Familienkutsche und Sportcoupé – Jaguar 3.8 S im (historischen) Test
Zusammenfassung
Zum Modelljahr 1964 füllte Jaguar die Lücke zwischen Mark II und Mark X mit dem S-Type. Die neue Mitte verband sowohl optische als auch technische Merkmale beider Geschwister zu einer äusserst überzeugenden Sportlimousine: schnell, geräumig, spurstabil und komfortabel. Im damaligen Test, der hier im Originalwortlaut wiedergeben und mit historischen Aufnahmen ergänzt wird, schnitt der Jaguar 3.8 S hervorragend ab.
Dieser Artikel enthält folgende Kapitel
- Leise und leistungsfähig
- Einzeln aufgehängt
- Spurtreu und sicher
- Geschmackvoll und geräumig
- Vielseitig und sparsam
- Technische Daten und Meßwerte
Geschätzte Lesedauer: 11min
Leseprobe (Beginn des Artikels)
Wenn Sie geglaubt haben, der Jaguar S wäre ein verschönerter Mark 2, dann möchte ich Ihnen raten, das zu vergessen. Es wird Ihnen nicht schwer fallen, wenn Sie erst einmal den "S" gefahren haben. Er ist ein völlig neues Auto, eine "Sport-Limousine", falls Sie mir diesen Ausdruck erlauben, und falls es je so etwas gegeben hat. Wo liegt nun dieser große Unterschied zum Mark 2? Zunächst einmal ist die Starrachse verschwunden. Für die "S"-Modelle wurde die Einzelradaufhängung der "E"-Type und des Mark X verwendet. Das macht sich nicht nur in der Straßenlage, sondern auch platzmäßig bemerkbar. Es wurde fühlbar an Raum gewonnen, abgesehen davon, daß der "S" sowieso etwas größer ist als der Mark 2. Dazu kommen eine neue, außergewöhnlich günstige Getriebeabstufung, ein neues Be- und Entlüftungssystem und zahlreiche Detailverbesserungen, die den Jaguar "S" zu einem ungewöhnlichen Auto machen.
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Und Mercedes hatte bezüglich Laufkultur weder Jaguar noch BMW einen ebenbürtigen Sechszylinder entgegenzusetzen.
Der Schwachpunkt aller Briten war die unsägliche Lucas-Elektrik mit Fehlerraten bei Neuteilen von bis zu 40%. Das etwas kurzsichtige Geschäftsmodell von Lucas bestand darin, schlechte Erstausrüstungsteile billig zu liefern und dann nach Ablauf der Garantie eine goldene Nase mit ebenso schlechten Ersatzteilen zu verdienen.
Für Oldtimerfahrer heute kein Problem: die unsichtbaren Lucas-Komponenten kann man durch Bosch und Nippondenso ersetzen (bewährt hat sich auch der holländische Zündverteiler mit Bosch-Spule und NGK-Kerzen und -Zündgeschirr)
Bleiben die Lucas-Kippschalter- davon hat man immer einen Satz im Handschuhfach.
Alles maschinenbauliche im Jaguar ist robust und hält bei guter Pflege ewig, soferne der Wagen vor 1973 oder nach 1983 gebaut wurde.
Es gilt wie immer der alte weise Indianerspruch: Urteile nie über einen Menschen, wenn Du nicht einen Tag in seinen Mokkasins gelaufen bist.
Das gleiche möchte ich jedem Mercedes-Fahrer empfehlen was die Erfahrung mit dieser S-Type Limousine angeht.
Das Thema Zuverlässigkeit und Fahrvergnügen liegt in erster Linie in der Hand des Besitzers des Jaguar-Oldtimers. Regelmäßig nach dem Original-Wartungsplan inspiziert und zwischendurch auch die Stecker der Elektrik kontrolliert auf Korrosion, müsste schon der Teufel im Detail liegen.
Probleme von unzuverlässigen Jaguar Limousinen der 60er Jahre sind auf Werkstätten zurückzuführen, die sich zu wenig Mühe geben, schlecht ausgebildetes Personal haben, denen die Erfahrung mit alter Technik fehlt usw.
Ein weiterer Grund für Ärger dürfte die zu klein geratene Portokasse des Besitzers sein. Oldtimer pflegen zu lassen kostet halt Geld und die alte Technik ist zwar langlebig und lässt sich oft reparieren oder neu aufbauen, doch die alten Agregate sind ja auch einem gewissen Verschleiß unterworfen.
Das Beste was man seinem S-Type antun kann ist, ihn möglichst oft zu fahren, zu putzen und auch von unten selber zu inspizieren. Und natürlich den Austausch mit Gleichgesinnten pflegen, wie z.B. in der Jaguar-Association Germany.
Übrigens hat mein S-Type Bj. 1967, Schalter mit Overdrive, serienmäßige Kontaktzündung auf einer Schottland-Reise in diesem Jahr auf rund 3.000 Km
im Schnitt einen Verbrauch von 13,6 l / 100Km erzielt. ( 2 Personen - viel Gepäck )
Schlussendlich muss es auch Geheimtipps geben unter den Oldtimern: so wie den JAGUAR S-Type.
Doch das können nur die Genussfahrer verstehen, die über ein paar Jahre selber das Vergnügen hatten, diese herausragende Limousine zu bewegen.
Genug des Lobliedes - als Sportwagen möchte ich meinen S-Type nicht sehen, eher als den eleganten Gleiter, in dem sich auch lange Strecken sehr komfortabel zurücklegen lassen.


















































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