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Jaguar XK8 - englische Schmuse-Katze mit Alltagsqualitäten

Erstellt am 11. April 2017
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
40
Jaguar XK8 (1997) - auch heute noch für hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten gut
Jaguar XK8 (1997) - mit 1,83 Metern Breite gehörte der XK8 nicht zu den kompakten Sportwagen
Jaguar XK8 (1997) - als das Tagfahrlicht noch nicht erfunden war
Jaguar XK8 (1997) - die Übersichtlichkeit im Jaguar ist besser als bei manchem modernen Kompaktfahrzeug
Jaguar XK8 (1997) - etwas mehr V8-Grollen würde man heute vielleicht durchaus schätzen
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In der Klassikerwelt ist der Jaguar XK8 noch nicht angekommen. Vielleicht liegt es daran, dass man ihn noch häufig auf der Strasse sieht. Vielleicht liegt der Grund auch darin, dass er bis ins Jahr 2005 neu ab dem Band lief. Die ersten XK8 aber sind bereits über 20 Jahre alt, also veritable Youngtimer, denn vorgestellt wurde der Sportwagen bereits 1996.

Bild Jaguar XK8 (1997) - man merkt ihm die 20 Jahre eigentlich kaum an
Jaguar XK8 (1997) - man merkt ihm die 20 Jahre eigentlich kaum an

Stufenweise Vorstellung

Im März 1996 stand der Nachfolger des über 20 Jahre gebauten XJ-S als Coupé auf dem Genfer Automobilsalon, einen Monat später präsentierte man in New York das Cabriolet. Bis die ersten Kunden ihren XK8 übernehmen konnten, vergingen dann aber weitere vier Monate, denn erst im Oktober 1996 wurden die ersten Fahrzeuge ausgeliefert.

Stilistisch in der Tradition von E-Type und XJ220

Was die Betrachter am Genfer Salon zu sehen bekamen, hatte mit dem Vorgänger XJ-S nichts mehr zu tun, dafür hatte Geoffrey Lawson gesorgt. Er wollte sich eher am klassische E-Type und am Supersportwagen XJ 220 orientieren.

Bild Jaguar XK8 (1997) - das Heck war damals einigen Kritikern zu plump
Jaguar XK8 (1997) - das Heck war damals einigen Kritikern zu plump

Fliessende Linien, relativ lange Überhänge und elegant integrierte Scheinwerfer kennzeichneten den neuen Sportwagen, dem im Windkanal ein cw-Wert von 0.35 (Coupé) attestiert wurde.

Vorne erinnerte der Lufteinlass an den seligen E-Type, mit dem der XK8 ansonsten aber rein gar nichts gemeinsam hatte. 

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Kompromisse bei der Struktur

Der intern X100 genannte Sportwagen war in Rekordzeit entwickelt worden. Erst im Frühjahr 1993 (andere Quellen nennen allerdings 1991/1992) hatten die Arbeiten begonnen, aus finanziellen Gründen musste die Plattform des Jaguar XJ-S wiederverwendet werden. Dies bedeutete nur 2,59 Meter Radstand, aber auch die nachwievor zeitgemässen Einzelradaufhängungen mit Doppelquerlenkern vorne und mit Quer- und Längslenkern hinten.

Gebremst wurde natürlich rundum mit Scheiben, die direkt agierende Zahnstangenlenkung war servo-unterstützt.

Die bei den ersten Exemplaren kritisierte Hochbeinigkeit wurde noch vor Serienstart durch Absenken des Hecks um 20 mm kuriert.
“Der XK8 reagiert feinfühlig und agil auf Lenkbewegungen, sticht freudig in Kurven und tut so, als wäre er eine Nummer kleiner und leichter. Dabei beschränkt er sich auf ein mildes Untersteuern, lässt sich aber (bei abgeschalteter Antriebsschlupfregelung) auch zu sanftem Übersteuern überreden”, bemerkte Wolfgang König nach seiner Fahrt im Cabrio in seinem Bericht für Auto Motor und Sport im Herbst 1996. Das Coupé konnte alles noch eine Spur besser, denn es wirkte deutlich steifer und glänzte mit sehr geringen Windgeräuschen.

Auf den US-Markt ausgerichtet

Dass man das neue Flaggschiff mit Blick auf den amerikanischen Markt entwickelt hatte, war nicht nur an der serienmässigen Fünfgang-Automatik und der serienmässigen Klimatisierung, sowie der zahlreich verteilten elektrischen Helferlein spürbar, sondern auch am überaus stattlichen Kofferraum mit 327 Liter Volumen, der die zwei obligatorischen Golftaschen locker schlucken konnte, gleichzeitig aber zu einem ziemlich fetten Hintern führte.

Bild Jaguar XK8 (1997) - mit 1,83 Metern Breite gehörte der XK8 nicht zu den kompakten Sportwagen
Jaguar XK8 (1997) - mit 1,83 Metern Breite gehörte der XK8 nicht zu den kompakten Sportwagen

Dies wiederum schlug sich in durchaus beträchtlichen Aussenabmessungen nieder, mit einer Länge von 4,79 und einer Breite von 1,83 Metern überragte der XK8 seinen Konkurrenten SL aus Sindelfingen doch beträchtlich.

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Prachtstück von einem Motor

Musste sich der XK8 mit dem bisherigen Fahrgestell des XJ-S bescheiden, so erhielt er dafür einen komplett neuen Motor. Dieser wies acht Zylinder in V-Form auf, die sich dem Hubraum von vier Litern (3996 cm3) teilten. Zwei obenliegende Nockenwelle pro Zylinderbank und vier Ventile pro Zylinder stellten sicher, dass dem nur rund 200 kg schweren Motor auch mit 284 katalysatorgereinigten Pferdestärken noch nicht die Luft ausging. “Er säuselt geschmeidig und dreht munter bis auf 6800 U/min, muss aber nicht, weil er auch unten herum ordentlich durchzieht”, notierte Wolfgang König.

Bild Jaguar XK8 (1997) - nur gerade 200 kg schwer ist der V8-4-Liter-Motor
Jaguar XK8 (1997) - nur gerade 200 kg schwer ist der V8-4-Liter-Motor

Noch nicht einmal ein Schluckspecht war das gute Stück, rund 14 Liter reichten einem forciert gefahrenen Coupé zur schnellen Fortbewegung, wenn man es weniger eilig hatte, liessen sich sogar Verbräuche unter zehn Litern bewerkstelligen. 

Preisgünstig

DM 112’500 kostete das XK8 Coupé im Herbst 1996, das war rund 90’000 DM weniger als sein naher Verwandter Aston Martin DB7 kostete, der ebenfalls von den Genen des XJ-S zehrte. Kein Wunder liess der Jaguar den Aston in einem Vergleichstest im Spätherbst 1996 alt aussehen, nur gerade in den Fahrleistungen hatte der kräftigere DB7 (335 PS) einen geringen Vorteil. Mit 6,7 Sekunden für den Spurt von 0 bis 100 km/h (Aston 6.3 s) und 251 km/h (Aston 269 km/h) schlug sich der mit 1680 kg etwas leichtere Jaguar (Aston 1752 kg) aber selbst in dieser Disziplin achtbar.

Allerdings kam der Jaguar auch deutlich zahlreicher auf die Welt, 15’000 Exemplare pro Jahr waren geplant. Soviele sollten es allerdings nie werden, der Höchstausstoss wurde im Jahr 1997 mit 14’929 XK8-Varianten verbucht, im Schnitt waren es eher 10’000 Fahrzeuge, wie die bis 2006 laufende Gesamtproduktion von 90’064 Exemplaren nahelegt. Davon entfielen übrigens 19’748 auf das Coupé XK8, beeindruckende 23’556 Fahrzeuge trugen die XKR-Typenbezeichnung, die ab 1998 für 363 Kompressor-PS stand.

Unauffällige Eleganz

Eigentlich fällt dem Fahrer kaum auf, dass er in einem über 20-jährigen Auto sitzt, wenn er den XK8 pilotiert. Dank der guten Servolenkung wird gemütliches Touren zum Genuss. Die Federung ist besser als bei manchem neuzeitlichen Konkurrenten, die Sitze stützen gut, die Sitzposition ist bequem.

Bild Jaguar XK8 (1997) - zwei Airbags waren von Anfang an an Bord
Jaguar XK8 (1997) - zwei Airbags waren von Anfang an an Bord

Der Motor lässt seine fast 300 PS sanft auf die Hinterachse los, die Fünfgang-Wandler-Automatik lässt kaum Hektik erkennen. Man fühlt sich eigentlich eher wie in einem Luxus-Coupé als in einem Sportwagen, unterstützt von einem Interieur-Ambiente, das Jeremy Clarkson einst mit dem Blenheim Palace verglich.

Bild Jaguar XK8 (1997) - luftige Kabine
Jaguar XK8 (1997) - luftige Kabine

Selbst die Rundumsicht erscheint heute, da die meisten Autos weit hinauf zugemauert sind, überdurchschnittlich gut.
Ja, man könnte es sich eigentlich gut vorstellen, sofort auf eine 1000-km-Urlaubs-Reise zu gehen mit dem Coupé, im Kofferraum wäre genug Platz und mit grosser Wahrscheinlichkeit würde man auch ausgeruht ankommen. Auch dies konnte nicht jeder damalige (oder heutige) Konkurrent bieten.

Bild Jaguar XK8 (1997) - Markenschriftzug auf dem Heck
Jaguar XK8 (1997) - Markenschriftzug auf dem Heck

Preislich sind gebrauchte XK8 Coupés und Cabriolets heute bereits für erstaunlich geringes Geld zu kaufen, allerdings sollte man sich genügend Reserven für allfällige Reparaturen auf die Seite legen, denn jene sind heute auch nicht günstiger als damals, als man sich den Wagen für eine sechsstellige Summe in die Garage stellte.

Bild Jaguar XK8 (1997) - fährt sich leicht und entspannt
Jaguar XK8 (1997) - fährt sich leicht und entspannt

Wir danken der Oldtimer Galerie in Toffen , die den Wagen am 29. April 2017 versteigert , für die Gelegenheit zum Fotoshooting.

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Weitere Informationen

  • Auto Motor und Sport Heft 7/1996, ab Seite 8: Vorstellung Jaguar XK8
  • Auto Motor und Sport Heft 21/1996, ab Seite 152: Erster Test Jaguar XK8 (Cabriolet)
  • Auto Motor und Sport Heft 25/1996, ab Seite 78: Vergleichstest Aston Martin DB7 und Jaguar XK8
  • Auto Motor und Sport Heft 22/1999, ab Seite 80: Langstreckentest Jaguar XK8 Cabriolet (100’000 km)

Bilder zu diesem Artikel

Bild Jaguar XK8 (1997) - Markenschriftzug auf dem Heck
Bild Jaguar XK8 (1997) - Typenschriftzug auf dem Heck
Bild Jaguar XK8 (1997) - mit 1,83 Metern Breite gehörte der XK8 nicht zu den kompakten Sportwagen
Bild Jaguar XK8 (1997) - die Luftöffnung sollte an den E-Type erinnern
Bild Jaguar XK8 (1997) - als das Tagfahrlicht noch nicht erfunden war
Bild Jaguar XK8 (1997) - die Übersichtlichkeit im Jaguar ist besser als bei manchem modernen Kompaktfahrzeug
Bild Jaguar XK8 (1997) - etwas mehr V8-Grollen würde man heute vielleicht durchaus schätzen
Bild Jaguar XK8 (1997) - gestern ein teures Luxuscoupé, heute schon ein günstiger Youngtimer
Bild Jaguar XK8 (1997) - fährt sich leicht und entspannt
Bild Jaguar XK8 (1997) - bei Landstrassen-Tempo etwas unterfordert
Bild Jaguar XK8 (1997) - in 6,7 Sekunden von 0 bis 100 km/h
Quelle:
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von wa******
18.04.2017 (21:39)
Antworten
Weitere Schwachstellen sind Wasserpumpe und Vorderachse. Letztere verschleisst schnell, zu schnell! Getriebestörungen hatte ich auch schon.
Ich habe mein XK8 Coupé von '97 gegen einen zehn Jahre jüngeren XKR Convertible eingetauscht. Hier handelt es sich bekanntlich um die Nachfolge der XK-Modelle, die heute nicht mehr produziert werden. Es bleibt nur noch der F Type.
von ss******
18.04.2017 (14:57)
Antworten
Der XK8/XKR (X100) hat nichts mit dem XJS gemein. Auch die Vorderachse, Rahmenträger in Alu, und die Hinterachse stammen nicht vom Vorgänger. Der Aston Martin DB7 hingegen hat die alte Bodengruppe samt Vorder- und Hinterachse des Jaguar XJS!
Schwachstellen stammen allemal von deutschen Unterlieferanten: Kettenspanner von Sachs, Nikasilbeschichtung der Zylinder von Mahle und Automatikgetriebe von ZF!
Mfg. U.Haehnle
Antwort von Helmut Hostettler
16.11.2021 (22:01)
Favicon
Im Gegensatz zu den meisten heute verkauften Autos scheint ein Jaguar eine Seele zu haben. Von dieser Seite betrachtet kommt ihm ein Alfa Romeo am nächsten. Ich freue mich jedes Mal eines dieser Prachtstücke vorbei fahren zu sehen und einen gepflegten Sound, wenn auch nur kurz, zu geniessen.
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