue berichtete damals kurz:
“Lancia hat seinen Stand mit seinen bisher bewährten Typen beschickt, das bekannte rahmenlose Modell Lambda sehen wir als Innensteuerung karossiert; es macht einen vorzüglichen Eindruck.”

Ein Jahr später wurde anlässlich des Pariser Salons im Oktober 1923 ausführlicher berichtet:
“Die Lanciawagen bieten das höchste Interesse, nicht nur wegen ihrer eigenartigen Bauweise, sondern vielmehr noch wegen ihrer wahrhaft raffiniert ausgeführten Konstruktion, so dass es kein Wunder ist, wenn diese Fahrzeuge geräuschlos starten, geräuschlos dahinsausen, und auch im langsamsten Tempo keinerlei Geräusch von sich geben, als etwa das, was der Auspuff in selten rhythmischem Tempo von sich gibt. Die beiden Clous dieses Standes sind der Lancia, Type Lambda mit zwei nebeneinander und gegenseitig versetzt stehenden Zylinderpaaren. Das ist geschehen, um Gewicht und Platz zu sparen und auch, um dem Motor einen hohen thermischen Wirkungsgrad neben einer guten Abkühlung zu geben. …”

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Produktion in neun Serien

Die Lambda wurde in neun Serien von Februar 1923 bis September 1931 mit einer Gesamtzahl von 12’998 Fahrzeugen produziert. Wir unterteilen die Beschreibung in zwei Teile: Produktion der Serien 1 bis 6 und Produktion der Serien 7 bis 9. Die Gründe für diese Aufteilung werden bei näherer Betrachtung sofort deutlich.

Serie Zeitraum Produktion Typen K. Typ Motor Typ Getriebe Typ Differential
1 02/1923-09/1923 400 214 67 109 151
2 09/1923-04/1924 1100 214 67 109 161
3 04/1924-10/1924 800 214 67 109 161
4 10/1924-04/1925 850 214 67 109 161
5 02/1925-10/1925 1050 214 67 112 161
6 09/1925-06/1926 1299 216,217 67 112 164

Die Lambda der 1. Serie wies einen Motor vom Typ 67 mit einem Hubraum von 2120 cm3 und einer Leistung von 50 PS bei 3000 U/min auf. Der Winkel zwischen den beiden Zylinderbänken betrug anfänglich 13 Grad. Der Motorblock bestand aus Aluminium, der Kopf war aus Stahl gegossen. Die hängenden Ventile wurden über obenliegende Nockenwellen betätigt, die durch eine Königswelle angetrieben wurde.

Lancia Lambda (1922) - unbeplankte Rohkarosserie
Archiv Automobil Revue

Der Karosserietyp 214 blieb bis einschließlich der 5. Serie gleich. Auf diesen Karosserietyp konnte man einen "Ballon"  - aufsetzen, der den Eindruck einer Lambda-Limousine vermittelte. Die Montage/Demontage war jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden, so dass sich der Eigentümer oft für die Torpedo-Lösung oder die Torpedo mit Ballon-Lösung entschied. Das anfänglich 3-Ganggetriebe wurde ab der 5. Serie durch ein 4-Ganggetriebe ersetzt.

Lancia Lambda IV Serie (1924) - als Limousine mit Ballonreifen
Archiv Automobil Revue

Die 6. Serie hatte mit 3,42 m einen längeren Radstand (Karosserietyp 216) als die bisherigen fünf Serien mit 3,10 m. Die größere Länge ermöglichte Sitzplätze für 6 Personen (4 normale Sitze und 2 Zusatzsitze im Fond).

Die grösste Änderung war jedoch, dass eine Plattform für eine Karosserie mit der gesamten Mechanik der sechsten Serie (Karosserietyp 217) angeboten wurde, auf der auch unabhängige Karosseriebauer  als die bisherigen Karosserien (von Lancia und von Dritten) produziert werden können.

Lancia Lambda Plattform für unabhängige Karosseriebauer

Die Lambda-Welt war jetzt vielfältiger geworden ist, eine Veränderung, die auch der Nachfrage entsprach und die sich auf die Produktion der 7., 8. und 9. Serie auswirkte.

Serie Zeitraum Produktion Typen K. Typ Motor Typ Getriebe Typ Differential
7 05/1926-02/1928 3098 216,217,218,219 78 112 164
8 03/1928-01/1931 3901 221,222,223,224,225,226 79 112 164
9 01/1931-09/1931 500 21A,222A,223,224 79 112 164

In der 7. Serie wurden die gleichen Typen wie in der 6. Serie angeboten, nämlich 216 und 217 (beide mit einem Radstand von 3,42 m) und zusätzlich zwei Karosserietypen 218 und 219 mit einem Radstand von 3,10 m, wie es früher üblich war; bei 218 handelte es sich um einen Lambda-Torpedo, bei 219 um eine Plattform, aber mit kurzem Radstand.

Die wesentliche Änderung in der Mechanik lag im Motor. Entwicklungsfortschritte führen zum Motor Typ 78, dessen Hubraum bei grösserem Zylinderquerschnitt von 2120 cm3 auf 2375 cm3 anwuchs und damit eine Leistung von 59,4 PS bei 3.250 U/min erreichte.

Lancia Lambda VIII Serie (1928) - offen und mit aufgespannter Persenning
Archiv Automobil Revue

In der 8. Serie wurde die Vielfalt noch grösser, zu den bisher erwähnten Radstandsvarianten mit der Plattform 221 und 222 kamen Varianten mit der Lambda Torpedo (Karosserietypen 223 und 224) und zusätzlich zwei Radstandsvarianten einer geschlossenen Lambda Berlina Weymann (Karosserietyp 225).

Vincenzo Lancia hatte von der französischen Firma C.T. Weymann eine Lizenz zum Bau einer leichten Version eines geschlossenen Fahrzeugs erworben. In der 9. Serie wurde der Motor zum Typ 79 mit einem Hubraum von 2569 cm3 und einer Leistung von 69 PS bei 3500 U/min weiterentwickelt.

Als Karosserietypen gab es in der 9. Serie die Plattform-Varianten - jetzt als Typ 221A und 222A mit dem Typ 79-Motor - und die Torpedo-Varianten 223 und 224, die bereits in der achten Serie erwähnt wurden.

Ab Serie 6 wurden für die Lambda, wie bereits weiter oben ausgeführt, auch Karosserieplattformen angeboten. Jetzt konnten auch andere Unternehmen Karosserien bauen, um in einen günstigen, von Lancia bereits erschlossenen Markt einzutreten und die Lambda noch erfolgreicher zu machen. Lancia bot den Karosseriebauern die Möglichkeit, ihre auf der Plattform gebauten Karosserien über die Lancia-Vertriebsorganisation zu verkaufen, so dass ihnen sofort ein umfangreicherer Markt zur Verfügung stand.

Insgesamt wurden weltweit annähernd 100 Lambdamodelle von etwa 40 Drittfirmen – darunter auch Gangloff in Genf - entwickelt und über die Lancia-Vertriebsorganisation verkauft. Damit hatte die Lambda die grösste Anzahl an Modellen aus der gesamten Produktpalette von Lancia.

Lancia Lambda VIII Serie (1929) - aus dem Schaffen von Bertone
Copyright / Fotograf: Archiv Bertone

Insgesamt werden etwa 2000 Lambda von Drittfirmen verkauft.

Lancia hatte schon für die Vorgängermodelle Theta und Kappa eine weltweite Vertriebsorganisation in 25 Ländern aufgebaut, die jetzt auch für die Lambda genutzt werden konnte. Dazu kam eine Werbung, basierend auf Zielgruppen und Stärken der Lambda, von der selbst heutige Autohersteller noch lernen können.

Aus heutiger Sicht war Lancia mit einem Export von mehr als 35% des Lambdaabsatzes ein italienisches Vorzeigeunternehmen.

An Bord einer Lambda der achten Serie

“Der Motor wird inganggesetzt, indem man den Schluessel in das entsprechende Schloss steckt und denselben in horizontaler Lage dreht. Dabei entzuendet sich die daneben befindliche Lampe als Beweis, dass die Batterie Strom ergibt. Alsdann muss man auf den Knopf links vom Schluessel druecken und dadur wird der Anlasser in Betrieb gesetzt, der den Motor anwirft”, steht in der deutschsprachigen Betriebsanleitung, die es auch nicht unterlässt, darauf hinzuweisen, dass der Motor mit dem rechten Pedal beschleunigt wird. Wobei es gibt auch einen Handgashebel und die richtige Menge Vorzündung hilft beim Starten ebenfalls.

Lancia Lambda VIII Serie Torpedo Lungo (1928) - die Gänge müssen mit Zwischenkuppeln und Zwischengas gewechselt werden
Copyright / Fotograf: 

Wenn man’s kann, dann fährt sich die Lambda fast wie ein modernes Auto. Allerdings verlangt das Vierganggetriebe nach kontrolliertem Zwischenkuppeln und Zwischengas, schliesslich ist es unsynchronisiert und geradeverzahnt. Anfahren könnte man auch im zweiten Gang, der erste ist recht kurz übersetzt.

Lancia Lambda VIII Serie Torpedo Lungo (1928) - das Fahrverhalten ist besser als bei manchem Konkurrenten aus der Zeit
Copyright / Fotograf: 

Der rund fünf Meter lange Torpedo Lungo verhält sich überraschend agil, etwas, was man ihm wegen des Radstands von über 3,4 Meter kaum zugetraut hätte. Auch das Fahrverhalten ist wegen der gut konstruierten vorderen Einzelradaufhängungen deutlich gutmütiger als bei anderen Vorkriegsfahrzeugen.

Lancia Lambda VIII Serie Torpedo Lungo (1928) - die Originalinstrumente kamen von Jaeger
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Rund 120 km/h kann eine Lambda auf gerader Strasse erreichen, damit schwimmt man auch heute noch problemlos im Verkehr mit. Die Geräuschkulisse erinnert dabei etwas mehr an ein Nutzfahrzeug als an einen Sportwagen, was sicher auch mit den grossen Zylindern des 2,6-Liter-Motors zu tun hat. Rund 65 PS erlauben dem Lancia auch bei über 1,3 Tonnen ein zügiges Beschleunigen in den Gängen.

Lancia Lambda VIII Serie Torpedo Lungo (1928) - Blick unter die Motorhaube
Copyright / Fotograf: Bruno von Rotz

Die Rundumsicht ist im offenen Wagen hervorragend, bei geschlossenem Verdeck ist man froh über die nachträglich angebrachten Rückspiegel.

Die Sitzposition ist aufrecht, der Einstieg verlangt wegen der auch in den späteren Serien kurzen Türen etwas Geschick.

Lancia Lambda VIII Serie Torpedo Lungo (1928) - fast fünf Meter lang mit dem langen Radstand von 3,42 Meter
Copyright / Fotograf: 

Die Lambda hat einen von aussen zugänglichen Kofferraum! Da die Klappe allerdings mit ein oder zwei Reserveräder ziemlich schwer wird, solle man beim Öffnen aufpassen, dass man von ihr nicht erschlagen wird. Auch die Fangbänder können die Last nicht in jedem Fall auffangen. Vorsicht ist also angebracht.

Lancia Lambda VIII Serie Torpedo Lungo (1928) - rechts hinter dem Lancia sieht man einen raren Bücker
Copyright / Fotograf: 

Immerhin knapp über 80 Seiten umfasste das deutschsprachige Handbuch zur Lambda. Darin sind allerdings auch fast alle wichtigen Wartungsvorgänge erklärt und nicht nur die relativ einfache Bedienung des Autos.

Während man heute eigentlich fast zuwenig eingeschüchtert wird vom bald hundertjährigen Lancia, war man Ende der Zwanzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts deutlich beeindruckter. Der Schreiberling des britischen Journals “The New Statesman” vom 25. August 1928 brachte dies deutlich zur Sprache:

“Man sagt, dass es auf jeder Seite des Stilfser Jochs etwas mehr als fünfzig schlechte Kurven gibt. Ein berühmtes britisches Auto von großer Länge und Leistung braucht etwas mehr als eine Stunde, um diesen Pass zu erklimmen, einschließlich der notwendigen Wendemanöver in den schärferen Kurven. Beliebte amerikanische Autos brauchen wesentlich länger, da ihre Kühler bei der Auffahrt drei- oder viermal trocken laufen. Während der reisende Brite und der Yankee so in aller Ruhe beschäftigt sind, werden sie wahrscheinlich - wenn sie Glück haben und der Tag schön ist - unter sich einen schrecklichen Lärm hören. Das Geräusch deutet darauf hin, dass jemand mit weit geöffneter Auspuffklappe (oder, wie er sagen würde, scapamento) eilig heranfährt. Ziemlich nervös drückt der reisende Brite seine unhandliche Monsterdosis an den Straßenrand. Das furchtbare Geräusch entwickelt ein Crescendo, das wahrscheinlich mit einem Hupenobligato variiert wird. In diesem Moment wird ein absurd niedriger schwarzer Wagen mit einer unglaublichen Geschwindigkeit um die nächste Haarnadelkurve schwingen, auf der kurzen Geraden zur nächsten Kurve rasant beschleunigen, eine Sekunde innehalten, um dann wieder die Richtung zu ändern und mit einer Geschwindigkeit auf den Gipfel zu schießen, die die meisten Bergsteigerautos absurd aussehen lässt. Aufmerksamen Beobachtern wird außerdem auffallen, dass trotz der schlauchartigen, rauen Straße und der extremen Geschwindigkeit die Karosserie des Wagens absolut stabil bleibt und die Passagiere nicht wie Erbsen im Eimer herumgeschleudert werden. Es handelt sich bei diesem Wagen unbestreitbar um eine Lancia Lambda, und es gibt ausgezeichnete technische Gründe für die grossartige Leistung.

Der Continental-Tourist wird lernen, ihn auch unter ganz anderen Bedingungen zu verehren. Wenn er zum Beispiel auf einer ungeteerten italienischen Landstraße voller Schlaglöcher mit einem sündhaft teuren Fahrgestell, das unter ihm unangenehm ruckelt und schwankt, mit läppischen zwanzig Meilen pro Stunde oder so unterwegs ist, kann es passieren, dass er plötzlich den teuflischen Lärm (a) eines kraftvollen Motors mit offenem Auspuff bei hohen Drehzahlen und (b) einer abscheulich effizienten elektrischen Hupe mit permanent gedrücktem Knopf hört; und jemand – wahrscheinlich ein Sprössling des italienischen Adels – wird mit fünfzig, sechzig oder gar siebzig Meilen pro Stunde an ihm vorbeirasen. Auch dies wird ein Lancia sein; es gibt keinen Grund, einen empörten Blick auf den Kühler zu werfen, denn kein anderes Auto kann das.”

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Eine nicht untypische Lambda-Historie

Die für diesen Bericht porträtierte Lancia Lambda der achten Serie von 1928 hat eine umfangreich dokumentierte Geschichte. Er wurde als Chassis 18603 und mit “Torpedo Lungo”-Werkskarosserie auf langem Radstand (vermutlich) in die Schweiz ausgeliefert. Bis zum Zweiten Weltkrieg gehörte er mindestens vier Schweizer Besitzern. Während des Kriegs gehörte das Auto einer “Hausfrau” und fuhr im Raum Zürich. Nach dem Krieg wechselte der Wagen noch vier Mal den Eigner.

Lancia Lambda VIII Serie Torpedo Lungo (1928) - die späteren Serien hatten grössere Türen
Copyright / Fotograf: 

Bis lange in die Fünfzigerjahre diente die lange Lambda als Personen- und Lieferwagen. Für Transportaufgaben konnte der Aufbau hinter dem Fahrer und Beifahrer mit einer Holzbrücke ausgerüstet werden, die eine Ladefläche von 2,05 x 1,62 Metern und eine Nutzlast von 450 kg  bot. In kurzer Zeit konnte der Lancia von zwei Männern mit dem Pritschenaufbau vom Personenwagen in ein Nutzfahrzeug umgewandelt werden.

Während der Woche wurden damit Möbel oder Handwerkerutensilien transportiert, am Wochenende die Familie, auch in den Fünfzigerjahren noch!
Im Jahr 1992 übernahm der heutige Besitzer die damals bereits restaurierte Lambda, mit der er im Jahr 1993 am Klausen Rennen Memorial und 2015 an der Mille Miglia mitfuhr.

Ungebrochene Begeisterung für die Lambda nach dem Krieg … und bis heute

Am 1. September 1939, 18 Jahre nach den ersten Probefahrten des Lambda-Prototyps, begann der zweite Weltkrieg. Die Welt stürzte ins Chaos und erwachte erst am 2. September 1945 wieder  aus den Trümmern. Was würde aus der Lambda werden?

Die Begeisterung der Lambda-Besitzer ist nach dem Ende des zweiten Weltkrieges ungebrochen. Im Jahr 1947 hatte der britische Vintage Sports-Car Club - VSCC - 19 Mitglieder, die Lambda-Besitzer waren und aktiv an VSCC-Veranstaltungen teilnahmen. Lancia hatte eine Fabrik in Alperton im Nordwesten Londons, und die ehemaligen Mitarbeiter hatten sich selbstständig gemacht und boten auch Dienstleistungen für die Lambda an, insbesondere um die Leistung der Lambda im Rennsport zu verbessern. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren war die Lambda im britischen Rennsport erfolgreich unterwegs, und es gab ein großes Knowhow über die Lambda-Technik. Mutige Lambda-Besitzer scheuten sich nicht, mit ihren Lambdas weite Reisen zu unternehmen, um an Rallyes in Italien teilzunehmen, wie der Rallye della Laguna in Venedig 1964, der Rallye Varese 1966 oder der Coppa Monza 1968. Diese Fahrten und die Teilnahme an Kundgebungen sind filmisch dokumentiert und können noch heute bewundert werden.

John Vessey gründete zusammen mit John Turner das Lambda Consortium (LC), das seinen Mitgliedern bis heute eine Reihe von Lambda-Ersatzteilen anbietet. Sie stellten die damals gewonnenen Erkenntnisse der Lambda in Form von 9 Bulletins zur Verfügung, die sie an die Mitglieder verteilten.

In den Vereinigten Staaten wurde 1956 der American Lancia Club gegründet mit dem Ziel, die Mitglieder bei der Nutzung und Pflege aller Lancia-Modelle ab 1906 zu unterstützen. Hayden Shepley, der erste Präsident des Lancia Clubs, setzte sich besonders für die Nutzung und Pflege des Lambda ein.

In Italien gab es 1969 in Biella ein erstes Treffen von Lancia-Club-Enthusiasten, an dem auch Lambdas teilnahmen. Im Jahr 1972 wurde der Lancia Club in Italien gegründet. 1972 gab es in Italien ein großes Treffen zum 50-jährigen Bestehen der Lambda, und tatsächlich waren Lambdas aus vielen Ländern in Turin zu sehen. Im Jahr 1981 gab es eine Veranstaltung zum 100. Geburtstag von Vincenzo Lancia, bei der natürlich auch Lambdas aus verschiedenen Ländern anreisten. In den Siebzigerjahren wurden weitere Lancia-Clubs gegründet, 1973 in der Schweiz und Holland, 1978 in Deutschland und 1980 in Frankreich. 1991 organisierte der italiensche Lancia Club eine Veranstaltung zum 70-jährigen Jubiläum der Lambda in Turin. Aus diesem Anlass wurde am Moncensio eine Gedenktafel angebracht, die an den ersten Test des Lambda-Prototyps am 1. September 1921 erinnert.

Als Teilnehmer dieser Turiner Veranstaltung fuhren Pat Ure, Harry Scott und Ian Young von Turin nach Fobello, dem Geburtsort von Vincenzo Lancia, und hatten die Idee, alle Lambdas der Welt alle 5 Jahre zu einem Treffen in Fobello einzuladen. Diese Idee besteht unter dem Namen "Amici della Lambda" noch heute. In den Jahren 1996 und 2001 organisierte Pat Ure diese Treffen, 2006 (siehe Foto), 2011 und 2016 war es der Organisator Jonathan Wood und im Jahr 2022 wird die Veranstaltung in Fobello (wegen der Pandemie von 2021 auf 2022 verschoben) von Alison Ure, der Tochter von Pat Ure, organisiert.

Im November 1990 gründete Romano Bagnoli das RILL (Registro Italiano Lancia Lambda) mit seit 1998 jährlichen Treffen, 2021 in der Toscana mit mehr als 20 Lambdas.

Lancia Lambda Serie Vlll (1928) - Klasse A 06 - Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2019
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Im Jahr 2000 erschien das erste Buch, das sich ausschließlich mit der Lambda beschäftigte: 'Lambda l’eccezionale' von Oscar Capellano. Im Jahr 2001 erschien ein zweites Buch, das ebenfalls dem Lambda gewidmet ist: "Capolavoro – the design, development and production of the Lancia Lambda" von Bill Jamieson. Ab 2020 war dieses Buch in der zweiten Auflage in Englisch und Italienisch "Capolavoro – progettazione, sviluppo e produzione della Lancia Lambda" erhältlich, das Standardwerk schlechthin.

Ende 2011 haben Bill Jamieson und Joachim Griese (der Mitautor dieses Berichts) das Lambda World Register (LWR) gegründet, um mit den nun zur Verfügung stehenden technischen Mitteln die Kommunikation zwischen Lambda-Eignern auf der ganzen Welt zu verbessern und allen Mitgliedern, soweit möglich, das Wissen über die weltweit existierenden Lambdas zur Verfügung zu stellen. Das LWR hat keine kommerziellen Interessen, und die Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, die - auch - am Lambda interessiert sind, wie z.B. den Lancia Clubs, funktioniert gut.

Beim Aufbau des LWR war es eine große Hilfe, dass John Turner im Lambda-Consortium bereits ein Register von rund 200 Lambdas weltweit zusammengestellt hatte und diese Daten dem LWR freundlicherweise zur Verfügung stellte. Jonathan Reeve hat freundlicherweise auch die 9 Bulletins des Lambda-Konsortiums aktualisiert und dem LWR zur Verfügung gestellt. Gegen Ende des Jahres 2012 waren bereits Daten zu über 300 Lambdas und deren Besitzern im LWR verfügbar. Es wurde beschlossen, ab 2013 einen LWR-Newsletter vierteljährig zu verteilen und, um Sprachbarrieren zu überwinden, in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch. Die Artikel reichten von aktuellen Berichten über Lambda-Treffen, verfügbare Ersatzteile und Lieferanten, Beschreibungen von Reparaturen und Restaurierungen bis hin zu historischen Artikeln. Bis Mitte 2021 erschienen bereits 35 Ausgaben des LWR-Newsletters in den oben genannten Sprachen erschienen. Seit 2013 gibt es auch die LWR Website – in 4 Sprachen – mit einem öffentlichen und einem nur für Mitglieder zugänglichen Teil.

Seit 2014 stehen den LWR-Mitgliedern Kopien vieler technischer Originalzeichnungen von Lambda zur Verfügung. Mit ihnen lassen sich Ersatzteile für die Lambda mit den richtigen Abmessungen, dem Material und anderen Eigenschaften originalgetreu herstellen und somit Reparaturen und Restaurationen mit einem hohen Qualitätsstandard durchführen.

Lancia Lambda (1927) - Tag 19 - Perm - Kazan - Rallye Peking-Paris 2016
Copyright / Fotograf: Gerard Brown

Auch im sportlichen Bereich ist die Lambda wieder mit dabei. Bei der Mille Miglia 2021, der neununddreißigsten Wiederauflage des historischen von 1927 bis 1957 ausgetragenen Rennens in Italien, belegte das Team Andrea Luigi Belometti/Gianluca Bergomi den zweiten Gesamtrang.
Der italienische Lancia Club organisiert mit Hilfe des RILL und des LWR vom 31. August bis 5. September 2021 die Lambda-Hundertjahrfeier in und um Turin.

Im Lambda-World-Register sind per Juni 2021 über 400 Lambdas erfasst, mit 113 Autos in Italien, 84 in Australien, 30 in der Schweiz und 17 in Deutschland zeigt sich, wo die Freude an der Lambda am grössten ist.

Lancia Lambda der 8. Serie auf dem roten Teppich
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Man rechnet, dass heute weltweit mehr als 300 Lambdas noch regelmäßig auf den Straßen unterwegs sind. Diese Lambdas umfassen fast alle einst gebauten Lancia Lambda Modelle und mehr als 20 Varianten der nicht von Lancia karossierten Lambdas. Die Begeisterung von Lambdaliebhaber wird dazu beitragen, dass es in Zukunft noch mehr werden.

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von sp******
07.09.2021 (13:10)
Antworten
Lancia hat die "Einzelrad-Aufhängung" vorn, eine Geradweg-Federung, von dem Apollo 1920, von Karl Slevogt erfunden und konstruiert, übernommen.
diese Vorderachs-Konstruktion wurde 1921 beim Rennen auf der Opel-Bahn eingesetzt und dies ist bestens dokumentiert.
Während Slevogt noch eine Querblatt-Fedder mit hinteichender Eigendämpfung einsetzte, verwendete Lancia Schraubenfedern und benötigte daher zusätzlich Stoßdämpfer (Schwingungsdämpfer), aber die Konstruktion, Starrachse mit Geradeweg-Federung an den Achsenden, ist die gleiche.
Diese Tatsache wird LEIDER von den Lancia-Fetischisten saytematisch totgeschwiegen.
Antwort von is******
07.09.2021 (16:27)
Solche Einzelradfederungen gibt es schon seit Anfang des Jahrhunderts, siehe z.B. Sizaire & Naudin. Hatten auch eine Querblattfeder.....
An sich ist Einzelrad-Aufhängung also keine Erfindung von Lancia, die Ausführung war aber besonders gelungen, und hat bis zur Appia in den 60ern bestens funktionniert.
von is******
07.09.2021 (08:54)
Antworten
Danke für den schönen und ausführlichen Bericht!
Zwei kleine Bemerkungen noch:
Der Tipo 79 Motor wurde bei der 8. Serie eingeführt, nicht bei der 9. Bei der 9. Serie bekam dann der Tipo 79 Motor eine Zündspule, statt der bisher verwendeten Magnetzündung.
Die grosse Anzahl von überlebenden Lambdas in Australien zeugt von der sehr geeigneten Konstruktion des Fahrzeugs für die dort üblichen ungeteerten Strassen. Sogar die Polizei war bis in den fünfziger Jahren mit Lambdas unterwegs.
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