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Honda Z600 Coupé - das Bonsai-Stadtcoupé, das kaum jemand kennt

Erstellt am 12. Oktober 2017
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Bonhams 
14
Honda 
3
Bob DuHamel Rsduhamel - CC BY-SA 3.0 
1
Archiv 
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Wie müsste der ideale Stadtwagen aussehen, fragten sich smog- und staugeplagte Autofahrer in den frühen Siebzigerjahren. Honda hatte die Antwort und die hiess “Z”, genauer Honda Z 600. Nur gerade 3,12 Meter lang war der als Coupé angepriesene Kleinwagen und doch bot er vier Personen Unterschlupf und aufwändige Motorentechnik. Und er gab sich mit sechs bis acht Liter Benzin pro 100 km und mit den kleinsten Parkflächen zufrieden. Vor 45 Jahren!

Honda Z600 (1972) - definitiv kompakt
Copyright / Fotograf: Bonhams

Vom “Kei Car” zum amerikatauglichen Coupé

Bereits 1967 begann Honda, einen viersitzigen Kleinwagen namens N360 zu vermarkten. Dieser war ein sogenannter “Kei Car”, also ein Leicht-/Kompaktfahrzeug, das in Japan besonders günstig besteuert wurde. Die Typenbezeichnung wies auf den nur 354 cm3 grossen Hubraum des verwendeten luftgekühlten Zweizylindermotors hin. Für Exportmärkte wurde dem N360 der N600 zur Seite gestellt, der 598 cm3 aufwies damit flotter beschleunigen konnte. Mutige Autojournalisten beschleunigten den Kleinwagen auf über 120 km/h!

Honda N 600 (1967) - optisch unterschieden sich N 360 und N600 kaum
Copyright / Fotograf: Honda

Der N600 wurde auch in Europa und in den USA verkauft. In grosszügigen Annoncen wurde der N600 1968 in Deutschland beworben und seine Nähe zum erfolgreichen Honda-Formel-1-Wagen angepriesen: “Formel 1 für jedermann - Erfahrungen aus Formel-1-Rennen stecken in jedem N 600 (Honda: Grand Prix Sieger in Monza). 42 PS. Von 0 auf 100 km/h in 17 sec. 135 km/h Dauerspitze. Obenliegende Nockenwelle. Vierfach gelagerte Kurbelwelle.”

1971 erhielt er der N600 einen Bruder namens Z600 mit einem damals moderner empfundenen Kleid und Coupé-Charakter.

Honda Z600 Coupé (1972) - japanischer Verkaufsprospekt
Zwischengas Archiv

Die Europäer kriegten das Honda Coupé im Oktober 1971 am Pariser Autosalon erstmals zu sehen. Die Automobil Revue berichtete damals:
“Neu für das europäische Publikum ist am Pariser Salon des weitern der Honda «Z» 600. Der jüngste Fronttriebler von Honda verkörpert einen ausgesprochenen Kleinwagen - Länge 3,12 m, Breite 1,30 m, Gewicht 595 kg -, dessen gedrungener Aufbau mit Steilheck und aufklappbarem, riesigem «Heck-Bullauge» vier Personen Platz bietet und einen luftgekühlten 600-cm3-Zweizylinder mit obenliegender Nockenwelle und 36 PS Leistung bei 6000 U/min verhüllt. Dass dieser äusserst kompakte Stadtwagen, dessen Ausstattung neben elektronischem Drehzahlmesser selbst Scheibenbremsen vorn und Bremsservo umfasst, bei einem Preis von 9500 F bei den in Paris ansässigen, geplagten Automobilisten ebenso grosses Interesse findet wie der praktisch gleich teure Fiat 127, ist leicht verständlich."

Hightech für das Bonsai-Coupé

Beim Z600 hatten die Japaner aus dem Vollen schöpfen können. Natürlich übernahmen sie die Technik und die Grundkonzeption des N600. Somit verfügte auch der Z600 über eine steife, selbsttragende Karosserie und denselben Leichtmetall-Zweizylinder mit obenliegender Nockenwelle, Luftkühlung und Keihin-Vergaser.

Honda Z600 (1972) - luftgekühler Zweizylinder, längs eingebaut
Copyright / Fotograf: Bonhams

Bei einer Verdichtung von 8.5:1 entwickelte die amerikanische Version rund 36 PS bei 6000 Umdrehungen. Während die Vorderräder an McPherson-Federbeinen aufgehängt waren, sorgte hinten eine Starrachse mit Blattfedern für die Radführung. Eine Zahnstangenlenkung stand für Richtungsänderungen zur Verfügung, gebremst wurde mit Scheiben vorne und Trommeln hinten. Ein Vierganggetriebe brachte die Kraft auf die Vorderräder, so dass kein Kardantunnel nötig war.

Honda Z600 (1972) - für das Reserverad gibt es eine eigene Öffnung
Copyright / Fotograf: Bonhams

Mit weniger als 600 kg Leergewicht und kompakten Dimensionen (Länge 312 cm, Breite 129.5 cm, Höhe 129,5 cm) stand nichts einem sparsamen Verbrauch im Wege. Die kleinen Räder mit 10-Zoll-Felgen hatte der Honda mit dem Mini gemeinsam. Wie schon beim N600 gab es auch zum Coupé eine 0,36-Liter-Variante namens Z360, deren Motor seine Höchstleistung erst bei 9000 Umdrehungen abgab. Diese Variante fand ihren Weg aber kaum in den Westen.

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Drehorgel

Zwar riet die Betriebsanleitung vom Aufsuchen des roten Drehzahlbereichs (ab 6000 Umdrehungen) in deutlichen Worten ab, dies schien aber die damaligen Testfahrer der Automobilzeitschriften kaum zu stören. Auf diese Weise liessen sich dem kleinen Motor auch durchaus zeitgemässe Fahrleistungen entlocken. Den Sprint auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h) etwa dauerte rund 24 Sekunden, als Höchstgeschwindigkeit wurden rund 120 km/h notiert. Ein Tester kommentierte dabei, dass das Einhalten der Maximaldrehzahl (6000 Umdrehungen) die Beschleunigungszeit auf 60 Meilen pro Stunde um vier Sekunden verlängere.

Überraschend dabei war, dass die kleinere Version mit 0,36 Liter Hubraum kaum langsamer war! Dafür war sie sicherlich lauter, doch der Geräuschkomfort überzeugte auch bei der 0,6-Liter-Variante nicht, der Motor sass halt arg nahe vor den Passagieren und allzu viel Geräuschisolation war nicht vorhanden. Dies störe allerdings mehr bei gleichmässiger Geschwindigkeit als beim Beschleunigen, befand die Zeitschrift Motor Trend im Jahr 1972.

Die Platzverhältnisse wurden vor allem in Anbetracht der geringen Aussenmasse gelobt, obschon niemand ernsthaft daran dachte, im kleinen Honda mit vier Personen in den Urlaub zu reisen. Die Schaltung sei etwas gewöhnungsbedürftig, befanden einige der Testfahrer, obschon die Vorwärtsgänge einem normalen H-Schema folgten.

Für Kritik sorgten der nicht immer befriedigende Geradeauslauf und die (zumindest anfängliche) Beschränkung auf eine Farbe, nämlich einen Orange-Farbton. Für Lob sorgte dafür der via Heckfenster gut zugängliche Kofferraum, der darüber hinaus durch Umlegen der Rücksitzlehne noch vergrössert werden konnte. Zudem verfügte der Wagen über Sicherheitsgurten und eine für den Preis mehr als angemessene Ausstattung.

Honda Z600 Coupé (1972) - all dies unter einem Dach (Werbung)
Zwischengas Archiv

Die Isetta der Siebzigerjahre?

Hemmings nannte den Z600 vor rund 15 Jahren die “Isetta der Siebzigerjahre”, machte allerdings die Zusatzbemerkung, dass dies noch niemand bemerkt habe. Daran dürfte sich nur wenig geändert haben seither, denn das schnucklige Coupé hat es noch kaum je in eine hiesige Oldtimer-Zeitschrift geschafft und auch als Investitionsmöglichkeit hat sich der Honda noch nicht etabliert. Dabei wurden bis Ende 1972 nur sehr geringe Mengen dieser Autos verkauft in Europa und noch viel weniger dürften sich heute noch in fahrfähigem Zustand befinden.

Als der Honda Civic mit wassergekühltem Vierzylindermotor damals herauskam, interessierte sich kaum mehr jemand für seinen Miniatur-Vorgänger. Daran änderte auch die Rekordfahrt eines Z600 Coupés namens “Evil Tweety” auf den Salzseen von Bonneville nichts, obwohl dieses Seriencoupé mit leicht vergrössertem Motor dort im Jahr 2008  beeindruckende 104 Meilen Pro Stunde (167 km/h) schaffte.

Honda Z600 Coupé (1972) - "Evil Tweety" in Bonneville im Jahr 2009
Copyright / Fotograf: Bob DuHamel Rsduhamel - CC BY-SA 3.0

Einer von wenigen Überlebenden

Das für diesen Artikel portraitierte Coupé stammt aus dem Jahr 1972 und wurde komplett restauriert. Bonhams bietet den Honda Z600 mit Chassisnummer 1009818 anlässlich der Padua-Versteigerung ohne Mindestpreis an.

Honda Z600 (1972) - sportliches Aussehen
Copyright / Fotograf: Bonhams

Als Wert wurden EUR 18’000 bis 24’000 (CHF 21’000 bis 28’000) was sicher kein Pappenstil für den Kleinwagen ist, aber angesichts des Zustands durchaus realisierbar erscheint, zumal kaum noch derartige Autos hierzulande zu finden sind.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von bu******
18.10.2017 (11:00)
Antworten
Unter Bild 10 steht: Honda Z600 (1972) - der Tacho reicht bis 160 km/h.
Ich lese dort 200 km/h.
Antwort von mi******
18.10.2017 (17:25)
Die Ziffern und Indexe hinter der 160 sehen aber irgendwie aus wie nachträglich ergänzt...
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